E-Drumset für Soundvielfalt und nachbarschaftsfreundliches Üben

Schlagzeug spielen auf dem E-Drum: Alles, was du wissen musst

Foto: Shutterstock von Fabio Pagani

Du hast dich entschieden, Schlagzeug zu lernen. Nun willst du dir ein Drumset zulegen, auf dem du auch zu Hause üben kannst? Legst du Wert darauf, dass die Nachbarn dich auch künftig freundlich grüßen, kommt eigentlich nur ein E-Drumset in Frage. Alles was du übers E-Drum wissen musst, erklären wir dir hier:

Check it: Wissenswertes zum E-Drumset

  1. Was ist ein E-Drum?
  2. Pads statt Trommeln
  3. Unkomplizierte Montage
  4. Sound von dezent bis Bombast
  5. Qualitätsmerkmal Dynamik
  6. Integrierte Übungs-Features
  7. Der Akustik-/Elektronik-Vergleich

Was ist ein E-Drum?

E-Drum ist die Kurzbezeichnung für „elektronisches Schlagzeug“. Und genau so, nämlich elektronisch und nicht gerade realistisch, klangen die ersten Vertreter dieser Spezies in den 1980er Jahren auch. Perfekt zur Vertonung eines drittklassigen Science-Fiction-Films, aber nicht mit einem „echten“ Schlagzeug zu vergleichen.

Das sieht heute, knapp 40 Jahre später, vollkommen anders aus. Viele aktuelle E-Drumsets sind durchaus in der Lage, realistisch klingende Trommel- und Becken-Sounds zu erzeugen. Der besondere Vorteil für dich als Einsteiger: Im Gegensatz zur guten alten akustischen Schießbude kann man das E-Drum auch leise, also für Mitbewohner und Passanten nahezu unhörbar spielen.

E-Drumset: Das stille Soundmonster
E-Drumset: Das stille Soundmonster Foto: Shutterstock von 3DMI

Pads statt Trommeln

Der Sound am E-Drumset entsteht, wenn du eines der Pads (so nennen sich die Trommeln und Becken deines E-Drumsets) anschlägst. Der Schlagimpuls löst einen Sound in deinem Drum-Modul aus, den du über Kopfhörer oder angeschlossenen Lautsprecher hören kannst.

In früheren Zeiten waren diese Pads Holzbretter, versehen mit einer Gummischicht und einem Tonabnehmer. Wer jetzt an den berühmt-berüchtigten Tennisarm denkt, liegt nicht falsch. Heutzutage gestaltet sich das Trommeln auf elektronischen Schlagzeugen etwas gelenkschonender.

Im „schlimmsten“ Fall trommelst du auf Gummi-Pads, die vom Spielgefühl den Schlagzeug-Übungspads ähneln, die du vielleicht schon kennst. Durch die mittelharte Spielfläche springen die Stöcke fast wie von selbst, allerdings kannst du auch ein deutliches Klopfgeräusch vernehmen, das den einen oder anderen Nachbarn womöglich schon auf die Palme bringen kann.

Pads statt Trommeln
Pads statt Trommeln Foto: Shutterstock von nikkytok

Geräuschärmer geht es mit Mesh Head Pads, das sind Gewebefelle, die du auf deinem E-Drumset, ähnlich wie die Felle auf einem akustischen Drumset, mit dem Stimmschlüssel spannen kannst. Mesh Heads spielen sich weicher als Gummi-Pads und entsprechen damit eher dem Spielgefühl auf einer herkömmlichen Trommel. Becken-Pads gibt es übrigens ausschließlich mit Gummi-Oberflächen.

Konstruktion und Aufbau

Wenn du ein Billy Regal aufbauen kannst, wirst du auch mit dem Aufbau eines E-Drumsets keine Schwierigkeiten haben. Plane etwa 45 Minuten dafür ein. Eine Anleitung hilft dir dabei, die Rohre des Racks – so nennt sich das Gestänge, an denen deine Pads befestigt sind – in der richtigen Reihenfolge zusammen zu stecken. Als Werkzeug brauchst du im Allgemeinen lediglich einen herkömmlichen Stimmschlüssel.

Nachdem das Rack steht, installierst du die Trommel-Pads, sofern diese nicht schon an den Rohren vormontiert sind. Danach werden die Beckenarme befestigt und anschließend die Becken-Pads aufgelegt und mit Schrauben gesichert. Sollte dein E-Drumset ein Bassdrum Pad besitzen, so platzierst du dieses auf dem Boden und befestigst daran die mitgelieferte Fußmaschine.

