Tipps und Ratschläge für das Spielen der E-Geige

Elektrische Violine spielen – ein Klassiker wird modern

Foto: Shutterstock von Burdun Iliya

Du möchtest elektrische Violine spielen und fragst dich, ob es hier bedeutende Unterschiede zur akustischen Violine gibt. In Sound-, Lautstärke- und Konstruktionsfragen unbedingt. Doch die Spielweise ist nahezu identisch. Hier einige Tipps, mit denen du das Instrument besser verstehst und dich deinem neuen Hobby mit großen Schritten näherst:

Check it: Elektrische Violine spielen – Besonderheiten und Beachtenswertes

  • Eine Frage des Musikgeschmacks
  • Spezielle Vorzüge
  • Nicht zu früh beginnen
  • Spezialanforderung Sounddesign

Elektrische Geige spielen – eine Frage des Musikgeschmacks

In der Klassik kommt die E-Geige eher selten zum Einsatz. Aufgrund ihrer spezifischen Vorteile, insbesondere was die Tonabnahme und -Verstärkung anbelangt, punktet sie allerdings beispielsweise in Fusion, Jazz, Rock, Metal und diversen Popproduktionen. Gerade on Stage ist es für die Musiker ein immenser Vorteil, wenn sie  elektrische Geige spielen und das Instrument nicht per Mikrofon abnehmen müssen.

Warum  zu einer elektrischen Violine greifen?

Vielmehr entscheidend für deine Wahl, wenn du elektrische Violine spielen möchtest, ist die bevorzugte Musik. Puristisch filigrane Klassik wirst du selten auf der E-Geige spielen wollen. Pop-Songs, Rock-Songs, auch etwa Irish-Folk wiederum werden gerne auf elektrischen Instrumenten interpretiert. Vergleichbar ist der musikalische Unterschied mit der akustischen oder elektrischen Gitarre. Vieles kann, nichts muss.

Wenn die Geige die U-Musik kapert
Wenn die Geige die U-Musik kapert Foto: Shutterstock von Burdun Iliya

Populäre Virtuosen als Vorreiter der elektrischen Variante

Etliche Geigenvirtuosen haben die E-Geige für sich entdeckt, unter ihnen beispielweise der Geigenprinz David Garrett, der darauf seine epochalen Rocksounds kreiert. Eingespielt hat er mit dem Instrument „Purple Rain“ als Huldigung des verstorbenen Prince. Weitere prominente Vertreter der elektrischen Violine, denen du gerne nacheifern kannst, sind zum Beispiel Lindsey Sterling, David Oistrach oder Maxim Vengerov.

Trugschluss: E-Geige einfacher zu lernen als akustische Geige

Schon hören wir die Traditionalisten aufschreien, doch von dieser Aussage sind wir ziemlich überzeugt: Wenn du E-Geige spielen möchtest, ist das Erlernen keinesfalls einfacher als das einer akustischen Geige. Die Voraussetzungen und Anforderungen sind nahezu identisch. Spieltechnisch und  musikalische stellt das elektrifizierte Instrument an dich dieselben Voraussetzung wie ihre Naturschwester.

Möglichkeit des absolut leisen und nicht störenden Übens

Gerade für Einsteiger bietet die elektrische Violine einen äußerst pragmatischen Vorteil. Nämlich den, dass du für fremde Ohren nahezu unhörbar elektrische Violine spielen kannst, was so mit einer klassischen Geige nicht möglich ist. Schließt du die E-Geige nicht an einen Verstärker an, bleibt sie nahezu unhörbar. Schließt du sie an, drehst den Verstärker jedoch nur moderat auf, wird das auch keinen stören. Weder die Familie, die Mitbewohner oder die Nachbarn. Der unhöfliche Besuch vom ruheschützenden Hausmeister bleibt dir erspart.

Leiser geht’s nicht mehr
Leiser geht’s nicht mehr Foto: Shutterstock von farinasfoto

Unerschöpfliche Soundvariabilität der E-Geige

In Soundfragen ist die elektrische Violine unerschöpflich und somit dem Variantenreichtum der E-Gitarre längst nicht mehr unterlegen. Aufgrund der Tonübertragung über das Pickup-System können unkompliziert die unterschiedlichsten Effektgeräte zwischengeschaltet werden. Grundsätzlich könnte das auch mit klassischen Violinen funktionieren, allerdings aus technischen Gründen nur äußerst eingeschränkt. Wenn du elektrische Violine spielen möchtest, könnte es spannend sein, etwa mit Gitarreneffekten zu experimentieren.

