Ratgeber für das Erlernen von Vibrato auf der Violine

Vibrato auf der Geige lernen: Tipps und Tricks für den schönen Klang

Foto: Shutterstock von O_Voltz

Ein besonderes und unbedingt übliches Stilmittel auf der Violine ist das Vibrato. Das verlangt schon nach einer guten Kontrolle und Koordination der Finger. Dieser Artikel behandelt alles, was du zum Thema Vibrato beim Geigenspiel wissen musst.

Check it: Wie du das Vibrato auf der Geige lernst:

  • Der richtige Zeitpunkt für den Anfang
  • Überlegungen und Vorbereitungen
  • Übungen trocken und auf dem Instrument
  • Einsatz des Bogens
  • Sinnvolle Selbst- und Pädagogen-Kontrolle

Das Vibrato ist in der Musik weit verbreitet – egal ob im Gesang, in der elektronischen Musik oder eben bei Streichinstrumenten. Grundlegend geht es dabei immer um die die schnelle geringfügige Veränderung der Tonhöhe nach oben und unten. Beim Geigenspiel wird die Vibrato-Technik gerne genutzt, um den Ton zu veredeln und damit reicher und wärmer klingen zu lassen.

Man unterscheidet zwischen Arm- und Hand-Vibrato, also anhand des Körperteils, welches die Bewegung ausführt. Die Qualität des Vibratos hängt dabei von zwei Faktoren ab: Zum einen ist die Veränderung der Tonhöhe ausschlaggebend, also ob er stärker oder weniger stark nach oben und unten abweicht. Der zweite Aspekt ist die Geschwindigkeit, mit welcher diese Tonänderung geschieht.

Wann kann ich mit Vibrato auf der Geige starten?

Eine Faustregel, ab wann man mit dem Vibrato auf der Geige beginnen oder starten soll, gibt es nicht. Wichtig sind ein sicheres Geigenspiel und das saubere Greifen der Töne. Letztendlich weiß dein Geigenlehrer am besten, wann für dich der richtige Zeitpunkt zum Erlernen des Vibrato‘ gekommen ist.

Essenziell für die richtige Ausführung des Vibrato auf der Geige ist eine korrekte Haltung. Nur wenn du die Geige gut zwischen Schulter und Kinn geklemmt hast, kann die Hand so locker wie benötigt sein. Die Finger müssen, um sie gut bewegen zu können, steil auf dem Griffbrett aufgestellt werden. Zwischen deiner Handinnenfläche und dem Geigenhals sollte immer etwas Luft sein. Wichtig: Das Fingernägel-Schneiden wie immer nicht vergessen!

Welche Übungen helfen mir beim Vibrato Lernen?

Hier findest du eine Übersicht an Übungen, die dir beim Erlernen des Vibrato auf der Geige behilflich sein können. Diese solltest du aber keinesfalls alle innerhalb eines Tages abarbeiten. Vielmehr hilft es dir, beständig jeden Tag zehn Minuten damit zu verbringen. Diese Wiederholung ist wichtig, um die korrekte Bewegung im Muskelgedächtnis zu speichern:

1. Die Trockenübung

Bevor du überhaupt die Geige in die Hand nimmst, kannst du die Bewegung im Handgelenk trocken üben. Dazu stellst du jeweils einen Finger auf eine glatte Oberfläche und bewegst die Hand hin und her – der Arm sollte dabei aber still bleiben. Viel hat das mit der letztendlichen Vibrato-Bewegung noch nicht gemein, aber du bekommst ein Gefühl, in welche Richtung dein Finger sich mit der Fingerkuppe auf der Saite hin- und herwiegen soll.

Die Bewegung sollte nämlich ungefähr parallel zum Fingernagel geschehen, denn der steht ja später auch beinahe parallel zur Saite. Führst du die Bewegung fälschlicherweise zum und vom Fingernagel hin und weg, wird sich der Ton nicht verändern.

2. Die Rutsch-Übung

Weiter geht es mit der Geige in der Hand. Den Bogen kannst du allerdings vorerst noch einmal im Koffer verstaut lassen. Die Violine fest unters Kinn geklemmt setzt du den 3. Finger auf die Mitte der A-Saite und achtest darauf, dass dein Finger steil auf dem Griffbrett steht. Zwischen der lockeren Hand und dem Geigenhals sollte ein kleines Luftloch bestehen.

Bist du mit der Haltung zufrieden, beginnst du nun, die Hand entlang des Geigenhalses auf und ab zu bewegen. Der aufgestellte Finger gleitet somit wie beim glissando über die Saite. Beginne die Bewegung langsam, sodass du in voller Kontrolle dessen bist. Fühlst du dich sicher, kannst du das Tempo etwas erhöhen. Führe diese Übung anschließend auch mit den anderen Fingern sowie auf den anderen Saiten aus.

