Wann können Kinder mit dem Geige-Spielen anfangen?

Ab welchem Alter Violine erlernen? Gedanken pro und contra zum Frühstart auf der Geige

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Gigantisch, wenn David Garrett auf seiner Violine loslegt, oder? Einfach beeindruckend, was Anna Sophie Mutter aus ihrer Geige kitzelt, keine Frage. David hat bereits im zarten Alter von vier Jahren begonnen. Zu früh? Ab welchem Alter Violine gelernt werden kann? Konkrete Antwort: Es kommt darauf an.

Check it: Ab welchem Alter Violine von Kids gelernt werden kann

  1. Anforderungen der Geige bedenken
  2. Überforderung bei Kleinkindern unbedingt vermeiden
  3. Klassische Lehrmethode mit Noten
  4. Einfach ein bisschen warten
  5. Ideal für die Kleineren: Suzuki-Methode

Ab welchem Alter Violine für Kids sinnvoll und spaßbringend spielbar ist

Geige zu lernen, ist nicht einfach. Der Grund? Es ist ein Instrument, bei dem es – gerade am Anfang – nicht so simpel ist, die korrekten Töne zu spielen. Das Zauberwort heißt Intonation. Bekanntlich hat eine Geige keine Bundstäbchen wie eine Gitarre und – sorry für den absurden Vergleich – auch keine simplifizierenden Tasten wie ein Keyboard oder ein Klavier.

Auf der Gitarre wird die Saite hinter dem Bundstäbchen gegriffen und angespielt; der Ton stimmt. Wird beim Piano eine Taste gedrückt, kommt ein in sich stimmiger Ton. Im Gegensatz dazu die Geige: Eine Violine ist fretless, bundlos; sie hat weder Bundstäbchen noch Bünde. Eine Orientierungsmöglichkeit, an exakt welcher Stelle die Töne korrekt gegriffen werden müssen, existiert nicht. Nicht vorhanden, nada, nothing, niente. Ein bedeutender Aspekt dafür, ab welchem Alter Violine & Co. gelernt werden können.

Ein Geigenhals hat keine Bünde zur Orientierung
Ein Geigenhals hat keine Bünde zur Orientierung Foto: Shutterstock von Sutthimon Ounnapiruk

Ein Appell an fürsorgliche Eltern: Überforderung vermeiden

Empfohlen wird oftmals, dass die Kids so früh wie möglich mit der Violine beginnen sollten. Inflationär widergekäut heißt es, „Wer Karriere auf einem Instrument machen will, sollte spätestens im Kindergartenalter beginnen.“ Liebe Helikopter-Eltern, bitte seid vorsichtig, können wir da nur sagen. Der Kasus Knacktus steckt im Detail. Denn:

Woher bitte sollen Vierjährige wissen, ob sie jemals eine Karriere als Geiger bzw. Geigerin einschlagen wollen? Ist es wirklich die Entscheidung des Kindes? Kann es in diesem frühkindlichen Alter überhaupt schon Lebensträume beurteilen? Die wollen doch einfach nur ihren Spaß haben und Anerkennung spüren. Oder ist es allenfalls der kindliche Wunsch, die geliebten Eltern nicht zu enttäuschen? Ändern müssen wir also zunächst einmal den Anspruch. Es geht um die Freude am Musizieren.

Überforderung darf nicht sein; Motivation muss her
Überforderung darf nicht sein; Motivation muss her Foto: Shutterstock von Kostikova Natalia

Grundsätzlich sollten Kinder, gleichgültig welchen Alters, keinesfalls überfordert werden. Erst recht nicht bei einem Hobby. Riskant, nicht darauf zu achten, ab welchem Alter Violine zu lernen kindgerecht sinnvoll ist. Der durch eine Überforderung zwangsläufig entstehende Frust, ist die Kardinalbremse für den weiteren Weg schlechthin. Die Kleinen würden das Interesse an dem Instrument, wenn nicht sogar generell am Musikmachen verlieren.

