Deine verlängerte Hand als Gitarrist und Saitenakrobat

Das richtige Plektrum: Die Wahl zwischen Sound und Spieltechnik

Foto: Shutterstock von New Africa

Ständiger Begleiter von E-Gitarristen und anderen Saitenkünstlern ist das Plektrum. Ein kleines, aber äußerst wichtiges Zubehör in deinem Equipment. Hier kommen für dich unsere Infos und Tipps für das richtige Plektrum.

Check it: Wissenswertes über das richtige Plektrum

  1. Mit dem Fremdkörper anfreunden
  2. Was ist ein Plektrum?
  3. Unterschiedliche Formen, Stärken und Materialien
  4. Aus den Geburtstagen des Picks
  5. Lautstärke und Ton
  6. Verschiedene Spieltechniken

Das „Pick“ hat seine Domäne auf Instrumenten mit Stahlseiten. In vorderster Linie steht die E-Gitarre, gefolgt von Western-Gitarre, weiteren Exoten wie Mandoline, Banjo oder Bouzouki und ihren musikalischen Kollegen, bisweilen auch dem E-Bass. Liedbegleitung auf der Westernklampfe, rasante Solopassagen auf der elektrischen Gitarre – all das und noch mehr ist damit möglich und sogar einfacher als mit den reinen Fingern.

Vom Fremdkörper zum unverzichtbaren Begleiter

Als Einsteiger wirst du dich mit dem Plektrum erst mal ausgiebig beschäftigen müssen. Anfangs erscheint es dir als Fremdkörper. Mit diesem komischen Ding sollst du treffsicher wie ein Hühnerhabicht auf die Saiten niedersausen? Jepp, genau das ist das Ziel. Wobei die Betonung auf „treffsicher“ liegt.

Keine Angst, mit ein bisschen Training hast du das schnell im Griff. Und das Üben lohnt sich. Schon bald wirst du mit dem Plektrum Spieltechniken an der Hand haben, die ohne kaum möglich wären. Ziemlich schnell wirst du darauf nicht mehr verzichten wollen. Das Plektrum wird zur verlängerten Hand.

Merkwürdige Bezeichnung – was ist ein Plektrum?

Aber schauen wir erstmal, was es mit dem Pick überhaupt auf sich hat: Ein Plektrum ist ein kleines Plättchen, häufig tropfenförmig und in etwa so groß wie das vordere Daumenglied. Zugegeben, die Angaben sind ungenau; ich habe keine Ahnung, wie groß dein Daumen ist. Hinten ist das Plektrum – meistens – oval und etwas breiter gehalten. An den Seiten ist es gerundet und bis zur Spitze wird es immer schmaler. Das ist lediglich die häufigste Form, denn:

Die Dinger gibt es in zahlreichen unterschiedlichen Formen. Zum Beispiel dreieckig, wobei du dann eben nicht nur eine, sondern drei Spitzen hast. Du findest Plektren in Herzform in unterschiedlichsten Farben, auch in Schwarz, weil es gerade keine dunklere Farbe gab. Mit Logos bedruckt und was weiß ich nicht alles.

Schier endlose Auswahl von Plektren
Schier endlose Auswahl von Plektren Foto: Shutterstock von Timof

Schon klar, dass die Hersteller bei einem derart gebräuchlichen Zubehörteil etliche verschiedene Varianten anbieten. Die Kandidaten unterscheiden sich in Material, Stärke, Form und Größe. Die vermutlich am häufigsten genutzten sind Plektren aus Kunststoffen wie Nylon, Tortex, Delrin und weiteren Materialien. Ihre einstigen Urväter und Urmütter aus Schildpatt und Zelluloid haben sie damit längst abgelöst. Damit ist die Artenvielfalt noch lange nicht am Ende: Plektren gibt es aus Metall, Glas, Holz, Stein und was Mutter Erde und Industrieproduktion sonst noch hergeben.

Und diverse unterschiedliche Materialien wie beispielsweise Holz
Und diverse unterschiedliche Materialien wie beispielsweise Holz Foto: Shutterstock von VOLODYMYR FURSA

Du findest von sehr dünnen bis zu geradezu massiven Plektren unterschiedlichste Stärken. Angegeben werden die meisten in Millimetern. Hier solltest du dir vor Augen halten, dass es keine Pflichtvorgaben geben kann, welches Plektrum das Beste ist. Das Beste ist es dann, wenn es zu deinem Spiel passt und du dich damit wohlfühlst.

Schon jetzt steht meine Prognose fest, dass du im Laufe der Zeit immer mal neue Stärken ausprobieren wirst. Warum? Weil’s einfach Spaß macht und auch mit Plektrum viele kreative Schritte auf dem Instrument gegangen werden können. Wichtig zu bedenken jedoch: Wählen solltest du es passend zur Besaitung des Instruments und zum Musikstil, den du gerne spielen möchten. Je fetter das Pick, umso drückender der Sound – und umgekehrt.