Kaum E-Geigen speziell für Kids am Markt vorhanden

Verbleibt die Frage, ab welchem Alter man elektrische Geige spielen kann. Wissen solltest du, dass es kaum elektrische Violinen speziell für Kinder gibt. Dadurch beantwortet sich die Frage, ab welchem Alter Kids mit der E-Geige anfangen können von selbst. Eigentlich erst als Jugendliche wenn Finger, Hände und Körper ausreichend gewachsen sind. In die oberen Semester hinein gibt es keine Grenzen. Fortgeschrittene als auch Senioren können sich jederzeit an diesem Instrument probieren und ihre Freude haben.

Mögliche Schwierigkeit einen Lehrer zu finden

Manche Schüler, die gerne elektrische Geige spielen möchten, haben Schwierigkeiten, dafür einen Lehrer bzw. eine Lehrerin zu finden. Die Antworte auf die Frage, ob sie dir das beibringen können, lautet manchmal schlicht und ergreifen „Nein“. Das ist keinesfalls böse gemeint. Vermutlich gibt es keinen Lehrer, der sich aus traditionellem Verständnis der Geige dagegen sträuben würde, dir etwas beizubringen.

Das Problem ist einfach, dass dafür – mindestens – ein Verstärker vorhanden sein muss. Und den besitzen die akustischen Violinisten oftmals nicht. In ihrer täglichen musikalischen Praxis benötigen sie den Verstärker nur dann, wenn sie sich selbst dem Thema der elektrischen Geige gewidmet haben. Das haben nun mal nicht alle

Nun könntest du denken: Macht doch nichts; die E-Geige hat ja einen Kopfhörerausgang. Nee, vergiss das. Lehren und Lernen eines Instrumentes per Kopfhörer kann nicht wirklich funktionieren. Alternativ gäbe es natürlich die Möglichkeit, dass du den Verstärker zum Unterricht mitbringst. Verbleibt die Frage, ob du wirklich derart viel schleppen möchtest.

Spezialanforderung Sound einstellen – Pflichtprogramm Wohlgefühl

Nicht zu unterschätzen für deine Lernerfolge ist, so kurios es klingen mag, der Sound, den du an deinem Equipment einstellst. Mag auch sein, dass du dir anfangs bei den Einstellungen helfen lassen solltest. E-Gitarristen kennen das zur Genüge. Sound kann pushen; Sound kann bremsen.

Das beginnt bereits beim Equalizer. An Höhen, Mitten und Bässen solltest du solange schrauben, bis du dich wirklich wohlfühlst. Das Gleich gilt beispielsweise für die – sofern vorhanden – Raumeffekte. Zu kurze Hallräume können dich gefühlt einzwängen, zu weite Räume können das Klangbild verwischen. Resultat wäre, dass du beim Üben und Spielen schlampig wirst.

Und genau das war ja nicht das Ziel. Nur wenn du dich mit dem Klang rundum gutfühlst, wirst du auch die gewünschten Ergebnisse erzielen können. Das mag der authentische oder der dezent effektbeladene Sound sein, deine Geschmacksfrage. Alles andere aber wäre der Garaus deiner Bemühungen.

Experimentieren kannst du auch mit Effekten
Experimentieren kannst du auch mit Effekten Foto: Shutterstock von tkyszk

Kein wirklicher Lernunterschied zwischen akustisch und elektrisch

Zusammenfassend kann man nur noch mal betonen, dass der Unterschied von Spielweise und somit Lernanforderungen zwischen akustischer Geige und elektrischer Violine kaum bis gar nicht vorhanden ist. Wenigstens solange nicht, solange die Instrumente über die gleiche Anzahl von Saiten verfügen und dieselbe Mensur haben.

Unterschiedlich ist sicherlich das Spielgefühl aufgrund der möglicherweise anderen Saiten. An den Griffpositionen, der Aufteilung des Griffbretts, dem Strich mit dem Bogen, den Spezialtechniken wie dem Pizzicato etc. ändert sich dadurch nichts.

Das will sagen: Egal für welches Instrument du dich entscheidest; du wirst gleichermaßen konsequent üben und spielen müssen. Wenn du elektrische Violine spielen möchtest, unterscheidet sich die Herangehensweise kaum. Du hast allerdings die Zusatzanforderung, dich ebenfalls mit dem Sound und Zusatzequipment auseinandersetzen zu müssen. Aber gerade darin liegt ja auch der spezielle Reiz. Also: Rock on mit deiner elektrischen Geige!

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Preisgünstig ausprobieren, ob’s gefällt
Preisgünstig ausprobieren, ob’s gefällt Foto: von Thomann

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Die Spieltechnik ist auf elektrischer und akustischer Violine weitestgehend identisch. Vielleicht interessiert dich unser Artikel zum Thema „Bogentechniken auf der Geige – ein Ausflug in Streich- und Zupftechniken“.

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