Charakterstarkes Instrument mit spezieller Anschlagtechnik

Mandoline spielen für Anfänger – Tipps und Wegweiser für den Einstieg

Foto: Shutterstock von Sergey Kohl

Die Mandoline als typisches Zupf- und Saiteninstrument liegt voll im Trend. Handmade-Music ist angesagt und nimmt wieder zunehmend an Fahrt auf. Bist du Fan von Barock, Bluegrass, Country, Folk-Rock, Mittelalter-Musik und mehr, dann kommen hier unsere Tipps zum Thema Mandoline spielen für Anfänger:

Check it: Mandoline spielen

  • Stilistisch vielfältiges Crossover-Instrument
  • Kompaktes Instrument mit spezieller Spielweise
  • Vorzüge der Quinten-Stimmung
  • Tremolo als mandolinentypisches Stilmittel
  • Erste Töne, Akkorde und Plektrum-Spiel

Mandoline spielen – musikalisch mehr als vielseitig

Zu den speziellen Reizen der Mandoline gehört, dass sie in unterschiedlichsten Musikstilen zum Einsatz kommen kann. so beispielsweise im Barock, der zeitgenössischen Musik, ebenso im Bluegrass, Country, aber auch in beispielsweise der Pop-Musik. Legendäre Songs, bei denen sie zum stilechten Crossover-Instrument wurde, stammen von Mike Oldfield folkloristischen angehauchten Rock- und Pop-Bands wie „R.E.M.“ oder „The Hooters“ und vielen weiteren.

Kompaktes Instrument mit speziellen Anforderungen an die Griffweise

Im Gegensatz zur Gitarre oder zum Banjo oder zu ihrer evolutionären Vorgängerin – der Laute – ist die Mandoline angenehm kompakt. Exakter ausgedrückt, ist der Sattel einer Standard-Mandoline gerademal 28 mm breit. Das bedeutet automatisch, dass deine Hand keine Probleme haben wird, den Hals zu umgreifen. Allerdings bedeutet dieser Vorzug zugleich eine spezielle Anforderung, wenn du Mandoline spielen möchtest:

Leicht erlernbar, weil kompakte Maße
Leicht erlernbar, weil kompakte Maße Foto: Shutterstock von Radomir

Üblicherweise bestückt ist das Instrument mit vier doppelchörigen Stahlsaiten; also insgesamt acht Saiten, die sich den vorhandenen Platz auf dem Griffbrett teilen müssen. Zwangsläufig bedeutet das, dass es für deine Greiffinger ganz schön eng werden kann. Aber keine Angst, wenn du Mandoline spielen möchtest, hat das Instrument trotz schmal bemessenem Hals gleich eine praktische Lösung mit an Bord, nämlich die Stimmung:

Gestimmt in Quinten und dadurch komfortabel spielbar

Gestimmt wird die Mandoline standardmäßig in Quinten. Für diejenigen, die sich schon ein wenig musiktheoretische Kenntnisse haben: Die gängige Stimmung ist g/g – d`/d` – a`/a` – e`/e`. Hinsichtlich der Grundstimmung also identisch mit der Geige.

Für Einsteiger, die sich mit den musikalischen Grundlagen erst noch befassen werden: Unter Quinten versteht man einen speziellen Tonabstand, ein Intervall. Und die Grundstimmung in Quinten sorgt dafür, dass manche Akkordtöne über zwei doppelchörige Saiten hinweg mit lediglich einem Finger gegriffen werden können.

Die gedoppelten Saiten sorgen für den speziellen Klang
Die gedoppelten Saiten sorgen für den speziellen Klang Foto: Shutterstock von Valerio Pardi

Voraussetzung dafür, dass die gegriffenen Töne nicht schnarren oder knarzen ist die vernünftige Griffweise. Die Fingerkuppe wird mit dem fleischigen Teil senkrecht von oben aufs Griffbrett gesetzt. Den notwendigen Druck erzeugst du mit dem Daumen, den du hinten am Hals ansetzt. Zumal dein Instrument mit Stahlseiten bestückt ist und unverschämterweise auch noch einen gewissen Widerstand bietet, mag das für eine gewisse Zeit Schmerzen an den Fingerkuppen verursachen.

Beim Üben nicht übertreiben, um Blasenbildung zu vermeiden

Pass‘ auf, dass du keine Blasen an den Fingern bekommst; also beim Üben und Mandoline-Spielen nicht übertreiben. Im Laufe der Zeit wird sich die notwendige Hornhautschicht entwickeln, wodurch kaum oder irgendwann gar keine Schmerzen mehr auftreten. Eine Phase, die du schlichtweg überwinden musst.

