Aus zwei mach drei

Triolen spielen: Eine Portion Musiktheorie für Einsteiger

Foto: Shutterstock von Andrey Armyagov

Triolen sind ein musikalisches Stilmittel, auf das wir besonderes im Rock, Blues, Swing, aber auch im Rap, der Klassik und zahlreichen weiteren Genres treffen. Für Einsteiger sind sie zunächst ein musikalisches und mathematisches Kuriosum. Erst wird dir beigebracht, punktgenau auf die Zählzeiten im Takt zu spielen. Das hast du pflichtbewusst umgesetzt. Und plötzlich wird von dir exakt das Gegenteil verlangt. Hier ein Guide zum prinzipiellen Verständnis, wenn du Triolen spielen möchtest:

Check it: Triolen spielen

  • Unverzichtbare Hardware mit Tücken
  • Unterschied binär, ternär, triolisch
  • Tücken in der Notation
  • Ein paar Beispiele aus der realen Musikwelt
  • Mit Präzision vom festgezurrten Metrum verabschieden

Triolen spielen: Ein Stilmittel unter Gleichgesinnten

Um uns dem Thema zu nähern, müssen wir insgesamt drei Begriffe verstehen: binäre, ternär und triolisch. All diese Ausdrücke haben nichts mit der Tonhöhe, stattdessen ausschließlich mit der Länge der Töne zu tun. Schon schwant dir, dass Musik und Mathematik irgendwelche Gemeinsamkeiten haben könnten. Hätte dein Lehrer dir das Ziehen der Quadratwurzel mit einem Schlagzeug in der Hand erklärt, hättest du vielleicht zugehört.

Im Land der musikalischen Grundrechenarten

Keine Angst, wir begeben uns nicht in die unendlichen Galaxien der höheren Mathematik. Wir bleiben bei den musikalischen Grundrechenarten. Und dafür – Achtung, es wird kleinkinddidaktisch (!) – gehen wir zum Konditor unseres Vertrauens und kaufen uns eine Torte. Du ahnst bereits, was jetzt kommt? Richtig! Die Torte zerschnippeln wir in vier gleichgroße Teile. Damit haben wir schon mal die Viertelnoten geschaffen: „1, 2, 3, 4.“

Musiktheorie vom Konditor deines Vertrauens
Musiktheorie vom Konditor deines Vertrauens Foto: von YesPhotographers

Gerade und straight: Binär

Bislang sind die Dinger dir noch zu groß, du unterteilst die vier Stücke weiter. Jedes Viertel wird penibel genau in der Mitte durchgeschnitten. Nun hast du bereits acht gleichgroße Stücke. Gezählt wird jetzt „1 und, 2 und, 3 und, 4 und“. Geschaffen hast du damit einheitlich große Achtel. Alles gerade und mit beamtentypischer Präzision. Diese gerade Aufteilung der Notenwerte wird als „binär“ bezeichnet.

Gerade Achtelnoten: Binär
Gerade Achtelnoten: Binär Foto/Grafik: von Ina Germer

Triolisch: Wenn die Noten sich weniger statisch anfühlen

Nachdem wir in der Kita zur kurzen Entspannung unseren Namen getanzt haben, genügt uns die Aufteilung noch immer nicht. Der Kuchen – gleichbedeutend mit einem Takt – soll noch weitere bettelnde Mäuler stopfen. Wiederum setzt du das Tortenmesser an. Diesmal teilst du die vier Stücke in jeweils drei kleinere Happen. Du hast nun pro Tortenviertel nicht zwei, sondern drei Teile.

Exakt jetzt wird’s mathematisch paradox. Die nennen sich nämlich noch immer Achtel. Sind eben nur zum Dreierpaket geschnürt, zu Triolen. Und wir zählen wieder: „Ein-er-lei, zwei-er-lei, drei-er-lei, vier-er-lei“ (oder so ähnlich). Notiert werden Achtel-Triolen als Achteldreiergruppen, über denen sich ein einfassender Balken mit einer „3“ befindet.

Triolen bringen drei Noten auf zwei Zählzeiten
Triolen bringen drei Noten auf zwei Zählzeiten Foto/Grafik: von Ina Germer

Ternär: Swing dich fit

Nicht zu vergessen, dass es eine weitere Variante der glücklichen Tortenaufteilung gibt. Und da begeben wir uns in den Bereich der punktierten Noten. Zur Erinnerung: Der Punkt hinter einer Note besagt, dass siee 1,5 x solange wie die Ausgangsnote klingen soll. Der Hunger ist noch nicht gestillt. Wir bleiben bei unserer Torte: Du könntest das Viertelstück zweiteilen und damit einen ähnlichen – aber nicht gleichen – Effekt erzielen

Du setzt das Messer an, und visierst wiederum drei Drittel an. Allerdings schneidest du nur einmal: Es verbleibt ein Stück mit 2/3-Größe, eines mit 1/3-Größe. Auf das größere Stück kannst du gerne noch einen Punkt malen. Du hast jetzt ein punktiertes Tortenstück und ein 1/16-Stück.

