Lieber traditioneller Monitor oder InEar-Kopfhörer?

Bühnenmonitor verständlich gemacht

Foto: Shutterstock von Narcis Parfenti

Je größer das Soundgewitter auf der Bühne, umso schwieriger ist es, das eigene Instrument – erst recht die Stimme – vernünftig zu spielen. Wie auch, wenn du dich selbst und die anderen nicht ausreichend hören kannst. Also brauchst du eine Lösung für den Bühnenmonitor.

Check it: Bühnenmonitor für Einsteiger

  • Damit ihr euch überhaupt hört
  • Fette Wedges oder kleinere Aktivboxen
  • InEar-Monitoring
  • Sinn und Zweck von unterschiedlichen Signalwegen

Warum der Bühnenmonitor so wichtig ist

Klar ist mal eines: Ohne dich selbst zu hören, stehst du auf der Bühne ziemlich verloren da. All das, was dir in langer Zeit so mühevoll wie enthusiastisch draufgeschafft und eingeübt hast, kannst du in solchen Momenten vergessen. Ohne Bühnenmonitor ist nicht die Frage, ob du dich verspielst, sondern lediglich wann das passieren wird.

Und eine Stimme ohne hörbare Eigenkontrolle ist schneller durchgesungen, als du und dein Publikum sich das vorstellen wollen. Geht gar nicht. Auch wenn die Instrumente fröhlich durcheinander donnern wollen, gibt es Lösungsmöglichkeiten.

Seit gefühlten Ewigkeiten scheiden sich die musikalischen Geister an der Frage, ob man lieber die üblichen Monitorboxen oder das immer noch innovative, aber längst bewährte InEar-Monitoring nutzen sollte. Beide Systeme haben ihre guten und schlechten Seiten:

Wedges als Bühnenmonitore für fetten Sound
Wedges als Bühnenmonitore für fetten Sound Foto: Shutterstock von Nasib Demlite

Erste Variante ist es, mit klassischen Monitorboxen zu arbeiten. Das sind die Boxen, die vorne oder seitlich auf der Bühne platziert werden und nicht aufs Publikum, sondern direkt auf Euch gerichtet sind. Bezeichnet werden solche Monitor-Boxen auch als Wedges. Hat mit ihrer üblicherweise abgeschrägten Form zu tun.

Problematik für den Einsteigerbereich sind die Dimensionen. Boxen, die euch „zu Füßen liegen“, müssen ausreichend dimensioniert sein. Ansonsten kommt das Signal vom Bühnenmonitor nicht vernünftig bei den Ohren an. Auf der üblichen Einsteigerbühne ist es aber gerne mal derart beengt, dass dafür kein Platz vorhanden ist.

Deutlich wird damit auch eine Eigenart, die von vielen Musiker – gerade den Traditionalisten – geschätzt wird. Fette Monitorboxen bieten deutlich mehr Druck als Ohrhörer oder kleinere Aktivboxen. Die eingefleischten Musiker dieser Fraktion brauchen für ihr Wohlgefühl und die Performance dieses direkte, geradezu archaische Gefühl, das mit besonderem Druck direkt im Magen ankommt.

Bühnenmonitor: „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“

Wedges bieten als Bühnenmonitor den echten Druck, was Vor- und Nachteil zugleich ist. Viele Musiker brauchen dieses direkte, geradezu archaische Gefühl. Dieser besondere Druck im Magen hat was, zweifellos.

Auf der Kehrseite der Medaille steht, dass die gesamte Bühne gerne mal mit donnerndem Sound überfrachtet wird. Problem dabei bleibt immer, dass die Instrumente on Stage wenigstens in Sache Lautstärke eigentlich gegeneinander arbeiten.

Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass Wedges, die Bühnenmonitore, den Gesamtsound nicht wirklich realistisch abbilden können. Selbst wenn man sich das komplette Signal aus dem Hauptmischer drauflegen lässt, kann der Monitorsound nur ein winziger Ausschnitt des Ganzen bleiben. Das saubere Stereobild kommt an seine Grenzen und erwürgt sich bei allem Enthusiasmus nicht selten selbst.

Das ganze Konstrukt vermischt sich zu einem Einheitsbrei aus Verstärkern, Naturinstrumenten und auch den anderen Monitoren und bietet immer wieder großen Freiraum für die typischen Musiker-Gags: „Ich hör‘ mich nicht.“ – „Sei froh!“ Tatsache bleibt, dass ein vernünftiger Mix – sowohl im Bühnenmonitor und letztlich auch in den Frontboxen – nur schwer machbar ist. Was über die Bühne krakeelt, streut natürlich auch in die Mikrofone ein. Die FOH-Mischer können ein leidvolles Lied davon singen.

Außerdem gibt’s die bekannte Gefahr von Rückkopplungen. Ist die Bühne erst mal in das Inferno mit Unwetter-Faktor getaucht, spielt jeder Musiker automatisch lauter. Man will sich schließlich hören, ich glaube, wir erwähnten das bereits.

Übrigens: Manche Musiker bilden sich ein, sie hätten mit diesen Wedges weitaus mehr Bewegungsfreit, was definitiv grundverkehrt ist. Zwar ist man dadurch nicht rundum bis zu den Ohren verkabelt, was den einen oder anderen verständlicherweise stört. Außerdem hat man nicht das Gefühl, man sei in seiner eigenen Hörumgebung gefangen und von Publikum und Bandkollegen abgeschnitten.

