Versierte Fähigkeiten als Gitarrist erweitern

Spieltechniken auf der E-Gitarre: Bending und Vibrato für noch mehr Ausdruck

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Besonders abwechslungsreich werden deine Soli und Melodielinien mit ein paar Tricks und Kniffen, die über das normale Anschlagen oder Zupfen der Saiten hinausgehen. Die müssen keinesfalls kompliziert und hochschwierig sein. Einmal verstanden und eingeübt, machst du mit Spieltechniken wie Bending und Vibrato den nächsten Schritt als Saitenakrobat:

Check it: Spieltechniken auf der E-Gitarre – und weiter geht’s:

  • Techniken für den musikalischen Ausdruck einsetzen
  • Bending – kontrolliertes Ziehen der Saiten
  • Ganzton- und Halbton-Bending
  • Released Bending – tonlos ziehen
  • Vibrato – der logisch nächste Schritt

Spieltechniken auf der E-Gitarre – nicht übertreiben

Reden wir davon, die Spieltechniken auf der E-Gitarre zu erweitern, so handelt es sich bei den diesmal angesprochenen Kniffen zunächst um spezielle Tricks. Allerdings solltest du vorab wissen, dass dies von den meisten Gitarristen nicht so verstanden wird. Vielmehr gehören diese Techniken nicht nur für die Saitenakrobaten zu den Basics. Schlichtweg deshalb, weil Songs, Riffs, und Soli aus manchen musikalischen Genres sich ohne solche Kniffe gar nicht spielen lassen. Beispielsweise im Blues würde ihnen der typische Charakter fehlen.

Wenn du dir diese zusätzlichen Spieltechniken auf der E-Gitarre aneignen möchtest, was sich unbedingt empfiehlt, solltest du die Sache von Anfang an mit dem richtigen Verständnis angehen. Es handelt sich um Tricks, um Effekte. Und die sollten sparsam und pointiert eingesetzt werden. Ein Effekt kann nur dann wirkungsvoll sein, wenn er nicht dauerhaft, stattdessen exakt zum gefühlt richtigen Zeitpunkt zum Einsatz kommt. Du garnierst dein normales Spiel mit Effekten, die direkt aus deinen Fingern kommen. Na dann:

Effekte, die direkt aus den Fingern kommen
Effekte, die direkt aus den Fingern kommen Foto: Shutterstock von Roman Voloshyn

Bending auf der E-Gitarre

Widmen wollen wir uns zunächst dem Bending. Insbesondere deshalb, weil die beiden weiteren Spieltechniken auf der E-Gitarre eine Weiterführung oder andere Interpretation dieses Kniffes sind. Die wörtliche Übersetzung des englischen Wortes Bending ins Deutsche lautet „Biegen“. Das trifft den Kern der Bedeutung dieses Tricks allenfalls philosophisch, aber nicht praktisch. Tatsächlich werden die Töne nicht gebogen oder verbogen.

Sportlich, sportlich: Überdehnen der Saiten

Vielmehr geht es darum, durch Überdehnen der Saiten andere Töne zu spielen. Im Musikerjargon sprechen wir vom Ziehen der Saiten, was aber zugegebenermaßen auch nur annähernd korrekt ist. Sei’s drum, bleiben wir beim „Bending“ und überlassen die Übersetzung den Linguisten. Fakt ist: Das Bending gehört zu den essenziellen Spieltechniken auf der E-Gitarre. Die Saite wird von einem gegriffenen Ton überspannt, wodurch die Tonhöhe kontrolliert verändert  wird.

Um diese der Spieltechniken auf der E-Gitarre kontrolliert auszuführen zu können, sind ein paar simple Grundkenntnisse musikalischer Zusammenhänge hilfreich. Gut ist es, die Bedeutung von Ganzton und Halbton zu kennen. Denn anfangs wirst du die Töne genau um diese Differenz verändern. Drücken wir es simpel aus. Wenn du einen Ton greifst, handelt es sich bei dem auf dem unmittelbar daneben liegenden Ton um einen Halbton-(Schritt). Der nächste, also vom Ausgangston zwei Bünde, ist ein Ganzton-(Schritt). Jede handelsübliche Tonleiter besteht aus Ganz- und Halbtonschritten.

