Und wie der Klang durch Polyphonie geformt wird

Home Piano oder Klavier? Überlegungen und pragmatische Entscheidungshilfen

| Foto: Shutterstock von san4ezz

Das Klavier und erst recht der Konzertflügel überzeugen mit dem perfekten Klang als Naturinstrumente. Trotz aller innovativer Technologien kaum zu übertreffen. Aber sie haben auch ganz konkrete Nachteile. Eine pragmatische und alltagstaugliche Alternative ist zweifellos das Home Piano. Beleuchten wir einmal die Argumente für Home Piano oder Klavier und was es dabei mit der Polyphonie auf sich hat:

Check it: Die Qual der Wahl zwischen Home Piano oder Klavier

  • Argumente für Home Piano oder Klavier
  • Elektronisches Pendant zum Naturinstrument
  • Koloss oder pragmatisches Leichtgewicht
  • Polyphonie und Qualität der Samples
  • Pragmatische Kriterien im Fokus

Welche Argumente für eine Home Piano oder Klavier sprechen

Wenn du begeistert von den Tasteninstrumenten bist, wirst du möglicherweise vor der Entscheidung stehen, ob du auf ein Home Piano oder Klavier setzt. Die ist gerade am Anfang sicherlich nicht leicht. Immerhin ist es gewissermaßen eine Grundsatzentscheidung. Letztlich legst du dich damit sehr früh auf eine Richtung fest. Hochbedeutend dabei ist es, ob du den puren und absolut authentischen Klavierklang mitsamt dem Resonanzraum und den sich daraus ergebenden Obertönen haben möchtest oder ob dir die flexiblen Sound- und Klangmöglichketen der elektronischen Synthese wichtiger sind.

Der Anspruch: Elektronisches Pendant zum Naturinstrument

Klassisch oder zukunftsweisend innovativ? Nein, ganz so einfach ist die Gegenüberstellung von Home Piano oder Klavier leider oder glücklicherweise nicht. Tatsächlich sind beide Varianten entweder ein Kompromiss der Möglichkeiten oder die ganz bewusste Konzentration auf ein Konzept. Grundsätzlich sollte das Home Piano das elektronische Pendant zum Klavier oder Konzertflügel sein. Zumindest war es der einstige Grundgedanke, als diese Instrumente begannen den Markt für sich erobern. Aber weshalb?

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Ein gewichtiges Monstrum benötigt ein starkes Zuhause

Nun, der erste Aspekt ist ein ganz praktischer. Ein Klavier, erst recht ein Konzertflügel, ist ein schweres, unhandliches und entsprechend schwer transportierbares Monstrum. Klaviere wiegen etwa 150 bis 300 kg. Bei einem Konzertflügel oder Studioflügel kannst du noch mal locker ungefähr 200 bis 300 kg zusätzlich auf die Waage packen. Um das Gewicht von 500 bis mehr als 600 kg richtig einordnen zu können: Bei solchen Gewichten muss man sogar die Statik des Gebäudes beachten, damit die Hütte nicht einstürzt. Solche Giganten wird man als Otto-Normal-Musiker kaum bewegen, erst recht nicht transportieren. Klar, die Naturinstrumenten haben – so sie denn gestimmt sind – einen grandiosen Klang. Doch mobil schreibt sich eindeutig anders.

Ein Monstrum will auch transportiert werden | Foto: Shutterstock von Pixel-Shot

Home Piano als lösungsorientiertes Leichtgewicht

Zum Vergleich zwischen Home Piano oder Klavier: Ein normales Home Piano wie etwa das Thomann SP-320 wiegt gerade mal 9 kg, Damit ist es ungefähr 66 Mal leichter als ein ausgewachsener Konzertflügel. Ob man damit das Gleiche machen kann wie mit einem Klavier? Nein, definitiv nicht. Das Spielgefühl ist anders, wenngleich die Hersteller darum bemüht sind, auf elektronischem Wege mit Sensoren für eine annähernd gleiche Rückmeldung der Tastatur zu sorgen. Bei besonders hochwertigen Modellen ist das Klang beeindruckend ähnlich; gerade dann, wenn mit externen Samples gearbeitet wird. Aber wie wird diese annähernde Authentizität erreicht?

