Kleine Fellkunde für Schlagzeug-Einsteiger

Schlagzeug-Felle – worauf man achten sollte

Wozu braucht man überhaupt Schlagzeug-Felle? So kalt ist es doch gar nicht. Schon kurios, da packt man sich runde Plastikfolien auf die Schlagzeugkessel und spricht dann von Fellen. Der Grund liegt in der Vergangenheit.

Nun könnte man mit überzeugtem Halbwissen behaupten, früher wären dafür Naturfelle genutzt worden. Stimmt aber auch nicht exakt, denn letztlich waren es keine kuschelig weichen Schmusedecken oder Pelzmäntel, sondern Tierhäute. Heutzutage sind es in den allermeisten Fällen Kunststofffolien in verschiedenen Varianten, Stärken und Größen. Also alles human und artengerecht. Du brauchst dich nur zu fragen, wie viele vegane Polyester für ein Fell sterben mussten. Das Material hat sich verändert; der missverständliche Name ist geblieben. Wir erklären dir alles Nötige zum Thema Schlagzeug Felle.

Letztlich geht es beim Schlagzeug wie bei allen anderen Instrumenten darum, Schwingungen zu erzeugen und die durchsetzungsfähig und mit optimalem Sound zu verstärken. Dafür benötigt man einen Resonanzkörper, das ist der Kessel, der aber zunächst nicht schwingt. Also müssen die Schlagzeug Felle her, die Teile deines Drum-Sets, auf denen der Ton erzeugt wird.

Eine Auswahl beschichteter Schlagzeug-Felle Foto: GEWA drums

Unterscheiden musst du dabei zwischen Schlagfellen und Resonanzfellen. Schlagfell ist das, auf dem du spielst. Wofür Resonanzfelle verantwortlich sind, besagt der Name. Sie sollen die Resonanz liefern. Klingt simpel, beinahe unwichtig; ist es keinesfalls. Die Stimmung der Reso-Fälle ist wesentlich für den Klangcharakter der Trommel. Allerdings müssen die Trommeln – abgesehen von der Snare – nicht zwingend mit Resonanzfellen bestückt sein. Unbedingt hingegen benötigst du die Schlagfelle. Sonst wäre schließlich nix vorhanden, wo man draufkloppen kann. Bleiben wir zunächst bei den Schlagfellen:

Eine Auswahl klarer Schlagzeug-Felle Foto: GEWA drums

Schlagzeug-Felle – Zwischen Sound, Bespielbarkeit und Haltbarkeit

Im Zusammenspiel mit den Kesseln formen die Schlagzeug-Felle den Sound. Es gibt eine Unmenge von Schlagzeug-Fellen mit jeweils speziellen Eigenschaften von Oberflächenstruktur, Stärke und eingearbeiteten Features, die sich auf den Klang, Spielkomfort und auch die Haltbarkeit auswirken. Erster Unterschied ist die Stärke, also wie dick oder dünn ist die Folie. Klanglich kannst du dir den Unterschied so vorstellen: Dünne Felle haben eine schnelle Ansprache und klingen relativ lange nach.

Logische Problematik: Je dünner ein Fell, umso leichter reißt es. Kloppst du richtig drauf, können die auch bald mal mit der Friedensfahne winken und sich ergeben. Dicke Felle machen einen fetteren Ton, zumal sie durch mehr Masse auch mehr Bass liefern. Die Ansprache ist länger, der Nachklang hingegen kürzer. Besonders für Einsteiger ist der Nachteil, dass man beim Spiel von dickeren Fellen mehr Kraft benötigt.

Einlagige Schlagzeug-Felle für offenen Klang oder doppellagige für satte Bässe

Entscheiden kannst du dich außerdem zwischen einlagigen und doppellagigen Fellen. Das Prinzip ist dasselbe wie bei der Fellstärke. Doppellagige Felle können die Wahl der Wahl sein, wenn du dir etwas mehr Bass wünschst. Außerdem haben sie eine deutlich höhere Lebenserwartung. Demgegenüber sind einlagige Felle ideal, um den offenen Klang aus der Trommel zu kitzeln.

Im Querschnitt der beiden Schlagzeug-Felle schön zu sehen: einlagiges und doppellagiges Fell Foto: GEWA drums

Angenehmer Nebeneffekt ist, dass sie gegenüber ihren zweilagigen Kameraden preiswerter sind. Eigentlich darf man sie als Standard bezeichnen, wobei Standard keinesfalls mittelmäßige, sondern vielmehr bewährte Qualität bedeutet.

Individuelle oder modellbedingte Dämmung

Eine Trommel entwickelt ansehnliche Lautstärke und der Klang ist oftmals zu obertonreich oder schaukelt sich aufgrund der voluminösen Kessel hoch. Um diese physikalischen Selbstverständlichkeiten in den Griff zu kriegen, gibt es Tricks und Kniffe, die darauf abzielen, die Schlagzeug-Felle zu dämpfen. Der Klassiker ist das Abkleben mit Gaffer Tape  oder das Dämmen mit Moongel und Dämpfungsringen. Außerdem gibt es Felle mit eingearbeitetem „Dämfungs-Dot“ – einem Punkt in der Mitte des Fells – oder integrieren Dämpfungsringen am Rand. Resultat ist, dass die Schwingungen schon bauseitig beschränkt werden. Du brauchst dem Fell somit nicht mehr mit Heimwerkermaßnahmen zu Leibe zu rücken.

