Die Lunge deines Drumsets

Mysterium Hi-Hat einstellen und Soundmöglichkeiten ausschöpfen

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Die Hi-Hat gehört für dich als Drummer zu den wichtigsten stilistischen Ausdrucksmöglichkeiten. Klar, sie gehört wie die Ride-Becken zu den Hochtönern Deines Sets, aber sie bietet so viel Entfaltungsfreiraum, dass sie sich deutlich hervortut. Schauen wir uns an, wie du die Hi-Hat einstellen und die Facetten ausnutzen kannst:

Check it: Hi-Hat einstellen – wie du es richtig machst

  • Vielseitigkeitsgarant Hi-Hat
  • Hi-Hat Aufbau
  • Sinnvoller Abstand von bottom und top
  • Einstellmöglichkeiten von Neigung bis Federspannung
  • Spieltechnische und klangliche Auswirkungen

Hi-Hat einstellen für optimale Phrasierungen

Dein ewiges Problem als Drummer: Du hast nicht mehr als Arme und Beine, aber jede Menge Kessel, Becken und vermutlich noch einige Perkussion-Instrumente mit an Bord. Und die sollst du alle gleichzeitig bedienen. Besonders hilfreich will die Hi-Hat sein. Immerhin schlägst du damit zwei Becken aneinander und benötigst nur einen Fuß. Ach ja, darauf spielst du auch noch mit den Sticks. Schon wieder zwei Arme weniger.

Eine der filigransten Komponenten deines Sets

Tatsache bleibt, dass die Hi-Hat wie die Snare zu den filigransten Komponenten deines Sets gehört. Wird die Snare allgemein als das Herz des Schlagzeugs bezeichnet, darf die Hi-Hat durchaus als die rhythmische Lunge bezeichnet werden. Wichtig allerdings, damit du sämtliche Möglichkeiten aus diesem Doppelbecken mit integrierter Fußmaschine herauskitzeln kannst, ist – neben deiner Spieltechnik – die richtige Einstellung. Wir versuchen ein paar hilfreiche Tipps zu liefern, damit du deine Hi-Hat einstellen kannst.

Ab in die Höhen der Vogelperspektive

Nehmen wir die Vogelperspektive ein und nehmen das Ding zunächst oberflächlich unter die Lupe. Was ist eine Hi-Hat und woraus besteht die? Im Straßenjargon wird diese Schlagzeugteil oftmals falsch benannt. Weniger kundige Menschen bezeichnen damit lediglich die beiden übereinander liegenden oder schwebenden Becken. Das trifft es noch nicht. Vielmehr geht es um die gesamte Konstruktion inklusive Fußmaschine, Ständer, Zugstange etc. Erst durch das Zusammenspiel wird ein Schuh daraus. Oder vielmehr die Hi-Hat. Willst du die Hi-Hat einstellen, geht es demnach immer um das große Ganze.

Komplexer als auf den ersten Blick vermutet
Komplexer als auf den ersten Blick vermutet Foto: Shutterstock von Africa Studio

Hi-Hat Aufbau

Bevor du die Hi-Hat einstellen kannst, musst du sie selbstverständlich aufbauen. Das ist kein Hexenspiel. Für absolute Einsteiger wollen wir den Weg hier dennoch kurz skizzieren. Zunächst widmest du dich dem üblicherweise 3-beinigen Ständer. Die Beine klappst du soweit auf- bzw. auseinander, bis du meinst, so stehen sie sicher. Zu weit auseinander bringt nichts, das raubt nur Platz. Zu nah beieinander wieder ist Unsinn, zumal die Hi-Hat während des Spiels umkippen könnte. Außerdem lassen sich die Zugkräfte so nicht optimal ausnutzen. Nicht vergessen, die Standbeine in der Position per Flügelschraube zu fixieren.

Der goldene Mittelweg ist der richtige
Der goldene Mittelweg ist der richtige Foto: Shutterstock von Serdar Tibet

Mehr Konstruktionsspaß als im Land der dänischen Plastikbausteine

Im nächsten Schritt stabilisierst du das Pedal der Hit-Hat mit dem Gestänge. Das geschieht, indem du wieder unter das Pedal greifst und anschließend die Gestängegabel in der Halterung einrasten lässt. Es sind noch ein paar Arbeitsschritte, bevor du die Hi-Hat einstellen kannst. Als nächsten nimmst du dir die Zugstange vor. Die schraubst du nun fest in das Gewinde des Stativs. Nun noch das Mittelroh über die Zugstange führen und festschrauben. Der erste Teil des Aufbaus ist damit erledigt. Aber keine Angst, bevor du die Hi-Hat einstellen kannst, folgen noch weitere.

Die beiden Becken melden sich zu Wort und wollen montiert werden. Und die sind keinesfalls identisch, stattdessen sogar vorbezeichnet als unteres und oberes Becken. Beschriftet sind die üblicherweise als „bottom“ bzw. „top“. Bevor du das untere Becken aufsetzt, legst du zunächst eine Metallscheibe inklusive Filzunterlage auf den Ständer. Direkt darauf packst du das „Bottom“-Becken. Fixiert wird dieses Becken nicht.

Schritt für Schritt wie im Land der goldenen Plastiksteine
Schritt für Schritt wie im Land der goldenen Plastiksteine Foto: Shutterstock von sbw18

Das bestimmende Teil ohne Handtaschen-Charakter: der Clutch

Es folgt ein Zauberwort, das nichts mit einer Damenhandtasche zu tun hat: der Hi-Hat Clutch. Heißt auch nicht „die“ Clutch, sondern „der“ Clutch. Obwohl, angesichts aktueller Sprach- und Genderentwicklungen kann man sich da nicht so sicher sein, könnte auch der*die Clutch*in heißen. Der Hi-Hat Clutch wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, hat aber immense Bedeutung. Immerhin gibt er der Hi-Hat erst ihren grundlegenden Sinn, die Möglichkeit zwei Becken durch die Bewegungen des oberen per Fußbewegung aneinanderzuschlagen.

Ende der sprachlichen Philosophie. Wir reden von dem Teil, das gleich das Top-Becken halten und fixieren soll. Und dafür muss es zunächst am Becken montiert werden. Im nächsten Stepp schiebst du das Top-Becken mitsamt Clutch über die Zugstange und schon geht es an die Feinjustierung, bevor du die Hi-Hat einstellen kannst. Die Clutch wird per Flügelschraube an der Zugstange fixiert. Die korrekte Distanz ergibt sich, wenn du die Fußmaschine halb heruntertrittst und in dieser Position die Flügelschraube fest anziehst. Nicht zu fest; nach fest kommt bekannt ab.

Hi-Hat-Becken und der sinnvolle Abstand

Für den Abstand der beiden Becken zueinander gibt es keine fixen Vorgaben, aber reichlich Empfehlungen. Du wirst die für dich optimale Distanz selbst herausfinden. Oftmals entscheiden Nuancen über das optimale Spielgefühl. Klar sollte das Prinzip sein, je größer der Abstand, umso stärker und folglich lauter können die Becken aufeinandertreffen. Gleichzeitig aber sorgt ein großer Abstand dafür, dass der Fuß umso weitere Wege treten muss. Er wird also langsamer. Grundsätzlich geraten wir dazu, den Abstand nicht zu groß zu wählen. Daran solltest du denken, wenn du die Hi-Hat einstellen möchtest.

Tatsache bleibt, dass es gerade bei längerem Spiel anstrengend ist, gegen große Federwege zu arbeiten. Außerdem würdest du mit langen Abständen lediglich dafür sorgen, dass die Becken nahezu kontinuierlich offen sind. In etlichen Musikstilen ist ein zu stark offenes Spiel unerwünscht. Auch ist es nicht der eigentliche Sinn der Hi-Hat. Für das offene Spiel hast du die Ride-Becken. Auch das sind gute Argumente dafür, den Abstand mit wenigen Zentimetern zwischen den Becken moderat einzustellen.

Hi-Hat einstellen: Die Wege dürfen nicht zu lang sein.
Hi-Hat einstellen: Die Wege dürfen nicht zu lang sein Foto: Shutterstock von PV productions

Diverse weitere Einstellmöglichkeiten für das filigrane Spiel

Zugegeben, das klingt bislang  alles ziemlich starr und wenig individuell einstellbar. Immerhin willst du die Becken nicht einfach wie ein Schützenfestmusikant zusammenscheppern, stattdessen filigran, nuanciert und abwechslungsreich damit hantieren. Wozu sonst solltest du deine Hi-Hat einstellen? Aber keine Angst, dafür kannst du etliche Wege gehen. Nicht nur außergewöhnlich hochwertige Hi-Hats verfügen aus diesem Grund über spezielle Features.

Auswirkungen veränderter Federspannung

So kannst du etwa die Federspannung verändern, hilfreich ist diese Funktion dafür feinfühliger zu agieren.  Ebenso kann die Dämpfung beider Becken eingestellt werden oder die Neigung des Ständers insgesamt, was sich eher auf das Spielgefühl auswirkt. Interessant, wenn du die Hi-Hat einstellen willst, ist die Möglichkeit, die Tellerneigung zu verändern.

Klangliche Auswirkung durch veränderte Neigung

Dadurch veränderst du nichts Geringes als den Winkel, in dem die beiden Becken aufeinandertreffen. Bereits dann, wenn du das untere Becken nur leicht anwinkelst, treffen die Becken eben nicht mehr unmittelbar komplett aufeinander. Das äußerst sich darin, dass die Becken statt einem Stakkato-artigem Sound eher scheppern, was ja in vielen Fällen das eigentliche Ziel ist. Das Klangresultat ändert sich deutlich.

Und hier noch ein paar interessante Hi-Hat-Modelle:

Einfach mal ausprobieren – wir wünschen Dir viel Erfolg!

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Wenn du dich für weitere technische Details des Aufbaus interessierst, wirf doch mal einen Blick auf unseren Artikel zum Thema „Schlagzeug aufbauen und richtig aufstellen“.

Keine Kommentare zu “Mysterium Hi-Hat einstellen und Soundmöglichkeiten ausschöpfen”
  1. Olaf Normann

    Wichtig fände ich noch den Hinweis, dass – je nach Position der weitesten Öffnung der beiden HH-Becken – der Verschleiß der DrumSticks enorm variabel ist. Bei Öffnung richtung Spieler „leiden“ die Sticks erheblich mehr, als wenn man die Öffnung vom Spiler weg dreht…(spart ne Menge Geld für neue Stöcke…) 😉

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