Übrigens: Es gibt diverse Heavy-Metal-Maniacs, die mit dünnsten Plektren echte Hammersounds tönen lassen; Hochgeschwindigkeitsgitarristen, die sich auf mittelstarken Pleks besonders wohlfühlen. Filigrane Jazz- oder Fingerstyle-Musiker, die mit derart fetten Picks spielen, dass man glaubt, sie hätten ein Stück vom Pflasterstein abgekloppt. Allesamt stellen einfach mal die Physik auf den Kopf. Funktioniert also auch.

Es ist und bleibt vertrackt, weil der Ton am Ende eben doch aus den Fingern kommt. Obschon du die Saiten – meistens – nicht direkt mit den Fingern triffst. Wie die aber das Plektrum handhaben, ob sie es kurz oder lang fassen, ob sie es locker halten oder die Klammer zwischen Daumen und Zeigefinger festziehen, all das sorgt für Klangunterschiede. Sinnvoll für Einsteiger sind Kunststoff-Plektren mit einer Stärke zwischen 0,60 und 0,75 mm. Dicker oder schmaler kann es immer noch werden.

Am Anfang stand die Lautstärke

Machen wir einen – versprochen (!) – winzigen Ausflug in die Geschichte. Nur deshalb, weil wir gemeinsam den eigentlichen Grund verstehen wollen, weshalb das Plektrum überhaupt das Licht der Welt erblickt hat.  Entstanden ist es in der Zeit, als Instrumente noch nicht verstärkt werden konnten, weil es schlichtweg noch keine Verstärker, Lautsprecher und Tonabnehmer gab oder für den handelsüblichen Musiker unerschwinglich waren.

In den 20er- und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ging es in Amerika mit Swing- und Dixie-Kapellen richtig ab. Die Gitarristen gehörten zur Rhythmus-Abteilung und hatten schwer zu kämpfen, nämlich mit der Lautstärke. Gegen die Blasinstrumente von Trompeten über Saxophone bis zu Posaunen hatten sie nicht die geringste Chance, sich durchzusetzen.

Gitarristen waren gegen die Blasinstrumente derart leise, dass man sie im Band-Zusammenhang nicht wahrnehmen konnte. Stell‘ Dir vor, du bist dir sicher, dass du spielst, aber du hörst keinen Ton. Schon albern. Dann kam jemand auf die pfiffige Idee, wie man die Gitarre etwas besser hörbar spielen könnte. Lauter wurde es mit einem Plektrum. Das „Pick“ hatte seinen Siegeszug durch die musikalische Welt begonnen.

Aus Lautstärkegründen benötigst du heutzutage nicht zwingend ein Plektrum, allenfalls am Lagerfeuer. Schließlich kann im Gegensatz zu früher jedes Instrument irgendwie verstärkt werden. Und sei es einfach mit einem Mikrofon. Heutzutage geht’s um Sound und Spieltechniken. Es geht um den Ton.

Der Einfluss auf den Ton

Das Plektrum hat deutlichen Einfluss auf den Klang. Allerdings nur ein ganz bestimmter Teil. Spielst du dein Instrument mit den Fingern, entsteht der Ton durch das Zupfen mit – meistens – dem fleischigen Teil der Fingerkuppe oder beim Akkord-Strumming auch mit den Fingernägeln. Auf alle Fälle ist der Teil, der die Saiten direkt berührt, relativ breit. Exakt an dieser Stelle beginnt der Ton, sich zu entwickeln. Wie stark oder zart und mit welchem Teil des Fingers du die Saite anspielst, macht sich nicht nur in der Lautstärke bemerkbar, sondern im Klang.

Und jetzt übertragen wir diese Gitarristen-Weisheit auf das Plektrum: Der Teil des Plektrums, mit dem du die Saite anschlägst, ist deutlich kleiner als die Fingerkuppe oder der Fingernagel: Beim Plektrum ist es lediglich die Spitze. Das will sagen: Üblicherweise streichst du nicht mit der gesamten Fläche vom Plektrum über die Saiten. Ist ja kein Staubwedel. Der Abteilungsleiter „MachmaTon“ ist die Spitze. Die kannst Du kürzer oder länger halten. Außerdem kann sie unterschiedlich kantig oder leicht gerundet geformt sein.

Theoretisch bräuchtest du nur die Spitze, aber dann hätten deine Finger nichts, woran sie sich festhalten könnten. Zugegeben, der Satz war jetzt ein wenig dämlich. Aber ich brauchte eine Überleitung zum „Festhalten“:

Zurück in die Zukunft – Plektrum richtig halten

Das Plektrum wird üblicherweise zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten. Für die praktikable Handhaltung heißt das schon mal, dass es weder zu klein noch zu groß sein sollte. Einerseits musst du es problemlos und sicher halten können. Andererseits darf es dich durch die Eigengröße nicht beim Spielen behindern.

