PA zwischen Lautstärke und Klangqualität

PA-Anlage für Einsteiger verständlich gemacht

Foto: Shutterstock von Narcis Parfenti

Was ist eine PA und aus welchen Komponenten muss sie bestehen? Der Ausdruck „PA“ ist eine in Musiker- und Technikerkreisen übliche Abkürzung für den englischsprachigen Ausdruck „Public Adress“. Es handelt sich dabei um die Anlage, mit der ihr euer Bandsignal verstärkt und möglichst gut abgemischt ins Publikum schickt – euer eigenes Kraftwerk:

Check it: PA-Anlage – die wichtigsten Komponenten

  1. Signalweg – von der Abnahme bis zum Endsignal
  2. Mischpult – sämtliche Signalquellen zu einer Einheit verdichten
  3. Endstufen – die eigentlichen Lautstärke-Lieferanten
  4. Lautsprecherboxen – vernünftig dimensioniert – Size matters
  5. Beiwerk – Kabel, Mikrofone etc.

Leicht vorstellbar, dass bei der PA-Anlage alles davon abhängt, welche Größenordnung die Location hat, wie viele Gäste ihr beschallen müsst usw. Die roaderprobte Faustregel lautet: Je größer das Event, umso leistungsfähigeres Equipment wird benötigt. Das Prinzip der PA allerdings bleibt trotz unterschiedlicher Dimensionen gleich. Was ihr für die Frontanlage benötigt, sind das Mischpult, die Endstufen und die Boxen. Und dann noch diversen Krempel wie Kabel, Mikrofone usw. Klingt ziemlich simpel, ist es aber leider nur in Maßen.

Steiniger Signalweg der PA-Anlage

Werfen wir einen Blick auf den sogenannten Signalweg. Der beginnt bei den Instrumenten bzw. Musikern auf der Bühne, führt weiter zum Pult, wo er – heutzutage – meistens digital gewandelt wird. Von dort wird das Signal an die Endstufen geschickt und über die Lautsprecherboxen erneut gewandelt und hörbar gemacht. Auf diesem steinigen Weg in der PA-Anlage müssen die Einzelsignale einige Hürden nehmen.

Die Anforderung: Zunächst klingt jedes Instrument – auch der Gesang ist ein Instrument – für sich. Aus diesen einzelnen Protagonisten soll nun in der PA ein Gesamtbild geformt werden. Aus natürlichen Widersachern müssen musikalisch harmonierende „Best Friends“ werden. Soll ja nicht klingen wie im Proberaum, sondern wirklich bühnentauglich.

Mischpult als Soundbecken der PA-Anlage
Mischpult als Soundbecken der PA-Anlage Foto: Shutterstock Kucher Serhii

Ab zum Mischpult – Soundsammelbecken der PA

Also werden sämtliche „Quellen“ entweder mit Mikrofon abgenommen oder direkt per Kabel aus dem eigenen Verstärker an das Herz der PA-Anlage – den Mischer – geschickt. Dort werden sie zu einer homogenen Einheit verdichtet. Und genau hier sind Fingerspitzen- und Lauschlappengefühl und ein wenig technisches als auch akustisches Know-how gefragt. Denn im Mischpult wird nun der Klang bearbeitet.

Anfangs wird mit den Gain-Reglern und Lautstärke-Fadern an den Einzelkanälen die Eingangs-Lautstärke der Instrumente, Gesangs- oder Sprachmikrofone justiert. Mit einer entsprechenden Equalizer- und Effektsektion werden die Frequenzen der Instrumente aufgeteilt, damit sie sich nicht durch identische Frequenzen gegenseitig unhörbar auslöschen. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung der Frequenzen, damit der Sound nicht schwammig wird. Hall oder Delay sorgen für den spezifischen Raumklang, der in jeder Location wieder neu justiert werden muss.