Wenn du Mandoline spielen möchtest, verlangt das den gleichen Übungsfleiß wie bei anderen Saiteninstrumenten auch. Allerdings auch das gleiche Zusammenspiel von Spannung und Entspannung, von konzentriert verkrampfungsfreiem Üben mit Phasen der körperlichen und geistigen Erholung. Auch hier gilt, auf die richtige Mischung zu achten. Lieber konsequent täglich 15 oder 30 Minuten als in

Typisches Mandolinenstilmittel: Tremolo

Gespielt wird die Mandoline auch im klassischen Bereich nahezu ausschließlich mit dem Plektrum. Im Bandkontext oder in der konzertanten Musik präsentiert sie sich häufig als melodieführendes Instrument, sehr selten hingegen als Soloinstrument.

Typisch für die Mandoline ist das Tremolo, das durch die schnelle Auf- und Abwärtsbewegung des Plektrums erzeugt wird. Bis du diese Spielweise vernünftig beherrscht, wirst du vermutlich einige Zeit konsequent üben müssen.

Immerhin lautet die besondere Anforderung, dass die Bewegungen ebenso gleichmäßig wie schnell erfolgen müssen. Außerdem musst du für eine entweder einheitliche oder gewollt pointierte Dynamik und Lautstärke sorgen.

Die wichtige Disziplin „Tremolo“ will konsequent geübt werden
Die wichtige Disziplin „Tremolo“ will konsequent geübt werden Foto: Shutterstock von Attapol Yiemsiriwut

Bewegung ausschließlich aus dem Handgelenk

Um ein ausgewogenes und schnelles Tremolo hinzubekommen, musst du dich von einem menschlichen Automatismus verabschieden. Nämlich dem, die Handbewegungen aus dem Unterarm zu machen. Stattdessen soll die Bewegung nahezu ausschließlich aus dem Handgelenk durchgeführt werden.

Der Grund dafür ist leicht nachvollziehbar. Beim Tremolo handelt es sich um eine üblicherweise schnelle Abfolge von auf- und abwärts folgenden Anschlägen mit dem Plektrum. Funktionieren kann das nur, wenn die Strecke, die dabei vom Plektrum zurückgelegt werden muss, so kurz wie möglich gehalten wird.

Armbewegung automatisch schwerer kontrollierbar als Handgelenkbewegung

Käme diese Bewegung aus dem Arm, wäre die Strecke automatisch länger, zudem schwieriger kontrollierbar. Anfangs übst du die Spieltechnik mit weiten Bewegungen – nur aus dem Handgelenk (!) – und die werden dann immer enger. Der Weg des Plektrums wird also auf die geringstmögliche Länge begrenzt. Ein Prinzip, das wir auch von anderen Saiteninstrumenten mit schnellen Tonfolgen kennen.

Locker bleiben, Verspannungen und Blockaden vermeiden

Maßgebliche Schwierigkeit dabei ist es, locker zu bleiben und weder in Arm noch in der Hand zu verkrampfen. Und genau deshalb solltest du sehr langsam beginnen und die Geschwindigkeit ganz vorsichtig und langsam forcieren. Immer darauf achtend, dass sich keine Verspannungen ergeben. Sobald du irgendwelche Blockaden spürst, hörst du auf, machst ein paar körperliche und mentale Lockerungsübungen und legst erst anschließend wieder los.

Der Spagat, wenn du Tremolo auf der Mandoline spielen willst, heißt: Bei optimaler Kontrolle, Koordination und Gleichmäßigkeit dennoch locker zu bleiben. Eigentlich Dinge, die sich grundsätzlich wiedersprechen. Sei dir deshalb der Tatsache bewusst, dass du gerade nichts Geringeres machst, als deine natürlichen Bewegungsabläufe umzuprogrammieren.

Griffweise und erste Töne

Grundsätzlich gilt die Mandoline als eines der einfach erlernbaren Saiteninstrumente. Zugegeben, die Geister streiten sich und die fortgeschrittenen Koryphäen, die Mandoline spielen, schlagen vermutlich gerade die Hände über dem Kopf zusammen und fühlen sich auf die Füße getreten. Tatsache bleibt jedoch, dass du auf diesem Zupfinstrument schnelle Erfolgserlebnisse haben kannst.

Gitarristen profitieren von ihren Fingerfertigkeiten und dem gewohnten Umgang mit dem Plektrum, wenn sie Mandoline spielen wollen und dieses Instrument zusätzlich für sich entdecken wollen. Geigern kommt die identische Stimmung entgegen, aufgrund derer sie sich schnell orientieren können, eigentlich ohne umdenken zu müssen.

Gefühl und Koordination auf einzelnen Doppelsaiten entwickeln

Wenn du dich den ersten Tönen widmest, solltest du dich anfangs mit den leeren – den nicht gegriffenen – Saiten beschäftigen und ein Gefühl für das Spiel mit dem Plektrum entwickeln. Erst im nächsten Schritt erarbeitest du dir die gegriffenen Töne, wobei du dir zunächst immer nur auf einer (doppelchörigen) Saite vielleicht drei miteinander wohlklingende Töne vornimmst und die nacheinander durchspielst.

