Der Headstock der Gitarre und seine Besonderheiten

Kopfplatte der E-Gitarre: Durchdachte Ästhetik mit Markenaussage

| Foto:: Shutterstock von Africa Studio

Dass E-Gitarren ihre jeweils individuelle Ästhetik besitzen, ist uns allen bewusst. Optisch beginnt das bei Korpus-Form, Shaping und Cutaways, reicht über Farbe und Finish und endet bei der Hardware noch lange nicht. In Dimension, Farben und Formen alles bestens aufeinander abgestimmt. Mit den größten Wiedererkennungswert hat die Kopfplatte der E-Gitarre. Schauen wir genauer hin:

Check it: Kopfplatte der E-Gitarre – zwischen Funktionalität und Design

  • Bedeutung der Kopfplatte für das Markenimage
  • Symmetrische oder asymmetrische Anordnung
  • Identifikationsfaktor Headstock-Design
  • Das Problem der Kopfplattenneigung
  • Durchgehender Hals oder angesetzte Kopfplatte
  • Kompakte Lösung ohne Headstock

Kopfplatte der E-Gitarre als Identifikationsfaktor

Etliche E-Gitarren bzw. deren Marken sind bereits an der Kopfplatte, dem Headstock erkennbar. Grundsätzlich zusammen hängt das mit der jeweils speziellen Form inklusive Platzierung der Stimmmechaniken, auch dem Neigungswinkel. Und selbstverständlich befindet sich als optische Visitenkarte an dieser Stelle auch das Logo des Herstellers.

Headstock-Design der einschlägigen Marken geschützt

Seit etwa den 70er-Jahren lassen die großen Gitarrenhersteller das Design – insbesondere die Form – der Kopfplatten patentieren, tragen Warenzeichen ein und schützen damit ihre Linien vor nicht autorisierter Nachahmung. Die vermutlich am häufigsten kopierte Kopfplatte ist die von Fender. Immer wieder gibt es Copyshop-Versuche, meistens von Low-Budget-Anbietern. Und genauso oft geht Fender gegen solche Hersteller vor.

Sogar Sub-Marken häufig im Kopfplatten-Design abgegrenzt

Selbst die Budget-Linien mancher Marken sind häufig mit anderer Kopfplatte konfektioniert als die hochpreisigen Vorbilder aus selbem Haus. So gehören beispielsweise Gibson und Epiphone zwar seit 1957 zusammen. Epiphone ist eine asiatische Tochterfirma von Gibson. Erst 2019 aber wurde auch den aus Indonesien, Korea, China oder Japan stammenden Gitarren der Headstock von Gibson zugebilligt, insbesondere der Paula. Wurde auch Zeit, meinen viele Musiker, die sich über die als nicht wirklich ästhetisch empfunden Proportionen wunderten.

Immens hoher Stellenwert der Kopfplatte für das Markenimage

Ganz klar aber erkennen wir daran, welch hohen Stellenwert die Kopfplatte als Statement für das Marken-Image hat. Sie ist eines der wichtigen Alleinstellungsmerkmale, maßgeblich mitverantwortlich für das äußere Erscheinungsmerkmal und für die Identifikation der Musiker mit der Marke. Letztlich kann es auf der Gitarre keine bessere Position für Product- und Logo-Placement geben. Schließlich wird der Headstock auf der Bühne – anders als Hals oder Korpus – bei Spielen nie verdeckt. Die Anbieter geben sich schon aus Marketinggründen größte Mühe, die Kopfplatten optisch wiedererkennbar und ästhetisch zu designen.

Irgendwann ist das Rad oft genug erfunden

Fragt man sich, weshalb sich die besonders bekannten Kopfplatten den Herstellern zugeordnet werden, die letztlich auch die ersten Jahrzehnte der E-Gitarre maßgeblich geprägt haben, ist die Antwort ebenso simpel wie möglicherweise platt: Damals konnten die Designer sich noch richtig austoben. Doch irgendwann mal ist das Rad oft genug erfunden. Viel Spielraum für Neues gibt es dann nicht mehr.

Orientiert am Vorbild der Stahlsaitengitarren

Das Vorbild für die Kopfplatten von E-Gitarren waren die Stahlsaitengitarren. Im Gegensatz zu Konzertgitarren mit den sogenannten Fensterkopfplatten waren und sind die üblicherweise mit massiven Kopfplatten bestückt. Auf der Rückseite die Mechaniken befestigt, die Schäfte ragen auf der Vorderseite heraus. Eine Bauform, die insbesondere zwei Aspekten berücksichtigt. Erstens den geringen vorhandenen Platz, auf dem die Saiten sich irgendwie einig werden müssen, außerdem die Balance des Instrumentes, das dadurch weniger zur Kopflastigkeit neigen soll.

