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Interview mit Michaela Danner

Michaela Danner
Michaela Danner Foto: Patricia Behr

Michaela Danner ist eine der meist gebuchtesten Musikerinnen Deutschlands. Als Keyboarderin und Sängerin, aber vor allem an der Geige stand sie bereits mit Künstlern wie Michael Bublé, Sportfreunde Stiller, James Last, Helene Fischer oder Alvaro Soler auf der Bühne. Wir haben Michaela ein paar Fragen zu ihrem musikalischem Schaffen gestellt …

Wann bist du zum ersten Mal mit Musik in Kontakt gekommen?

Musik hat eigentlich schon seit meiner frühesten Kindheit eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Meine Eltern waren sehr Musik- und Kultur-begeistert, weshalb ich auch mit 6 Jahren meinen ersten Klavierunterricht bekommen habe.

Mit der Geige ging es etwas später los. Irgendwann habe ich bei einem Besuch meiner Oma ihre alte Geige gefunden. Seitdem wollte ich Geige lernen. Meine Eltern waren allerdings zuerst nicht so begeistert von der Idee, die Nachbarn zusätzlich zum Klavier noch mit Anfänger-Geigenklängen zu beglücken. Deshalb habe ich immer bei meiner Oma im Keller geübt und meine Eltern weiter genervt, bis sie sich endlich erweichen ließen und ich mit 10 die ersten Geigenstunden bekommen habe.

Wie wurde Musik dein Leben und deine Karriere?

Ich kann gar nicht sagen, dass ich das an irgendeinem Punkt beschlossen hätte. Das ist einfach so passiert. Nach der Schule war ich etwas planlos, was ich mit meinem Leben anfangen sollte und habe erstmal angefangen Theaterwissenschaft, Musikwissenschaft und Psychologie zu studieren. Geige und Klavier – die beiden Instrumente, die ich spielen konnte – kamen für mich zunächst nicht in Frage, weil ich der Meinung war, dass ich viel zu schlecht war, um mich an einer Musikhochschule zu bewerben.

Parallel zum Studium habe ich dann begonnen, hin und wieder bei einem befreundeten Sänger in der Jazz-Band zu spielen. Hier habe ich meine ersten Erfahrungen mit Improvisation gemacht, denn bis dahin hatte ich immer nur klassische Musik gemacht. Da war ich plötzlich Feuer und Flamme. Die Erfahrung auf der Bühne zu stehen, während eines Gigs Spaß zu haben und nicht erst danach, wenn es halbwegs gut gelaufen ist, wie ich es aus der Klassik gewohnt war, war vollkommen neu für mich.

Dann kam eins zum anderen, ich habe immer mehr gespielt und wurde auch für große Produktionen angefragt. Das war für mich mit Anfang 20 natürlich wahnsinnig aufregend.

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Wann hast du deinen ersten eigenen Song geschrieben?

Songs habe ich eigentlich schon immer nebenbei geschrieben. Ich glaube, als ich 13 war zum ersten Mal. Als ich dann nach dem Abitur in meine erste eigene Wohnung gezogen bin, habe ich mir ein kleines Interface und ein SM58 gekauft, mein Bügelbrett auf die richtige Höhe gebracht (da ich keinen Mikrofonständer hatte) und angefangen, meine Song aufzunehmen. Dann war ich aber erstmal viel mit anderen Künstlern auf Tour und habe mich eher darauf konzentriert.

Welcher Musiker/Musikerin ist für dich besonders inspirierend und warum?

Ich war nie ein klassischer Fan. Ich finde viele Musiker inspirierend. Dave Grohl beispielsweise. Er hat mehrere erfolgreiche Bands auf die Beine gestellt und irgendwie immer einen Scheiß drauf gegeben, was die Leute um ihn herum von ihm denken. Von ihm würde ich mir manchmal immer noch gerne eine Scheibe abschneiden. Ich bewundere die Klarheit, mit der er seine musikalischen Ideen auf den Weg bringt. Und natürlich die unfassbaren Songs, die er schreibt …

Michaela Danner – eine der meist gebuchtesten Musikerinnen Deutschlands

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Was würdest du ändern, wenn du im Musikbusiness das Sagen hättest?

Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr die Musik und der Künstler im Vordergrund steht. Dass die Plattenfirma und das Booking sich nach dem Künstler richten und nicht anders herum. Ich finde es außerdem schade, dass heute viel mit Singles gearbeitet wird und keiner sich mehr die Mühe macht, an einen Musiker oder eine Band zu glauben und sie mit Zeit und Geduld aufzubauen.

Es scheint mir, als geht es oft nur noch um den schnellen finanziellen Erfolg. Und da bleibt der Künstler oft einfach auf der Strecke.