3. Die Metronom-Übung

Bei dieser Übung ist dir das Metronom eine große Hilfe. Hast du keines zur Hand, kannst du dir auch ganz einfach eine Metronom-App aufs Handy laden. Der gleichmäßige Puls hilft dir beim Erlernen einer ausgewogenen Bewegung.

Wieder beginnen wir mit dem 3. Finger, am besten in der 3. Lage auf der E- oder A-Saite. Hier ist der Winkel der Hand am anfängerfreundlichsten. Den Bogen kannst du dabei vorerst noch im Koffer lassen. Starte mit einem langsamen Grundschlag, beispielsweise ♩ = 50.

Wieder beginnen wir mit dem Finger steil auf dem Griffbrett aufgestellt. Dieses Mal bleibt die Hand aber an ihrem Platz, nur durch die Bewegung des Handgelenks verlagert der Finger mit den Schlägen des Metronoms seinen Platz auf der Saite.

Achte dabei auf die korrekte Richtung der Bewegung: Wie bei der vorherigen Übung verläuft diese parallel zum Geigenhals. Nur wenn die Fingerkuppe entlang der Seite wippt, wird sich später auch der Ton verändern.

Diese Übung wiederholst du natürlich auch mit dem 1., 2. und 4. Finger. Fühlst du dich sicher in der Bewegung, kannst du das Metronom graduell schneller schalten, bis du letztendlich keines mehr benötigst.

Den Profis auf die Finger geblickt:

Wie die Vibrato-Bewegung bei den Profis aussieht, kannst du dir hier abgucken:

Immer schon gleichmäßig, bis der zauberhafte Klang sich formt

4. Mit dem Bogen

Endlich ist es an der Zeit, den Bogen wieder in die Hand zu nehmen. Wiederhole die vorherige Übung mit einem langsamen Grundschlag startend und streiche dazu mit dem Bogen über die jeweilige Saite.

5. Melodie

Funktioniert die Koordination von Vibrato-Bewegung und Bogenstrich gut, kannst du dich an das erste Musikstück wagen. Am besten wählst du ein Stück, das du bereits beherrscht. Vorerst kannst du die gedruckten Notenwerte ignorieren und dich weiterhin an den Schlag des Metronoms halten. Dieser gibt jetzt nur noch den Wechsel des Tons an, denn dein Vibrato sollte mittlerweile schon recht flüssig laufen. Auch hier kannst du das Metronom irgendwann schneller stellen: So wird die Länge der einzelnen Noten kürzer und der Wechsel schneller.

6. Ziel erreicht

Nach all den Übungen kommt nun der Zeitpunkt, ein richtiges Stück zu spielen. Dafür bieten sich vorerst Lieder mit vielen großen Notenwerten an. Wie wäre es beispielsweise mit dem Kanon in D-Dur von Johann Pachelbel oder dem Pop-Song A Thousand Years von Christina Perri?

Gutes Übungsstück für Vibrato auf der Geige: Johann Pachelbel Kanon in D-Dur

Oder das hier: “A Thousand Years” von Christina Perri

Du kannst nun ausprobieren, wie und wann du das Vibrato einsetzten möchtest. Besonders gut eignet es sich natürlich bei langen Noten, seltener bei kürzeren. Mit der Verwendung des Vibrato kannst du dem Stück einen eigenen Anstrich verpassen, es auf deine eigene Weise interpretieren. Spiele damit und variiere, wann, wie stark und wie lange du das Vibrato einsetzt. Du wirst sehen: Dir eröffnet sich eine Welt voller neuer musikalischer Möglichkeiten.

Diese Fehler solltest du unbedingt vermeiden

Die Bewegung sollte im Handgelenk geschehen. Du möchtest vermeiden, dass der ganze Arm und vielleicht sogar die ganze Geige mitwackelt. Tut sie das dennoch, übe das Vibrato mit der Schnecke an der Wand auszuführen. Die Violine kann dann nicht mehr wackeln und du wirst dich an das richtige Gefühl gewöhnen. Umgreifst du den Geigenhals zu fest oder verspannst du Hand und Finger, tust du dir auch keinen Gefallen. Achte jedes Mal bevor du spielst darauf, dass sich deine Hand in der richtigen Position befindet.

Und nicht vergessen:

In diesem Artikel hast du bereits einen guten Eindruck vom Vibrato auf der Geige erhalten. Dennoch dient er vor allem als Ergänzung des Erlernens dieser Spieltechnik bei einem geeigneten Musiklehrer. Denn wie so oft bei Geigenspiel geht es darum, eine Bewegung so zu trainieren, dass sie ins Muskelgedächtnis eingeht und automatisch abgerufen werden kann. Dafür benötigst du das unmittelbare Feedback von versierten Augen und Ohren.

Das Geige-Spielen läuft wie am Schnürchen? Vergewissere dich hier, dass du diese zehn Fehler nicht begehst!

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