Wah-Effekt: Retro-Style für Einsteiger

Gitarre mit Wah-Wah-Pedal spielen – der besondere Vintage-Sound

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Als E-Gitarrist wirst du dich vermutlich ziemlich schnell auf die Suche nach Effekten begeben, um deinen Sound mit dem wiedererkennbaren Etwas zu garnieren. Am Markt befinden sich zahllose verschiedene mit jeweils eigenem Zweck und Klangcharakter. Direkt in die angesagte Abteilung Retro-Kult geht’s, wenn du deine Gitarre mit Wah-Wah-Pedal spielst:

Wah-Wah-Pedal – der besondere Booster

Vorteile:

+     Frequenzen anheben

+     Individuellen Sound kreieren

+     Klangeigenschaften in Echtzeit per Fußschweller bedienen

+     Klassische Gitarrensounds erreichen

Nachteile:

–     Rauschen

–     Problematik Hand/Fuß-Koordination

Gitarristen – und auch Bassisten – lieben oder hassen ihn; der spezielle Effekt lässt die Geschmäcker aufeinander krachen. Gitarre mit Wah-Wah-Pedal spielt man entweder aus absoluter Überzeugung oder gar nicht. Aber was macht dieses traditionelle Teil bis in die heutigen Tage so beliebt? Die Antwort: Bei kaum einer anderen Effektvariante kann die Gitarre so außergewöhnlich menschlich klingen.

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich beim Wah-Wah um einen Filter. Verschiedene Frequenzen bzw. Frequenzbänder lassen sich damit hervorheben und boosten. Üblicherweise immer nur ein Band pro Pedalstellung, aber eben stufenlos. Die anderen treten gefühlt leicht in den Hintergrund.

Gewissermaßen funktioniert das Ding wie ein variabler Klangregler oder Equalizer. Und zwar in Echtzeit und mit dem Fuß. Deine Hände bleiben frei. Was in diesem Bereich entsteht, ist ein nasal anmutender Sound.

Bezeichnet wird die jeweilige Frequenz dann als „Resonanzspitze“ bzw. „Resonanzfrequenz“. Aber vergiss diese Fachausdrücke; schließlich wollen wir Gitarre mit Wah-Wah-Pedal spielen und nicht Elektrotechnik und Akustik studieren. Wir wollen wissen, was du damit anstellen kannst, und nicht, warum es wie funktioniert.

Per Fuß die Gitarre weinen lassen
Per Fuß die Gitarre weinen lassen Foto: Shutterstock on Diabluses

Gitarre mit Wah-Wah-Pedal: Entstanden aus purem Neid

Das Pedal begann seinen Siegeszug durch die Gitarristen-Welt bereits 1966 und ist damit schon über ein halbes Jahrhundert alt. Kurios war: Eigentlich entstand es aus purem Neid. Swing- und Dixieland-Trompeter hatten in der damaligen Zeit das Spielen mit einem Dämpfer für sich entdeckt. Den hielten sie vor den Schalltrichter, öffneten und schlossen ihn. Imitieren wollten sie damit die menschliche Stimme. Es entstand dieses besondere „Woa-Woa“.

Nicht lange, begann der Wunsch nach Nachahmung von vorne. Jetzt war’s der Neid der Gitarristen auf die Bläser. Die Saitenakrobaten wollten das auch können. Es entstand das Bodenpedal mit Fuß-Wippe, mit dem nun die Gitarren die Trompeter imitierten. Eine neidvolle Signalkette sozusagen. Weil zuerst kein anderes Gehäuse vorhanden war, wurde es in ein Lautstärkepedal für Orgeln verbaut. Die Form war geboren.

Purer Neid auf Trompeter
Purer Neid auf Trompeter Foto: Shutterstock von Tack-Ma

Aus der Zeit Marke „Wir hatten ja nichts“

Heutzutage gibt es gigantische Effektleisten mit Multifunktionsausstattung. Fehlt nur noch, dass man mit ihnen Kaffee kochen oder staubsaugen könnte. Damals gab es die nicht, nicht mal ansatzweise. Für den richtigen Druck sorgten die Verstärker, für den optimierten Sound konnte man Gitarre mit Wah-Wah-Pedal und Verzerrer spielen. Das war’s. Eigentlich hatte fast jeder Gitarrist ein Wah-Wah im Gepäck. Schon deswegen ist das Ding eine lebende Legende.

Eingesetzt wurde das Wah-Wah-Pedal von echten Berühmtheiten unter den Gitarristen, die schlichtweg Musikgeschichte geschrieben haben. Darunter beispielsweise Jimi Hendrix bei „Voodoo Child“, Frank Zappa, Eric Clapton oder Slash von Guns N‘ Roses bei „Sweet Child O‘ Mine“. Einfach mal reinhören. Spätestens dann kriegst du Appetit.

Unterschiedliche Spielweisen: Gitarre mit Wah-Wah-Pedal

Am häufigsten wird das Pedal genutzt, um unterschiedliche Töne, Akkorde oder Passagen damit dynamisch zu beeinflussen. Hat auch immer was von Zufallsergebnis. Während du spielst, bewegst du mit deinem Fuß das Pedal runter und rauf und versuchst stellst dir vor, du bist eine Trompete mit Dämpfer. Oder noch besser: Stell dir vor, du bist ein Mensch. Na ja, bist du ja wirklich. Und jetzt willst du die Melodie mit der Gitarre schreien, kreischen, jaulen, weinen lassen. Jimi Hendrix hat das in „Voodoo Child“ bis zur Perfektion getrieben.

