Zeit sparen und Motivation gewinnen

Schlagzeug üben – effizient und mit motivierenden Lernfortschritten

Foto: Shutterstock von Dmytro Vietrov

Das Schlagzeug-Spielen zu erlernen, ist die eine Sache. Die grundlegenden Techniken werden Schlag für Schlag und sinnvollerweise didaktisch aufeinander aufbauend im wahrsten Sinne des Wortes ins musikalische Verständnis und Gedächtnis getrommelt. Zumal die motorischen und feinmotorischen Zusammenhänge auch den Talentiertesten nicht vom Himmel in die Arme, Beine, Hände und Füße fallen, heißt es anschließend Schlagzeug üben, üben, üben. Wie du es richtig machst:

Check it: Schlagzeug üben und keine Zeit vergeuden

  • Reichlich Gründe für Bewunderung
  • Leistungskurve durch Training obenhalten
  • Motorisches und feinmotorisches Gedächtnis
  • Die Bedeutung der Selbstreflektion
  • Konzeptionell üben und Pausen einkalkulieren

Schlagzeug üben verlangt reichlich Trainingsfleiß

Hinsichtlich des Trainingsfleißes ist das Schlagzeug tatsächlich eines der zeitaufwendigsten, weil körperlich intensivsten schlechthin. Nicht selten wird allein bereits diese Leistung unterschätzt. Da kloppt jemand auf ein paar Kesseln herum, na und? Dabei sind die Drummer das Timing-feste, rhythmustreibende Herzstück einer Band schlechthin. Alle anderen müssen sich daran orientieren können. Der Schlagzeuger entscheidet darüber, ob die Songs frei von Stolpersteinen von Anfang bis Ende zünden oder nicht. Er ist nichts Geringeres als das Fundament.

Schlagzeuger als personifizierter musikalischer Krake

Um überhaupt als diese solide Basis fungieren zu können, muss er die Grooves und Patterns beherrschen, das Tempo bestimmen und halten, etliche Kessel und Becken zeitglich und zeitvariabel beackern und dabei eine Unabhängigkeit von Händen, Füßen und Hirn unter Beweis stellen, von der andere Musiker nur träumen können. Schlagzeuger sind musikalische Hochleistungssportler. Wenn ein Sportler ein paar Tage nicht trainiert, verliert er an Leistungsfähigkeit und wird von den Konkurrenten überholt. Analog dazu bedeutet das für dich als Drummer, dass du – wie beispielsweise auch Blechbläser – regelmäßig und konsequent Schlagzeug üben musst.

Pure Bewunderung für die Unabhängigkeit von Hirn und Gliedmaßen
Pure Bewunderung für die Unabhängigkeit von Hirn und Gliedmaßen Foto: Shutterstock von Gargantuart

Effektiv mit hoher Leistungskurve vorankommen

Verbleibt die Frage, wie du richtig Schlagzeug üben solltest, wie du effektiv vorankommst und deine Leistungskurve auf persönlich hohem Niveau aufrechthältst, um nicht immer wieder gewissermaßen von vorne anfangen zu müssen. Du kannst chaotisch und unstrukturiert deine Zeit verplempern. Oder um es anders auszudrücken: Ohne Konzept und Struktur kannst du durchaus Schlagzeug üben, aber der durchdachte Prozess mit reflektierten Wiederholungen des im jeweiligen Augenblick gerade Wichtigen wird dich weitaus schneller ans Ziel bringen. Wenn du Schlagzeug üben willst, geht es um die effiziente Leistungsverbesserung und diese Leistungen jederzeit abrufen zu können.

Die Bedeutung von motorischem und kleinmotorischem Gedächtnis

Dabei spielen diverse Begriffe eine Rolle, die für Musiker elementar, für handelsübliche Normalmenschen hingegen nahezu Fremdworte sind. Lediglich zwei davon sind das sogenannte motorische und das feinmotorische Gedächtnis. Überbegrifflich ist das motorische Gedächtnis dafür verantwortlich, dass körperliche Bewegungen reibungslos ausgeführt werden, etwa wenn man eine Tür öffnet oder die Tasse Kaffee zum Mund führt. Solche Abläufe planen wir im Gehirn, genauer gesagt im Cortex, und speichern diese intuitiv in unserem motorischen Gedächtnis ab.

Wenn du nicht mehr nachdenken musst, wird’s flüssig

Das Besondere daran ist, dass wir künftig eben nicht mehr darüber nachdenken müssen. Und schon sind wir wieder bei unserer Bewunderung für die Multitasking-Fähigkeit von Schlagzeuger angelangt. In rasanter Geschwindigkeit werden – ohne nachzudenken – unterschiedlichste Bewegungsabläufe abgerufen und zu einem rhythmisch großen Ganzen miteinander verwoben. Tatsache bleibt: Du musst so konsequent und ausdauernd Schlagzeug üben, bis du dein eigenes Gehirn zum nicht mehr Mitdenken übertölpelt hast.

Nette Bewunderung, aber eigentlich ist es nur Training

Immer wieder werden Drummer mit dem bewundernden Satz konfrontiert: „Was du da mit Händen und Füßen treibst, könnte ich niemals.“ Nun ja, das ist ein freundliches Lob, stimmt allerdings nicht ganz. Denn mit Unabhängigkeitsübungen für Kopf und Körper kann prinzipiell jede und jeder diese Fähigkeiten erlernen. Sorry, das ist das falsche Wort. Vielmehr muss es heißen „(…) kann jede und jeder dieser Fähigkeiten einüben und trainieren“. Nur macht man es eben üblicherweise nicht. Wofür auch? Für dich als Schlagzeuger hingegen sind diese Unabhängigkeitsübungen ein echtes Pflichtprogramm. Effizient Schlagzeug üben ohne die Konzentration auf Unabhängigkeit, ist ein schlichtweg sinnloses Unterfangen.

Es ist und bleibt einfach Training
Es ist und bleibt einfach Training Foto: Shutterstock von photoschmidt

Größtmöglichen Erfolg aus geringstmöglicher Zeit ziehen

Dein Ziel dabei: Du möchtest aus geringstmöglicher Zeit den größtmöglichen Lern- und Trainingseffekt ziehen. Zwangsläufig ist die Zeit für dich ein immens bedeutendes Thema, wenn du effektiv Schlagzeug üben willst. Denn immer wieder wird dir bewusst, wie wenig überflüssige Zeit dir zur Verfügung steht; eigentlich gar keine. Wenn du während des Songs stolperst und dir Arme und Beine verknotest, rennst du der Zeit hinterher. Vergeigte Zählzeiten nachzuholen ist nicht möglich; du kannst sie allenfalls auslassen. Für die Stunden, Tage, Wochen, die du für dein nächstes Level benötigst, gilt das gleichermaßen. Zeit verrinnt, ist verschwunden und lässt sich nicht wieder zurückholen.

Präludium Ende: Lass uns konkret werden

Genug der Vorrede, lass uns konkret werden. Immerhin haben wir deine speziellen Herausforderungen, wenn Du effizient Schlagzeug üben willst, ausreichend beleuchtet. Wie als übt man am Schlagzeug mit optimalen und gleichermaßen motivierenden Erfolgen. Und sorry, nun wird es ein wenig ernüchternd. Die erste Faustregel lautet: Abgesehen von der Aufwärmphase übe nicht das, was du ohnehin schon kannst.

Übe, die Dinge, die du noch nicht im Schlaf beherrscht

Ein Kardinalfehler, der leider immer wieder zu beobachten ist. Du willst weiterkommen, also übe das, was du verbessern möchtest. Verabschiede ich von dem Gedanken, dass du dich mit deiner Spartenperfektion ständig rundum wohlfühlen kannst, wenn du zeitsparend Schlagzeug üben möchtest. Setze dort an, wo dein Spiel eben noch nicht durchbaut ist. Hole dir deine so dringend notwendige Bestätigung daraus, dass du in den eben noch nicht sicher – und ohne nachzudenken – beherrschten Techniken besser wirst.

Wenn du nicht mehr nachdenken musst, wird’s routiniert
Wenn du nicht mehr nachdenken musst, wird’s routiniert Foto: Shutterstock von Dmytro Vietrov

Die Freude an der Musik darf nicht auf der Strecke bleiben

Selbstverständlich darf das Drum-Set nicht zum reinen Arbeitsgerät werden. Es ist und bleibt ein Instrument, dein Instrument. Die Freude am Spielen und „echten“ Musikmachen darf und soll dir nicht verlorengehen. Das will sagen: Du musst zwischen den Übungs- bzw. Trainingseinheiten und dem Musikmachen unterscheiden. Schlagzeug üben dient deinem Vorankommen; Schlagzeug spielen deinem Spaß an der Musik.

Schwächen aufdecken, identifizieren und ausmerzen

Um Schwächen auszumerzen, ist es wichtig, diese zunächst einmal zu identifizieren und zu benennen. Du musst wissen, wo es hakt, welche Stellen im Groove und Song noch nicht wirklich flüssig laufen und mit welchen Techniken du dich ins rhythmische Nirvana galoppierst. Die dafür sinnvolle Herangehensweise ist es, einen Song oder einen Teil dessen zunächst möglichst komplett zu spielen und dabei hinzuhören und hinzufühlen, welches die neuralgischen Stellen sind. Nun unterteilst du den Song in winzige Abschnitte und widmest dich exakt den Passagen, die dir Schwierigkeiten gemacht haben. Sei das eine spezielle Schlagabfolge, ein Fill-In, das Outro oder was auch immer.

Eine Frage der Selbstreflektion; dein Smartphone kann helfen

Sicherlich könntest du nun mit jedem Detail zu deinem Schlagzeuglehrer rennen und ihn um sein Feedback bitten. Glaub‘ mir, die Zeit hat auch der ambitionierteste Drum-Lehrer nicht. Nicht zu vergessen, dass deine Eigenreflektion dadurch wenig gefördert würde. Dein Smartphone ist ohnehin dein ständiger Alltagsbegleiter.

