Traditionelle Instrumente von damals bis heute

Laute kaufen – Ausflug in die musikalische Geschichte und Gegenwart

Foto: Shutterstock von nayef hammouri

Du interessierst dich für den zauberhaften Klang der Laute, dem Instrument, das mehrere Jahrhunderte musikalisch bereichert und zu Unrecht ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Nur gut, dass du dich der Tradition widmen und dir eine Laute kaufen möchtest. Schauen wir mal, welche Varianten es gibt, damit du deiner Entscheidung ein Stück weit näherkommst:

Check it: Laute spielen zwischen gestern und heute

  • Unterschiedliche Bezeichnungen in einer großen Familie
  • Renaissance-Laute und Barock-Laute
  • Gitarrenlauten als idealer Einstieg für Gitarristen
  • Theorben für den immensen Tonumfang

Laute kaufen: Modelle mit unterschiedlichem Retrofaktor

Als Laute im engeren Sinn bezeichnet man hierzulande die aus der arabischen Kurzhalslaute Oud entstandene europäische Laute. Etliche Entwicklungen und musikalische Strömungen haben dazu geführt, dass die arabische Kurzhalslaute für die bei uns am meisten genutzten Modelle Pate stand. Es gibt etliche weitere Varianten und auch Bezeichnungen.

Die meisten dieser Namen kommen aufgrund der verschiedenen Regionen zustande, in denen die Instrumente gefertigt wurden. Ohne Sprachforschung betreiben oder es übertreiben zu wollen, bleiben wir bei den europäischen Lauten, denn die bieten uns bereits mehr als ausreichend Futter und Auswahl.

Renaissance-Lauten – Klassiker aus hochprominenter Epoche

In der Epoche der Renaissance ab dem 16. Jahrhundert hatten die Lauten meistens 6 Chöre, also 5 Doppel- und eine Einzelsaite. Dabei entstand immer wieder der Wunsch, den Tonumfang zu erweitern. Vor diesem Hintergrund entstanden zunächst Instrumente mit bis zu 10 Chören, was bis Mitte des 17. Jahrhunderts schließlich auf 11 – 13 Chöre erweitert wurde.

Das gibt’s beispielsweise 8-chörig. Etwa mit der Pro Renaissance Lute 8 Courses derselben Marke. Diese nach klassischem Vorbild gestaltete Renaissance-Laute ist mit einer Korpus-Muschel aus Ahorn- und Nuss-Spänen konfektioniert. Die Decke besteht auf massiver Alpenfichte. Griffbrett aus Pflaume und Kirsche, Steg aus Birne. Gewissermaßen ein musikalischer Obstsalat. Auch hier kehr der abgewinkelte Wirbelkasten den seitlich platzierten Wirbeln wieder. Weitere Infos auf dieser Produktseite auf thomann.de.

Beispiel für eine 8-chörige Renaissance-Laute
Beispiel für eine 8-chörige Renaissance-Laute Foto: von Thomann

Barock-Laute – die Besonderheit der Stimmung

Kontinuierlich gab es Veränderungen und Weiterentwicklungen. Die Veränderung wurde zur einzigen Kontinuität, so auch im Barock des 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Hier war vor allem bezeichnend, dass die beiden oberen Chöre, keine doppelseitigen Chöre mehr waren, stattdessen mit Einzelsaiten bespannt wurden. Aber auch hinsichtlich der Stimmung sollte es keinen Stillstand geben. Durchsetzen sollte sich für Barock-Laute die Stimmung in D-Moll.

Inzwischen waren die Instrumentenbauer in vielfältiger Weise emsig-kreativ geworden. So entstanden beispielsweise aus nach unterschiedlicher Herkunft die klassischen Barocklauten, sogenannte Schwanenhals-Barocklauten, dann die Mandoras bzw. Gallchone, aus Frankreich kamen die 12-chörigen Doppelkopflauten, dann die Angeliques mit muschelförmigem Korpus und verlängertem Hals.

Gitarrenlauten als das Einstiegstor für Gitarristen

Die Besonderheit von Gitarrenlauten ist, dass sie identisch einer Gitarre in e, h, g, D, A, E gestimmt sind, auch üblicherweise über einen Kopf wie bei einer Konzertgitarre verfügen. Zudem sind die Saiten nicht doppelchörig. Der Nachteil wiederum ist, dass die speziellen traditionellen Lautenklänge auf diese Weise nicht wirklich reproduziert werden können.