Die Beckenabteilung
Die Beckenabteilung Foto: Shutterstock von 3DMI

Bedenke, dass das Geräusch, das der Schlägel der Fußmaschine verursacht, wenn er auf das Pad trifft, womöglich noch zwei Etagen unter dir zu vernehmen ist. Trittschall nennt sich dieses unschöne Phänomen, es gibt aber Möglichkeiten, den Trittschall zu verringern, beispielsweise durch spezielle Matten oder Podeste.

Verfügt dein Set nur über einen Fuß-Controller für die Bass Drum, so muss dieser lediglich verkabelt werden. Über Trittschall musst du dir in diesem Fall keine Gedanken machen, achte aber darauf, einen Teppich unterzulegen, auf dem die Klettbänder an der Unterseite des Controllers haften können, ansonsten wird der Controller beim Spielen auf Wanderschaft gehen. Gleiches gilt übrigens auf der linken Seite für den Hi-Hat Controller.

Bass-Pad mit Fußmaschine
Bass-Pad mit Fußmaschine Foto: Shutterstock von 3DMI

Für den Fall, dass dein Hi-Hat Pad für die Montage auf einem Stativ vorgesehen sind, befestigst du das Pad genau so wie ein herkömmliches Hi-Hat-Becken. Der Sensor, der erkennt, wann du die Hi-Hat öffnest und schließt und wie stark du das Pedal drückst, wird dort aufgelegt, wo sich normalerweise das untere Hi-Hat-Becken befindet.

Nachdem alle Pads an Ort und Stelle sind, geht es ans Verkabeln. Keine Angst, hier kann nichts schief gehen, auch wenn du mit Kabeln und Technik auf Kriegsfuß stehen solltest. Alle Buchsen und Kabel sind eindeutig beschriftet, und selbst wenn du ein Kabel falsch steckst, wird das Pad im schlimmsten Fall stumm bleiben. Wenn du fertig bist, kann es nun endlich losgehen. Also: Sound-Modul einschalten, Kopfhörer aufsetzen bzw. Verstärker einschalten und ab die Post!

Wie wichtig sind die Sounds?

Ein gutes E-Drumset erkennst du daran, dass es wie ein Schlagzeug klingt. Eigentlich selbstverständlich, oder? Aber trotzdem gelingt das Vorhaben nicht jedem Hersteller. Gerade die Qualität der akustischen Sounds variiert zwischen verschiedenen Modellen extrem stark. Lass dich nicht von den fetten Elektro-Sounds oder den abgefahrenen Effektklängen blenden. Du willst in erster Linie Schlagzeug spielen, und darum sollte es auch so klingen.

Andererseits, ein bisschen Spielerei kann nicht schaden. Und gerade, wenn du jung und experimentierfreudig bist, wirst du dich auch daran erfreuen, dass deine Bass Drum wie eine Explosion und deine Toms wie Hagelkörner auf einem Blechdach klingen können. Apropos Experimentieren: Wenn du dich als Soundtüftler betätigen willst, solltest du darauf achten, dass dein E-Drumset Speicherplätze für deine selbst kreierten Kits hat. Nicht alle Modelle bieten diese Möglichkeit.

Das Zauberwort Dynamik

Wie du ja sicher weißt, gehört das akustische Schlagzeug zu den Instrumenten mit der größten Dynamik. Dabei fällt mir immer der folgende Witz ein. Gitarrist zum Schlagzeuger: „Spiel doch mal dynamischer!“ … Schlagzeuger: „Wieso? Ich spiel doch schon so laut wie ich kann!“ Trifft übrigens nicht nur auf Schlagzeuger zu, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann.

Fest steht jedenfalls: Am Drumset ist von ziemlich leise bis ohrenbetäubend laut alles möglich. Daher ist das Dynamikverhalten unter den E-Drumsets auch die Königsdisziplin. Eigentlich ist es ganz einfach: Leichte Schläge sollten in einem leisen Sound resultieren und harte Schläge in einem lauten. Anschlagdynamik nennt man so etwas, und das können prinzipiell alle am Markt erhältlichen E-Drumsets.

Aber: Dynamik ist nicht nur Lautstärke. Stell dir vor, du schlägst eine Klaviertaste ganz leicht an. Du wirst einen weichen Klang vernehmen. Schlage die Taste nun wesentlich stärker an und höre, was sich verändert. Richtig; abgesehen von der höheren Lautstärke ist auch der Klang ein anderer, nämlich ein viel härterer als zuvor. So ähnlich verlaufen auch die Dynamikkurven von Trommelklängen.

