Blendeffekte sinnvoll in die Lightshow integrieren

Lichttechnik für Einsteiger: Was ist ein Blinder?

Foto: silvae

Um eure Show auch visuell vernünftig in Szene zu setzen, gibt es verschiedene Arten von Scheinwerfern. Einen speziellen Effekt ermöglichen euch Blinder. Aber was ist das überhaupt und was könnt ihr damit anstellen. Hier ein paar Infos:

Blinder – Aufgaben und Vorteile:

  • Bühnen-Momente durch Helligkeit betonen
  • Szenisch die Aufmerksamkeit eures Publikums auf sich lenken
  • Animations-Unterstützung durch visuellen Kontrast
  • Spezielle Bereiche wie die vordere Bühne blenden
  • Nicht durch andere Effekte ersetzbar
  • Warmes gleichmäßiges Licht
  • Zwischen LED und Glühleuchtmittel

Blinder haben die Aufgabe, bestimmte Momente in eurer Bühnenshow zu betonen. Sie machen, was der Name sagt. Sie blenden; allerdings kontrolliert. Blinder setzen entweder spezielle Bereiche oder große Flächen in besonders helles Licht und liefern damit einen markanten Kontrast zu der üblicherweise in dunkleren Farben erscheinenden Lichtkomposition. Sie bieten sich hervorragend dafür an, Höhepunkte in eurer Musik zu unterstreichen und die Aufmerksamkeit des Publikums auf die besondere Szene zu lenken.

Szenische Betonung per Blinder
Szenische Betonung per Blinder Foto: Jörn Petersen

Blinder: Szenische Betonung

In der Praxis kann das beispielsweise so aussehen, dass ihr während eines groovenden Stückes, die Bühne bei Strophe und Refrain farblich abwechselnd beleuchtet habt. Dann kommt das Solo des Gitarrenakrobaten. Genau jetzt kommt der Blinder zum Einsatz. Anschließend geht es wieder mit den komponierten Farben weiter bis zum großen Finale. Setzt ihr zum letzten Ton an, wird wieder der Blinder hochgefahren. Eine dramaturgische Betonung, die sich sehen lassen kann.

Noch eine Portion effektiver ist ein Blinder, wenn ihr ihn wirklich nur für ganz kurze Passagen einsetzt. Hat euer Song eine wiederkehrende Zeile, vielleicht nur zwei Wörter wie den Songtitel, der immer wieder auftaucht? Ihr wollt, dass das Publikum genau an dieser Stelle mitsingt oder -klatscht? Dann ist dies die ideale Stelle, um genau bei diesen Wörtern die Blinder zu aktivieren – und unmittelbar danach wieder runter zu dimmen.

Helligkeit als wortlose Animation

Das ist wie ein Signal für die Crowd da unten. Die verstehen ziemlich schnell was ihr wollt. Dafür braucht ihr das Publikum nicht mal mit irgendwelchen Erklärungen zu animieren. Ein Blinder ist ein echter Showeffekt. Allerdings solltet ihr den Blinder nicht „inflationär“ einsetzen.

Es ist ein Effekt. Und wenn man einen Effekt zu häufig verwendet, ist er eben keiner mehr, sondern wird plötzlich zur Selbstverständlichkeit. Das Publikum stumpft ab und nimmt die Besonderheit nicht mehr wahr. Außerdem: Wenn ihr die Bühne zu häufig in dieses echt helle Licht taucht, wie wollt ihr dann zu einem normal abwechslungsreichen Bühnenlicht wieder zurückkehren.

Ein Bühnen-Grundlicht darf nicht allzu hell sein. Andernfalls würde man die verschiedenen Grund- und Mischfarben nicht mehr erkennen können. Nicht, weil man nicht will, sondern, weil das menschliche Auge und Hirn dafür nicht geschaffen sind. Ist die Bühne zu lange zu grell beleuchtet, denkt das Publikum vermutlich, die Show ist zu Ende. Ihr habt nur vergessen abzubauen.

Ganz schön hell die Dinger
Ganz schön hell die Dinger Foto: Jörn Petersen

Blinder für die Anmoderation – effektiver Kontrast

Ein weiterer Einsatzzweck kann es sein, Blinder bei der Anmoderation zu nutzen. Zwischen den Songs steht Sänger oder Sängerin am Mikro und leitet mit ein paar Worten zum nächsten Titel. Ein super Effekt ist es, dieses Bandmitglied – und letztlich die gesamte Bühne – in helles Blinder-Licht zu stellen. Anmoderation gelaufen, Drummer zählt an, Blinder aus und die restlichen Scheinwerfer sorgen für Rock- oder Partyfeeling. Egal ob abgedreht oder melancholisch.