Kompromiss ist nicht gleichbedeutend mit negativ

Es bleibt ein Kompromiss. Indes also Hals, Stimmung und Kopfplatte eher mit einer akustischen Gitarre vergleichbar sind, ist der Korpus unverkennbar Laute: schalenförmiger Rücken und rosettenverzierte flache Decke. Vielleicht sollten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ein „Kompromiss“ in der Musik keinesfalls negativ belastet sein muss. Ganz im Gegenteil. Oftmals entstehen durch Zugeständnisse in der Bauart musikalisch vollkommen neue und kreative Wege.

Nun könnten wir einfach sagen, eine Gitarrenlaute sei ein musikalischer Zwitter aus Konzertgitarre und Laute und dich damit deiner Vorstellungskraft überlassen. Besser, du schaust dir ein Beispiel an, etwa die Thomann Lute Guitar Standard Cypress. Das Instrument hat eine Mensur von 650 mm – angelehnt an die von Konzertgitarren. Die Kopfplatte wird aus gebeizter Akazie gefertigt, die Korpus-Muschel aus Zypresse. Guckst du auf diese Produktseite auf thomann.de.

Theorben

Die Theorbe wiederum ist eine Nebenform der Laute. Sie ist der traditionellen Laute ähnlich, allerdings größer. Hauptsächlich diente – und dient – die Theorbe zur Begleitung von Gesang. Genutzt wird sie auch für die tieferen Töne in Instrumentalgruppen. Die Wurzeln führen uns hauptsächlich nach Italien; genauer gesagt nach Rom, Padua und Venedig, allerdings auch nach Frankreich oder England.

Angelehnt an die Herstellungsorte wurden die Instrumente dann auch als Paduanische Theorbe oder als Römische Theorbe, auch bekannt als Chitarrone, benannt. Die deutschen Instrumentenbauer waren auch nicht unbeteiligt. Sowohl in Padua als auch Venedig gab es ganze Kolonien mit deutschen Lautenbauern.

Umfassendere Bassregister ergaben sich aus den Anforderungen der Zeit

Die Besaitung ist aufwendiger als bei der klassischen Laute. So zeichnet die Theorbe sich üblicherweise durch den zweiten Wirbelkasten an einem verlängerten Hals aus. Erreicht werden sollte damit die größere Tiefe, zumal die sich verändernde Musik etwa ab dem Jahr 1600 für die Begleitung eine tieferes Bassregister erforderte. Normal ist die Ausstattung mit 7 freischwingenden Basssaiten und 7 Melodiesaiten.

Ein typischer Vertreter dieser Bauweise ist die Thomann Large Theorbo. Gefertigt ist das Instrument mit ebendiesem langen Hals, an dem der über zwei Wirbelkästen verfügt. Die spielbare Mensur ist mit 82,5 cm nachvollziehbarerweise beträchtlich. Und zumal mehr Tonumfang auch nach mehr Klangöffnung verlangt, sind in die Decke gleich drei rosettenverzierte Schalllöcher integriert. Muss man gesehen haben. Die große Theorbe entdeckst du auf dieser Produktseite auf thomann.de.

Die Sonderform mit zwei Wirbelkästen: Theorbe
Die Sonderform mit zwei Wirbelkästen: Theorbe Foto: von Thomann

Nicht zu vergessen, dass es unglaublich viele Varianten der Laute gibt. Falls du eine Laute kaufen möchtest, können wir die nur empfehlen, dich auf eine Zeitreise durch die Welt von Arabien über Italien, Frankreich, England, Deutschland und gerne auch darüber hinausbegeben. Es lohnt sich, zumal du damit etliche kulturelle Strömungen und geschichtliche Entwicklungen auf dich wirken lässt. Wir sagen auf alle Fälle schon jetzt: Viel Spaß bei deinem neuen und geschichtsträchtigen Hobby.

+++

Falls du dich für weitere traditionelle Saiteninstrumente interessierst, wirf doch mal einen Blick auf unseren Artikel zum Thema „Harfe spielen – das Instrument mit dem ganz besonderen Zauber“.

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: