Mit Metronom üben – unterbewusst kommt oft

Wie du nicht mehr aus der Timing-Kurve fliegst

 

Foto: Shutterstock von ieang

Bei aller kunstvoller und teils artistischer Fähigkeit auf deinem Instrument gibt es Basics, denen sich auch die Profis immer wieder erneut stellen müssen: das Timing. Fang rechtzeitig damit an; es hilft dir ungemein. Die Lösung lautet: mit Metronom üben. Das ist keinesfalls so einfach, wie anfänglich geglaubt. So banal es sich anhören mag: Die Übungen sind Pflichtprogramm für jeden Musiker – lebenslänglich!

Check it: Mit Metronom üben – was dich erwartet:

  • Wozu du ein Metronom benötigst
  • Weshalb du selbst dein größter Feind bist
  • Vorteile von mechanischen und elektronischen Metronomen
  • Wie du dich langsam an die Maschine gewöhnst
  • Schritt für Schritt bis zu den Profis

Mit Metronom üben: Was überhaupt ist ein Metronom?

Ein Metronom ist einer dieser speziellen Züge der renommierten Deutschen Bundesbahn, die grundsätzlich immer zu spät kommen. Nein, das war’s nun gerade nicht, auch wenn wir uns diesen freundlichen Seitenhieb gerade nicht verkneifen wollten. Zu einladend war das Wortspiel, dem konnten wir leider nicht widerstehen.

Lasst uns bei der Musik bleiben: Ein Metronom ist ein Taktgeber. Durch den ständig erzeugten Puls soll das Gerät Musikern helfen, das Tempo zu halten. Gemessen wird dieser „Puls“ – nein, es ist nicht deiner – in Beats per Minute (BPM). Und jetzt noch mal auf Englisch: in Schlägen pro Minute. Ist das Metronom auf 60 BPM eingestellt, entspricht das einem Schlag pro Sekunde, die doppelte Geschwindigkeit entspricht dann zwei Schlägen pro Sekunde. Eigentlich ganz simpel, oder? Da muss doch was gehen.

Das Metronom ist hilfreich und nervtötend zugleich | Foto: Shutterstock von wernimages

Mit Metronom üben: Dein größter Feind bist du selbst

Präzises Spielen zum Metronom hingegen scheint wirklich nur auf den ersten Blick einfach. Da wird doch jeder Schlag exakt vorgegeben, denkt sich der unbedarfte Musiker. Recht hat er. Aber exakt das ist das Problem. Denn wir Menschen sind nicht exakt; sind schließlich keine Roboter. Der Puls variiert ebenso wie der Blutdruck, je nach Belastung und auch davon abhängig, in welcher Stimmung wir uns gerade befinden. Das körperlich und emotional innere Ich ist aber der Bezugspunkt, an dem wir uns unterbewusst orientieren. Und weil wir als meistens lebende Menschen durch die Gegend wandeln, laufen wir mit einem Metronom ebenso unbeirrt wie konsequent neben der Spur.

Locker bleiben: Die Lösung ist dein Ruhepuls

Und schon brauchen wir eine Lösung, bevor die eigentliche Arbeit überhaupt angefangen hat. Die ist so verblüffend naheliegend wie kompliziert zugleich, aber machbar. Die Rede ist von einer guten Portion Selbstbesinnung und Selbstbeherrschung. Der Song oder die Übungssequenz will beginnen; verständlicherweise bist du voller Euphorie. Die will dir auch niemand nehmen, auf gar keinen Fall. Aber der Herzschlag muss runter, etwa auf den Ruhepuls. Erst dann, wenn du die Sache gelassen und entspannt angehst, können dein Puls und das Metronom in etwa die gleiche Sprache sprechen. Sobald du verstanden hast, dass der Spruch „In der Ruhe liegt die Kraft“ hier zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird, hast du bereits einen Riesenschritt gemacht, wenn du mit Metronom üben willst.

Was der Metronom-Puls mit den Zählzeiten zu tun hat

Vielleicht sollten wir zum besseren Verständnis noch einen Schritt zurückmachen, nämlich zur Aufteilung der Takte innerhalb der Musik. Bekanntlich gibt es diverse Taktarten, die vermutlich gebräuchlichste ist der 4/4-Takt. Aufgrund der Anschaulichkeit nehmen wir den als plakatives Beispiel: Klingt jetzt doof, aber wir können’s nicht ändern: Ein 4/4-Takt ist zunächst aufgeteilt in vier Viertel-Noten bzw. Zählzeiten. Exakt diese Zählzeiten gibt das Metronom an. Im Umkehrschluss ausgedrückt: Jeder Pulsschlag des Metronoms entspricht einer Viertelnote innerhalb des Taktes. Und jetzt kommt’s: Das Tempo von 60 BPM auf dem Metronom bedeutet 60 Viertelnoten innerhalb einer Minute. Puh!

