Ein Spiegel der Kultur: Verschiedene Varianten von Panflöten

Von der Hirtenflöte zum Welt- und Konzertinstrument: Bauformen der Panflöte

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Die Klänge einer Panflöte erinnern automatisch an folkloristische Musik. Kein Wunder, schließlich stammt dieses Instrument aus unterschiedlichen Regionen dieser Welt. Manche assoziieren sie automatisch mit lateinamerikanischer Musik, andere sehen in ihr den traditionellen Vertreter osteuropäischer Klänge. Wir haben uns für euch auf die musikalische Spurensuche begeben:

Check it: Unterschiedliche Bauformen der Panflöte in verschiedenen Kulturen

  • Der „göttliche“ Namensgeber
  • Modelle aus diversen verschiedenen Kulturen
  • Unterschiedliche Größen

Ohne, dass wir dich jetzt mit langatmigen Ausflügen in die Weltgeschichte nerven wollen, lässt sich ein kleiner Abstecher in die griechische Mythologie leider nicht ganz vermeiden. Die nämlich beansprucht für sich, für die Entstehung der Flöte verantwortlich zu sein. Laut der Sage wollte der Hirtengott Pan eine Nymphe zur Frau nehmen, die ihn aber abblitzen ließ.

Die Strafe der Götter: Sie wurde in ein Schilfrohr verwandelt. Keine Ahnung, wie das heutzutage wäre, wenn die Auserwählte sich nicht wählen lassen will. Vielleicht landet sie dann als Geranie auf der Blumenbank. Wir schweifen ab. Pan bastelte sich aus diesem Schilfrohr eine Flöte. Was daran stimmt? Wer weiß das schon. Auf alle Fälle trägt die Panflöte nunmehr seinen Namen. Und nicht den von Peter Pan. Und es gibt haufenweise verschiedene Familienmitglieder:

Unterschiedliche Varianten der Panflöte

1. Panflöte / Antara

Ein weiterer Name für die Panflöte ist Antara. Dabei handelt es sich hauptsächlich um eine regionale Bezeichnung, nämlich den Hinweis auf das Ursprungsland Ecuador oder Peru. Bei der Antara sind die Rohre in gebogene Form nebeneinander angeordnet.

Musikalische Harmonie: Paarweise gespielte Siku
Musikalische Harmonie: Paarweise gespielte Siku Foto: Shutterstock von Radu Razvan

2. Siku – aus der Indianersprache

Häufig in den Anden und den Gebirgszügen von Bolivien und Peru wird die Siku gespielt. Das Besondere ist, dass dieses Instrument immer von zwei Personen gespielt wird, paarweise. Um das richtig zu verstehen, es spielen zwei Personen auf zwei Flötenhälften miteinander. Und die jeweiligen Töne der Tonleitern sind eben abwechselnd auf die beiden Hälften der Siku verteilt.

Bisweilen sind es auch zwei Instrumente. Dabei gibt es eine führende Stimme, die sogenannte Arka, und eine folgende Hälfte, die Ira. Soviel zu musikalischem Miteinander und musikalischer Tradition. Genial, oder?

3. Zampoña aus Südamerika

Um eine doppelreihige Panflöte handelt es sich bei der Zampoña. Weiterer Unterschied zu einer „normalen“ Panflöte ist, dass die Rohre gerade nebeneinander angeordnet sind.

4. Rondador

Aus Ecuador stammt die Rondador. Ein Instrument mit interessanten Eigenschaften. Wie bei der Zampoña ist es kaum möglich mit einer einzigen Panflöte ein Lied zu spielen. Die Rondador-Flöten haben unterschiedliche Töne. Erst im gemeinsamen Spiel mit anderen dieser Instrumente steht das gesamte Tonspektrum zur Verfügung.

Doch das ist noch nicht alles, was die Rondador so außergewöhnlich macht: Die Rohre sind keinesfalls gleichmäßig nach Tonhöhe bzw. Rohrlänge nebeneinander angeordnet. Vielmehr ist es bei dieser Panflöte so, dass zwischen den länger werdenden Rohren immer wieder kürzere platziert sind.

5. Philippinische Panflöten

Erwähnenswert sind auch die Panflöten, die auf der Insel Luzon im Norden der Philippinen verwendet werden. Interessanter wirklich ziemlich regional begrenzt. Die Instrumente haben vier oder fünf Rohre. Für musikalische Weltenbummler vielleicht noch der Tipp, dass man diese Flöten auch in Neuguinea findet.

6. Larchemi – die Schäferflöte

In Westgeorgien nutzen die Schäfer die Larchemi, die auch unter dem Namen Soinari bekannt ist. Diese Panflöte besitzt sechs Rohe, die in Reihe angeordnet sind.

Rohre kreisrund angeordnet auf der Wot
Rohre kreisrund angeordnet auf der Wot Foto: Shutterstock von Lipskiy

7. Wot – Thailand

Eine sehr spezielle Bauform hat die Wot, die in Thailand gebräuchliche Panflöte: Die Rohre sind kreisrund angeordnet. Ein Alleinstellungsmerkmal, wodurch sie gewissermaßen zum Outlaw bzw. zum Außenseiter dieser Instrumentengattung wird. Keine andere Panflöte weist diese Besonderheit auf. Üblicherweise sind es 6 bis 8 Rohre, mehr funktioniert schon aus Gründen der Größe nicht.

