Musik muss etwas kosten

6 Gründe, warum für Musik bezahlt werden sollte

Foto: Shutterstock von Akaberka

Leider Realität in unserer Konsumgesellschaft: Alles soll so billig wie möglich sein, ob Produkt oder Dienstleistung. Auf der Strecke bleibt dabei nicht nur die Wertschätzung; auf lange Sicht werden ganze Branchen dahingerafft. Längst ächzt auch die Musikbranche unter der „Geiz-ist-geil“-Mentalität. Hier kommen einige Gründe, weshalb es sich lohnt, für Musik vernünftig zu bezahlen:

Stell‘ Dir vor, du rennst beim Fastfood-Restaurant deiner Wahl hinter die Theke, rupfst ein paar Burger aus dem Regal und verlässt die Bude wieder; natürlich ohne zu bezahlen. Anschließend gehst du in den Supermarkt, trinkst direkt vor Ort einen Kakao und stellst die geleerte Packung wieder zurück. Auch dafür hinterlässt Du keinen müden Cent. Unvorstellbar? Na ja, vielleicht ein bisschen. Leider aber nicht in der Musikbranche.

Hier scheint die nahezu kostenlose Selbstbedienungsmanier bei den Nutzern vollkommen selbstverständlich zu sein. Sogar mittlerweile bei vielen ohne den Hauch eines schlechten Gewissens. Die Musikbranche liegt am Boden. Nicht nur dass die Lebenszyklen der Songs in den Charts immer kürzer werden, die CD-, DVD- oder Blu-Ray-Verkäufe nicht mehr erwähnenswert sind und die Einnahmen aus Konzerten immer geringer werden. Zugleich leiden die Komponisten unter lächerlich anmutenden Tantiemen.

Musiker schaffen etwas lebenslang Wertvolles

Bis Musiker überhaupt so weit sind, Songs zu spielen, zu komponieren und zu produzieren, haben sie Jahre bis Jahrzehnte lang geübt. Ihre Fähigkeiten haben sie sich mit viel Mühe und auch Kosten draufgeschafft. Es sind die Fähigkeiten, mit denen sie erst nach diesem langen Weg imstande sind, mit ihrer Musik den Nerv der Konsumenten zu treffen.

Andere haben einen vernünftig bezahlten Beruf erlernt oder sind mit dem Studium in akademische Verdienstsphären vorgedrungen. Musiker hingegen haben sich aus Überzeugung auf ein finanzielles Wagnis eingelassen: Wird es jemals etwas mit dem Hit? Kann ich davon leben? Niemand konnte diese Frage am Anfang des Weges beantworten. Und jetzt sorgen sie mit ihrem Können für echte Glücksmomente. Viele unter ihnen sind wenigstens zeitweise echt gefragt und stürmen die obersten Chartplätze. Eigentlich sollten Gegenwart und Zukunft gesichert sein. Leider nein.

Klar ist mal eins, Musiker und Komponisten haben ihren Beruf in den allermeisten Fällen aus Überzeugung gewählt. Wer einem Song – ob Musik oder Text – Leben einhaucht, gibt der Öffentlichkeit etwas Wertvolles, etwas, das viele Jahre überdauern kann. Sei das rein haptisch mit der Aufnahme, reproduzierbar über Noten oder schlichtweg die besondere Erinnerung, die man mit dem Song ein Leben lang verbindet.

Wer Musik nicht honoriert, entzieht sich die eigene Freude

Weshalb sollten Menschen überhaupt Musik komponieren, produzieren und aufführen, wenn sie nicht die geringste Anerkennung dafür erhalten? Es geht um Wertschätzung. Und die zeigt sich selbstverständlich auch in finanzieller Hinsicht. Seit diese Welt denken kann, ist Musik ein nicht mehr wegzudenkender Teil der Gesellschaft.

Das beginnt beim Musikhören zu Hause, geht über die Events und Feiern, die ohne Musik nicht möglich wären und letztlich bis zur Musik, die auch durch das immer wieder Neue und Rebellische gesamte Generationen geprägt hat. Wer soll der Gesellschaft Musik liefern, wenn die Musiker und Komponisten von ihrem „Handwerk“ nicht mehr leben können? Was wäre die Welt ohne Musik?

Musik ist Kultur und das Lebensmittel der Seele

Uns allen ist bekannt, dass Qualität in sämtlichen Lebensbereichen etwas mehr kostet als das Massenprodukt. Schlimm zu sehen, wie billig manche Lebensmittel angeboten werden. Machen wir uns klar, dass auch Musik ein „Lebensmittel“ ist. Nahrung für die Seele. Wer bitte soll unsere Seele mit super Songs ernähren, wer soll dafür sorgen, dass wir mitsingen, tanzen, grooven, wenn die Musikschaffenden von ihren Einnahmen nicht mehr leben können?

