Ideal für Musiker mit klassischen Ambitionen

Fagott spielen – Instrument mit märchenhaft sanftem Klangcharakter

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Das Fagott ist das tiefste Holzblasinstrument und wird auch charmant als der große Bruder der Oboe bezeichnet, könnte auch die große Schwester sein. Wenn dich dieses Instrument mit seinem wunderbar warmen und unverwechselbaren Klang fasziniert, können wir das bestens verstehen. Hier einige Gedanken, was dich erwartet, wenn du Fagott spielen möchtest:

Check it: Fagott spielen – Informationen und Tipps für Einsteiger

  • Das Instrument und seine Besonderheiten
  • Doppelrohrblatt und S-Bögen müssen perfekt passen
  • Haltung und rückenschonendes Gurtsystem
  • Erste Töne singend spielen
  • Grifftabellen und kontrollierte Atemtechnik

Fagott spielen – das Instrument und seine Besonderheiten

Grundsätzlich gehört das Fagott zu den Holzblasinstrumenten. Verantwortlich für diese Klassifizierung sind gleich zwei Aspekte. Zunächst besteht der Korpus üblicherweise aus Holz. Zweitens ergibt sich dies aus der Art der Tonerzeugung, die beim Fagott und seinen unterschiedlichen Bauformen über ein sogenanntes Doppelblatt erzeugt wird. Damit unterscheidet es sich hinsichtlich der Tonerzeugung maßgeblich von anderen Holzblasinstrumenten wie dem Saxofon oder der Klarinette, die eben nur ein Rohrblatt mit an Bord haben. Wenn du Fagott spielen möchtest, wirst du mit deiner Atemluft die beiden Rohrblätter aneinander schwingen lassen.

Ein positiv außergewöhnliches Instrument
Ein positiv außergewöhnliches Instrument Foto: Shutterstock von RUBEN M RAMOS

Schwingungen ermöglichen: Das Rohrblatt und der goldene Mittelweg

Schon erkennen wir, dass das Doppelrohrblatt der Startpunkt für die zu übertragenden Luftschwingungen ist.  Wichtig demnach ist für dich, wenn du Fagott spielen willst, zunächst eben dieses bedeutende Teil in Schwingungen versetzen zu können. Dafür sollte das Doppelrohrblatt nicht zu dünn gewählt werden, damit der Ton nicht flattert oder quietscht, auch nicht zu dick, damit die Ansprache anfangs nicht unnötig erschwert wird.

Je dicker die Rohrblätter, desto wärmer und druckvoller kann der Klang werden. Umso kräftezehrender und somit unkontrollierter ist allerdings auch das Spiel. Dabei sollten die beiden Blattteile perfekt aufeinander abgestimmt sein. Mit ein wenig Erfahrung, dem geeigneten Messgerät und feinmotorischen Geschick kannst du die Blätter nachbearbeiten und für das optimale Schwingungsverhalten sorgen. Das dabei Interessante: Das Doppelrohrblatt gehört noch nicht mal wirklich zum Fagott. Vielmehr ist es Zubehör, ohne dass du jedoch nicht auskommst, wenn du Fagott spielen willst.

S-Bogen muss perfekt zum Fagott und dir passen

Ebenso perfekt zum Fagott passen und penibel auf das Instrument abgestimmt sein muss der sogenannte S-Bogen. Das Teil, mit dem du in das Instrument bläst und darüber die Luftsäule erzeugst. Die meisten Fagott-Spieler besitzen mehrere S-Bögen, für unterschiedliche musikalische Anforderungen. Auch kannst du dir die Suche nach dem optimalen S-Bogen wie die nach dem klanglich heiligen Gral vorstellen. Er muss eben zum Instrument, zu dir und deinen spieltechnischen und klanglichen Vorstellungen gleichermaßen passen. Bis ihr euch einig seid, kann es dauern. Nicht zu vergessen, dass sich deine Ansprüche im Laufe der Zeit vermutlich ändern werden. Die Suche könnte wieder von vorn beginnen.

Der S-Bogen muss perfekt zu dir und zum Instrument passen
Der S-Bogen muss perfekt zu dir und zum Instrument passen Foto: Shutterstock von Regina Erofeeva

Haltung bewahren und keine Fehler antrainieren

Sobald du dein Instrument, das Doppelrohrblatt und den S-Bogen ideal aufeinander abgestimmt hast, kann es auch schon mit den ersten Tönen auf dem Fagott losgehen. Sinnvollerweise gewöhnst du dir von Anfang an die vernünftige Haltung an. Haltungs- und sonstige antrainierte Fehler haben eine unvergleichliche Eigenschaft. Sie sind so hartnäckig, dass sie sich einfach nicht mehr verabschieden wollen. Sie sind so perfekt antrainiert, darauf könnte man zweifelhaft stolz sein. Somit lieber gleich vernünftig halten und spielen. Auch wenn dir manche Bewegung bis hin zur Atmung anfangs merkwürdig vorkommen mag.

Sinnvollerweise mit rückenschonendem Gurtsystem Fagott spielen

Obschon du üblicherweise sitzend Fagott spielen wirst, bleibt ein Gurt dein unverzichtbares Zubehör. Am Hals hältst Du das Fagott mit einem Band oder einem speziellen Gurtsystem. Sinnvoller für deine möglichst entspannte und zugleich korrekte Haltung ist ein Gurtsystem, das du wie einen Rucksack aufsetzt und über den Haken auf der Vorderseite in den entsprechenden Halter an deinem Fagott einklinkst.