Das Gaffer Tape ist eine einfache Möglichkeit, ein Fell zu dämpfen Foto: GEWA drums

 

Moongel wird zur Dämpfung einfach auf das Fell gedrückt und kann einfach entfernt werden Foto: GEWA drums

Diese „selbst-dämpfenden Felle“ sind gut und praktikabel für diejenigen, die im Laufe der Zeit ihren individuellen Sound gefunden und keinen Bock auf kreative Gaffer-Kunst haben. Einsteiger sollten bedenken, dass ein werksseitig gedämpftes Fell sich nicht wieder „öffnen“ lässt. Mit dem Umkehrschluss, dem Standardfell ohne eingearbeitete Sonderausstattung, lasst ihr euch sämtliche Optionen offen und könnt solange mit Hausmitteln experimentieren, bis ihr zufrieden seid.

Außendämpfer werden an die Trommel geschraubt. Die verstellbare Auflagekraft bestimmt die Dämpfung Foto: GEWA drums

Die Snare – dein zentrales Arbeitsgerät als Drummer

Die meisten Snaredrum-Felle sind weiß beschichtet und haben eine leicht raue Oberflächenstruktur. Die Beschichtung dämpft die Obertöne, die ja bei der Snare durchaus enorm sind. Die Struktur ist ein praktikables Relikt der einstigen Naturfelle. Wichtig ist die angeraute Haptik beispielsweise dann, wenn ihr mit dem Besen spielt. Ohne diesen Widerstand ließe sich das typische Besengeräusch nicht erzeugen.

Zweifellos sind einlagige, weiß beschichtete Schlagzeug-Felle die am meisten genutzten für die Snare, zumal sie sowohl leise als auch laut mit guter Bespielbarkeit überzeugen. Der Retro-Trend macht übrigens auch vor den Musikern nicht halt. Der Klangcharakter der einstigen Naturfelle war warm, weich und organisch. Mittlerweile gibt es diverse Naturfell-Nachbildungen.

Schlagzeug-Felle: Toms können dicker bestückt werden

Andere Anforderungen als an die Snare stellst du an die Toms. Die Oberfläche des Fells ist glatt, kein Mensch spielt mit dem Besen auf einem Tom. Zumindest kenne ich keinen. Die Toms sollen mit Schlagzeug-Fell und Kessel einen voluminösen Ton formen und das in unterschiedlicher Tonhöhe. Das Prinzip bleibt ansonsten das gleiche: Einlagige Felle halten die die meisten Sound-Möglichkeiten offen und sind preisgünstiger. Fettere Felle halten länger, liefern mehr Bassanteile und halten die Obertöne in Grenzen.

Kontrolliertes Pfund von unten

Die Bass-Drum ist ein besonderer Kandidat bei der Bestückung. Ausschlaggebend für den Sound ist zunächst selbstverständlich die Kesselgröße, also das vorhandene Volumen. Direkt danach kommen auch schon die Schlagzeug-Felle. Während man sich bei Snare und Toms – als Einsteiger (!) – mit werksseitig gedämpften Fellen selbst beschränkt, sind Modelle mit eingearbeitetem Dämpfungsring hier durchaus empfehlenswert.

Bassdrum-Fell mit Dämpfungsring Foto: GEWA drums

Gerade im Bassbereich schaukeln sich die Frequenzen leicht mal hoch und werden undefinierbar. Der Ton muss aber hörbar und erkennbar sein. Abkleben bringt herzlich wenig, dafür ist die Fläche schlichtweg zu groß. Mit Dämpfungsring habt ihr schon eine vernünftige Basis geschaffen. Die Bass-Drum-Resonanzfelle gibt es mit kreisrunden Öffnungen. Sind die Öffnungen mehr als 7‘‘ groß, ist das Spielgefühl inklusive Rebound der Fußmaschine so, als wäre keine Resonanzfell vorhanden. Kleinere Öffnungen beeinflussen das Spielgefühl. Man muss sich erst mal daran gewöhnen.

Je kleiner diese Öffnung im Resonanzfell jedoch ist, umso kontrollierbarer ist der Sound. Ein Kompromiss, zwischen Praktikabilität und Klang im Tieftonbereich.

Bass-Drum-Resonanzfell mit kreisrunder Öffnung Foto: GEWA drums

Was du hörst, ist nicht die Publikums-Realität

Wenn es dein Wunsch ist, bald vor Publikum zu spielen, solltest du dir bei der Wahl der Schlagzeug-Felle einer Tatsache bewusst sein: Während du auf dem Drum-Hocker in deiner Burg thronst und den für dich optimalen Sound entwickelt hast, hört das Publikum etwas vollkommen anderes. Nämlich hauptsächlich den Klang der Resonanzfelle, sofern das nicht vernünftig mit Mikrofonen abgenommen wird. Und da gilt es nach individuellen Gegebenheiten ein wenig zu experimentieren.

Üblich ist es eigentlich, bei Resonanzfällen eher dünnere Varianten zu verwenden. Einerseits können die leichter schwingen, andererseits haben sie nicht viel auszuhalten. Gehen wir nun aber davon aus, dass hauptsächlich der Klang der „Resos“ beim Publikum ankommt, kann es durchaus Sinn machen, mit dickeren Fällen zu agieren. Einfach mal ausprobieren.

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