Warum wir alle das Stoffklebeband brauchen

Gaffer Tape – das wichtigste Tool der Musiker!

Gaffer Tape
Gaffer Tape – das Musiker-Tool Foto: Kaeßmann

Gaffer Tape findet sich bei jedem Musiker – egal ob für den Live- oder Studio-Einsatz. Hier erzählen wir dir, warum eine Rolle davon in jeden Musikerhaushalt gehört.

Neulinge wundern sich gelegentlich, was die „alten Hasen“ alles damit machen. Und doch findet man irgendwann in eigentlich jedem Musikerhaushalt mindestens eine Rolle Gaffer Tape. Dieses Stoffklebeband, das nach dem Namen eines bekannten Herstellers auch gerne mal Gaffa Tape geschrieben wird, ist das vielleicht wichtigste Utensil, das wir alle haben – noch vor dem Stimmgerät!

Gaffer Tape – der Erfinder

Gaffer Tape wurde von Ross Lowell aus New York erfunden. Der 1926 geborene Lowell war aber nicht nur Erfinder, sondern zum Beispiel auch Fotograf, Filmer und Lichtdesigner. Für ein von ihm erfundenes Befestigungssystem für Licht erhielt er 1980 sogar einen technischen Oscar! Er starb im Alter von 92 Jahren im Februar 2019. Aber er hinterließ uns dieses geniale Stoffklebeband, das seinen Namen übrigens vom englischen Wort „Gaffer“ für Beleuchter hat.

Gaffer Tape – das Besondere

Gaffer Tape wird gerne mal mit dem sogenannten Duct Tape verwechselt. Das aber glänzt in der Regel und hinterlässt meist klebrige Rückstände. Es ist nämlich gar nicht dafür gedacht, schnell wieder abzugehen. Ganz anders Gaffer Tape: Sofort fällt auf, dass das in der Regel 2 Zoll breite Band meist eine matte Oberfläche hat und somit kein Licht reflektiert. Hier merkt man seine Herkunft vom Film. Dann lässt es sich bei Bedarf schnell und einfach wieder rückstandslos entfernen. Außerdem ist Gaffer Tape deutlich hitzebeständiger als andere Stoffklebebänder und extrem reiß- und zugfest. Mit diesen Eigenschaften ist es der ideale Helfer auf der Bühne und im Studio – und ihr werdet sehen: auch darüber hinaus!

Duct Tape (links) und Gaffer Tape (rechts)
Das glänzende Duct Tape (links) wird gerne mal mit Gaffer Tape (rechts) verwechselt. Foto: Kaeßmann

Gaffer Tape im Einsatz

Klar, am häufigsten ist Gaffer Tape auf den Bühnen dieser Welt anzutreffen. Mal eben ein Kabel auf dem Bühnenboden so verlegen, dass man nicht drüber stolpert? Kein Problem mit schwarzem Gaffer Tape. Du musst etwas an einer Traverse befestigen? Sogar komplette Scheinwerfer haben wir schon gesehen, die mit silbernem Gaffer Tape an der Alu-Stange baumelten – bitte nicht nachmachen! Gaffer Tape ist zwar extrem zug- und reißfest, aber dafür gibt es richtige Befestigungen. Mit einem kurzen Querabriss hat man übrigens die Reißfestigkeit im Nu unterbrochen und die gewünschte Länge von der Rolle abgetrennt – ganz ohne lästige Schere!

Du brauchst eine kleine Markierung auf dem Boden, damit du weißt, wo du im perfekten Rampenlicht stehst? Ja, auch dafür nimmt man einfach Gaffer Tape. Solche Markierungen werden auch gerne mal auf der Bühne vergessen. Achte einfach mal beim nächsten Club-Besuch darauf.

Dann kann man damit alles mal eben markieren und das wiederum beschriften. Dafür gibt es heutzutage Gaffer Tape in unzähligen Farben, von Neongelb bis Pink und Grün. Auf der letzten NAMM Show haben wir es sogar mit Tarnfarbenmuster gesehen (siehe Foto unten, ganz links um Bild)! Ob das zur Verlegung von Kabeln im Gebüsch oder auf Waldboden gedacht ist, können wir aber nur mutmaßen. Jedenfalls gibt es Gaffer Tape inzwischen von sehr auf- bis extrem unauffällig.

Gaffer Tape gibt es in diversen Farben!
Gaffer Tape gibt es in diversen Farben! Foto: Kaeßmann

Das Beste aber beim Bühneneinsatz ist, dass Gaffer Tape nach der Show ganz einfach wieder zu entfernen ist. Schließlich müssen wir den Club ja sauber übergeben.

Auch wird Gaffer Tape gerne zum Reparieren von Instrumenten genommen. Das Batteriefach des Synthesizers ist lose? Kein Problem, einfach einen Streifen Gaffer Tape drüber geklebt. Ebenso verhält es sich mit den meisten wackeligen oder losen Teilen von Musikinstrumenten. Gaffer Tape ist da eine echte Allzweckwaffe, denn da es rückstandsfrei wieder abzulösen ist, macht es das Instrument auch nicht kaputt. Okay, wenn das Tape nach Jahren mit der Oberfläche, auf der es klebt, erst einmal verschmolzen ist, ist es auch zu spät.

Aber bis es soweit ist, dauert es eine ganze Weile. Denn Gaffer Tape ist eben auch sehr hitzebeständig. Da es in erster Linie für den Einsatz beim Film erfunden wurde, ist das natürlich nicht weiter verwunderlich. Selbst heute noch kommen in vielen Film- und Fernsehstudios riesige Lampen zum Einsatz, die auch eine entsprechende Hitze abgeben. Davon durfte und darf sich das Tape nicht beeindrucken lassen.

Gaffer Tape zweckentfremdet

Heute kommen glücklicherweise auf vielen Bühnen mehr und mehr LED-Scheinwerfer zum Einsatz, die kaum noch Wärme abgeben. Doch manchmal braucht man die Hitzebeständigkeit und die besonderen Eigenschaften von Gaffer Tape immer noch. Im Fernsehen sieht man regelmäßig schwarzes Gaffer Tape, wenn mal wieder der Herstellername eines Keyboards „unauffällig“ überklebt werden muss – bloß keine Werbung machen …

Gerne wird Gaffer Tape auch zur schnellen Reparatur diverser Utensilien verwendet, die nichts mit Film oder Musik zu tun haben – vom Hammergriff bis zum Fahrradschlauch. Hält zumindest eine Zeit lang.

Und wir kennen sogar jemanden, der hat damit während einer Tour allen Ernstes den abgefallenen Auspuff seines Bandbusses repariert! Und in die Werkstatt ging es keineswegs direkt in der nächsten größeren Stadt. Das hielt so bombenfest, dass der Bus erst mal die gesamte Tour weiterfuhr!

 

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