Der schmale Grat zwischen Schatten und Licht

Im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen halten müssen wir uns gerade beim Thema Blinder, was Scheinwerfer überhaupt bezwecken sollen. Sie sollen „stimmungsvoll“ inszeniertes Licht liefern und möglichst dramaturgisch euren Auftritt untermalen. Das Auge hört bekanntlich mit. Licht aber kann nur wirkungsvoll sein, wenn es in die Dunkelheit strahlt. Dunkelheit ist das Medium des Lichts. Schon wird klar, weshalb Blinder nur für kurze Passagen zum Einsatz kommen. Blinder sind die hellen Außenseiter.

Blinder mit anderen Scheinwerfern realisieren?

Schon weil’s insgesamt preisgünstiger ist, könnte man glauben, ein Blinder ließe sich auch mit anderen Scheinwerfern nachbilden bzw. imitieren. Einfach helles Weiß liefern, das kann doch vermeintlich fast jeder andere Scheinwerfer auch. Wäre das nicht auch möglich mit einem Stroboskop, diesem hell und schnell blitzenden Gerät, wenn man es einfach auf Dauerlicht stellt?

Nun ja, nicht wirklich. Denn zwischen diesen Typen gibt es maßgebliche Unterschiede. Diese Geräte haben ihre jeweils eigenen Aufgaben und Ausstattungen. Lichttechniker und DJs kennen das: Wenn man ein Stroboskop im Dauerbetrieb ohne Blitzabstände fährt, ist bei den meisten Geräten im Gegensatz zum Blinder noch immer ein Flimmern zu erkennen.

Zudem wirkt das Licht der Ersatzkameraden meistens kalt. Blinder hingegen strahlen meistens warmes und gleichmäßiges Licht aus. Nicht zu vergessen: die besonders schnelle Reaktionszeit. Der Blinder ist sofort da und macht spezielle Passagen einfach fetter. Hinzu kommt, dass auch relativ preisgünstige LED-Blinder heutzutage eine Halogen-Simulation mit an Bord haben. Außerdem gibt es mittlerweile Kombi-Geräte am Markt:

Blinder als Kombigeräte für Einsteiger
Blinder als Kombigeräte für Einsteiger Foto: Jörn Petersen

Übrigens: Wer sich den Effekt der Blinder im Fernsehen oder auf Videos in den einschlägigen Portalen ansehen will, wird dabei kaum ein realistisches Bild erhalten. Das Licht ist meistens derart hell, dass die Kameras das mit ihren sensiblen Linsen nicht vernünftig abbilden können. Setzen die Kameras die Lichtempfindlichkeit runter, ist die Helligkeit eben auch nicht mehr vorhanden. Einer der Lichteffekte, bei denen man sich seinen Eindruck wirklich live holen sollte.

Funktioniert auch mit Farben
Funktioniert auch mit Farben Foto: Jörn Petersen

Unterschiedlichste Modelle von Blindern

Am Markt werdet ihr Blinder in diversen verschiedenen Bauformen finden. Die gibt es zum Beispiel als Matrix-Blinder, also mit vielen einzelnen LEDs in mehreren Reihen über- und nebeneinander. Ideal einsetzen könnt ihr die als Seitenlicht links und rechts der Bühne oder als Backlight. Dann gibt es sogenannte Strip-Blinder. Das ist schlichtweg eine Leiste, auf der die Lichter sich in lediglich einer Reihe befinden.

Passt gut an den vorderen Rand der Bühne oder an die Lichttraverse.  Die Dinger, die ihr aufs Publikum richten könnt, nennen sich Audience-Blinder. Und auch die gibt’s mit leistungsstarken LED, etwa mit 65 Watt starken LEDs. Und das macht schon gut schon echt was her. Übertreibt’s nicht, die Blinder sollen die Gäste nicht blind machen. LED-Blinder sind ideal für Einsteiger und Semiprofis.

Im professionellen Bereich werden oft Blinder in PAR-Bauweise genutzt. (PAR-Scheinwerfer sind diese Dinger, die aussehen wie ein Ofenrohr. In dem Gehäuse befindet sich dann meistens ein Reflektor, beispielsweise ein Parabolspiegel, der für einen abgedichteten Lichtstrahl sorgt. Am häufigsten werdet ihr PAR-36 Blinder mit einer Leistung von 250 Watt antreffen.

Sehr oft bestückt sind diese Blinder mit ACL-Leuchtmitteln, das sind Glühlampen, die eigentlich aus dem Flugzeug-Sektor stammen. Größere Maße und stärkere Leistungen sind möglich. Allerdings: Mit solchen Modellen bewegen wir uns ganz sicher nicht im Einsteigerbereich. Legt erst mal los. Viel Erfolg vor dem Publikum. Eine beeindruckende Lichtshow kriegt ihr bereits mit einfachen Mitteln hin.

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: