Das ultimative Rezept für den Megahit!

Wurde das Geheimnis für den Tophit gelöst?

| Foto: Shutterstock von Rawpixel.com

Da flatterte uns eine Meldung ins Haus, die sich echt gewaschen hatte. Oder, um es mit den Worten von Bruce Darnell zu sagen: „Das ist der absolute Hammääär.“ Das Geheimnis für den perfekten Song ist gelüftet! Das war vor 7 Jahren. Funktioniert es wirklich? Soviel vorweg: Es geht um Lieblingsgeräusche. Aber der Reihe nach …

Check it – Rezept für den Megahit – Mastercard Sound Index

  • Repräsentative Umfrage ermittelt die Lieblingsgeräusche der Europäer
  • Hebt euer Songschreiben damit in eine neue Dimension
  • Macht auch euren Sound mit Geräuschen wiedererkennbar
  • Vergesst das Lächeln nicht.

Lieblingsgeräusche in einer repräsentativen Umfrage festgestellt

Mastercard, ein „internationales Technologieunternehmen im Zahlungsverkehr“, hat sich damals für Musik bzw. genauer für Geräusche und Töne interessiert und wirklich Wissenswertes über das Hören von Audio-Inhalten wie Musik oder Hörbüchern herausgefunden, also wie lange, wie häufig, auch wo, wie und was man hört. Und vor allem – das ist der Punkt, der uns so enthusiastisch stimmt – steht laut dieser Erhebung fest, welches die Lieblingsgeräusche von Europäern sind.

Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung von europaweit 6.500 in 12 Ländern. Das ist ja wohl wirklich aussagekräftig genug, um die Hörgewohnheiten der über 700 Millionen Bewohner dieses Kontinents abzubilden. Okay, lassen wir diesen unterschwelligen Ton und überprüfen weiter, was rausgekommen ist.

Wie sind die Musik-Hörgewohnheiten von Konsumenten in Europa?

Eigentlich ist die Studie für uns etwas branchenfremd, weil dort beachtlich fundiert die Hörgewohnheiten der Konsumenten – nicht aber das Musikmachen selbst  – unter die Lupe genommen worden sind. Daraus wurde dann abgeleitet und prognostiziert, wie Unternehmen sich in Zukunft in Sachen Marketing aufstellen sollten. Beispielsweise mit welchem Klingelton man wiedererkennbar auf sich und seine Produkte oder Dienstleistungen aufmerksam macht. Auch dass jede Marketingmaßnahme – ob on- oder offline – mit einem „Marken-Geräusch“ befeuert werden muss, war eine Erkenntnis der Studie.

Product-Placement der hörbaren Art. Wirklich interessante Fakten und Zahlen, durch die für Marketingspezialisten und viele weitere Unternehmen Rückschlüsse auf das Konsumentenverhalten in Gegenwart und Zukunft ziehen können. Nur sind wir allerdings Musiker und keine Marketing-Experten. Gut, das gehört in Social-Media-Zeiten längst dazu, und viele Musiker müssen mehr Zeit mit dem Drehen kleiner Videoclips verbringen, als Musik zu machen. Und vieles der Studie ist trotzdem nicht unsere Baustelle.  Doch sie ist super aufbereitet und geschlussfolgert.

Und so werden wir an einer Stelle der Studie hellwach und im wahrsten Sinne des Wortes hellhörig: Aufgelistet sind die Lieblingsgeräusche der Europäer. Und wenn man die kennt, kann man als Musiker, Composer oder Produzent doch nur noch gewinnen. Das ist wie ein Siebener (wenn schon, dann mit System!) im Lotto; da geht doch was. Das Schreiben von Songs wird in eine vollkommen neue Dimension gepusht.

Übrigens: Als Musiker oder Musikproduzenten solltet ihr den Mastercard-Sound-Index durchaus ernst nehmen, zumindest mal darüber nachdenken. Nicht selten wird ein Song, durch eine ganz spezielle, winzige Passage berühmt. Warum also nicht mit entsprechenden Geräuschen garnieren und auf das menschliche Unterbewusstsein setzen? Könnte doch funktionieren.

Sind Lieblingsgeräusche auch Musik?

Ja! Zugegeben, wir müssen allesamt ein wenig umdenken. Bislang hieß es: „Musik als störend wird empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden“. Korrekt ist offensichtlich der Umkehrschluss: Die Geräusche sind gefühlt die eigentliche Musik. Ohne Geräusch geht gar nix. Und die richtigen von ihnen sorgen bei Konsumenten für Wohlbehagen und kauffreundliche Stimmung. Und los geht’s:

Es müssen schon die richtigen Geräusche sein | Foto: Shutterstock von ShotPrime Studio

Platz 1 auf dem Siegerpodest der Lieblingsgeräusche: Singende Vögel

Auf Platz 1 in den Top 10 der Lieblingsgeräusche der Europäer stehen singende Vögel. Also, ein Vogel an sich ist ja kein Geräusch. Aber eben der Gesang. Erste zwingend notwendige Zutat für euer Erfolgsrezept sind also singende Vögel. Ob brachialer Trash-Metal-Song, treibender Ska-Groove oder notenbiegsames Malle-Gegröle (schönen Gruß von Cordula Grün), ein Vogel muss her. Am besten schon ins Intro.

Geboren, um zu singen … | Foto: Shutterstock von Hajakely

Gefolgt auf Platz 2 von Wellen, die auf Felsen aufschlagen

Gleich danach in der Beliebtheitsskala folgen auch schon die „Wellen, die auf Felsen aufschlagen“. Eine Welle ist übrigens kein Vogel. Es geht um Wasser und Steine. Und wenn das Eine gegen das Andere klatscht, hören die Menschen das eben gerne. Lieber Bassist, es tut mir leid. Aber du bist und bleibst der vertrauenswürdige Fels in der Brandung. Stell‘ dich bitte nicht so an.

Meeres- und Küstenromantik | Foto: Shutterstock von Kyle Smith

Platz 3 – „Prasselnder Regen“

Die Bronzemedaille beim Wettkampf der Geräusche geht an „Regen, der gegen Fenster prasselt“. Echt? Gerade kommen mir Zweifel, ob ihr die richtigen Menschen befragt habt. Wenn Regentropfen gegen mein Fenster prasseln, weiß ich, dass es draußen kalt und ungemütlich ist. Regen ist wichtig, damit die Pflanzen wachsen. Aber was hat der an meinem Fenster zu suchen? Vor allem: Wieso sollte ich mich darüber freuen. Sei’s drum. Basiert ja auf Tatsachen.

Pure Romantik und Geborgenheit | Foto: Shutterstock von Sundry Photography

Somit haben wir die drei ersten wichtigen Gewürze für euren unabwendbaren Mega-Erfolg. Erst zwitschern ein paar Amseln und Drosseln ein kräftiges Intro durchs Gelände, dann kriegt der Bassist ein paar Nordseewellen ins Gesicht. Und währenddessen hüpfen permanent Regentropfen HipHop-like durch den Song. Denkt daran, die Lautstärke der „Instrumente“ vernünftig abzumischen. Wenn die Regentropfen gleichermaßen laut wie gegen Felsen klatschende Wellen tönen, könnte das leicht bedrohlich wirken.

Lieblingsgeräusche Klavier, Geige und sonst gar nix

Apropos Gitarristen, Bassisten, Trompeter und wer nicht noch alles. Ihr müsst jetzt bitte tapfer sein: Auf Platz 6 der bevorzugten Geräusche steht das Klavierspiel, auf Platz 9 das Geigenspiel. Andere Instrumente werden nicht erwähnt. Hättet ihr doch nur ein Instrument erlernt, dass die Menschen auch hören mögen.

And the winner is, …. | Foto: Shutterstock von ittipon

Wir haben’s gewusst: Frühlingsgefühle kann man hören

Darin steht übrigens ein echt cooler Satz: „Der (…) Sound Index zeigt, dass ‘Zuhörer‘ im Frühling und Sommer während der längeren Tage stärker mit den Geräuschen in der Umgebung im Einklang stehen.“

Also dann mal Obacht liebe Gemeinde: Drehen wir die Zeit ganz vorsichtig zurück. Wir schreiben den 20. März 2019, es ist exakt 22:58 Uhr. Wieso das denn? Penibel genau an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit ist der kalendarische Frühlingsanfang. Ist übrigens ein Mittwoch. Du musst morgen zur Schule, in die Uni oder zur Arbeit.

Nun lehne dich locker und entspannt zurück, säusele ein ausgiebiges „Homm“ in die Gegend; ergib dich deinem Mantra. Hörst du die Geräusche der Natur; stehst du mit deiner Umgebung in Einklang? Nein? Du hörst nix Besonderes, abgesehen vom Säuseln der Autos auf der nächtlichen Autobahn oder dem allgegenwärtigen Gezeter des Wellensittichs nebenan? Tja, dann bist du kein Zuhörer. Der Frühling wird ohne deinen Einklang beginnen.

Sind Männer die besseren Zuhörer?

Mit der repräsentativen Befragung wurde auch herausgefunden, dass Männer bessere Zuhörer sind als Frauen. Leider, liebe Statisten, verwechselt ihr aber irgendwie die Parameter. Dass Männer mit 113 Minuten täglich sagenhafte 6 Minuten MEHR als Frauen hören, heißt noch lange nicht, dass sie BESSER zuhören. Ganz ehrlich, ich kann meiner Mutter locker drei Stunden am Stück zuhören und habe danach nicht den geringsten Schimmer davon, was sie gesagt hat. Aber wir weichen vom Thema ab.

Nachtrag, 7 Jahre später

Wir haben diesen Artikel im Juni 2019 erstmals veröffentlicht. Hat sich seit damals etwas in der Musik geändert? Ganz ehrlich: Die heutige Musik ist eben nicht voll von Intros mit Vogelgezwitscher und Refrains mit Wellen, die an Felsen schlagen. Die Gitarre dominiert nach wie vor die Popmusik, auch wenn wir immer wieder Klavier hören – aber keine Geige!

Willst du lieber klassische Musik machen? Wie wäre es mit einer Sonate?

Auswirkungen auf die Musik hatte die Studie also offensichtlich nicht wirklich. Oder haben wir es nur nicht gemerkt? Schreib es uns in den Kommentaren!

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