Wie die Finger sich nicht selbst im Wege stehen

Ukulele richtig halten: Grundstellung und die – meistens – linke Hand

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Du hast für dich das Ukulele-Spielen als neues Hobby entdeckt. Nun möchtest du vorankommen, die ersten Töne, Akkorde uns Songs spielen. Dringend wichtig ist, dass du dir keine Fehler und Fehlhaltungen antrainierst. Andernfalls wirst du die so schnell nicht wieder los. Widmen wir uns diesmal der Grundstellung und der üblicherweise linken Hand. Hier unsere Tipps, damit du die Ukulele richtig halten kannst:

Check it: Ukulele richtig halten

  • Fehler vermeiden von Anfang an
  • Grundlagen schaffen für blockadefreies Spiel
  • Aufwärtsgeneigte Haltung vor dem Körper
  • Fixieren mit dem rechten Arm
  • Freiraum für linken Arm und Greifhand
  • Ab in den Blindflug

Ukulele richtig halten – lieber von Anfang an Fehler vermeiden

Das Interessante an Fehlern, die sich einmal eingeschlichen haben, ist, dass du sie so schnell nicht mehr loswirst. Konsequent hast du beispielsweise eine verkehrte Hand- und Fingerhaltung eingeübt. So ausdauernd hast du trainiert, dass du solche Fehler alsbald im Schlaf beherrscht. Umso schwieriger wird es, die richtige Fährte einzuschlagen. In solchen Fällen übst du nicht nur etwas Neues, sondern kämpfst zugleich gegen dich selbst.

Ganz klar: Es kursieren unterschiedliche Meinungen

Dumm gelaufen. Damit solche unnützen Kuriositäten gar nicht erst auftreten, ist es umso wichtiger, von Anfang an mit Sinn und Verstand und einer vernünftigen Anleitung vorzugehen. Verbleibt die Frage, woran ambitionierte Einsteiger erkennen sollen, was richtig oder falsch ist und wie sie die Ukulele richtig  halten. Sinnvoll ist es sicherlich sich Tipps von Fortgeschrittenen zu holen. Allerdings wirst du von verschiedenen Ukulele-Spielern vermutlich gleichermaßen viele unterschiedliche Meinungen erhalten.

Statt Vorgaben-Korsett lieber den Kopf einschalten

Das mag damit zu tun haben, dass für die Ukulele keine derart „strengen“ Lehrkonzepte vorhanden sind wie beispielsweise für klassische Instrumente wie die Violine, Harfe oder die Konzertgitarre. Leider bringt uns dieses Statement dem Ziel keine Spur näher. Also versuchen wir die Synapsen tanzen zu lassen und den Kopf einzuschalten. Willst du die Ukulele richtig halten, lautet der Grundsatz, dass das Spiel langfristig schmerzfrei, ohne besonderen Kraftaufwand und flüssig sein soll.

Nicht auf fragwürdige Ratschläge reinfallen
Nicht auf fragwürdige Ratschläge reinfallen Foto: Shutterstock von Mariia Korneeva

Betonung auf „dauerhaft“ schmerzfrei und entspannt

Die Betonung liegt auf „dauerhaft“. Das will sagen: Gewöhnst du dir am Anfang aus schlichter Bequemlichkeit eine Handhaltung an, die dir am einfachsten und somit schmerzfrei erscheint, kann und wird das vermutlich auf lange Sicht kontraproduktiv bis verkehrt sein. Sobald du komplexere Akkordwechsel, Harmonien und mehr spielst, sobald du das gesamte Griffbrett für dich entdeckst, kommt deine Komforthaltung an ihre evolutionären Grenzen. Statt dich dann vor Verspannungen zu schützen, wird sie dich blockieren und im dümmsten aller anzunehmenden Fälle für Schmerzen im Unterarm, dem Handgelenk und den Fingern sorgen.

Am Anfang Mühe geben für langfristige Erfolge

Deshalb packst du dir lieber ein wenig mehr Mühe auf die Schultern bzw. auf Hand und Finger und akzeptierst, dass anfangs alle Bewegungen und Griffe ungewohnt sind. Lieber zu Beginn mit etwas Aufwand die Ukulele richtig halten, als sich später mit sehr viel Aufwand wieder umzugewöhnen. Nicht unerwähnt lassen dürfen wir an dieser Stelle, dass es hier nicht um ein zu hundert Prozent einzuhaltendes Raster geht. Bekanntlich ist die Ukulele recht klein. Wir Menschen hingegen sind unterschiedlich groß. Ein Grund dafür, dass du dich zwar an die Basics halten solltest. Auf Dauer aber findest du in Nuancen die zu deiner Körpergröße passende Variante, in der du die Ukulele richtig halten wirst.