Die swingende Variante mit punktierter Achtel
Die swingende Variante mit punktierter Achtel Foto/Grafik: von Ina Germer

Sind Triolen und ternäre Aufteilung dasselbe?

Nun könntest du auf die naheliegende Idee kommen, statt eine Triole zu notieren, doch einfach eine punktierte Achtelnote mit darauffolgender Sechzehntel zu spielen. Wäre doch vom Rechenergebnis identisch, oder? Netter Gedanke, aber nein. Leider nicht. Erstens würde die punktierte Achtelnote zu lange klingen; zweitens wäre die Sechzehntelnote zu kurz. Die Zählweise ist ähnlich der bei Triolen. Die Tonlängen weichen ab. Ternär und triolisch sind sich ähnlich, allerdings nicht identisch.

Tücken in der Notation: Es geht um Feeling

Mit einem Blick auf die notierte Realität müssen wir uns noch einer Tatsache bewusstwerden. Vermutlich wird kein Mensch in den Noten detailliert aufschreiben, ob das Stück binär oder ternär gespielt werden soll. Schon aus dem Grund der Übersichtlichkeit. Erkennen kannst du das gerade oder ternäre Feeling meistens an einem Hinweis / einer Erklärung irgendwo im oberen Teil des Notenblatts. Triolen hingegen sind – meistens – deutlich erkennbar und ausnotiert. Dabei gibt es Ausnahmen, gerade bei den Klassikern aus der Rockabteilung.

Beispiele aus der Musikgeschichte gefällig?

Beispielsweise die längst kultige Band Status Quo hat den Triolen-Groove auf die Spitze getrieben. Der war nicht neu, ist als Rhythmus-Part bei Songs wie „Whatever You Want“ zum Markenzeichen geworden. Bei dieser Band – wie auch bei vielen anderen – entsteht der spezielle Reiz dadurch, dass sie zwar triolisch zählen, die mittlere Note der Triole allerdings weggelassen wird. In der Mitte verbleibt eine Ghostnote – eine nicht gespielte bzw. nicht hörbare Note. Die erste Achtelnote im Triolen-Verbund wird also nicht punktiert.

Notenwerte mit Individualität für sämtliche Musiker

E-Gitarristen setzen Triolen immer wieder bei ihren Soli ein. Begonnen hat das Rock’n’Roll und insbesondere seit Eddie van Halen sich zum König zum König des Tapping gemacht hat, sind Triolen als Stilmittel zunehmend prominenter geworden. Triolenläufe werden gerne als Einleitung verwendet, um dann den letztlichen Ziel-Ton besonders dynamisch und kontrastreich zu zelebrieren.

Drummer nutzen Triolen gerne bei Intros und Fill-ins. Auch hier steht oft der Kontrast im musikalischen Mittelpunkt. Auf der einen Seite die triolisch rollende Garnitur; andererseits der straight durchgezogene Groove.

Bläser wie Saxophonisten im Funk, Ska und Co. brillieren häufig mit einer Kombination der verschiedenen Aufteilung. Mit der Abwechslung aus Synkopen, punktieren Noten und Triolen erzielen sie einen Groove, der abwechslungsreicher und pointierter nicht sein könnte.

Im Swing ist der Umgang mit Triolen und punktierten Noten zum selbstverpflichtenden Statement geworden. Dort werden solche Notenwerte kaum ausgeschrieben. Musiker in diesem Genre erwarten von sich und anderen, dass sie den Swing fühlen müssen. Selbst die im Gegensatz zu geraden Noten bereits variablere Aufteilung ist ihnen noch zu statisch. In den swingenden Arrangements kommt ein Ton dort, wo er gefühlt hingehört.

Einfach mal üben und sich dem präzisen Metrum widersetzen

Triolen spielen können ist eine unbedingte Bereicherung deiner Fähigkeiten und deines Repertoires. In der Theorie hört sich das einfacher an, als es sich in der Praxis letztlich umsetzen lässt. Schlampig serviert, ist das sicherlich kein Problem. Das Besondere ist aber, dass du dich mit Triolen vom rein metrischen Gebilde der Zählzeiten eigentlich verabschiedest, dann aber wiederum abseits der Hauptzählzeiten höchst präzise sein musst. Alles andere würde schwammig und nach Zufallsfaktor klingen. Triolen spielen zu üben lohnt sich.

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Selbstverständlich können Triolen und Co. auf allen möglichen Instrumenten den Groove bereichern, beispielsweise auf dem E-Drum, ebenso auf dem Banjo oder dem Saxophon. Viel Spaß beim Grooven!

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