Die Klassiker sind auch nostalgische Einrichtungsgegenstände | Foto: Shutterstock von narcisopa

Mit Metronom üben: Mechanische Metronome und der Reiz der Nostalgie

Wenn du mit Metronom üben möchtest, kannst du dafür auf unterschiedlichste Modelle zurückgreifen. Die klassische Variante ist das rein mechanische Metronom. In der Regel handelt es sich dabei um einen Kasten aus Holz oder Kunststoff, bei dem sich der vordere Deckel abnehmen lässt. Dahinter befindet sich ein Pendel mit einem in der Höhe verstellbaren Gewicht, über das die gewünschte Geschwindigkeit eingestellt wird. Angetrieben wird das Pendel durch eine Feder, die von Zeit zu Zeit auch wieder aufgezogen, also gespannt werden muss.

Solche mechanischen Metronome waren früher selbstverständlich und in nahezu jedem Musikzimmer zu finden. Heutzutage kommen sie eher bei Nostalgikern oder Musikern mit besonders ästhetischem Bewusstsein zum Einsatz. Tatsächlich werden sie ihren speziellen Reiz vermutlich niemals verlieren. In der Klassik wird das Metronom übrigens mit M. M. abgekürzt. Die Buchstaben stehen für Mälzels Metronom, den einstigen Erfinder der tickenden Kiste.

Thomann Metronom 330
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Mit Metronom üben: Elektronisch und digitale Metronome als zeitgemäße Lösung

Präziser und zeitgemäßer sind elektronische und digitale Metronome. Schon hören wir die Traditionalisten laut aufschreien. Wieso präziser. Nun ja, ganz einfach. Erstens lässt sich die Geschwindigkeit wirklich abweichungsfrei einstellen und auf dem Display ablesen. Zweitens muss man die Teile nicht erst anschieben; auf Knopfdruck geht’s los. Und letztlich halten sie die Geschwindigkeit dauerhaft konstant, zumal die Feder des Pendels entfällt. Die Dinger hören erst auf zu ticken, wenn sie gestoppt werden oder die Batterie leer ist. Nicht zu vergessen allerdings, dass es auch elektronischen Metronomen große Unterschiede in der vorhandenen Funktionalität und somit auch im Preis gibt. Aber ganz ehrlich, wenn du mit Metronom üben willst, brauchst du dich nicht vor großen Ausgaben zu fürchten.

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Vorteil der hörbaren Lautstärke auf lauten Bühnen

Dabei kommt ein ganz pragmatischer Aspekt zu den positiven Argumenten für das elektronische Metronom: In der Regel kannst an solche Geräte einen Kopfhörer anschließen oder sie direkt in dein Setup einschleifen. Auf einer Rock- oder Pop-Bühne würdest du ein mechanisches Metronom möglicherweise sehen, aber nicht hören. Bei den elektronischen Kameraden verhält sich das eben anders. Sofern die Musik nicht besonders leise ist und es sich um nicht um geräuschsensible Veranstaltungen handelt, sind elektronische Metronome deutlich im Vorteil, weil Musiker eben nicht nur mit Metronom üben. Stattdessen ist es vollkommen üblich, dass Schlagzeugern beispielsweise in Top40-Bands das Tempo über die Kopfhörer zugespielt wird. Das Publikum bekommt davon nichts mit. Kannst ja mal versuchen, dir ein mechanisches Metronom ins Ohr zu stecken.

Selbstverständlich bekommen Drummer den Klick zugespielt | Foto: Shutterstock von Julian Sarmiento

Am besten erstmal Trockenübungen

Verbleibt die Frage, wie du sinnvollerweise mit Metronom üben solltest. Immer ruhig mit der Euphorie und den wilden Pferden. Anfangs solltest du ein paar banale „Trockenübungen“ machen, nämlich ohne Instrument, um dir eine gute rhythmische Vorstellung zu schaffen, ohne dich auf dein Instrument konzentrieren zu müssen. Multitaskingfähig kannst du immer noch werden. Schmeiß das Metronom an, lass es laufen und nun klatsche einfach aber möglichst präzise auf die tickenden Zählzeiten. Schon jetzt wird dir auffallen, dass du immer mal wieder aus der Kurve fliegst, aber je mehr Ruhe und gelassene Konzentration du entwickelst, umso besser wirst du dich daran gewöhnen. Eines Tages kannst du gar nicht mehr anders, als gleichmäßig wie ein Schweizer Uhrwerk zu ticken.