Entsprechend ungewöhnlich ist dann auch das Spiel darauf: Um die verschiedenen Töne zu anblasen zu können, wird die Wot in die jeweilige Richtung gedreht. Ist ja schon mal eine gute Nachricht, dass man nicht permanent um das Instrument herumrennen muss.

8. Afrikanische Panflöten

Und auch in Afrika, gab und gibt es Panflöten mit regionaler Bauweise, allerdings recht selten. Zu den afrikanischen Panflöten gehört die nyanga, die auch unter dem Namen ngorombe bekannt ist. Na ja, „bekannt“ ist vielleicht übertrieben. Die indigenen Völker haben auch spezielle Panflötentänze entwickelt. Die nyanga verfügt normalerweise über vier Bambusröhren.

9. Chinesische Panflöte

Eines der ältesten chinesischen Musikinstrumente ist die pai xiao. Auch das eine Panflöte. Dieses spezielle Variante besteht aus zwei Reihen, einer geraden und einer gekrümmten. Wurde übrigens aus Vogelknochen gefertigt.

Der Standard: Rumänische Bauweise
Der Standard: Rumänische Bauweise Foto: Shutterstock von andre_voran

10. Rumänische Panflöten

Die Nai ist die Panflöte in Rumänien und der Republik Moldau. Interessanterweise stammt dieses Folkloreinstrument eigentlich aus der Türkei. Verwurzelt hat sie sich hier seit der Zeit des Osmanischen Reiches. Und auch hier taucht wieder der Name George Zamfir auf: Er war einer der Schüler des zeitweise einzigen Panflötisten Fănică Luca, der vom Folklore-Institut in Bukarest beauftragt worden war, die Nai „vor dem Untergang zu retten“.

Rumänische Panflöte ist zum europäischen Standard geworden

Die rumänische Bauform mit 22 Rohren hat sich hierzulande als Standardinstrument etabliert. Der vermutliche Grund dafür: Die rumänische Panflöte ist die am Weitesten entwickelte Panflöte. Das Instrument bietet schlichtweg die meisten kreativen und musikalischen Möglichkeiten. Wer die chromatischen Töne beherrscht, ist auf der Nai imstande, in sämtlichen Tonarten zu spielen.

Nach all den Jahrzehnten und Jahrhunderten der Entwicklung ist die Bezeichnung „rumänische Panflöte“ mittlerweile eine Bezeichnung für die Bauweise geworden. Das will sagen: Seit etlichen Jahren gibt es meisterhafte Panflöten, die beispielsweise in der Schweiz oder in Deutschland gefertigt werden. Einer der renommiertesten eidgenössischen Panflöten-Pioniere ist die Marke Dajoeri, die neben der eigenen Instrumentenfertigung auch die größte Panflöten-Schule Europas betreibt.

Instrumente aus deutscher Wertarbeit findest du beispielsweise auf dieser Produktseite auf thomann.de. Und unter diesen Flöten gibt es echte Meisterklasse-Panflöten; einen qualitativen Eindruck der ebenfalls deutschen Fertigung kannst du dir beispielsweise auf dieser Produktseite auf thomann.de holen.

Da geht’s in Sachen Ausstattung und Verarbeitung schon richtig zur Sache. Gefertigt aus sortiertem Bambus und beschichtetet mit elegantem Nussbaumfurnier, wodurch das Schwingungsverhalten zusätzlich optimiert wird. Das hat schon was.

Unnormal ist normal bei Panflöten
Unnormal ist normal bei Panflöten Foto: Shutterstock von msnobody

Unterschiedliche Größen

Vor unseren vorurteilsgeschwängerten Augen haben wir meistens die relativ handlichen Panflöten, beispielsweise von George Zamfir, der als der „König der Panflöte“ bekannt war. Lasst euch dadurch nicht täuschen, es gibt unterschiedlichste Instrumente und auch Größen. Das Rohr des höchsten Tons ist ungefähr einen Zentimeter lang, das des tiefsten Tons kann bis zu 1,60 Meter lang sein. Diese tiefste Panflöte nennt sich übrigens Toyos.

Ebenso unterschiedlich ist die Anzahl der Rohre. Angeboten werden Instrumente mit lediglich 6 oder 7 Rohren, auch mit einer immensen Vielzahl. Für Einsteiger wird oftmals empfohlen, auf einer Panflöte mit 22 Rohren zu beginnen. Immerhin bietet die einen ausreichenden Tonumfang, bei dem man einerseits nicht zu sehr eingeschränkt, andererseits nicht durch die Größe überfordert ist.

Diverse Stimmlagen und Stimmungen

Und zu guter Letzt darf nicht unerwähnt bleiben, dass es insbesondere bei den Instrumenten mit rumänischer Bauweise unterschiedliche Stimmlagen gibt, die allesamt ihren ganz speziellen Reiz haben. Du findest die Piccolo- bzw. Sopran-Panflöte, die Alt-, Tenor- und Kontrabass-Panflöte; nicht zu vergessen, die Schülerpanflöte. Dabei musst du bedenken, dass auch Sonderanfertigen oder eine außergewöhnliche Anzahl von Rohren jederzeit möglich ist. Die Auswahl und Vielfalt sind geradezu gigantisch.

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