Mark Knopfler von den Dire Straits beispielsweise spielt Gitarre mit Wah-Wah-Pedal in Songs wie „Money For Nothing“ mit einer einzigen Einstellung. Das heißt, er verändert die Wippe des Pedals nicht, nutzt es lediglich für die Beeinflussung des Sounds, der damit eine ganz eigenartige Klangfärbung bekommt. Auch Michael Schenker, der deutsche Flitzefinger von UFO, hat die viele Soli mit festeingestelltem Wah gespielt. Es war sein Markenzeichen.

Super funktioniert das auch bei rhythmischen Passagen. Wenn du Fan von Funk und Ska bist, kannst du die Gitarre mit Wah-Wah-Pedal clean spielen und die Akkorde damit besonders perkussiv wirken lassen. Da gehört durchaus eine gute Portion Übung dazu, bis du die Akkorde wirklich kontrolliert klingen lassen kannst.

Die Anforderung ist die Koordination der Anschlagshand mit der Bewegung des Fußes. Vor allem deshalb, weil du eben nicht gleichzeitig anschlägst und den Fuß bewegst, sondern die Bewegungen nacheinander machen musst. Und das bei Ska-Geschwindigkeit? Herzlichen Glückwunsch. Aber das Üben lohnt sich.

Wenn’s rauscht: Es waren immer die Anderen
Wenn’s rauscht: Es waren immer die Anderen Foto: Shutterstock Andrew Glushchenko

Rausch dich fit – der natürliche Feind der Tontechniker

Wer Gitarre mit Wah-Wah-Pedal spielen will, muss sich der Hauptproblematik bewusst sein: Die Teile rauschen. Und das meistens nicht gerade wenig. Dagegen kann man zwar mit weiteren Geräten etwas unternehmen. Das kostet aber dann wieder Kohle; außerdem wird der Ton der E-Gitarre weiter beschnitten. Das war nicht der Sinn der Sache. Also lebt der handelsübliche Gitarrist mit dem Rauschen. (Und treibt den einen oder anderen Tontechniker in den Wahnsinn.)

Übrigens:

Deutlich weniger Bassisten nutzen diesen Effekt. Weitaus häufiger ist es, Gitarre mit Wah-Wah-Pedal zu spielen. Das liegt schlichtweg daran, dass die Tiefton-Fraktion ohnehin weniger mit Effekten herumprobiert. Das bleibt eher reduziert. Dennoch gibt es einige unter ihnen, die sich damit aus der Masse hervorheben. Das will sagen: Auch wenn es eine Domäne der E-Gitarristen bleibt, mit welchem elektrischen Saiteninstrument du das Wah-Wah nutzt, ist letztlich gleichgültig. Es funktioniert nahezu überall und sorgt für den besonderen Kick.

Möchtest du Sound und Gitarre mit Wah-Wah-Pedal ausstaffieren, findest du am Markt mittlerweile zahlreiche Modelle. Darunter befinden sich die Klassiker, die sich im Laufe der Jahrzehnte kaum verändert haben. Berühmtheiten sind das Cry Baby und das Vox-Pedal, die eben ganz simpel und bodenständig funktionieren.

Auch findest du inzwischen die „automatisierten“ Modelle. Dabei kann z.B. der Frequenzbereich voreingestellt werden. Und die Veränderung des Tones hängt dann nicht davon ab, wohin du das Pedal trittst, sondern, wie stark oder dezent du die Saiten anschlägst. Verbleibt die Gruppe der Mischformen und der digitalisierten Modelle, die sich im Laufe der Instrumenten-Evolution entwickelt haben. Vorteil: Auf digitalem Weg entfällt weitestgehend das Rauschen. Nachteil: Wirklich Vintage klingt das nicht.

Als ambitionierter Gitarrist muss man zu seinem Rauschen stehen. Notfalls kannst du die Schuld immer noch auf einen Tontechniker, den Bassisten oder auf den Wetterbericht schieben.

Gitarre mit Wah-Wah-Pedal: Wo platziert ist fast egal
Gitarre mit Wah-Wah-Pedal: Wo platziert ist fast egal Foto: Shutterstock jrangubphai

Verbleibt die Frage, wo das Pedal hingehört. Üblich ist es, es beim Spielen der Gitarre mit Wah-Wah-Pedal am Anfang der Effekte zu platzieren. Das heißt, zwischen die Gitarre und den Eingang (die Vorstufe) des Verstärkers und dort vor allen anderen Effekten. Das Gleiche gilt, wenn du einen Gitarrenverstärker mit sogenanntem Effekteinschleifweg benutzt. Ob dein Verstärker einen solchen Weg besitzt, erkennst du auf der Rückseite, nämlich – falls vorhanden – an der Send- und Return-Buchse.

Das Wah gehört normalerweise an den Anfang. Allerdings: Das Ding ist ja was für Musiker mit Experimentierfreude, was wiederum bedeutet, dass es hier keine wirklich festgeschriebene Regel gibt. Probier’s einfach aus. Schließlich befindest du dich damit auf der ganz persönlichen Sound-Expedition. Viel Erfolg!

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