Fehler bei der Einstellung des Amps vermeiden

Gitarrenverstärker einstellen: Weshalb Übertreibungen Sound-Feinde sind

Foto: Shutterstock von Filippo Carlot

Auf der Suche nach dem perfekten Sound sitzt du allein in deinem Wohnzimmer und drehst ebenso fröhlich wie stundenlang an den Potis deines Verstärkers. Und bereits in diesem Satz stecken mindestens drei Fehler. Möglicherweise wirst du einen guten Wohnzimmersound erreichen. Viel mehr vermutlich nicht. Schauen wir, wie du sinnvoll deinen Gitarrenverstärker einstellen kannst:

Check it: Gitarrenverstärker richtig einstellen

  • Deine individuellen Soundvorstellungen entscheiden
  • Grundeinstellung von Lautstärke, Clean-Sound und Übersteuerung
  • Equalizer-Sektion vorsichtig, Effektsektion – noch – gar nicht
  • Böses Erwachen von Wohnzimmersound im Bandkontext
  • Kardinalfehler: Stundenlanges Abhören
  • Funktionierende Settings abfotografieren und festhalten

Gitarrenverstärker einstellen – nichts ist in Stein gemeißelt

Klar ist, dass es hier keine allgemeingültige, unumstößliche Regel hinsichtlich deines Sounds geben kann. Wie du klingen und deinen Gitarrenverstärker einstellen möchtest, bleibt letztlich deine Sache. Musik ist Kunst und das gilt gleichermaßen für deinen Sound. Ob Mainstream oder unkonventionell, deiner Kreativität sind keinerlei Grenzen gesetzt. Die Wege hingegen, wie du zu deinem gewünschten Ergebnis kommen kannst, solltest du kennen. Zufallsprodukte können interessant sein; besser ist das Know-how über die Zusammenhänge.

Die wohlausgewogenen Soundkameraden: Volume und Gain

Der Lautstärke- und der Gain-Regler beeinflussen deinen Sound im Doppelpack. Wie weit und in welchem Verhältnis zueinander diese beiden Kameraden aufgedreht sind, ist ausschlaggebend für den Grad der Übersteuerung von clean über angezerrt bis zur vollen Verzerrung mit den jeweiligen Abstufungen bzw. Facetten dazwischen. Der Volume-Regler ist für die Gesamtlautstärke verantwortlich, der Gain-Regler für die Verarbeitung des Eingangssignals. Tatsächlich also verändern beide Regler die Lautstärke und müssen angeglichen werden, wenn du nach deinen Vorstellungen den Gitarrenverstärker einstellen willst.

Über Volume hast du eine Grundlautstärke gewählt. Im jetzigen Status klingt die Gitarre weitestgehend clean. Im nächsten Schritt widmest du dich mit dem Gain-Regler der gewünschten Verzerrung. Je weiter du den Gain-Regler aufreißt um sie stärker wird die Zerre, allerdings auch die Lautstärke. Du nimmst die Lautstärke am Volume-Regler wieder zurück. Ein Abgleich, den du immer wieder durchführst, bis der Grad der Verzerrung und die Lautstärke deinen Vorstellungen entsprechen.

Beide Hand in Hand für die Lautstärke und Zerre verantwortlich
Beide Hand in Hand für die Lautstärke und Zerre verantwortlich Foto: Shutterstock von Ivan Kurmyshov

Equalizer-Sektion – extreme Einstellungen vermeiden

Bei einer Equalizer-Sektion haben viele einen grafischen Equalizer vor Augen. Es gibt Gitarrenverstärker, die damit ausgestattet sind, allerdings eher selten. Die meisten Amps besitzen Drehregler für Höhen (Treble) Mitten (Mid) und Bass, hinzu kommt häufig ein Presence-Regler, mit dem die nochmals angehoben werden können.

Diese Reduktion an dieser Stelle bloß nicht falsch verstehen. Sicherlich finden sich am Markt etliche weitaus umfangreicher ausgestattete Verstärker. Die allesamt in diesem Artikel zu beleuchten, würde den Rahmen sprengen. Wir bleiben zunächst bei den Basics.