Haltung vor dem Körper – nur ein Arm benötigt

Ein leider immer wieder zu beobachtender Kardinalfehler ist, dass das Instrument waagerecht vor dem Köper gehalten wird. Das sieht zwar lässig aus, ist aber grundlegend falsch. Dir Problematik – Gitarristen kennen das – ist, dass du dadurch deiner Greifhand, insbesondere dem Handgelenk, die Bewegungsfreiheit nimmst. Damit das nicht passiert und die Greifhand ausreichend Bewegungsspielraum hat, hältst du die Ukulele diagonal, also mit einer Aufwärtsneigung von ca. 45° +/-. Auch hier bitte mit der Präzision nicht übertreiben.

Vertikal, nicht horizontal
Vertikal, nicht horizontal Foto: Shutterstock von Giacomo Pratellesi

Locker fixieren mit Armbeuge, Bizeps und Unterarm

Den Korpus des Instrumentes hältst du unmittelbar vor dem Körper. Sollen wir den Fachausdruck Torso verwenden? Lassen wir das, du weißt, was wir mit Körper meinen. Die ungefähr genaue Position sollte leicht unterhalb der Brust sein. Locker fixiert wird der Korpus, indem du den hinteren Teil zwischen in die Armbeuge klemmst und zugleich mit Unterarm und Bizeps stabilisierst.

Der Leibwächter der linken Hand

Wenn du die Ukulele richtig halten willst, sollte dir bewusst sein, dass der – bei Rechtshändern – rechte Arm nahezu die komplette Arbeit durchzuführen hat. Richtig verstanden ist er gewissermaßen der Leibwächter der linken Hand, der Greifhand. Die nämlich soll keinesfalls das Gewicht des Instrumentes tragen, halten oder gar fixieren. Die Aufgabe dieser Hand ist es, Töne und Akkorde zu greifen.

Die Leibwache der linken Hand
Die Leibwache der linken Hand Foto: Shutterstock von H_Ko

Einfach mal die linke Hand wegnehmen

Zumal die Ukulele uns Menschen nicht gerade ergonomisch auf den Leib geschneidert ist und uns gerne mal aus der Armbeuge hüpfen möchte, ist dies ein Fehler, der gerade bei blutigen Anfängern oder Autodidakten oftmals zu beobachten ist. Aber an dieser Stelle setzen wir sogar noch einen drauf: Die Ukulele sollte ihre durch den rechten Arm gestützte Position mit Aufwärtsneigung auch dann behaupten, wenn du die linke Hand – die Greifhand – einfach wegnimmst.

Haltung der Greifhand – immer locker bleiben

Der linke Arm und die linke Hand müssen etwas machen, was uns Menschen absolut simpel erscheint, tatsächlich aber äußerst schwerfällt. Die beiden Komplizen müssen inklusive Handgelenk, Sehnen und Muskel unbedingt locker bleiben. Vielleicht kennst du das, wenn ein Arzt dir während irgendeiner banalen Untersuchung sagt: „Locker bleiben!“ Du glaubst, vollkommen locker zu sein. Der Arzt sieht das vollkommen anders. Bei mentaler Anspannung körperlich locker zu bleiben, widerspricht unseren Instinkten grundsätzlich. Doch genau diesen Punkt willst du erreichen. Pflichtvoraussetzung dafür: Die Ukulele richtig halten.

Pflichtaufgabe körperlich entspannt trotz mentaler Anspannung

Den Arm presst du weder an den Körper, noch spreizt du ihn zu weit ab. Erlaube ihm ein wenig Freiraum aber übertreibe es nicht. Alles Extreme ist der Widersacher von Entspannung. Schon befinden wir uns im Anflug auf die ersten Töne und Akkorde. Wir widmen uns der Hand oder – um es exakter auszudrücken – den Fingern und dem Handgelenk. Eine Überlegung zum besseren Verständnis gleich vorab:

Und eine Banalität darf auch nicht fehlen

So banal es klingen mag, um Töne auf dem Griffbrett zu greifen, müssen die Saiten heruntergedrückt werden. Ohne eine gute Portion Kraft kann das nicht funktionieren. Stellt sich allerdings die Frage, woher diese Kraft kommt. Die Finger sollen deshalb nicht in die Muckibude gehen und zum muskelbepackten Bizeps werden. Die Greiffinger wären mit dieser Aufgabe auf Dauer völlig überfordert. Der Weg ist ein anderer.