Durch Ziehen der Saite wird der Ton höher
Durch Ziehen der Saite wird der Ton höher Foto: Shutterstock von ldutko

Ganzton-Bending – von einem Bund zum übernächsten

Starten wir gleich mit dem Ganzton-Bending. Zumal dir bereits zuvor die exakte Tonhöhe bekannt sein muss, machst du als Aufwärmtraining eine Trockenübung: Greife und spiele beispielsweise auf der G-Saite im 7. Bund das D, anschließend greifst du zwei Bünde höher auf derselben Saite das E. Merke dir diesen Ton als Referenzton. Im nächsten Schritt wird der Ringfinger wieder im 7. Bund gesetzt.

Nun schlage die gegriffene Saite mit dem Plektrum an, lass den Ton klingen und schiebe die Saite mit dem Ringfinger nach oben. Und zwar exakt so weit, bis nicht mehr das D, sondern dein Referenz-E erklingt. Auf der Position hältst du die Saite für einen Moment. Herzlichen Glückwunsch, was du gerade gespielt hast, war ein Ganzton-Bending.

Halbton-Bending – von einem Bund zum benachbarten

Nach demselben Prinzip funktioniert das Halbton-Bending. Kurioserweise ist es für ambitionierte Einsteiger leicht schwieriger auszuführen, obschon die Tondifferenz – die Strecke – geringer ist. Grund dafür ist, dass die exakt stimmige Tonhöhe schwerer hör- und somit kontrollierbar ist. Zu Beginn kann sich das leicht ein wenig verwaschen bis ausgerutscht anhören. Der tatsächliche Unterschied besteht lediglich darin, du einen anderen Ton anvisierst. Das Bending um einen Halbton lässt sich oft für die typischen Blue-Notes oder Molltöne nutzen.

Bending-Finger bei ihrer Aufgabe unterstützen.

Das Bending verlangt von deinen Fingern neben der korrekten Technik ein gewisses Maß an Kraft, speziell von dem Finger, der die Saite überdehnen will. Sinnvoll ist es gerade anfangs, dafür den Ringfinger oder den kleinen Finger der Greifhand zu benutzen und dessen Bewegung mit dem Mittel- bzw. Ringfinger zu unterstützen. Gemeinsam sind sie stärker.

Durchführbar mit beliebigem Finger, Zeigefinger weniger sinnvoll

Grundsätzlich kannst du das Bending mit jedem der Greifhandfinger durchführen. Am schwierigsten ist das mit dem Zeigefinger, der ja üblicherweise im Zusammenspiel mit dem Daumen deine Stütze auf dem Griffbrett ist. Bendest du mit dem Zeigefinger, ist die Stütze nicht mehr wirklich vorhanden. Es funktioniert, aber du wirst dafür ein wenig mehr üben müssen. Besser mit dem Ringfinger einüben.

Das hat auch damit zu tun, dass beim Bending leicht unerwünschte Nebengeräusche oder nicht gewollte – leere – Saiten mitschwingen können. Üblicherweise wird der Zeigefinger dafür genutzt, diese anderen Saiten abzudämpfen. Verwendest du ihn als Bending-Finger, kann er diese Aufgabe  nicht mehr wahrnehmen und dir bei dieser der Spieltechniken auf der E-Gitarre keine Rückendeckung mehr geben.

Bending auf sämtlichen Saiten machbar – Zugrichtung beachten

Bendings kannst du auf allen Saiten und auch in sämtlichen Bünden über das gesamte Griffbrett hinweg spielen. Ziehst du die H- oder hohe E-Saite nach unten, fällst sie dir vom Hals. Nein nicht von Deinem, sondern von dem deiner E-Gitarre. Wenn du die A- oder tiefe E-Saite nach oben schiebst, hast du das Problem, dass sie dir über den Rand des Griffbretts hinweg kippen würde. Das war nicht der Sinn der Sache. Die Lösung ist simpel: Das Ziehen der Saiten funktioniert in beide Richtungen, nach oben und nach unten. Egal, in welche Richtung du ziehst, in beiden Fällen wird der Ton höher.

