Eine liebgemeinte Hommage an die E-Bassisten

8 Fehleinschätzungen über das Bass-Spielen

Foto: Shutterstock von Roman Voloshyn

Über Bassisten wird in Musikerkreisen gerne mal gefrotzelt. Glücklicherweise sind die meisten nicht hypersensibel und geben es ihren Band- und Musikerkollegen mit gleicher Münze zurück. Das ist aber keinesfalls alles, was in der öffentlichen Meinung über den Bass kursiert. Um auch interessierten Einsteigern eine ehrliche Einschätzung zu ermöglichen, hier 8 Fehlschätzungen über das Bass-Spielen:

Check it: Fehleinschätzungen über das Bass-Spielen

  • Bass-Spielen ist leicht
  • Der Einstieg auf dem Bass ist simpel
  • Einfach, weil nur Einzeltöne gespielt werden
  • Saiten lassen sich leichter treffen
  • Rudimentäres Tonmaterial
  • Schlamp-Möglichkeit wegen tiefer Frequenzen

Fehleinschätzungen über das Bass-Spielen – weshalb manches verkannt wird

Du bist von dem Instrument aus der elektrischen Tieftonabteilung fasziniert. Noch überlegst du, ob du dir einen Bass zulegen solltest und das auch schaffen kannst. Vielleicht können diese Einschätzungen für dich eine Entscheidungshilfe sein. Einschätzungen fernab von Glorifizierung und Werbestatements. Wir würden uns freuen, dich in der Bassisten-Familie begrüßen zu dürfen. Aber auch so viel Wahrheit gehört zu deiner realistischen Einschätzung:

 1. Bass-Spielen ist leicht

Immer wieder wird behauptet, E-Bass zu spielen sei simpel, zumindest im Vergleich mit dem angeblich weitaus komplexeren Gitarre-Spiel. Etliche Musikerwitze grassieren zu diesem Thema und setzen die selbstüberschätzenden Finger in die vermeintliche Wunde. So viele, dass sich komplette Wände in Eventlocations damit tapezieren ließen. Zugegen, in den Anfangstagen von Rock’n’Roll und Co. haben viele Gitarristen den Bass-Part übernommen. Das heißt noch lange nicht, dass vernünftiges Bass-Spiel leichter ist. Das hatte vollkommen andere Gründe.

In der aufkeimenden Rock’n’Roll-Zeit war es oftmals so, dass zu vielen Gitarristen häufig zu wenige Bassisten gegenüberstanden. Auch wird oftmals verkannt, dass gerade in den amerikanischen Hochburgen von Blues, Swing und Co. an die Bassisten weitaus höhere Ansprüche gestellt wurden als an die Gitarristen. Immerhin waren die Kollegen aus der Tieftonfraktion zumeist Blechbläser als auch Saitenakrobaten. Üblich war es in den Ensembles, Orchestern und Bands damaliger Zeit, dass die Bassisten zunächst die Tuba und dann eben auch noch das vollkommen artfremde Instrument – den E-Bass – beherrschten. Mitnichten war der übliche Weg vom bundfreien Kontrabass zum bundierten E-Bass.

Schon damals waren die Anforderungen an Bassisten sogar höher
Schon damals waren die Anforderungen an Bassisten sogar höher Foto: Shutterstock von LaInspiratriz

2. Der Einstieg auf dem Bass ist simpel

Gerade anfangs spielt man auf dem E-Bass nur einen Ton zurzeit, häufig den Grundton des jeweiligen Akkords. Das kann doch kein wirkliches Problem sein. Ton niederdrücken, Saite anschlagen und gut. Tja, wenn das wirklich so simpel wäre. Die Saiten des Basses sind gerade für Einsteigerfinger vor allem eines: verdammt fett.

Einen einzigen Ton heraus zu kitzeln, ist nicht schwer, aber es wird nicht bei dem einen bleiben. Die Kraft insbesondere untrainierter Finger ist begrenzt. Führt der simple Blues-Lauf über den kleinen Finger, fängt der an zu zappeln. Die Blasen an den Fingerkuppen bilden sich definitiv schneller als die so dringend benötigte Hornhaut.

3. Einfach, weil nur Einzeltöne gespielt werden

Beginnende Gitarristen beklagen sich nicht selten über die für ihre noch nicht spreizfähigen Finger weit auseinanderliegenden Bünde. Immerhin müssen sie recht bald Akkorde auf drei nebeneinanderliegenden Bünden spielen; spätestens beim vierten Bund jaulen die Finger unmissverständlich hörbar auf. Und dann fällt der fälschlicherweise neidende Blick auf die Bassisten, die wenigstens im Anfangsstadium nur einen Ton greifen.

Weshalb sollte es eine Anforderung für die Spreizfähigkeit der Finger sein, von einem Ton zum nächsten zu gelangen? Vollkommen verkehrt gedacht, die Bünde beim Bass liegen deutlich weiter auseinander, auch die Saitenabstände sind größer. Zugleich aber bleibt es Tatsache, dass jedem Finger ein Bund zugeordnet wird, die Hand zwar Lagenwechsel mitmachen, aber nicht unmotiviert hin- und herwandern soll. Faktisch ist die benötigte Spreizfähigkeit der Finger ein Vielfaches höher, als von Gitarristen verlangt wird.

Die Finger müssen weitaus mehr gespreizt werden
Die Finger müssen weitaus mehr gespreizt werden Foto: Shutterstock von Boris Bulychev

4. Bass-Saiten lassen sich mit der Anschlagshand leichter anspielen

Na ja, diese These hat gleich mehrere Komponenten. Zunächst triffst du die Saiten aufgrund der Abmessungen und des Saitenabstands besser als die einer Gitarre. Soweit lässt sich diese Behauptung kaum widerlegen. Allerdings lautet die Anforderung nicht, sie einfach nur zu treffen, sondern nuanciert und mit der beabsichtigten Lautstärke und Dynamik anzuspielen; gleichgültig, ob mit den Fingern oder per Plektrum.

Und die Fülle der Saite stellt wird dich in dieser Hinsicht für besondere Herausforderungen stellen. Die machbare Klangvielfalt allein einer einzigen Basssaite ist so vielschichtig, eben weil sie so dick ist. Das will sagen: Ja sie lassen sich besser treffen. Aber jeder Anschlag muss definiert werden und perfekt sitzen.

5. Der Bassist liefert nur den Grundton und vielleicht noch einen zweiten

Glücklicherweise ist das in ernstzunehmenden Bands vollkommener Mumpitz. Erst durch den facettenreichen Einsatz des Basses wird dem Song das Leben im Tieftonkeller eingehaucht. Der Bassist hält voller Souveränität den Groove gerade, zugleich setzt er mit seinem Spiel rhythmische als auch harmonisch interessante und stimmige Akzente.

Mit seinen Leit- und Übergangstönen legt er den roten Teppich, auf dem die anderen sich austoben zum können. Und wie kaum ein anderer hält er die Fäden des musikalischen Netzes zusammen. Letztlich ist er nichts Geringeres als das Bindeglied zwischen dem rein rhythmischen Drummer und dem tonal orientieren Rest der Band. Nur mit dem Grundton ist da nicht viel möglich.

Fernab von Grundton und Terz
Fernab von Grundton und Terz Foto: Shutterstock von PrinceOfLove

6. Basslinien sind viel weniger komplex

Selbst wenn der E-Bass komplex groovende, treibende oder auch beruhigen Linien abliefert, auch dann, wenn es eben nur um den simplen Grundton oder den Wechselbass geht, steht immer der einzelne Ton im Mittelpunkt. So viel so gut. Aber während Gitarristen, Keyboard und Co. sich um diesen unmittelbaren Fokus zuweilen herummogeln können, hat der Bassist diese Chance nicht ansatzweise.