Immenser Vorteil aber ist, die geringe Anfälligkeit für Rückkopplungen. Wo keine Box ins Mikro ballert, gibt’s auch kein Feedback. Faktisch ist die Bewegungsfreiheit mit einem InEar-Monitor-System also deutlich größer. Aber gegen gefühlte Wahrheiten können überzeugende Tatsachen nicht gewinnen.

Verschiedene Namen für dieselbe Funktion: Sidefills
Verschiedene Namen für dieselbe Funktion: Sidefills Foto: Shutterstock von PsyComa

Benannt wird der Bühnenmonitor nach seinem Standplatz

Werden die Monitorboxen seitlich der Bühne platziert, spricht man im Musiker-Jargon von Sidefills. Eine Variante, die ihre spezifischen Tücken bietet, zumal dadurch soundtechnisch noch mehr Raum mit entsprechender Gefahr für Rückkopplungen eingenommen wird. Manchmal geht’s nicht anders. Besonders häufig wirst du diese Variante bei Schlagzeugern beobachten können, die links und rechts vom Drumset jeweils einen Flormonitor aufstellen.

Bühnenmonitor in die Ohren gedrückt
Bühnenmonitor in die Ohren gedrückt Foto: Shutterstock von mark_vyz

InEar-Systeme als Bühnenmonitor

Eine weitere Möglichkeit als Bühnenmonitor stellen die InEar-Systeme dar.  Das Prinzip ist relativ simpel. Der Monitormix wird eben nicht an die Wedges am Bühnenrand oder an die Sidefills geschickt, stattdessen – gerne per Funk – an die Ohrhörer, bzw. an den entsprechenden Empfänger in der Hosentasche oder am Gürtel des Musikers. Wollt ihr das per Funk organisieren, benötigt ihr dafür natürlich einen entsprechenden Sender. Drummer oder Keyboarder machen das auch oft simpel per Kabel und brauchen dann als Zusatz lediglich einen Kopfhörerverstärker.

Eine bisweilen bittere Pille von InEar-Systemen ist für viele der Preis. Klar, es gibt simple Ohrhörer; du kennst das vom Smartphone oder sonstigen digitalen Kommunikationskameraden. Als Bühnenmonitor bringen diese kleinen Ohrstöpsel wenig Erfolg. Zumal sie einfach viel zu viel sonstiger Geräusche hindurchlassen. Geht’s zur Sache, hörst du weniger als vorher. Da muss schon Qualität her, und die kostet.

Über das System entscheiden individuelle Hörgewohnheiten

Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, mit welcher Variante er oder sie sich am wohlsten fühlt. Viele Musiker setzen auf eine Kombination aus Bühnenmonitor und InEar-Monitoring. Sie setzen dann beispielsweise nur einen Ohrhörer ein und halten sich das andere Ohr für die Wedges, Bühnengeschehen und Publikum frei.

Frontlautsprecher und Bühnenmonitor sind getrennte Systeme
Frontlautsprecher und Bühnenmonitor sind getrennte Systeme Foto: Shutterstock von Federico Rostagno

Und noch ein Ausflug zu Sinn und Zweck der Bühnenmonitore

Grundsätzlich gibt es auf der Bühne – mindestens – zwei verschiedene Übertragungswege. Zunächst die Front-Anlage, also die Lautsprecherboxen, Verstärker etc. über die das Publikum beschallt wird. Bei kleineren bis mittel-großen Bühnen üblicherweise zwei Boxentürme, die links und rechts der Bühne aufgestellt werden. Die Band steht inklusive aller Instrumente dahinter und eben nicht auf gleicher Höhe der Lautsprecher oder auf einer Linie davor. Dafür gibt’s hauptsächlich drei Gründe:

Erstens fangen die Mikrofone aufgrund der Lautstärke leicht mal an zu „pfeifen“. Sprich: Es entstehen unangenehme Rückkopplungen. Die lassen sich mit professionellem Equipment eliminieren. Mit der üblichen Größenordnung von Einsteiger-Bühnenanlagen ist das kaum bis gar nicht möglich.

Um diese berühmten „Feedback-Schleifen“ gar nicht erst entstehen zu lassen, müssen die Musiker mit ihren Mikrofonen und Instrumenten also weiter hinten stehen. Damit sie die Instrumente und die Stimme überhaupt hören können, kommt der Bühnenmonitor zum Einsatz. Das wiederum bedeutet ganz simpel, dass das Signal nicht von vorne, sondern von hinten auf die Mikrofone trifft und Rückkopplungen vermieden werden.

Raumeffekt raus aus dem Bühnenmonitor

Zweiter Grund ist, dass den Instrumenten – auch Gesang ist ein Instrument – über die Hauptanlage die Raumeffekte wie Hall oder Echo zugemischt werden. Der Effektanteil inklusive der Verzögerungszeiten wird auf die Größe der Location und die speziellen baulichen Eigenschaften abgestimmt, damit alles möglichst rund klingt. Und zwar für die Ohren der Zuhörer, nicht für deine. Du hast schon aufgrund der Position im Raum eine vollkommen andere Hörrealität als das Publikum. Üblicherweise haben Raumeffekte im Bühnenmonitor nichts zu suchen.

Und letztlich: Sei dir dessen bewusst, dass du schon aufgrund der Position im Raum eine vollkommen anderen „Hör-Realität“ als das Publikum hast. Man muss es einfach nur wissen, dann kann man damit umgehen.

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