Außerdem belastet jeder Misserfolg die kleine Seele und ist der missliebige Nährboden für Selbstzweifel. Exakt das, was ihr eurem Kind nicht in die Brotdose werfen wolltet. Keine verantwortliche Mutter, kein verantwortlicher Vater wird sein Kind stehenden Auges in eine solch unbehütete Situation rasseln lassen. Besonders dann nicht, wenn das Risiko absehbar ist. Es geht um Spaß und Motivation. Nachdem die Frage geklärt ist, ob die Eltern wollen, dass ihr Kind Geige lernt, oder die Kids selbst den Wunsch haben, kommt die nächste Überlegung. Und glücklicherweise gibt es weitere Möglichkeiten:

Musikalische Früherziehung trainiert für das spätere Violinen-Spiel
Musikalische Früherziehung trainiert für das spätere Violinen-Spiel Foto: Shutterstock von Oksana Kuzmina

Die Kleinen mit musikalischer Früherziehung vorbereiten

Die erste Alternative: Einfach ein bisschen warten, bis das Kind sich weiterentwickelt hat und sich den Anforderungen der Violine enttäuschungsfreier stellen kann. Fähigkeiten, die später auf der Violine benötigt werden, lassen sich bereits in der musikalischen Früherziehung fördern.

Beispielsweise die Gehörbildung ist wichtig für die musikalische Geigenzunft. Wie bei anderen bundlosen Instrumenten ist es bei der Violine wichtig, die Töne im Voraus zu denken, zu empfinden und die Finger vernünftig zu platzieren. Ganz bewusst ist hier das Wort „platzieren“ anstelle von „aufsetzen“ gewählt. Die einwandfreie Intonation ist das Fundament für wohlklingende Melodien auf der Geige. Bei der musikalischen Früherziehung wie mit einem Glockenspiel oder einer Melodica, auch beim gemeinsamen Singen wird das Gehör trainiert.

Klassisch korrekt für spätere Jahrgänge
Klassisch korrekt für spätere Jahrgänge Foto: Shutterstock von antoniodiaz

Geige lernen nach der klassischen Methode: Ab welchem Alter Violine passt

Bei der klassischen Lehrmethode ist das Erlernen von Noten und ersten musiktheoretischen Zusammenhängen fester Bestandteil des Unterrichts. Geige-Spielen zu lernen, hat nach diesem Konzept beileibe nichts mit musikalischer Früherziehung zu tun. Selbst wenn alle Beteiligten bemüht sind, es den jungen Einsteigern nicht zu schwer zu machen, bleiben die Anforderungen von Anfang an ziemlich hoch.

Wirklich schnelle und motivierende Lernerfolge können kaum erwartet werden, zumal es lange dauert, bis die ersten Töne und Melodien einigermaßen fehlerfrei und wohlklingend intoniert gespielt werden. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Schüler müssten reflektieren, dass insbesondere der Anfang auf dem Instrument sehr mühevoll sein kann und sie viel Durchhaltevermögen benötigen.

Das wollen wir von 4- oder 5-Jährigen verlangen? Wohl eher nicht. Dies und weitere Aspekte sind übrigens die Gründe dafür, dass klassische Violinen-Lehrer üblicherweise keine Schüler mit einem Alter unter sechs Jahren unterrichten. So früh wie nötig, so spät wie möglich: Sinnvoll ist der klassischen Violinen-Unterricht ab ca. sechs bis acht Jahren. Nicht nur die Finger sind dann schon besser ausgewachsen und lassen sich vernünftiger kontrollieren. Das rationale Denkvermögen und die Widerstandsfähigkeit gegen kleine Enttäuschungen sind standfester ausgebildet.

