Lass es geschehen

06. März 1970 – Veröffentlichung von „Let It Be“ vor einem halben Jahrhundert

Foto: extrahiert aus YouTube-Video

Mit „Let It Be“ haben die Beatles einen der bekanntesten Songs der Musikgeschichte schlechthin geschrieben. Trotz aller Querelen und Streitereien während der Aufnahmen sollte das Lied eines der bekanntesten, dauerhaftesten und kommerziell erfolgreichsten der Pilzköpfe werden. Veröffentlicht wurde der Titel vor mittlerweile 50 Jahren. Ein emotionaler Abschiedsgruß, der noch heute nachklingt:

Es wird eine Antwort geben: Lass es geschehen!

Der Verlust der Mutter spiegelt den Verlust der Band

Komponiert wurde „Let It Be“ von Paul McCartney. Er verarbeitete darin die Querelen, die Ende der 60er Jahre zwischen den Bandmitglieder in jedem Augenblicke spürbar waren. Und dafür projizierte er das Erlebnis eines Traumes, der perfekt auf die Situation zu passen schien: Mit 14 Jahren hatte Paul seine Mutter verloren. Viele Jahre später hatte er diesen Traum, in dem er das Gesicht seiner Mutter Mary ganz klar vor sich sah. Mit beruhigender Stimme sagte sie zu ihm: Lass es geschehen! – „Let It Be“.

Das permanent schwelende Zerwürfnis wollte ausgesprochen werden

Bei den Fab Four gab es reichlich Streit. Die Querelen nahmen zu. Die Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Allenfalls offiziell, gewissermaßen auf dem Papier und aus Sicht der Fans, existierte die Band noch. Intern waren sie zu diesem Zeitpunkt bereits auseinandergebrochen. John, Paul, George und Ringo hatten sich in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt. Gemeinsames Songwriting auf musikalischer und emotionaler Augenhöhe war kaum mehr möglich.

Glücklicherweise konnte Paul sich durchsetzen

Das eigentliche Songwriter-Gespann waren John und Paul. Die hatte sich aber nichts mehr zu sagen.  Und wenn überhaupt, dann eher brüllenderweise.  Und so wurde auch „Let It Be“ zum Streitthema. Lennon konnte mit dem Song nichts anfangen. Besondere der unterschwellig religiöse Hauch stieß ihm sauer auf. Schließlich war das Erscheinen von Mother Mary – Mutter Maria – durchaus doppeldeutig. Dennoch konnte Paul sich durchsetzen.

Ein Song als tiefgründig aussagefähiger Mega-Seller

Ohnehin hatte er zunehmend die Führungsrolle übernommen. Als Multiinstrumentalist galt er als der musikalische Akademiker der Band und hatte die Struktur, an Konzeptalben zu feilen. „Let It Be“ wurde nicht nur als Single eingespielt, sondern war auch Titel des gleichnamigen Films, an dem bereits seit Anfang 1969 gearbeitet wurde. Der Titel avancierte zu einem der wichtigsten und kommerziell erfolgreichsten Beatles-Songs überhaupt. Auch als Titellied des letzten Albums der Beatles wurde er zu einem unvergesslichen Abschiedsgruß. Der Song landete rasant auf Platz 1 der US-Charts. In den deutschen Chartplatzierungen hielt er sich 13 Wochen, in Österreich sogar sagenhafte 24 Wochen.

Kreativer Text mit Interpretationsspielraum als Statement der Zeit

Der melancholische Text passte genau in die damalige Stimmung der Beatles. Es war eine bedrückende Situation, aus der dennoch keiner einen wirklichen Ausweg wusste. Eine, in der unbedingt irgendeine Entscheidung getroffen werden muss, um nach einer genialen Zeit nicht noch mehr Porzellan zu zerschmettern. Das Leben geht weiter: Es wird eine Antwort geben: Lass es geschehen! „There will be an answer: Let it be!“

Noch mehr Infos über einen legendären Musiker gibt es übrigens in diesem Artikel über Ginger Baker.

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