Was hältst du vom Lernen via Tutorials/YouTube? Kann ein gutes Tutorial einen Lehrer ersetzen?

Ersetzen?! Auf keinen Fall. Ich finde es wahnsinnig spannend, was man alles auf YouTube findet und das ein oder andere habe ich mir auch schon angeschaut. Aber einen 1:1-Unterricht mit einem Lehrer kann das auf keinen Fall ersetzen. Da fehlt das Zwischenmenschliche, das Feedback vom Lehrer und die Live-Situation.

Man sieht es ja in Zeiten von Corona deutlich: Es ist eine große Chance, dass man einiges ins Internet verlegen kann und trotzdem noch Menschen erreicht – aber es ist einfach nicht das Gleiche wie wie eine LIVE-Situation. Außerdem sollte man bei dem ganzen kostenlosen Content im Internet nicht vergessen, dass „Musiker“ auch ein Job ist und es nicht sein kann, dass alles umsonst verbreitet wird.

 

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Siehst du dich eher als Künstlerin oder als Handwerkerin?

Wenn ich ehrlich bin: Mal so – mal so. Wobei ich das Wort „Handwerk“ nicht unbedingt negativ bewerten würde. Klar, habe ich mir im Laufe meines Lebens ein Handwerk aufgebaut, das ich jederzeit abrufen kann – ob im Studio oder auf der Bühne. Aber ich habe das Glück, dass bei allen Jobs, die ich annehme, auch wenn es ein Auftrag ist, in irgendeiner Weise Kreativität gefragt ist.

Ob ich die Arrangements mache, improvisiere, mich musikalisch einbringe – ein kreativer Anteil ist eigentlich immer dabei. Deshalb sehe ich mich, auch wenn ich für andere Künstler auf der Bühne stehe, nie wirklich nur als „ausführende Kraft“. Ich denke, ich werde auch immer wegen meiner Erfahrung und meinen musikalischen Ideen gebucht.

Welchen Tipp hast du für junge Einsteigerinnen an ihrem Instrument?

Da ich aus der Klassik komme, wo doch eine gewisse Strenge herrscht, würde ich allen Musikerinnen wünschen, sich die Freiheit an ihrem Instrument zu bewahren. Handwerk und Können sind natürlich die Basis, aber einen kreativen Kopf mit Ideen zu haben, kann man nicht lernen. Da muss die Energie einfach fließen. Und das ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Qualitäten einer guten Musikerin. Neben dem Fleiß finde ich es deshalb total wichtig, sich diese Freiheit im Kopf und die Liebe zur Musik zu bewahren.

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Welchen Rat würdest du jungen Musikerinnen geben, die sich als Profi durchsetzen wollen?

Traut euch, Mädels! Ich kann gut nachvollziehen, dass man als Instrumentalistin in diesem männerlastigen Business etwas eingeschüchtert ist. Man muss sich als Frau oft ein Mal mehr beweisen. Ich arbeite wahnsinnig gerne mit Kolleginnen und würde mir wünschen, dass gerade in der Pop- und Rockmusik die Frauenquote noch etwas in die Höhe geht.

Außerdem würde ich allen zukünftigen Musikerinnen und Musikern ans Herz legen wollen, sich zusammenzuschließen und zu organisieren. In Zeiten von Corona merke ich so sehr, was wir in den letzten Jahren verpasst haben: Nämlich eine Community zu werden, die sich gegenseitig unterstützt und auch in schweren Zeiten eine Chance hat, gehört zu werden. Aus dem Grund hab ich gerade mit ein paar Musikerkollegen den Verband „PRO MUSIK – Verband freier Musikschaffender“ gegründet. Damit wir eine lautere Stimme in der Öffentlichkeit haben, die unsere Interessen vertritt, und einfach besser connected sind.

Dass wir alle – ob jetzige oder zukünftige MusikerInnen – das zusammen schaffen, wünsche ich mir für die Zukunft.

Michaela Danner am Keyboard Foto: JHP Alvaro Soler

Über Michaela Danner

Alter: 37,

Geburtsort/Wohnort: München/Berlin

Instrumente: Geige, Keyboard, Gesang

Bands/Projekte: Sportfreunde Stiller, James Last, Helene Fischer u. a.

Aktuell: Alvaro Soler, Michael Bublé, Alex Christensen, Howard Carpendale u. a.

Weblinks (Webseite, FB, IG):

www.michaeladanner.de

https://de-de.facebook.com/MichaelaDannerViolin/

https://www.instagram.com/michaelaviolin/

https://www.promusikverband.de/

https://www.facebook.com/verbandpromusik/

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