Phantomspeisung – Technikwissen für Bühne und Studio

Wissen, wovon man spricht

Foto: Shutterstock von JuShoot und robuart

Ganz ehrlich, wer als ambitionierte Musiker oder im Home-Studio zum ersten Mal mit diesem Begriff konfrontiert wird, steht ziemlich verwirrt in der Gegend: Phantomspeisung. Du wolltest Musik machen und keine Geister füttern. Schauen wir gemeinsam, was es mit der Phantomspeisung auf sich hat.

Check it: Basic-Wissen über die Phantomspeisung

  • Phantomspeisung benötigt bei aktiven Schaltkreisen
  • Schalldruck versus proportionale Spannungsänderung
  • Für Kondensatormikrofone, DI-Boxen und weitere Geräte
  • Besonderheiten im praktischen Einsatz
  • Problematik beim Zuschalten der Phantomspeisung
  • Vor- und Nachteile der Batterieversorgung

Was man unter Phantomspeisung versteht

Nein, es geht nicht um gute oder böse Geister; wir werden dich in diesem Artikel auch nicht nach Transsilvanien entführen. Vielmehr handelt es sich um einen Begriff aus der Tontechnik. Bezeichnet wird damit eine spezielle Art der Fernspeisung für Signalquellen, die auf eine externe Spannungsversorgung angewiesen sind. Üblicherweise handelt es sich dabei um Kondensatormikrofone und aktive DI-Boxen.

Phantomspeisung – benötigt aufgrund aktiver Schaltkreise

Benötigt wird die Phantomspeisung, zumal etwa Kondensatormikrofone einen aktiven Schaltkreis besitzen. Die Membran ist nur durch die externe Spannungsversorgung imstande, den Klang zu transportieren. Dabei wird die Spannung vom Mischpult oder Audio Interface über ein symmetrisches Mikrofonkabel an das Kondensatormikrofon transportiert. Geschickt wird die Spannung beim XLR-Kabel über die Pins 2 und 3. Der Grund, weshalb eine externe Spannung zwischen 12 und 48 Volt benötigt wird, liegt in den unterschiedlichen Konzepten von dynamischen Mikrofonen und Kondensatormikrofonen.

Kondensatormikrofone benötigen eine separate Phantomspeisung | Foto: Shutterstock von SEVENNINE_79

Schalldruck versus proportionale Spannungsänderung

Bei dynamischen Mikrofonen werden über den Schalldruck die Membran als auch die Spule oder Kapsel in Schwingungen versetzt. Anders bei Kondensatormikrofonen, bei denen ein Gefälle zwischen Membran und Gegendiode entscheidend für die Tonwandlung ist, man spricht dabei von einer „proportionalen Spannungsänderung“. Und exakt um diesen Effekt zu ermöglichen wird die Spannung über die Phantomspeisung benötigt. Klingt kompliziert? Nun ja, ist es auch. Allerdings ist es zwar gut, die Zusammenhänge zu verstehen, als Anwender muss man aber nicht gleich zum Elektroingenieur werden. Es reicht durchaus, sich mit ein paar Basics zu beschäftigen.

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Phantomspeisung – der Name ist gar nicht mal so weit hergeholt

Der Name ist übrigens gar nicht so weit hergeholt und lässt sich auch durchaus praktisch erklären. Ein Phantom ist nicht etwa ein Geist, sondern etwas, das nicht gesehen wird. Bekannt ist das beispielsweise aus der Medizin im Anschluss an Amputationen. Nicht selten treten bei den Patienten Schmerzen an den amputierten Gliedmaßen auf, die ja eigentlich dort nicht mehr gespürt werden dürften, die sogenannten Phantomschmerzen. Das Prinzip der Nichtsichtbarkeit gilt ebenso für die Mikrofontechnik. Dynamische Mikrofone, die keine externe Spannung benötigen, können die Phantomspeisung nicht „sehen“. Sie bleibt ein Geist.

Auch für DI-Boxen und andere Geräte

Keineswegs wird die Phantomspannung ausschließlich für Kondensatormikrofone benötigt, stattdessen auch für weitere aktive Geräte wie aktive DI-Boxen. Dabei gilt dasselbe Prinzip wie bei Mikrofonen. Passive DI-Boxen benötigen diese externe Versorgung nicht, können die anliegende Spannung nicht sehen und werden dadurch dementsprechend auch weder beeinflusst noch beeinträchtigt.

Phantomspeisung einschalten, erst anschließend das Pult

Verwirrung herrscht zuweilen, wenn über ein Mischpult – wie üblich – mehrere Mikrofone abgemischt werden, jedoch nicht alle davon eine externe Spannungsversorgung im Form der Phantomspeisung benötigen. Immerhin wird in mancher Bedienungsanleitung darauf hingewiesen, die Phantomspeisung könne solchen Geräten, die nicht auf die Spannungsversorgung angewiesen sind, schaden. Nun haben die meisten Mischpulte aber lediglich einen Button, über den die Phantomspeisung ein- oder ausgeschaltet wird. Und zwar für sämtliche Kanäle.

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Ausschlussverfahren nicht nötig

Das wiederum würde bedeuten, dass man entweder ausschließlich ein Art von Mikrofonen verwenden oder mit zwei unabhängigen Mischpulten arbeiten müsste. Praktiker wissen, dass es sich bei diesem Hinweis um eine eher übertriebene Sicherheitsmaßnahme handelt. Zwar gibt es einige wenige Exoten unter den Mikrofonen, die damit wirklich nicht zurechtkommen und dann erstmal zum Chirurgen ihres Vertrauens müssen. Üblicherweise gibt es dabei keine Probleme geben. Geräte, die keine Phantomspeisung benötigt erkennen diese auch nicht, was letztlich die Aussage bestätigt, dass sie dadurch auch nicht beschädigt werden.