Und dies realistisch abzubilden, erfordert einen gewissen technischen Aufwand und vor allem Speicherplatz, den sich die Hersteller preisgünstiger E-Drumsets gerne sparen. Wirklich realistische Schlagzeug-Sounds erreichst du aus diesem Grund nur mit E-Drumsets, die dein Budget womöglich sprengen werden.

Aber keine Sorge, du kannst auch für einen mittleren dreistelligen Betrag schon ein brauchbares Set erwerben. Immerhin strebst du keinen Grammy Award für deine Aufnahmen an, sondern willst höchstwahrscheinlich einfach ein Instrument, mit dem das Üben Spaß macht. Und in diesem Punkt sind die meisten E-Drumsets gut aufgestellt.

Üben auf dem E-Drumset

E-Drumsets eignen sich perfekt zum (relativ) geräuschlosen Üben. Das haben auch die meisten Hersteller erkannt und statten ihre Produkte daher meistens mit zahlreichen, mal mehr, mal weniger sinnvollen Übungsfunktionen aus. Dazu gehören Genauigkeitsübungen, Temposteigerungen oder Abläufe mit „Leertakten“, die deine innere Uhr auf die Probe stellen.

Die meisten E-Drumsets bieten dir darüber hinaus die Wahl zwischen diversen Übungs-Songs, die von leichtem Swing bis hin zum brettharten Metal reichen und im Tempo sowie oftmals auch bezüglich der Instrumentierung variiert werden können.

An deinem Sound-Modul findest du höchstwahrscheinlich auch eine „Record“-Taste, die es dir erlaubt, dein Spiel aufzunehmen und anschließend kritisch zu begutachten. Solltest du beabsichtigen, mit deinem E-Drumset Sounds aus deinem Rechner anzusteuern, weil dir die internen Sounds deines Moduls vielleicht nicht (mehr) gefallen, so ist dies per USB-Verbindung bei quasi allen E-Drumsets möglich. Probiere es aber nach Möglichkeit vorher aus, denn das funktioniert nicht immer reibungslos.

Akustik-Set und E-Drum im Vergleich

Mit elektronischen und akustischen Drumsets verhält es sich ähnlich wie mit Keyboard und Klavier. Beide können Klavier-Sounds erzeugen, aber nur eines ermöglicht die körperliche Erfahrung des Sounds. Der Unterschied ist beim akustischen Schlagzeug natürlich noch deutlicher zu spüren, denn im Prinzip schwingen, auch wenn du nur eine Trommel anschlägst, alle Komponenten des Drumsets mit, was mit elektronischen Schlagzeugen nur begrenzt simulierbar ist.

Auch das Gefühl für Dynamik kannst du am akustischen Schlagzeug am besten entwickeln, denn deine Ohren werden schneller als dir lieb ist, merken, ob du beispielsweise die Hi-Hat zu laut durchprügelst. Für den einen lästig, für den anderen ein herrliches Experimentierfeld ist das Stimmen des Schlagzeugs sowie die Auswahl der Felle. Du glaubst nicht, wie viele verschiedene Sounds sich aus deinem Drumset herauskitzeln lassen, wenn du dich mit dem Thema beschäftigst.

Und da das Auge ja bekanntlich mitisst, spielt die Optik deines Instrumentes natürlich eine wichtige Rolle. Das akustische Schlagzeug ist das coolste Instrument der Welt, weil es einfach cool aussieht. Stell dir vor, bei AC/DC würde ein E-Drumset auf der Bühne stehen. Mit Rock`n`Roll hätte das jedenfalls nichts zu tun, und Bon Scott würde sich im Grab umdrehen.

Wenn du dich aus guten Gründen dennoch für ein E-Drumset entscheidest, kommst du aber auch in den Genuss einer Reihe von Vorteilen. Neben den bereits angesprochenen Übungsfunktionen und der Möglichkeit, in den eigenen vier Wänden zu trommeln, kommt auch durch die vielen verschiedenen Sounds nicht so schnell Langeweile auf.

Neue Sounds bringen dich vielleicht wieder auf neue Ideen und erhöhen so deine Motivation. Zudem sind E-Drumsets transportfreundlich und leicht zu verstauen. Das waren unsere Tipps und Einschätzungen, aber die Entscheidung musst du am Ende selbst treffen. Wir wünschen dir viel Spaß beim Trommeln!

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