Mittlere Regler-Einstellung für die lineare Klangbasis

Wenn du nun die Tone-Regler an deinem Gitarrenverstärker einstellen möchtest, musst du irgendwo starten. Beginnen solltest du idealerweise mit einer mittleren Einstellung aller Regler. Abgesehen vom Presence-Regler, der bleibt bislang außen vor. Im nächsten Stepp mischt du nun die Höhen, Mitten und Bässe, wie es deinen Klangvorstellungen entspricht. Für einen Heavy- oder Distortion-Sound wirst du im Normalfall die Höhen und den Bass relativ weit und die Mitten eher zurückhaltend zumischen. Bei einem Clean-Sound eher umgekehrt.

Von linearer Stellung ausgehend vorsichtig einstellen
Von linearer Stellung ausgehend vorsichtig einstellen Foto: Shutterstock von Eriik

Aber auch diese Einstellung hängt von vielen weiteren Faktoren von der Gitarre über die Leistungsfähigkeit und Ausstattung deines Verstärkers bis zu deiner Spielweise, sogar dem genutzten Plektrum ab. Was bleibt: Ausprobieren. Der Grundsatz dabei lautet, nicht zu übertreiben. Die Bässe machen deinen Sound warm, zu viel davon und er wird matschig bis undefinierbar. Die Höhen wiederum machen den Klang transparenter, zu üppige Höhen sorgen jedoch dafür, dass die Gitarre sehr bissig klingt.

Die garnierende Effekt-Sektion anfangs einfach auslassen

Etliche Verstärker haben integrierte Effekte mit an Bord. Um ehrlich zu sein: Beispielsweise die aktuellen Modelling-Amps sind mit Effekten vollgestopft. Die verleiten dazu, sie reichlich und ausgiebig einzusetzen. Auf diese Verlockung solltest du keinesfalls reinfallen. Mit den Effekten solltest du aus mindestens zwei Gründen vorsichtig umgehen.

Erstens sorgt ein zu starker Effektanteil dafür, dass der Sound verwaschen wird. Zweitens willst du momentan den Grundsound an deinem Gitarrenverstärker einstellen. Somit solltest du dich den Effekten frühestens widmen, sobald die Basis gelegt ist. Auch für die Effekte wie den Hall für den angenehmen Raumklang heißt es, immer vorsichtig zu bleiben. Raumeffekte schaukeln sich bei höheren Lautstärken hoch. Nicht zu vergessen, dass sie leicht zu schlampigem Spiel verleiten.

Der Moment der Erkenntnis – allein ist nicht gemeinsam

Du bist felsenfest von deinem zu Hause konfektionierten Ergebnis überzeugt. Dann nimmst du den Gitarrenverstärker mit in den Proberaum, ins Studio oder gleich mit auf die Bühne und bist fassungslos entgeistert. Im Zusammenspiel mit deinen Bandkollegen klingt der voreingestellte Sound plötzlich ganz anders; tatsächlich bist du kaum noch zu hören. Und – anders als zu Hause – zufrieden bist du mit dem Sound beileibe nicht. Schon schwant dir, dass du die gesamte Zeit, in der du den Gitarrenverstärker einstellen wolltest, schlichtweg verplempert hast.

Die eigentliche Problematik liegt darin begründet, dass identische Frequenzen unterschiedlicher Instrumente sich gegenseitig überdecken und auch auslöschen können. Das Resultat ist ein undefinierbarer Brei. Im Bandzusammenhang hört man eben genau das, was der Name besagt: den Zusammenhang. Zuhause hast du vermutlich einen sehr breiten Sound eingestellt, zumal du den Klang als rund und warm empfindest. Wie laut du im Kontext mit anderen Instrumenten auch immer du spielst, du wirst dich nicht durchsetzen können.

Deine E-Gitarre ist das Instrument der goldenen Mitte

Wenn du einen Gitarrenverstärker einstellen möchtest, solltest du wissen, welchen Frequenzbereich dir zur Verfügung steht und von welchem du andererseits lieber die Finger lässt. Die Rede ist davon, dass die E-Gitarre und der Bass sich in den tiefen Frequenzen – und somit auch den tiefen Mitten – nicht in die Quere kommen sollen.

Der nahezu identische Effekt entsteht in den Höhen im Zusammenspiel von Keyboards oder dem Gesang. Tatsächlich heißt das, das Rhythmus-Sounds weniger höhenbetont sein sollten, um Sängerin oder Sänger nicht zu überdecken. Die Solo-Sounds können mehr Höhen tragen, insbesondere vor dem pragmatischen Hintergrund, dass Soli und Gesang selten gleichzeitig stattfinden.