Eigentlich hat heutzutage jedes Mischpult mindestens eine Equalizer-Sektion mit an Bord. Die sind nur je nach Ausstattung und Qualität des Mischers unterschiedlich leistungsfähig, differenzierbar und komfortabel. Die Entwicklung der digitalen Pulte in den vergangenen Jahrzehnten hat Innovationen mit sich gebracht, die bis vor kurzem noch kaum vorstellbar waren.

Die Endstufen sind die Kraftpakete der PA

Habt ihr die Signale im Mischpult verarbeitet, ist die nächste „Haltestelle“ in der PA-Anlage die Endstufe, im Normalfall sind das mehrere. Das sind die Verstärker, also die eigentlichen Kraftpakete. Immer wieder stellt sich die Frage, wie stark die sein müssen. Die Techniker-Faustformel für „normale“ Events lautet: Pro Gast sollten die Endstufe 6 – 8 Watt zur Verfügung stellen. Ist also ein relativ einfaches Rechenexempel. Einfach die voraussichtliche Anzahl der Gäste mit sechs oder acht multiplizieren. Haltet euch ein bisschen Luft nach oben offen. Dann passt das schon.

Aber Achtung; es müssen nicht immer separate Endstufen sein. Sehr gerne werden gerade bei kleineren Events aktive Lautsprecher genutzt. Das sind Lautsprecher mit integrierten Endstufen. Womit wir beim nächsten Thema der PA-Anlage wären.

Zielgerichtete Abstrahlung auf euer Publikum
Zielgerichtete Abstrahlung auf euer Publikum Foto: Shutterstock Margo Harrison, Amy Johansson, Kuanchai Pookpila

Lautsprecherboxen in der PA-Anlage: Lieber ein bisschen größer dimensioniert

Aktive Lautsprecherboxen punkten mit dem Vorteil, dass diese Komponenten der PA bereits werksseitig aufeinander abgestimmt sind. Außerdem sind sie insofern leichter zu transportieren, weil ihr kein weiteres Endstufen-Case mehr benötigt. Das spart Platz. Eine separate Verkabelung entfällt ebenfalls.

Vorteil von separaten Endstufen hingegen ist die Service-Freundlichkeit. Gibt’s Probleme müsst ihr nicht gleich die ganze Box zum Techniker schleppen. Kommt dazu, dass eine einzelne Endstufe sich im Live-Szenario leichter austauschen lässt als die „All-in-Boxen“.

Beachten müsst ihr dabei, dass die Boxen den Output der Endstufen verkraften. Und das am besten locker und ohne bei Lautstärke-Spitzen – den Peaks – in die Knie zu gehen. Es macht nicht den geringsten Sinn, wenn die Endstufen 1.000 Watt abfeuern können, die Boxen aber bei 800 Watt schon mit der Friedensfahne winken und sich verabschieden wollen. Denkt an zwei Aspekte: Erstens wollte ihr, dass die PA-Anlage inklusive der Lautsprecherboxen lange überlebt. Auf der anderen Seite steht, dass es einfach schlecht und nervig klingt, wenn die Komponenten permanent an der Leistungsgrenze gefahren werden.

Anforderungen der PA-Anlage zwischen Lautstärke und Klang

Muss eine PA immer laut sein? Kommt die PA-Anlage nur bei besonders lauten Events zum Einsatz? Die Antwort lautet: definitiv nein. Das Prinzip ist, dass ihr mit einer solchen Anlage die natürlichen Lautstärke-Unterschiede unterschiedlicher Instrumente ausgleichen könnt. Das will sagen: Eine zarte akustische Gitarre hat in Sachen Lautstärke keine Chance gegen ein treibendes Schlagzeug oder die Bläsersektion mit Jericho-Faktor. Von einer Geige oder einer Ukulele ganz zu schweigen.