Es freut sich darauf, von dir ausgenutzt zu werden, wenn du effektiv Schlagzeug üben willst, nämlich als Aufnahmemedium. Nimm dein Spiel auf, analysiere die Aufnahmen und schnell wird dir bewusst, wo du ansetzen kannst. Lass dich dabei auf keinen Fall frustrieren. Wenn du an dieser Stufe ankommst, bist du vermutlich längst besser, als du dich selbst einschätzen würdest.

Keine Maschine werden, lieber menschlich bleiben

Die Perfektionierung deiner Spieltechnik ist und bleibt ein wesentlicher Bestandteil deines Könnens, das dir als Musiker auch Sicherheit und Selbstvertrauen geben wird. Dennoch, auch das ist Teil der Wahrheit, übertreibe es nicht mit der ausgefeilten Spieltechnik. Du bist ein Mensch und insbesondere die leichten Schwankungen und Dynamikunterschiede unterscheiden dich von einer Maschine. Wenn alles unmenschlich perfekt klingen sollte, wärest du per se arbeitslos. Dann würde die Band sich einen Drum-Computer nehmen und dich nach Hause schicken. Soll es aber nicht; gerade deshalb ist deine menschliche und musikalische Wärme gefragt.

Effizienz hat auch mit Zeiteinteilung zu tun

Bei all deinem vorbildlichen Übungsfleiß solltest du auch deine körperliche und mentale Leistungsfähigkeit bedenken. Keinem Menschen ist damit geholfen, wenn du bis zur absoluten körperlichen Erschöpfung Schlagzeug üben würdest. Gleiches gilt für deine Konzentrationsfähigkeit und somit mentale Aufnahmebereitschaft. Irgendwann macht die Birne einfach dicht. Falls du dann weiterhin auf dein Set eindrischt, würdest du damit nichts mehr verbessern. Auch diese Zeit wäre verpulvert.

Dein Körper und deine Birne benötigen Ruhepausen. Empfohlen wird, dass – zumindest Fortgeschrittene – in Blöcken von jeweils etwa 20 Minuten Schlagzeug üben sollten. Also lieber drei Mal hintereinander 20 Minuten und zwischendurch immer entspannende Pausen einlegen, als eine ununterbrochene Stunde am Stück. Einsteiger können und sollen sich solche langen Trainingszeiten noch nicht antun, wenn sie Schlagzeug üben.

Aber auch solche 20-minütigen Phasen sollten nicht ohne sinnstiftende Inhalte durchgezogen werden. Ideal ist es dann, wenn sie konzeptionell aufgeteilt werden, so etwa in die Aufwärmphase, in der bereits sitzende Techniken behutsam vertieft werden, die Phase zum Erlernen neuer Techniken und letztlich die Phase, in der die Techniken und Unabhängigkeitsübungen songdienlich miteinander kombiniert werden. Es geht also darum, die Konzentrationsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Zeit bewusst einteilen und dringend Pausen einkalkulieren
Zeit bewusst einteilen und dringend Pausen einkalkulieren Foto: Shutterstock von Barks

Konzentration aufrechterhalten; Ablenkungen vermeiden

Allzu leicht lassen wir uns von den unterschiedlichsten Dingen, Geräuschen und Signalen ablenken. Auf dem Smartphone bimmelt die nächste WhatsApp-Nachricht. Zack, die Konzentration ist weg, wenngleich auch nur für Sekundenbruchteile. Von draußen hört man das nervtötende Gurren einer Taube oder Schlimmeres, nur weil man das Fenster offengelassen hat. Bähm, die Ablenkung schmeißt uns sekundenschnell aus dem Groove. Smartphone auf Flugmodus, Fenster schließen oder Kopfhörer aufsetzen, umso konzentrierter und dadurch effektiver wirst du Schlagzeug üben.

Schlagzeug üben nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide

Wohl kein Mensch glaubt, man könne bei der Entdeckungsreise mit einem Instrument jemals an das ultimative Ziel gelangen. Wir könnten Hunderte von Jahren alt werden und es gäbe noch immer neues zu entdecken. Ein Instrument ist kein Kreuzworträtsel, auch und erst recht das Schlagzeug nicht. Nicht erst im Umkehrschluss bedeutet das, dass du dich selbst frustrieren würdest, wolltest du alles auf einmal auf dem Schlagzeug üben. Das ist faktisch unmöglich. Vielmehr hast du dir mit einer solchen Herangehensweise selbst die motivierenden Beine unter dem Hintern weg.

Weitaus mehr Freude und Spaß an der Musik bringt es, wenn du vermeintlich simple Dinge so sicher wie möglich umsetzt und dein Können behutsam breitflächiger aufstellst. Die Grooves können immer noch komplexer, die Passagen schwieriger werden. Dafür müssen die Basics sicher sitzen. Nur durch Spieltechniken, die nach deinem jeweiligen individuellen Stand auch umsetzen kannst, werden deine Motivation dort halten, wo sie hingehört: auf dem höchsten und spaßbringenden Niveau.

Und hier noch ein paar beliebte Drum-Sets, auf denen du sinnvoll üben kannst:

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