Das geht auch deutlich leichter und einfacher | Foto: Shutterstock von Babich Alexander

Das Zauberwort der Polyphonie – Vielstimmigkeit als Klanglösung

Die Polyphonie gibt an, wie viele Stimmen ein Instrument zeitgleich erzeugen und wiedergeben kann. In der Kompositionstechnik versteht man unter Polyphonie, dass die verschiedenen Stimmen selbstständig linear geführt werden und die melodische Eigenständigkeit der Stimmen Vorrang vor der harmonischen Bindung hat. Im Instrumentenbau hat der aus dem Griechischen stammende Begriff eine etwas andere Bedeutung. Bezeichnet wird damit die Anzahl der Stimmen zeitgleich gespielt bzw. klingen können.

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Unterschiede der Polyphonie zwischen Home Piano oder Klavier

Beim Klavier ist die Rechnung ziemlich simpel. Ein Klavier hat 88 Tasten, also eine 88-stimmige Polyphonie. Zumindest, wenn man sich auf die unmittelbar spielbaren Töne beschränkt. Aufgrund der zahlreichen Obertöne, aus denen sich der Gesamtklang bildet, ist die Polyphonie noch weitaus höher, aber diese Basics von Schwingungsverhalten und Akustik würden an dieser Stelle zu weit führen. Wenn nun aber ein Klavier als 88-stimmig polyphon verstanden wird, weil es nun mal 88 Tasten hat, weshalb sind dann etliche Home Pianos, wie beispielsweise das Thomann SP-5600 128-stimmig polyphon?

Grundlegend andere Rechnung bei digital und physisch analog

Die Erklärung liegt in der Art der Klangerzeugung. Bei einem Home Piano wird der Klavierklang aus etlichen einzelnen Samples zusammengesetzt. Beim Home Piano werden keine Saiten angerissen, bzw. eben nicht über die Hammermechanik angeschlagen. Tatsächlich spielen hier vollkommen andere Zusammenhänge eine Rolle. Gehen wir beispielsweise davon aus, dass der Ton aus einem Stereo-Sample gebildet wird, benötigt man für jeden angeschlagenen Ton – mindestens – zwei Stimmen. Jeder einzelne Ton ist demnach bereits 2-stimmig polyphon.

Einzeltöne sind für die Vielstimmigkeit kaum eine Herausforderung

Das Stereo-Prinzip ist aber letztlich ein verschwindend kleiner Teil der benötigten Polyphonie. Auf elektronischem Weg müssen bei einem Home Piano oder Stage Piano viele weitere Facetten von Sounds und Spielweise abgebildet werden. Ein Ton kommt selten allein. Spielst du beispielsweise einen vierstimmigen Akkord mit Stereo-Samples benötigst du dafür insgesamt 8 Stimmen. Nutzt du den Dual-Modus – auch als Layer bekannt – und legst dabei zwei Sounds übereinander, kommst du bereits – pro Akkord – auf 16 Stimmen, also auf 16-stimmige Polyphonie.

Polyphonie bezeichnet die Anzahl zeitgleich spielbarer Töne | Foto: Shutterstock von UndscrSteve

Ausgeklügelte Logik mit der dynamischen Stimmenverteilung

Die Anzahl der verfügbaren polyphonen Stimmen könnte demnach schnell ausgereizt sein. Theoretisch schon. Allerdings haben findige Hersteller eine ausgeklügelte Logik etabliert. Das Prinzip nennt sich „dynamische Stimmenverteilung“. Die innerhalb der Polyphonie noch verfügbaren Töne, werden gleichmäßig verteilt. Wo eine Stimme nicht mehr benötigt wird, lässt sie sich unmittelbar – und für dich unbemerkt – auf andere Töne verteilen.

Dabei folgt die Polyphonie dem Strickmuster, dass die Basstöne immer bevorzugt behandelt werden. Außerdem werden Stimmen, die nach dem erfolgten Anschlag nicht mehr benötigt werden, für andere Töne wieder freigeschaufelt. Das Resultat ist, dass das Klangbild insgesamt ausgewogen wirkt. Und zwar auch dann, wenn die Polyphonie über das Haltepedal oder rasante Arpeggien an ihre Grenzen kommt.