Er muss jeden Ton präzise auf den Punkt abliefern. Tut er das nicht, fällt das unmittelbar und sofort auf. Rutscht mal eine Passage daneben, werden sofort dämliche Blicke im Raum verteilt. Der Bassist liefert das Fundament. Der darf nicht wackeln. Eine Frage dessen, wie viel Verantwortung du übernehmen kannst und möchtest.

7. Beim Bass kann man schlampen, tiefe Frequenzen überdecken alles

Ganz im Gegenteil: Ob das Fundament wackelt, hört man sofort. Beim Bass geht es um äußerste Präzision. Und das nicht nur in der Frage, ob der gespielte  Ton absolut korrekt gestimmt ist, sondern im Besonderen auch hinsichtlich des präzisen Timings. Nicht zu vergessen, dass jeder einzelne Ton mit der gewollten ruhevollen oder eben abwechslungsreichen Dynamik gespielt wird.

Oder drücken wir’s mal anders aus: Fast jeder Musiker kann sich in einer üblichen Band auch mal kurzzeitig verstecken. Der Bassist nicht. Und dabei sprechen wir bei dieser präzisen Spieltechnik nicht von „höher, schneller, weiter“, bei dem man auch Fehler als beabsichtigte Nuancen hinstellen kann. Selbst bei langsamen Passagen muss der Bass höchst präzise abliefern.

Gerade wegen der tiefen Frequenzen ist Präzision oberstes Gebot
Gerade wegen der tiefen Frequenzen ist Präzision oberstes Gebot Foto: von Anton Mislawsky

8. Bass-Spielen kann man sich ohne Lehrer draufschaffen

Ein immer wieder auftauchendes Thema, das – zugegebenermaßen – nicht nur den Bass betrifft. Selbstverständlich kann man Instrumente auch als Autodidakt lernen, etwa über YouTube-Tutorials und vieles mehr. Tatsache aber ist, dass die Resultate oftmals fragwürdig bleiben. Insbesondere deshalb, weil das direkte Feedback eines kompetenten und erfahrenen Musikers unterbleibt. Und das einzige Sichere an einmal eingeübten Fehlern ist, dass man sie so schnell nicht wieder loswird. Dafür hat man sie zu konsequent immer wieder einstudiert.

Beim Bass ist das keinesfalls anders. Es gilt das gleiche Prinzip. Egal ob on- oder offline, ein Instrumentallehrer erkennt nicht nur, was aktuell richtig oder falsch läuft. Zugleich weiß er aus Erfahrung, welche Schritte sinnvollerweise als nächste gegangen werden. Die vermutlich einzigen Musiker, die relativ eigenständig umschulen können, sind geschulte Kontrabassisten oder Gitarristen, zumal sie die Phasen bereits auf dem artverwandten Instrument durchlaufen sind.

Fazit

Unter dem Strich wollen wir dich auf keinen Fall davon abhalten, Bass zu spielen. Nur solltest du die Entscheidung bewusst und mit den richtigen Voraussetzungen treffen. Willst du nur deshalb Bassist sein, weil du das Instrument für das einfachste schlechthin hältst, bist du falsch beraten.

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Auch die Wahl der Bass-Saiten ist für dein Spiel sehr bedeutend. Welche Varianten es gibt und welche Vor- und Nachteile diese bietet, erfährst du in unserem Artikel zum Thema „E-Bass-Saiten Unterschied“.

Keine Kommentare zu “8 Fehleinschätzungen über das Bass-Spielen”
  1. Christoph Heckmann

    Gut aufgedröselt. Leider gab es noch kaum ausgebildete! Bassisten, als ich anfing aus der Not heraus Bass zu spielen.. Aber ich denke das ich das ganz gut hinbekommen habe… Wenn auch der weg ein holpriger war.

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