Mit der PA-Anlage sorgt ihr für den homogenen Sound und ermöglicht jedem Instrument, im Mittelpunkt zu stehen bzw. sich vernünftig in das Gesamtbild einzufügen. Das heißt, bei einer PA-Anlage geht es nicht ausschließlich um Lautstärke, sondern vielmehr um das ausgeglichene Klangbild. Sinnvoll ist sie auch bei kleinsten Konzerten oder dem Wohnzimmerkonzert mit rein akustischen Instrumenten. Darf und kann dann allerdings sehr klein ausfallen. Quality first.

Ob als Band oder als Einzelmusiker, anders als in der analogen Vergangenheit ist es für die meisten heutzutage wichtig, eine möglichst kompakte Ausrüstung zu haben. Der Techniker-Slogan „Size matters“ lässt sich nicht verleugnen. Aber bitte immer in Gehör-erträglichen und transportablen Maßen.

Stolperfallen unbedingt vermeiden
Stolperfallen unbedingt vermeiden Foto: Shutterstock chiosphotographer

Kabelwege und Kabelstrecken bei der PA-Anlage bedenken

Einkalkulieren müsst ihr die Kabelwege. Steht das Pult wirklich abseits der Bühne, kommt als traditionelle Lösung eine Stage-Box zum Einsatz. Letztlich ist das ein relativ kleiner Kasten mit diversen Eingängen. Der wird auf der Bühne postiert und ermöglicht damit kurze Kabelwege, verhindert auch Stolperfallen. Von der Stagebox geht’s dann innerhalb der PA-Anlage weiter Richtung Mischpult.

Nicht vergessen sollten wir an dieser Stelle, dass es längst innovative Lösungen für die Datenübertragung gibt. Spezielle digitale Datenprotokolle machen’s möglich, dass der Kabelsalat beinahe gegen Null geht. Allerdings würden wir mit einer Erklärung vermutlich zu tief in die Thematik einsteigen. Ziel dieses Artikels ist es, die grundlegende Funktion der PA-Anlage verständlich zu machen.

PA selbst bedienen oder die Komfort-Variante „FOH-Techniker“ nutzen

Anfangs werdet ihr euch vermutlich in den meisten Fällen selbst abmischen, also mit einem Mischpult auf der Bühne agieren. Das ist und bleibt ein Kompromiss zwischen finanziellen Möglichkeiten und dem Wunsch vor Publikum abliefern zu wollen. Ihr bedient die PA-Anlage gewissermaßen „von hinten“ und der Eindruck ist trügerisch. Die leicht vorstellbare Problematik ist, dass ihr auf der Bühne eine vollkommen andere Hörrealität habt, als das Publikum über die PA.

In solchen Szenarien gesellt sich der Vermutungsfaktor zum Klangergebnis. Beim Soundcheck habt ihr in der PA-Anlage alles einigermaßen stimmig eingepegelt. Lautstärken und Frequenzen sind abgeglichen. Dann kommen die Gäste und die Location hat einen vollkommen anderen Sound als zuvor. Die Zuhörer und Zuschauer fressen gewissermaßen die Höhen und auch einen nicht unerheblichen Anteil der Lautstärke. Euer Auftritt beginnt und ihr könnt nur noch spärlich nachregeln. Alle Gäste rausschmeißen, damit es wieder vernünftig klingt? Na ja, wohl eher nicht.

Die Problematik, dass man kaum perfekt von der Bühne mischen und hören kann, ist letztlich der Grund, weshalb Bands im professionellen oder semiprofessionellen Bereich mit einem FOH-Mischer arbeiten. Darunter versteht man den Techniker, der irgendwo in der Location mit Abstand zur Bühne sitzt und euch also im günstigsten Fall aus der Position des Publikums hört und sieht.

Manche Veranstalter sind auch so zweifelhaft entgegenkommend, dass der neben oder sogar hinter der Bühne Platz nehmen darf. Herzlichen Glückwunsch. Da gehört er definitiv nicht hin. Eines Tages seid auch ihr soweit und lasst euch über die PA-Anlage „fremdsteuern“. Schon jetzt viel Erfolg auf eurem Weg.

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