Durch Ziehen der Saite wird der Ton höher
Durch Ziehen der Saite wird der Ton höher Foto: Shutterstock von ARIJIT BAGCHI

Und noch mehr Varianten des Saitenziehens

Und so verdreht wir Musiker gerne sind, gibt es bei den Spieltechniken auf der E-Gitarre selbstverständlich weitere Bending-Varianten. Bislang war die Rede vom sogenannten einfachen Bending. Kuriose Bezeichnung, vermutlich kam dir das bislang nicht besonders einfach vor. Gemeint ist damit, dass zunächst der gegriffene Ton angespielt wird, klingt und daraufhin der gezogene Ton folgt.

Als hätten wir’s gewusst; das funktioniert auch umgekehrt. Die Bezeichnung dafür lautet Released Bending. Dafür musst du einfach umgekehrt denken. Das heißt: Zuerst ziehst du die Saite, erst dann spielst du sie an. Nun lockerst du die Spannung und lässt den Ton auf den eigentlich gegriffenen Ton fallen. Wie du bemerkst, entsteht daraus ein spezieller Rückwärts-Effekt. Aus pragmatischen Gründen ist das Released Bending ein wenig schwieriger als das einfache Bending:

Problematik beim Reversed Bending: Anfangston treffen

Beim einfachen Bend hörst du wieder der gegriffene Ton sich bis zum gezogenen Ton verändert und kannst demnach die Tonhöhe nachverfolgen. Diese selbstkontrollierende Möglichkeit steht dir beim Reversed Bending nicht zur Verfügung. Bei dieser speziellen der Spieltechniken auf der E-Gitarre musst du die Saite tonlos auf die korrekte Höhe ziehen. Und schon muss er stimmen. Für eine saubere Ausführung wirst du vermutlich etwas Übungsfleiß benötigen. Die Saitenspannung und die damit verbundene Strecke des Ziehens hast du irgendwann verinnerlicht. Es lohnt sich.

Kombination aus statischem und gegriffenem Ton: Unison Bending

Schon kommst du auf den innovativen Gedanken, mehrere Saiten gleichzeitig anzuspielen und eine davon zu ziehen. Wir müssen dich enttäuschen, diese Idee ist nicht neu, wird stattdessen häufig umgesetzt. Meistens spielen Musiker dafür zwei nebeneinanderliegende Saiten an, von denen dann eine um zwei Halbtöne höher gezogen wird. Und auch dieses Kind hat einen Namen. Bezeichnet wird diese der Spieltechniken auf der E-Gitarre als „Unison Bending“.

So, nun hast du dich also ausgiebig in das Bending hineingestürzt. Du glaubst, die wichtigsten Hürden erklommen zu haben. Okay, du kannst stolz sein, aber ruhig Blut mit den Pferden. Ein unbedingt entscheidender Schritt fehlt noch. Du musst da nämlich auch wieder herauskommen. Die gezogenen Töne müssen einen vernünftigen Abschluss bekommen. Andernfalls klingen sie eher nach unmotiviert fehlerhaftem Katzenjammer.

Einen vernünftigen Abschluss kannst du auf verschiedene Weise hinbekommen. So kannst du den Ton am Ende abdämpfen, kannst ihn klingend kurz ruhen lassen und dann in weitere Passagen übergehen. Die besonders elegante Möglichkeit ist es, direkt in ein kontrolliertes Vibrato überzugehen.

Vibrato als krönenden Abschluss spielen

Und weil das eine so gern gehörte Art der Verzierung ist, wollen wir auch diese der Spieltechniken auf der E-Gitarre direkt mitbeleuchten. Beim Vibrato steht der gegriffene Ton im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt. Während der Ton nun klingt bzw. ausklingt, wird die Saite lediglich leicht gezogen vom Ton weg- und wieder zurückgezogen. Und zwar mit möglichst gleichmäßigen Fingerbewegungen.

Die Tonhöhe verändert sich behutsam, der Ton bekommt einen schwebenden Charakter. Eine Technik, die du als E-Gitarrist auch mit dem Vibrato-Hebel durchführen kannst. Gebräuchlicher ist der Whammy-Bar allerdings für größeren Tonsprünge. Immer daran denken: Der Ton kommt aus der Hand, aus deiner Hand.

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Wenn du noch tiefer in die Thematik der Ausdrucksweise auf der Gitarre einsteigen möchtest, dürfte dich dieser Artikel interessieren: „10 vermeidbare Fehler bei Gitarrensoli – und wie du es besser machst“.

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