Welchen Anreiz gibt es noch, aus einem Hobby einen Beruf machen zu wollen, wenn der „Beruf“ wegen nicht vorhandener Bezahlung seinen Namen nicht mehr wert ist? Wo bleibt die Hoffnung auf den großen Sprung, wenn man allenfalls ins finanzielle Nirwana springt? Zwangsläufig würde das bedeuten, dass die „Geiz-ist-geil“-Mentalität der Kultur den Boden unter den Füßen wegzieht.

Flatrate-Streaming: Mast-Höfe der Musikschaffenden

Konsumiert wird Musik über Streamingdienste mit Flatrate-Faktor. Tonnenweise Material lässt sich wie bei Amazone Music, Spotify, Apple Music, Deezer etc. hören und downloaden. Was die Musikschaffenden dabei verdienen? Bekanntermaßen geradezu verhöhnend wenig. Die GEMA-Aufstellungen lohnen in den meisten Fällen nicht mal die Zeit, sie überhaupt zu betrachten. Selbst mit tausend Downloads bewegt man sich im winzigen Cent-Bereich.

Schon mal 1.000 Brötchen gekauft? Noch nicht? Weil’s zu teuer war? Die Produktion eines Songs kostet deutlich mehr als die Brötchen. Jau, und es geht auch noch schlimmer. Immer wieder gibt es Portale, Tauschbörsen, Einzelanbieter, Torrents, die Songs zum kostenlosen Download in der virtuellen Welt platzieren. Was Komponist, Verlag und Band an Beteiligungen ausgeschüttet bekommen, versteht sich von selbst: keinen Cent.

Sobald etwas leistbar wird, weil unfassbar billig bis umsonst, verabschiedet man sich ziemlich schnell von Moral und Empathie. Siehe die unsägliche Massentierhaltung, die wir abstumpfend und mit Scheuklappen vor den Augen hinnehmen. Die Streaming-Dienste sind gewissermaßen die Mast-Höfe der Musikschaffenden, denen sie nicht mehr die Luft zum Atmen lassen.

Bezahlen, weil Musik ansonsten geschmacksneutral wird

Klar ist eines, Musik lebt von ihrer Vielfalt über sämtliche Genres und Stile hinweg. Jeder Mensch kann ganz nach individuellem Geschmack seine Lieblingsmusik hören und wird dabei auch bestens bedient. Allerdings werden diverse Sparten für die Musikschaffenden finanziell längst unattraktiv. Selbst angesagte Musikstile werden zu bedrohten Spezies. Wenn wir nicht wollen, dass Musik nur noch unisono eintönig und vollkommen geschmacksneutral wird, sollten wir Musikern und Komponisten spartenübergreifend das Leben und Überleben ermöglichen.

Stelle man sich vor, es gäbe nur noch kommerziellen Schlager mit Malle-Faktor. Also wirklich nichts anderes mehr. Ohne dieser Musik-Art zu nahe treten zu wollen: Ausschließlich das kann’s nicht sein. Das ist sicherlich nicht die Musiklandschaft, die wir uns vorstellen. Allerdings wäre diese alkoholgeschwängerte „Monokultur“ das zwangsläufige Resultat. Hört sich vermutlich drastisch an, ist aber die pure Realität.

Eine Frage der Würde und gegenseitigen Anerkennung

Musiker liefern ein ehrliches Produkt. Sie sind sogar bereit, ihre Seele in ihren Songs zu entblättern, machen sich damit nackt und im gewissen Sinne auch angreifbar. Sie legen ihre Emotionen in die Texte, Melodien, Harmonien und Kompositionen. Da kommt vieles von ganz tief Drinnen. Leicht nachvollziehbar, dass sie sich auch Wertschätzung wünschen. Vollkommen menschlich, dass sie gesehen und gehört werden möchten, auch dass sie die Resonanz des Publikums benötigen. Eine ganz wichtige Resonanz ist die faire Bezahlung ihrer beachtlichen Leistung.

Streaming-Konsument: „Deine Musik trifft mich wie der Schlag. Echt der Hammer; ich weiß gar nicht, wie ich mich ausdrücken soll.“

Antwort vom Musiker: „Am besten in bar.“

Was geschieht, wenn Musiker, Komponisten, Produzenten, Tonstudios, Verlage und mit ihnen die gesamte Eventbranche den Bach runtergehen? Es bliebe eine Einöde, eine trostlose Stille, in die wir nicht mehr hineinhören wollen. Keiner mehr da, der unsere Seele berührt oder uns zu R’n’B, Ska, Rock und was weiß ich nicht alles feiern lässt. Unerklärlich ist es deshalb, weshalb wir Musik beinahe umsonst oder sogar kostenlos nutzen sollten. In dem Augenblick, in dem wir einen Titel oder ein komplettes Album downloaden, haben wir einen realen Wert auf unserem Speichermedium. Seien wir uns dessen bewusst.

 

Dieses animierte Bild zeigt dir übrigens, wie sich die Musikeinnahmen in den letzten 30 Jahren gewandelt haben.

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