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Klangqualität von Home Piano oder Klavier versteckt sich in den Details

Üblich beim Home Piano bereits im unteren bis mittleren Preissegment ist eine 128-fache Vielstimmigkeit. Ebenso gibt es Instrumente mit 192-stimmiger Polyphonie, 256-facher und selten auch mehr. Allein dies könnte bereits ein schlagfertiges Entscheidungskriterium bei der Entscheidung zwischen Home Piano oder Klavier sein. Leider nein, es ist lediglich eines von mehreren Argumenten.

Um ein Home Piano klavierähnlich klingen zu lassen, ist die Qualität der Samples gleichermaßen bedeutend. Wurden die Samples über sämtliche Tonstufen separat und mit entsprechender Dynamik eingespielt? Können Samples von externen Expandern abgerufen und genutzt werden? Die Qualität und somit auch deine Entscheidung zwischen Home Piano und Klavier versteckt sich in den Ausstattungsdetails.

Technologischer Quantensprung spielt dir in die Hände

Verglichen mit der Vergangenheit hat die Technik einen geradezu unfassbaren Quantensprung hingelegt. Besonders hochwertige und zugleich kostspielige Home Pianos verfügen über eine Klangqualität, die noch vor kurzer Zeit schlichtweg undenkbar schien. Ob du dich für ein Home Piano oder Klavier entscheidest, ist allenfalls in Nuancen eine Frage der Klangqualität. Gerade bei den Modellen, bei denen du per MIDI auf externe Sounds aus Expandern zugreifen kannst und die außerdem mindestens 128-stimmig polyphon sind, kannst du außerordentlich vernünftige und klangangenehme Ergebnisse erzielen.

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Kostspielige Perfektionsausstattung oder erweiterbares Basic-Instrument

Die alles entscheidende Frage ist vielmehr, ob du auf ein kostspieliges Instrument mit ebenso umfangreichen internen Features oder auf ein preisgünstigeres, aber jederzeit erweiterbares Fundament setzen willst; gewissermaßen deine Master-Tastatur mit der du bereits jede Menge anstellen kannst. Das wiederum lenkt uns weiter zu den Anschlussmöglichkeiten und verbauten Schnittstellen. Dein Augenmerk solltest du auf die Ausstattung mit MIDI-Eingang und USB-Eingang legen. Dein Home Piano bleibt damit maximal flexibel.

Mit der Effektsektion den Raumklang zusätzlich zelebrieren

Sinnvollerweise sollte auch eine Effektsektion vorhanden sein, wobei du durch ein wenig Reverb und einen leichten Chorus den Raumklang beim Home Piano optimieren kannst. Nicht übertreiben; schließlich willst du lediglich den Klang ein wenig optimieren und keine unnatürlich klingenden Raumklang-Wolke aufbauen. Ein bisschen Chorus kann nett sein, zu viel davon ist klangschädlich, weil sich dann alles einfach nur noch schräg anhört.

Mit Raumeffekten wird der Klang zusätzlich garniert | Foto: Shutterstock von Nataliia Zhekova

Klangqualität tritt als Kaufkriterium in den Hintergrund

Und schon merken wir vor allem eines: Der Klang ist wichtig, aber aufgrund der technologischen Möglichkeiten längst nicht mehr das wichtigste Argument für Home Piano oder Klavier. Vielmehr stehen vollkommen andere Fragen im Mittelpunkt. Wo wird das Instrument stehen und ist überhaupt ausreichend Platz vorhanden. Benötigst du ein Instrument, das sich aus Gründen der nachbarschaftlichen Rücksicht auch leiser spielen – also in der Lautstärke runterregeln lässt? Möchtest du eine Klangvielfalt, die über den Klang eines Klaviers weit hinausreicht?

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Das Instrument muss in deinen Alltag und dein Zuhause passen

Wenn du allein diese Herausforderungen mit ja beantwortest, lautet die Antwort auf die Frage Home Piano oder Klavier mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit: Die elektronische Variante passt zu deinen Vorstellungen. Dabei profitierst du zudem von dem Vorteil, nicht auf Anhieb dein Konto in den Ruin treiben zu müssen. Durchaus vernünftige Home Keyboards kosten heutzutage nicht mehr die Welt. Und erweitern kannst du deine Ausstattung später immer noch.

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