Symmetrisch oder asymmetrisch

Herauskristallisiert haben sich im Laufe der Jahrzehnte die symmetrische und die asymmetrische Anordnung der Stimmmechaniken. Unter symmetrisch verstehen wir die Modelle, bei denen drei Mechaniken auf der einen, drei auf der anderen angeordnet sind. Klassiker dieser Bauweise sind etwa Marken wie Gibson, Rickenbacker und Gretsch, auch Framus, Paul Reed Smith und viele weitere. Vorteile sahen und sehen die Marken in der möglichst gleichmäßigen und geraden Saitenführung.

Ein paar Beispiele für symmetrische 3:3-Headstocks mit markeneigener Form:

Klassiker und Vorreiter der symmetrischen Bestückung: Gibson | Foto: von Thomann
Rickenbacker bleibt dabei, ändert aber die Form | Foto: von Thomann
Rickenbacker bleibt dabei, ändert aber die Form | Foto: von Thomann

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Fender als Vorreiter der  6:0-Konfiguration

Konsequent auf die sogenannte asymmetrische Anordnung gesetzt hat Fender. Die Bauweise mit sechs in einer Reihe liegenden Mechaniken sollte – neben der optischen Eigenständigkeit – sehr pragmatische Gründe haben. Einerseits sollte dadurch die Führung der Saiten besonders gerade sein. Ebenso war es Leo Fender wichtig, dass die Gitarristen das Instrument unkompliziert von einer Seite stimmen konnten. Darauf musste er aber erstmal kommen; die ersten E-Gitarren von Fender hatten noch die 3:3-Konfiguration.

Die 6:0-Lösung war und ist  selbstverständlich kein Alleinstellungsmerkmal von Fender. Wir kennen viele weitere wie beispielsweise Ibanez, deren Modelle üblicherweise mit lackiertem Headstock gefertigt werden und sich dabei durch die spezielle Form mit kleinem Horn auszeichnen. Das will sagen: Das Konzept ist dasselbe, die Form deutlich anders.

Und hier ein paar Varianten von 6:0-Kopfplatten:

Der Klassiker der asymmetrischen 6:0-Kopfplatte: Fender | Foto: von Thomann
6:0-Headstock mit eigenständiger Form von Ibanez | Foto: Ibanez (Herstellerbild)
Etwas kleiner und dezenter, aber ebenfalls mit demselben Konzept: Tele | Foto: von Fender (Herstellerbild)
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4:2-Konzept von Music Man: Einfach quergedacht

Nicht vergessen dürfen wir an dieser Stelle die längst berühmte Kopfplatte von Music Man. Die Kopfplatten zeichnen sich durch den 4:2-Headstock aus. Also vier Mechaniken auf der einen Seite, zwei auf der anderen. Optimiert werden sollte mit diesem Konzept die noch präzisere Saitenführung und Intonation.

Und als angenehmer Nebeneffekt wurde die Gitarre damit kürzer. So kurz, dass sie ins Gepäckfach im Flugzeug passte. Manchmal geht es eben um Zentimeter. Verantwortlich dafür war wiederum kein Geringerer als der Pionier Leo Fender, der sich von seinem einstigen Unternehmen getrennt hatte und daraufhin Mastermind bei Music Man wurde.

Sogar handgepäcktauglich durch das 4:2-Konzept: Music Man | Foto: von Thomann

Identifikationsfaktor Kopfplattenform und Headstock-Design

Die Kopfplatten lediglich auf die Platzierung der Mechaniken und den Neigungswinkel zu reduzieren, würde ihnen wenig gerecht werden. Gerade hinsichtlich der Form, etwa den Rundungen oder den Kanten haben Marken sich immer wieder äußerst ästhetische Ausführungen einfallen lassen, die letztlich zu nichts Geringerem als der Visitenkarte der Marke wurden.

Beispielsweise Rickenbacker mit dem leicht geschwungenen 3:3-Headstock, Parker mit der minimalistischem 6:0-Kopfplatte, Duesenberg mit dem Art-Deco-Design, Burns mit der klassisch geschwungenen Schnecke oder Jackson mit der Reversed-6:0-Lösung.

Die ganz besondere Ästhetik von Duesenberg | Foto: von Thomann

 

 

 

 

 

 

Einfach mal in die entgegengesetzte Richtung gedreht: Jackson | Foto: von Jackson Guitars (Herstellerbild)
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Der Kopfplatten-Neigung und ihre physikalischen Grenzen

In den meisten Fällen sind die Kopfplatten leicht nach hinten geneigt. Bezeichnet werden die als Droopy Headstocks. Durch den Winkel wird die präzise Lage der Saiten bei vernünftigem Zug zwischen Sattel und Mechanik unterstützt. Sinn der Neigung ist es, dass die Saiten ausreichend Druck auf die Sattelkerben aufbauen können und präzise in den Kerben bleiben.