Der Sinn dahinter ist, dass du das eigentlich recht schwere Instrument durch dieses Tragesystem über längere Zeit vernünftig festhalten kannst, ohne dabei deine musikalische Qualität zu beeinträchtigen oder gar dauerhafte Haltungsschäden zu riskieren. Das Fagott schwebt von hinten nach vorne vertikal leicht aufwärts geneigt neben und vor deinem Körper.

Körperschonend und spielunterstützend
Körperschonend und spielunterstützend Foto: Shutterstock von Regina Erofeeva

Starten wir mit den ersten Tönen auf dem Doppelrohrblatt

Okay, dann wollen wir mal. Im ersten Stepp schnappst du dir das Doppelrohrblatt, bislang noch ohne das Instrument. Versuche allein darauf ein paar Töne zu spielen. Erkennen wirst du einerseits, dass der Klang einem Kazoo ähnelt; außerdem, dass du eine gute Portion Druck und Anblasluft benötigst, um einen gleichmäßigen Ton entstehen zu lassen. Obwohl du das Instrument noch nicht mal in den Händen bzw. im Mund hast, wird dir bewusst, worum es geht; nämlich mit ausreichend Druck und Atem wirklich stehende Töne zu erzeugen.

Beim Singen machst du verdammt viel richtig

Bereits an dieser Stelle ist es sinnvoll, nicht nur in das zu blasen, stattdessen gleichzeitig zu singen. Jepp, richtig gehört. Beim Singen macht man so unglaublich viel richtig, dass sich das wunderbar auch auf das Instrument übertragen lässt, wenn du Fagott spielen möchtest. Nun steckst du das Rohrblatt auf den S-Bogen und spielst die ersten Töne auf dem Instrument. Immer mit der Vorstellung, du würdest die Töne singen.

Erst die Töne der unteren Lage lernen

Entdecke nun zunächst die Töne der unteren Lage. Dies ist die komfortabelste Lage, bei der du am wenigsten mit dem Instrument, der speziellen Anblastechnik und sonstigen Herausforderungen zu kämpfen hast. Die untere Lage wird damit zum Ausgangspunkt für alles, was da noch folgen will. Wichtig ist es für dich in diesem Stadium, wenn du Fagott spielen willst, keineswegs sofort alle Töne herausfordern zu wollen.

Vielmehr wäre das gleichermaßen kontraproduktiv wie verfrüht. Erinnere dich daran, weshalb dir dieses Instrument so besonders gefällt. War es nicht der zarte, warme und identifizierbare Klang? Genau der ist wichtiger als Hochgeschwindigkeit und sonstige Kuriositäten. Erst wenn ein Ton schön klingt, widmest du dich dem nächsten. Alles andere wäre Schlamperei. Das willst du nicht.

Finger sortieren und Griffe auswendig lernen

Dafür musst du logischerweise wissen, bei welchen Tönen du welche Klappen niederdrücken musst. Wobei dies noch recht simpel ist; im Internet stehen etliche Grifftabellen zur Verfügung, mit denen du nichts verkehrt machen kannst. Gewusst wie und wo wirst du nun schrittweise weiterlernen, idealerweise natürlich mit Anleitung eines Musiklehrers. Und schon wieder wirst du dich wundern.

Erst mal die Finger sortieren
Erst mal die Finger sortieren Foto: Shutterstock von Regina Erofeeva

Weiter geht’s mit der kontrollierten Atemtechnik

Eigentlich wolltest du Fagott spielen, aber um dich auf den richtigen Weg für deine musikalischen Erfolge zu geleiten, wirst du etliche weitere Übungen machen müssen. Unbedingt dazu, wenn du sicher und klangangenehm Fagott spielen willst, gehört die richtige Atemtechnik. Wundere dich nicht, wie viel Atemluft für das Fagott benötigst. Oder vielleicht doch: Wundere dich ruhig. Deine Atmung musst du auf lange Sicht unbedingt gut kontrollieren können.

Lieber mit Lehrer lernen als auf dem virtuellen Papier

Die Spieltechniken auf dem Fagott hier auf dem virtuellen Papier zu erläutern, wäre für dich riskant. Zu viel ließe sich missverstehen und somit verkehrt einüben. Wir empfehlen dir, zumindest für die ersten Zeit Unterricht in Anspruch zu nehmen. Sobald du mit dem Instrument, den Spieltechniken, der Notation, dem Ansatz und der Blastechnik vertraut bist, kannst du dich gerne nebenher auch autodidaktisch weiterbilden, unterschiedlichste Kompositionen nachspielen oder eigene Musikstücke komponieren.

Auf alle Fälle viel Spaß bei deinem neuen Hobby

Wir wünschen dir auf alle Fälle viel Spaß und Erfolg. Möge die Musik dir lange ganz viel Freude bereiten. Und vielleicht sehen wir dich eines Tages in einem Orchester oder Kammer-Ensemble. Auf dem Fagott lässt sich wunderbare Musik spielen. Und jeder, absolut jeder wird das Instrument aus all den anderen heraushören. Es hat einen außergewöhnlichen und eigenständigen Klangcharakter, bei den Streichern vielleicht vergleichbar mit dem Violoncello. Man fühlt sich auf Wolken gehoben, man fühlt sich irgendwie so geborgen. Findest Du nicht auch?

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Auch interessant für ambitionierte Holzbläser: „Saxofon ab welchem Alter – der Versuch einer Antwort“.

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