Im Vergleich mit der Gitarre oder dem Cello liegen die Töne auf einer Saite nah beieinander. Willst du Mandoline spielen, bedeutet das automatisch, dass du seltener die Lagen auf dem Griffbrett wechseln musst, zumal sich mit normallangen Fingern die nächsten, übernächsten und weitere Bünde gut erreichen lassen.

Möchtest du nun eine kleine Melodie auf einer Doppelsaite spielen, achtest du möglichst darauf, dass die Greifhand insgesamt ruhig bleibt, die Finger selbst sich jedoch möglichst weit spreizen. Dabei bitte nicht übertreiben, keine Dehn-Orgien und nicht verkrampfen.

Tonfolgen, Rolls und mehr saitenübergreifend

Nächster Stepp ist es, Tonfolgen über mehrere Saiten hinweg zu spielen, wobei du darauf achtest, dass die Finger präzise greifen und sich eben nur auf der gewollten Saite befinden, ohne andere Saiten ungewollt zu berühren und dadurch andere Töne zu unterdrücken. Wichtig: Übe und spiele zunächst so langsam und kontrolliert wie möglich. Die Geschwindigkeit kommt irgendwann von selbst.

Mag sein, wenn du Mandoline spielen willst, dass dir anfangs nicht die geeigneten Melodien einfallen. Ideal ist es selbstverständlich, wenn du Unterstützung durch einen Mandolinen-Lehrer, sei das persönlich oder online. Abgestimmt auf deine individuellen Lernfortschritt wirft er dir immer die nächste Portion Futter zu, gibt dir Tipps zum richtigen Fingersatz und auch eine entsprechende Rückmeldung.

Wie bei nahezu jedem anderen Instrument kannst du dir das Melodiespiel autodidaktisch aneignen. Schneller und fehlerfreier geht das mit vernünftiger Anleitung. Das Web ist vollgestopft mit entsprechenden Tutorials. Denke aber immer daran, dass du Fehler von Anfang an vermeiden solltest. Denn die übst du genauso konsequent ein wie Richtiges und wirst sie nur schwer wieder los.

Erst nur auf einer Saite, dann saitenübergreifend üben
Erst nur auf einer Saite, dann saitenübergreifend üben Foto: Shutterstock von mokokomo

Akkordspiel und der individuelle Abwechslungsreichtum

Zu den Vorzügen, wenn du Mandoline spielen willst, gehört die Vielseitigkeit dieses Instrumentes. Sprich: Es ist Melodie- als auch Begleitinstrument. Je nachdem, wie und wofür du es gerade einsetzen möchtest. Nebenbei gesagt: Zur Königsdisziplin beim Mandolinenspiel gehört es übrigens, Melodie- und Akkordspiel ineinander zu verflechten.

Für die Liedbegleitung benötigst du ein paar Akkorde; wobei anfangs drei bis vier Harmonien bereits genügen. Um nicht gleich in die komplexen Sphären zu starten, suchst du dir dafür am Akkordfolgen, bei denen du für die einzelnen Griffe lediglich ein oder zwei Greiffinger benötigst. Lauten könnte die Kadenz zum Beispiel | G | C | D | G | Alles Akkorde, die sich simpel umsetzen lassen.

Bereits mit diesen wenigen Akkorden kannst du zahlreiche Songs auf der Mandoline spielen. Im Laufe der Zeit erweiterst du dein Repertoire durch weitere und dann auch komplexere Akkorde. Wirklich schwierig ist das nicht. Allenfalls eine Frage von Übungsfleiß und Spaß an der Musik. Allerdings:

Akkordspiel per Strumming und weitere Anschlagmuster

Ein gegriffener Akkord für sich klingt nicht. Selbstverständlich musst du die Saiten nun auch mit dem Plektrum anschlagen. Genannt wird diese Spieltechnik „Strumming“. Gemeint ist damit der Anschlag über sämtliche Saiten hinweg, bei dem sowohl der Abschlag als auch der Aufschlag rhythmisch ausgestaltet wird. Auch die rhythmisch unterschiedlichen Anschlagmuster werden zum bestimmenden Teil deiner musikalischen Entdeckungsreise auf der Mandoline.

Es existiert sehr viel Notenmaterial, auf das du im digitalen Zeitalter unkomplizierten Zugriff hast. Gut Sache dafür, dir bereits in diesem Status neue Ideen für den von dir bevorzugten Musikstil zu holen.

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Wie das Tremolo das typische Klang-Statement bei der Mandoline ist, ist es bei der Geige das Vibrato. Wichtig, weil es auch hier um den schönen und eigenständigen Klang geht. Möchtest du zum Verständnis einen Blick in die Instrumentengruppe der Streicher werfen, schau doch mal auf unseren Ratgeber für das Erlenen von Vibrato auf der Violine.

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