Du legst das Plektrum seitlich auf das vorderste Glied deines Zeigefingers, sodass die Spitze leicht über deine Fingerkuppe hinausragt. Nun klappst du den Daumen darüber und schon hast du das Plektron „fixiert“. Ein wenig experimentieren kannst du mit der Länge, die der Plastikkumpel über deine Fingerkuppe hinausragt. Je kürzer, um so knackiger wird der Ton. Je länger, umso besser kannst du die Saiten streicheln. Zu Beginn sollte es etwas weniger als ein halber Zentimeter sein.

Spitze vom Plektrum nicht zu weit, nicht zu kurz überstehen lassen
Spitze vom Plektrum nicht zu weit, nicht zu kurz überstehen lassen Foto: Shutterstock Von sanneberg

Spieltechniken mit dem Plektrum – Strumming

Lass‘ uns spielen. Wir beginnen mit dem Strumming – dem üblichen Akkordspiel auf der Gitarre. Du greifst mit der Greifhand einen Akkord und gleitest mit dem Plektrum zügig über die Saiten. Einmal runter, einmal rauf. Schon fällt dir auf, dass das erstens anders klingt als bisher und es zweitens einfacher anfühlt als mit den Fingern. Erste Übung gepackt? Gut, dann soll es gleich weitergehen.

Wechselschlag: Auf die Überholspur mit doppelter Geschwindigkeit

Widmen wir uns dem Wechselschlag. Eine Pflicht-Disziplin für E-Gitarristen, die du wirklich immer und immer wieder trainieren solltest. Wechselschlag bedeutet nichts anderes, als dass du die Saite abwechselnd erst von oben, dann von unten anschlägst.

Das übst du erst auf einer Gitarrensaite, dann nimmst du die „Nachbarn“ mit dazu. Und wenn du das ausgiebig trainiert hast, spielst du Saiten auch Saiten an, die nicht unmittelbar nebeneinander liegen. Der wichtigste Punkt: Der erste Ton wird von oben angespielt, der nächste von unten. Dein Vorteil dabei ist die erhöhte Geschwindigkeit. Spielst du einen Ton mit dem Plektrum von oben an, muss die Hand ohnehin wieder nach oben. Diese Zeit dieser Aufwärtsbewegung kannst du vergeuden oder einen weiteren Ton anspielen. Beherrscht du den Wechselschlag, bist du exakt doppelt so schnell.

Die am Anfang nicht ganz einfache Anforderung lautet: Die „Down- und Upstrokes“ müssen in Lautstärke und Dynamik identisch klingen. Und das auch bei vollkommen unterschiedlichen Tönen. Musik hat nix mit Monotonie zu tun, doch die Unterschiede müssen gewollt und bewusst sein. Kriegst du das hin, beginnt die Plektren-Welt für dich zu blühen.

Gleichmäßigen Wechselschlag immer wieder üben
Gleichmäßigen Wechselschlag immer wieder üben Foto: Shutterstock von Jay-Dee

Für Flitzefinger: Speed- und Hybrid-Picking

Themen für wirklich bereits Fortgeschrittene sind das Speed- und das Hybrid-Picking. Die kannst du dir gerne für später mal aufbewahren, solltest allerdings an dieser Stelle wissen, dass es sie gibt: Beim Speed-Picking geht die Ab- und Aufwärts-Bewegung über mehrere Saiten. Kannst du dir vielleicht vorstellen wie das Strumming in Slow-Motion. Während du also mit dem Plektrum beispielsweise eine Abwärtsbewegung über mehrere Saiten machst, spielst du ebenso viele Einzeltöne wie Saiten. Das ist rasant.

Und last not least gibt es die Kombination aus dem Spiel mit dem Plektrum und den Fingern. Die ungewöhnliche Verbindung der Töne kennt man aus Country-Rock und ähnlichen Musikarten. Wird auch oft als Speed- oder Chicken-Picking bezeichnet. Aber ganz langsam mit den jungen Pferden und Hühnern. Da denken wir drüber nach, wenn du weitergekommen bist.

Mysterium Plektrum: Einfach weg

Plektren haben eine kuriose, wenn nicht gar mystische Eigenschaft. Unter gestandenen Musikern gibt es da keinerlei Zweifel. Die Dinger verschwinden immer wieder. Nicht, dass man sie wie den Haustürschlüssel oder die Kontokarte „schon irgendwie wiederfinden wird“. Nein, sie sind einfach weg, verabschiedet ins musikalische Nirwana.

Vielleicht eines der letzten ungeklärten Mysterien unserer Zeit. Also immer gut, gleich mehrere Plektren mit an Bord zu haben. Du kannst dir auch als Reservoire einen Plektren-Halter auf die Gitarre oder an den Mikrofonständer kleben. Aber auch die werden irgendwann mit gähnender Leere glänzen. Nicht ärgern, nur wundern.

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