Kardinalfehler: Stundenlanges Sound-Schrauben

Du gehörst zu den Eifrigen und lässt auch sonst nicht locker, bevor du mit einem Ergebnis zufrieden bist. Das ist lobenswert und zeugt von deinem Durchhaltevermögen. Wenn du  deinen Gitarrenverstärker einstellen möchtest, kommt dein Durchhaltevermögen jedoch bei langen Sessions an seine natürlichen Grenzen. Dein Gehör ermüdet wie deine Wahrnehmungsfähigkeit. Die Unverschämtheit daran ist, dass du es die Ermüdung nicht realisierst, zumal sie schleichend geschieht.

Wenn du dennoch hochmotiviert weitermachst, weil du zwar schon weit gekommen, aber noch nicht rundum zufrieden bist, passiert Folgendes: Du schraubst weiter und stimmst den Sound auf dein inzwischen überfordertes Gehör ab. So drehst du beispielsweise Höhen hinzu und verfälscht das reale Ergebnis immer weiter. Irgendwann bist du zufrieden und schaltest ab. Wenn du beispielsweise am nächsten Tag mit denselben Einstellungen und frischen Ohren wieder  einschaltest, wirst du unzufrieden  bis entsetzt sein. Jetzt nur nicht über den Verstärker fluchen. Der ist unschuldig.

Von linearer Stellung ausgehend vorsichtig einstellen
Von den eigenen Ohren nicht betrügen lassen Foto: Shutterstock von Stockbusters

Das will sagen, dass  du immer wieder großzügig bemessene Pausen einlegen musst. Erst recht dann, wenn du in mittleren oder höheren Lautstärken abhörst. (Zu laut sollte es ohnehin nicht sein, damit du deine Ohren nicht dauerhaft schädigst.) Das Prinzip ist jedem Tontechniker bekannt, der beispielsweise bei einer Produktion die Spuren oder den  Main-Mix abhört. Das kann nur für einen begrenzten Zeitraum funktionieren; alsbald machen die Ohren förmlich dicht.

Unterschiedliche Verstärkersettings archivieren

Festgestellt haben wir bereits anfangs, dass der Sound sich je nach Situation anders darstellt. Die Einstellungen, die du zu Hause vorgenommen hast, sind im Bandkontext weitgehend irrelevant. Im Umkehrschluss kann der durchsetzungsfähige Bühnensound daheim nervig bis mies klingen. Ebenso werden sich abhängig von der Besetzung der Band und von der jeweiligen Location – Proberaum, Studio, Indoor-Bühne oder Outdoor – Unterschiede ergeben.

Sicherlich gehört zu jedem Szenario ein kurzer Soundcheck. Die Zeit für stundenlanges Schrauben jedoch hast du allenfalls zu Hause. Was du benötigst, sind ein paar situationsabhängige Basis-Settings, die du anschließend mit kleineren Veränderungen nachjustierst. Vermutlich werden das nicht allzu viele sein; dennoch fällt es zuweilen schwer, sich diese zu merken. Die unbürokratische Lösung ist simpel und zugleich dauerhaft zielführend: Nimm einfach dein Smartphone und fotografiere deine Einstellungen; lege dir mit den Bildern ein Archiv an.

Allerdings wirst du nicht nur einmal deinen Gitarrenverstärker einstellen. Vielmehr ist das ein fortlaufender Prozess, zumindest in Nuancen. Möglicherweise ändert sich dein Hörgeschmack im Laufe der Zeit; die Location stellt dich und euch vor besondere Anforderungen, was auch immer. Du wirst also nicht selten nachregeln. Wichtig in solchen Fällen: Immer wieder die Einstellungen fotografieren und deinem Sound-Archiv hinzufügen. Wenn du ein solches Archiv über längere Zeit pflegst, profitierst du davon, dass dir auch dargestellt wird, mit welchen Settings du auf welche Situation reagiert hast. Im Ergebnis wird dein Sound sich grundlegend verbessern.

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Auch interessant: „Kopfplatte der E-Gitarre: Durchdachte Ästhetik mit Markenaussage“.

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