Alles nur ein Missverständnis?

Penny Lane in Liverpool wird vom Kult- zum Streitobjekt

Foto: extrahiert aus YouTube-Video

Mit zu den bekanntesten Hits der Beatles gehört „Penny Lane“. Ein Song, der von der Gegend in Liverpool erzählt, in der Paul McCartney und John Lennon aufgewachsen sind. Die Straße wurde durch den Song der Fab Four weltberühmt, gewissermaßen zum musikalisch bedeutsamen Wahrzeichen. Im Zusammenhang mit der Protestbewegung gegen Rassismus haben nun Aktivisten Straßenschilder und Mauern der Straße mitten in Liverpool besprüht. Mit einem etwas umstrittenen Grund:

Alltagsgeschichte einer Straße oder weitaus mehr?

Die Aktivisten sind der Meinung, der Namensgeber der Penny Lane in Liverpool sei ein Mann mit dem Namen James Penny. Und der wiederum war offenbar ein Sklavenhändler. Soweit könnte man den Grund der Beschädigungen möglicherweise noch nachvollziehen. Aber:

Fakten verdreht? Man weiß es nicht

Angeblich gibt es ein gewisses zeitliches Problem, auch eines mit der Schreibweise: Den Aussagen eines Kommunalpolitikers zufolge, existiert die Penny Lane seit mehr als 500 Jahren. Demnach könne der Name nicht auf Zeit der Sklaverei verweisen. Nun ja, kann man behaupten, ist allerdings purer Nonsens. Immerhin reicht der transatlantische Sklavenhandel bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurück. Und Liverpool bekam das Stadtrecht vor etwa 800 Jahren. Der Hafen spielte später eine bedeutende Rolle im Sklavenhandel.

Sein weiteres Argument ist, die abweichende Schreibweise. Der Sklavenhändler schreibe sich „Penney“. Auch deshalb könne der Stadtname mit dem Namen dieses Mannes nichts zu tun haben. Leider auch nicht so einfach nachvollziehbar oder gar beweisbar. Dass sich Schreibweisen im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhundert ändern, ist nicht nur für Sprachwissenschaftler eine Selbstverständlichkeit. Allerdings:

Für Beatles-Fans ist der Straßenname musikalischer Kult

Weltberühmt ist die Straße allerdings keinesfalls durch solche Ungereimtheiten und ihren Namensgeber, wer auch immer das gewesen sein mag, geworden. Stattdessen durch den gleichnamigen Song der Beatles. Veröffentlicht wurde der Titel zunächst als Single und wenig später auf dem legendären und für damalige Zeiten bereits experimentellen Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“.

Die Beatles befanden sich in diesen Jahren um 1967 auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs, zugleich auf dem Zenit ihrer kreativen Schaffenskraft. So spielten sie beispielsweise Instrumente mit zusätzlichen Spuren ein, was für viele Studios ein Novum darstellte. Sie experimentierten und waren permanent damit beschäftigt, eingefahrene Grenzen einzureißen. Ein positives Resultat für Liverpool war, dass in den Jahren und Jahrzehnten danach schier endlose Fans der Pilzköpfe zur Penny Lane pilgerten. Lediglich aufgrund der Musik wurde eine ganze Straße zum gehypten Kultobjekt.

Straßenschilder nicht zum ersten Mal „malträtiert“

Die Schilder der in der Penny Lane haben im Laufe der Zeit schon einiges erlebt. Bereits 2007 gab’s den Schilderklau, allerdings damals aufgrund des Hypes der musikalischen Pilger. Sammler sind nun mal erfinderisch. Tatsache bleibt, in Liverpool drehen sich etliche Sehenswürdigkeiten ausschließlich um das Werk der Beatles. Auch wenn’s mal kontrovers wird, zuweilen die Bedeutung von Bauwerken und mehr eine vollkommen neue wird, hat sich bis heut daran – abgesehen vom Fußball – kaum etwas geändert.

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