Ab welchem Alter Violine erlernt werden kann: Suzuki gibt die Antwort
Ab welchem Alter Violine erlernt werden kann: Suzuki gibt die Antwort Foto: Shutterstock Von namaki

Lösung für die Kleinsten: Violine-Lernen nach Suzuki mit der „Muttersprachen-Methode“

Doch es gibt noch ein weiteres didaktisches Konzept. Und das richtet sich direkt an die ganz jungen Musikschüler: Mit der sogenannten Suzuki-Methode können bereits 4-Jährige zur Violine greifen, ihre Musikalität und Kreativität entdecken und richtig Spaß haben. Im Mittelpunkt der Suzuki-Didaktik steht die Motivation. Ein entscheidend menschlicher Faktor für die Antwort darauf, ab welchem Alter Violine lernen möglich und machbar ist.

Shinichi Suzuki selbst nennt sein Konzept die „Muttersprachen-Methode“. Er leitet diese Lehrmethodik von einer simplen Beobachtung ab. Nämlich der, wie Kleinkinder ihre Muttersprache lernen: zunächst durch Hören, Beobachten, Nachahmen und Auswendiglernen.

Kleinstkinder blicken zum Beispiel in die Gesichter ihrer Eltern und hören, wie Mutter und Vater gefühlte 36.000 Mal „Sag mal Mama!“ säuseln. Um irgendwann Ruhe zu haben, sprechen sie dann das erste Wort ihres Lebens: „Mama“. Vielleicht auch, um endlich ihre Ruhe zu haben. Noten brauchen die Kleinen dafür nicht.

Motivation durch einfache Übungen auf und mit der Violine

Dieses Prinzip spiegelt die Suzuki-Methode wider. Gesetzt wird auf einfache Schritte, die in der Gruppe wiederholt werden. Kein Violinen-Schüler soll das Gefühl bekommen, vor einem unüberwindbaren Berg zu stehen. Und das einmal Gelernte wird auch häufig wiederholt. Auch das sorgt für ein gutes Gefühl, nämlich etwas geschafft zu haben und zu beherrschen. So einfach es für Fortgeschrittene auch sein mag. Dass Fortgeschrittene eine andere Sichtweise haben, soll die Beginner nicht bremsen. Es soll sie überhaupt nicht interessieren.

So wird bei der Muttersprachenmethode auch auf Noten und komplexe musiktheoretische Zusammenhänge zunächst verzichtet. Suzuki geht dabei ganz behutsam vor und achtet darauf, keinen der Schüler zu überfordern. Er stellt sehr leichte Aufgaben, die wirklich jeder Schüler der Klasse oder Gruppe ausführen kann, und lässt die von allen Kids gleichzeitig ausführen.

Und da die Kleinen das alle gemeinsam erfolgreich schaffen, sorgen die Lernerfolge für eine hohe Motivation. Ganz nah ist die Suzuki-Methode an den fernöstlichen Weisheiten mit den Prinzipien des Zen-Buddhismus‘. Diese Methode wird sowohl hierzulande als auch weltweit mittlerweile in vielen Musikschulen angewandt. Weil es einfach entspannter ist.

Übrigens: Auch für musikalische Späteinsteiger kann die Suzuki-Methode immense Vorteile haben. Wer als Erwachsener zur Geige greift, profitiert anfangs ebenso wie die Kids davon, dass zu Beginn keine Notenkenntnisse vermittelt werden und der zentrale Punkt schlechthin die Motivation ist. Ab welchem Alter Violine zu erlernen möglich ist, ist also auch gleichbedeutend damit, BIS zu welchem Alter ein Einstieg machbar ist: eigentlich immer.

Fazit:

Ab welchem Alter Violine & Co. gelernt werden können, hängt von der Methode ab und den Anforderungen ab. Mit entsprechender Behutsamkeit kann es ab etwa vier Jahren beginnen. Doch ein wenig Geduld aufzubringen und abzuwarten, kann durchaus die sinnvollere, weil spaßbringendere Variante sein.

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