Kralle oder Klammergriff zwischen Daumen und Greiffingern

Du setzt den Daumen auf die Rückseite des Halses. Nein, nicht auf die Rückseite deines Halses, sondern auf den deiner Ukulele. Im nächsten Stepp setzt du Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinen Finger auf das Griffbrett, also die Vorderseite des Halses. Der Daumen befindet sich spiegelverkehrt etwa in der Mitte der Greiffinger. Nun drückst du z. B. mit dem Mittelfinger eine Saite und greifst einen Ton. Der Daumen drückt von der anderen Seite dagegen. Aus diesem gekonterten Griff ziehst du deine Kraft. Benannt wird das auch als Kralle oder als Klammergriff. Der nächste Schritt, wenn du die Ukulele richtig halten willst.

Die Kraft kommt aus dem Krallengriff
Die Kraft kommt aus dem Krallengriff Foto: Shutterstock von 9wooddy

Handgelenk nach vorne und Platz für die Finger schaffen

Nicht weniger bedeutend ist, dass die Finger beweglich bleiben. Dafür dürfen sie – banal ausgedrückt – nirgendwo festliegen. Das wiederum erreichst du durch zwei Kniffe. Erstens bleiben die Finger immer leicht rund gehalten. Und vor allem fallen sie auch mit dem untersten Fingerglied niemals unter den Hals. Dir erschließt sich noch nicht, wie die Greiffinger weit genug nach vorne kommen, um ihren gewollt entspannten Aufgaben nachzukommen? Nun, ganz einfach: Schiebe jetzt dein Handgelenk weiter nach vorne, etwa bis unter den Hals.

Die Ukulele ist keine Bockwurst

Genau diese Bewegung wird dir anfangs ungewohnt vorkommen. Weitaus lieber würdest du den Hals greifen wie ein 3-Jähriger eine Bockwurst. Doch von dieser Vorstellung verabschieden wir uns schnell wieder und wählen lieber den vegetarischen Griff. Ziel ist es, das sich die Finger nicht selbst in die Quere kommen und auch nicht selbst den Spielraum nehmen. Kurioserweise erreichst du das nicht durch die Finger, sondern durch das vorne geschobene Handgelenk. Schon lustig, möchtest du die Ukulele richtig halten, musst du mit dem Handgelenk um die Ecke denken. Hat doch was.

Blickkontaktfrei unhöflich zu deinem Instrument

Du erinnerst dich, wir sprachen davon, dass man sich manche Dinge lieber gleich zu Anfang angewöhnt. Wenn man sich mit einem Menschen unterhält, schaut man ihm aus Höflichkeit und Respekt in die Augen. Beim Gaming glotzt man sinnvollerweise ununterbrochen auf den Bildschirm. Nun läge es sicherlich nahe, für die optimale Kontrolle beim Ukulele-Spielen direkt auf das Griffbrett zu gucken. Leider nein, das gewöhnen wir uns von Anfang an ab. In Sachen Blickkontakt darfst und sollst du zu deinem Instrument ruhig unhöflich sein.

Lieber dem Publikum in die Augen blicken als aufs Griffbrett
Lieber dem Publikum in die Augen blicken als aufs Griffbrett Foto: Shutterstock von Polly Panna

Würdevoll wegsehen – Spielen im vorsätzlichen Blindflug

Der Grund: Du könntest das nur machen, in dem du sämtliche Tipps, wie du die Ukulele richtig halten sollst, komplett missachtest. Vielmehr würdest du entweder Hals und Korpus des Instrumentes zu dir drehen oder deinen Kopf weiter nach vorne und zugleich seitlich neigen. Beides sorgt dafür, dass der Freiraum für die Greifhand sogar überproportional verringert wird. Das war nicht der Sinn der Sache.

Dein musikalisches Gedächtnis ist dein Freund

Solange du den selbstkontrollierenden Blick beim Greifen noch nötig hast, setze die Finger in einer Trockenübung, nimm anschließend die Ukulele in der beschriebenen Position vor den Körper und spiele erst dann den Ton oder Akkord Dein musikalisches Gedächtnis wird dir helfen, dass du bald ohne vorherigen Kontrollblick spielen kannst.

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Wenn du dein Können auf der Ukulele erweitern möchtest, könnte dich auch dieser Artikel interessieren: „Melodiespiel auf der Ukulele: On the way – der nächste Schritt“.

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