Auf alle Fälle Kanäle muten und Fader runterziehen

Weiterhin sinnvoll sollte es sein, das Pult erst auszuschalten, im nächsten Schritt die Phantomspeisung ein- und erst anschließend das Mischpult wieder anzuschalten. Tatsächlich ist das im Live-Szenario aufgrund der fehlenden Zeit, beispielsweise beim Bandwechsel auf der Bühne, oftmals kaum möglich. Auch in solchen Fällen sollte es keine Schwierigkeiten beim Zuschalten der Phantomspeisung unter Last geben. Die Technik hat sich deutlich verbessert, die früher auftretenden Probleme hingen eng mit der einstigen sogenannten Tonaderspeisung zusammen. Zwingend nötig allerdings ist es, sämtliche Kanäle zu muten, als auch den Hauptfader komplett herunterzuziehen. Andernfalls könnte das Knacken beim Einschalten die Lautsprecher als auch die empfindlichen Mikrofonvorverstärker killen.

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Bitte nicht falsch verstehen!

Aber bitte nicht falsch verstehen, dies soll keinesfalls aussagen, dass das Ausschalten des Pultes nicht nötig wäre. Schließlich ist der Einschaltvorgang der Phantomspeisung durchaus eine interne Belastung. Es ist lediglich die Praxis-reflektierende Aussage, dass das nicht immer möglich ist. Schließlich kann man auch beim Autofahren nicht jede Bodenwelle vermeiden. Irgendwann könnte etwas passieren. Tatsächlich problematisch werden kann es bei älteren Mikrofonen, die sich schon durch zwei oder drei Dekaden als unverwüstlich erwiesen haben. Ebenso wird von der Verwendung der Phantomspeisung bei hochempfindlichen Bändchen-Mikrofonen abgeraten.

Die Frage bleibt: Wann an- oder ausschalten? | Foto: Shutterstock von Monkey Business Images

Auch Geräte mit Line-Pegel können empfindlich reagieren

Auch nicht zu unterschätzen ist das Risiko einer Beschädigung durch die Phantompeisung bei Geräten mit Line-Pegel wie beispielsweise Keyboards, falls diese an XLR-Eingänge angeschlossen werden. Ohnehin lautet die Faustregel, dass die Phantomspeisung nur eingeschaltet wird, sofern sie wirklich benötigt wird. Wenn kein Kondensatormikrofon und keine aktive DI-Box im Einsatz ist, bleibt die Phantomspeisung sinnvollerweise aus.

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Versorgung auch über Akku oder Batterie möglich

Nicht vergessen sollten wir an dieser Stelle, dass es auch Mikrofone und DI-Boxen gibt, die über einen Akku oder eine Batterie mit der benötigten Spannung versorgt werden. Vorteilhaft ist das insofern, als das Mischpult weiterhin im Betrieb ohne Phantomspeisung bleiben kann. Der Nachteil solcher Lösungen hingegen ist der, dass Batterien und Akkus hinsichtlich ihres Füllstandes immer im Blick gehalten werden müssen. Durchaus ungünstig ist es, wenn der Akku unmittelbar während des Auftritts seinen Geist aufgibt. Das geschieht selbstverständlich immer im denkbar ungünstigsten Moment. Weitaus sicherer ist die Spannungsversorgung direkt vom Pult.

Prinzip ähnlich bekannt auch von der aktiven Elektronik

E-Gitarristen und Bassisten kennen ein durchaus ähnliches Prinzip von der aktiven oder eben passiven Elektronik. Instrument mit aktiver Elektronik benötigen ebenfalls eine Spannungsversorgung, die in der Regel über einen 9-Volt-Block zur Verfügung gestellt wird. Gitarren und Bässe werden üblicherweise mit einem Klinkenkabel an Verstärker oder Pult angeschlossen, wobei keine externe Spannungsversorgung vorgesehen ist.

Wer sich für eine Gitarre oder einen Bass mit aktive Elektronik entscheidet, profitiert von einem brumm- und nebengeräuschfreien Sound, ohne Einstreuungen von W-LAN, Neonröhren oder Bildschirmen. Dennoch ist der Klang umstritten. Und Tatsache bleibt, dass einen immer wieder dieser sagenhafte Augenblick erwischen kann, in dem der Akku einfach leer ist und seinen Geist aufgibt.

Die Thematik ist nicht so kompliziert, wie vielleicht vermutet | Schaubild: Grafik Muma.de

Weshalb Phantomspeisung nicht über Lautstärke entscheidet

Mit laienhaftem Verständnis könnte man leicht auf den Gedanken kommen, die Phantomspeisung wirke wie ein Booster. Ganz so, als trete man beim Elektroauto das Gaspedal durch. Dem ist nicht so, und insofern sollten wir dieses Missverständnis schnell ausräumen. Vielmehr verhält es sich mit der Thematik so, dass das jeweilige Geräte, was auf die Phantomspeisung angewiesen ist, ohne sie schlichtweg nicht funktionieren würde. Es geht als nicht um lauter oder leiser, dynamischer oder klangvoller, sondern ganz simpel darum, ob das Mikro-, die DI-Box oder was auch immer funktioniert oder nicht.

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