Herstellerübergreifend ist dieser Winkel keinesfalls einheitlich, bewegt sich aber in einem Rahmen von etwa 3 bis 25°. Die traditionelle Ausnahme schlechthin ist Fender. Die Headstocks aus diesem hohen Hause sind nicht geneigt. Die der Copyshop-Modelle selbstverständlich ebenfalls nicht.

Kopfplatte und Hals aus einem Stück oder eben nicht

Gängige Praxis ist gerade bei  E-Gitarren mit gewinkeltem  Headstock, dass Kopfplatte und Hals nicht aus einem Stück bestehen, stattdessen die Kopfplatte angeleimt wird. Der Vorteil ist ein wirtschaftlich pragmatischer. Diese Art der Verarbeitung ist deutlich preisgünstiger, zumal weniger Holz benötigt wird und weniger Verschnitt anfällt. Instabil wird die Verbindung dadurch keinesfalls. Sollte ein Gitarrenhals brechen, dann wahrscheinlich an jeder denkbaren anderen Stelle als der geleimten Verbindung.

Außerdem lässt sich der Kopf auf diese Weise einfacher im beabsichtigten Winkel ansetzen. Dennoch bleibt es ein Qualitätsmerkmal, wenn Hals und Kopf aus einem Stück bestehen. So wird der Hals einer Gibson üblicherweise aus einem Stück gefertigt, der einer Epiphone aus zwei angeschäfteten Holzstücken zusammengesetzt.

Bei den nicht gewinkelten Kopfplatten etwa bei Fender, Squire und den zahlreichen Kopien bzw. Annäherungen ist es demgegenüber häufig der Fall, dass Hals und Headstock aus einem Stück gearbeitet werden. Möglich macht das die gerade Platte, wodurch herstellerseitig mindestens ein kompletter Arbeitsschritt entfällt. Der größere Verschnitt wird demnach durch die geringere Arbeitszeit ausgeglichen.

Einfach weggelassen: Keine Kopfplatte für mehr Schwingung

Übrigens gab es auch immer mal findige Versuche, auf die Kopfplatte vollkommen zu verzichten. In den 80ern erlangten solche E-Gitarren Bekanntheit, beispielsweise von Steinberger. Die Idee dahinter war, dass sich eine große Kopfplatte sich nach Meinung der Konstrukteure auf das Schwingungsverhalten des Instrumentes negativ auswirkt. Dass der fehlende Headstock den Sound verändert, ist eine Tatsache. Ob negativ oder positiv, bleibt allerdings Geschmackssache.

Nachgesagt wird den kopflosen Instrumenten, dass sie einen saubereren, und direkteren Sound liefern. Andererseits empfinden manch andere den Klang aus genau diesem Grund als steril. Fakt allerdings bleibt, dass das Instrument aufgrund des nicht vorhandenen Headstocks logischerweise kürzer ist. Der immanente Vorteil: Sie lässt sich leichter transportieren, verstauen und gilt im Flieger sogar als Handgepäck. Zusammen hängt das auch mit dem  Korpus, der ebenfalls auch große Dimensionen verzichtet.

„Kopflose“ Beispiele für dimensionsreduzierte Gitarren

Headless-Gitarren haben auch heutzutage noch diesen gewissen Exoten-Nimbus. Manche Gitarristen, meistens überzeugte Individualisten, schwören darauf und sehen ausschließlich die Vorzüge des verschlankten Designs, des klaren Sounds und der überzeugend ausgewogenen Gewichtsverteilung. Einen guten Eindruck des Konzepts liefert die Steinberger Guitars Gt-Pro Deluxe FB. Hier geht’s zur Produktseite auf thomann.de.

Seit Mitte 2020 hat auch Harley Benton ähnlich konstruierte Modelle im Programm, so beispielsweise die Dullahan FT 24 BKS, die lediglich über einen angedeuteten Headstock verfügt. Gespannt und gestimmt werden die Saiten über Tuner auf der Bridge-Seite. Auch das ein interessantes Konzept, zumal die Gitarre sich dadurch von der Masse deutlich abhebt und Eigenständigkeit beweist. Detaillierte Angaben gibt’s auf dieser Produktseite auf thomann.de.

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Falls du noch mehr über die Bestandteile von Gitarren erfahren möchtest, wirf doch mal einen Blick auf den Artikel zum Thema „Mysterium Klangholz – Streitthema unter Gitarristen und Gitarrenbauern“.

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