Mit Metronom üben: Den häufigsten Anfängerfehler vermeiden

Im nächsten Stepp greifst du zum Instrument und spielst möglichst einfache Töne, auf der Gitarre beispielsweise nur die Leersaiten im Wechselschlag oder so ähnlich. Der Effekt ist, wenn du auf diese Weise mit Metronom üben willst, dass du dich nunmehr auf zwei verschiedenen Ebenen konzentrieren musst. Auf keinen Fall solltest du in diesem Stadium den häufigsten Anfängerfehler begehen, mit dem Metronom an Stücken zu arbeiten, die du erst noch einüben willst. Neue Stücke, Skalen oder Riffs sind eine Herausforderung für sich. Solange die nicht sitzen, bleibt das Metronom ein unheilvoller Stolperstein.

Mit Metronom üben: Tücken der Geschwindigkeit kennen

Immer wieder wird empfohlen, man solle das Tempo auf dem Metronom anfangs möglichst langsam einstellen. Könnte man machen, doch letztlich ist diese These steil wie eine Feuerwehrleiter. Die langsame Geschwindigkeit lässt sich bis ins Extrem treiben, so langsam, dass du die Zählzeiten nicht treffen wirst. Sicherlich sinnvoller ist es, eine moderate Geschwindigkeit zu wählen, wie eben die besagten 60 bpm, wobei es sich um eine natürliche Geschwindigkeit handelt, gewissermaßen als Referenzpunkt. Erst wenn du dich sicherer fühlst, kannst du das Tempo vorsichtig steigern oder auch runterschrauben bis der Arzt kommt, weil der Metronom-Puls nicht mehr schlägt.

Betonte oder unbetonte Zählzeiten

Und weiter geht’s im Programm mit einem winzigen Ausflug in die Musiktheorie. In einem Takt – bleiben wir beim 4/4-Takt, gibt es die sogenannten betonten als auch die unbetonten Zählzeiten. Beim 4/4-Takt ist die erste Zählzeit – die 1 – betont, die dritte etwas weniger betont. Die zweite und vierte Zählzeit sind unbetont. Modern Metronome klicken übrigens genauso. Das nutzt du, wenn du mit Metronom üben willst.

Das faszinierende Spiel mit betonten und unbetonten Zählzeiten | Grafik: aus YouTube-Video extrahiert

Vergeudete Zeit lässt sich nicht aufholen

Du verabschiedest dich davon, wirklich auf jede Zählzeit einen Ton zu spielen. Stattdessen spielst du als nächste Übung immer auf die betonten Zählzeiten – die 1 und die 3 – und lässt dich also mehr mit dem Tönen treiben. Wenn du auf einen Klick spielst, auf den anderen aber nicht, wird dir das bereits ein ganz anderes Gefühl geben. Doch auch darauf willst du dich keinesfalls ausruhen.

Es folgt der Umkehrschluss, der ist zumindest gefühlt bereits komplexer, immer unter der Prämisse, dass du dich nicht aus dem Timing schmeißen lassen willst: Nun spielst du ausschließlich auf die unbetonten Zählzeiten, also die 2 und die 4. Dein innerer Schweinehund wird dich zu Überwindung nötigen. Denn eigentlich willst du immer auf die erste Zählzeit loslegen und jede Mikrosekunde des Nachdenkens ist ein unsäglicher Stolperstein. In der Musik kannst du keine vergeudete Zeit aufholen, allenfalls Töne „vergessen“.

Spielen, wenn das Metronom schweigt

Du merkst, wenn du mit Metronom üben willst, die Anfänge sind ein kontinuierlicher Kampf gegen dein sich sträubendes Unterbewusstsein. Was gefühlt automatisch geschehen sollte, wird einfach nicht zugelassen, weder hinsichtlich der Betonung noch in Sachen Geschwindigkeit. Du kannst nicht einfach losrennen, das Metronom würde dir die lange Nase oder das lange Pendel zeigen. Den Kampf nimmst du als positive Herausforderung an und treibst es auf die Spitze.

Mit der nächsten Übung wirst du mit Metronom üben wie die Profis: Behalte Ruhe und dein inneres Gleichgewicht und spiele nun ausschließlich Töne zwischen den Zählzeiten. Richtig gehört bzw. gelesen. Du spielt die Töne immer dann, wenn das Metronom zwischen zwei Klicks gerade schweigt. Wenn du mit diesem Ansatz zurechtkommst, hast du einen gehörigen Schritt geschafft. Immerhin besteht Musik bekanntlich nicht nur aus Tönen, stattdessen auch aus Pausen.

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Auch interessant: „Triolen spielen: Eine Portion Musiktheorie für Einsteiger“.

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