Nicht zu früh und nicht zu spät beginnen

Fagott ab welchem Alter: Antworten für Kids und verantwortliche Eltern

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Leicht verständlich, dass das Fagott für die musikalische Früherziehung ungeeignet ist. Das ist nicht sein Anspruch. Stattdessen stellt dieses Instrument ambitionierte musikalische Einsteiger vor positiv zu verstehende Herausforderungen, begonnen bereits bei den Dimensionen. Wenn Kids von diesem Instrument fasziniert sind, können sie mit Kinderfagotten dennoch frühzeitig beginnen. Hier unsere Gedanken und Antworten zur Frage „Fagott, ab welchem Alter“.

Check it: Fagott ab welchem Alter

  • Überforderung und Frust vermeiden
  • Stufenweise Entwicklung mit den geeigneten Instrumenten
  • Kleine Instrumente für noch kleine Menschen
  • Vorzüge von Quint-Fagotten und Fagottini
  • Überlegungen pro Durchhaltevermögen der Kids

Fagott ab welchem Alter – Überforderung und Frust vermeiden

Wie bei jedem anderen Instrument ist die Freude der Kids an diesem Hobby auch beim Fagott elementar. Es geht um Begeisterung, um Faszination und Motivation. Kinder wollen und sollen nicht mit dem Instrument kämpfen, erst recht nicht mit den eigenen Fähigkeiten. Zu schnell entstünden Frust und Selbstzweifel. Schlimmstenfalls würden die potenziellen Nachwuchsmusiker, das Instrument an den vielzitierten Nagel hängen und sich dauerhaft von diesem Hobby abwenden. Klar ist: Das Fagott hat klanglich, optisch und spieltechnisch seinen speziellen Reiz. Dennoch sollte nicht zu früh begonnen werden, nämlich erst dann, wenn die Kinder Misserfolge mit Wissbegierde und Enthusiasmus in Erfolge umzusetzen verstehen.

Stufenweise altersgemäße Entwicklung möglich

Selbstverständlich wachsen Kinder nicht alle in derselben Geschwindigkeit. Also lassen sich Empfehlungen zur Frage „Fagott ab welchem Alter“ nicht unbezweifelbar pauschal geben. Grob geschätzt kann man jedoch sagen, dass Kids etwa mit  zehn oder elf Jahren die körperlichen Voraussetzungen haben, um auf einem Fagott in Standard-Größe zurechtzukommen. Doch mit dem sogenannten Quintfagott können Kids auch früher beginnen. Quintfagotte sind kürzer und zugleich etwa 1 kg leichter als ihre ausgewachsenen Kameradinnen und eigenen sich auch für Kinder mit einem Alter von ungefähr 7 Jahren.

Die Faszination für das Instrument ist der Faktor schlechthin
Die Faszination für das Instrument ist der Faktor schlechthin Foto: Shutterstock von Anton Havelaar

Fagott in nachwuchskompatibler Größe auch als Erstinstrument geeignet

Einher mit der Frage „Fagott ab welchem Alter“ geht die Überlegung, ob das Fagott als Erstinstrument infrage kommen kann oder für den musikalischen Einstieg schlichtweg zu komplex ist. Dass es gewisse Anforderungen an die Fagottisten stellt, bleibt unbestritten. Versteht man Anforderungen jedoch als positive Herausforderungen, kann das Fagott durchaus das erste Instrument für ambitionierte Einsteiger sein. Erleichtert wird der Einstieg für Kids durch die reduzierten Dimensionen der Quint- und Kinderfagotte.

Vorteil für Kids: Wiederauferstehung von kleinen Instrumenten für kleine Musiker

Zwar wurden etwa im 17. Jahrhundert Instrumente in anderen Stimmlagen – und somit Größen – gebaut. Allerdings wurden etliche Instrumente von der sich einbürgernden Orchesterbesetzung verdrängt. Und so gab es über lange Zeit hinweg nur Fagotte und Kontrafagotte mit entsprechender Größe und Gewicht. Vor rund 300 Jahren spielte das Fagott im Zusammenhang mit den Flöten die Bassstimme. Erst 1985 – ein musikhistorischer Katzensprung – wurde die Idee erneut aufgegriffen, kleinere Fagotte für kleinere Menschen zu bauen. Die sogenannten Fagottini wurden wieder neuentdeckt. Eine sinnvolle Wiederauferstehung von Instrumenten für den frühen musikalischen Einstieg.

Kindgerecht, weil kleiner: Fagottini

Dabei zeichnen Fagottini sich durch etliche klangliche und didaktisch sinnvolle Vorteile aus. Erstens sind sie außerordentlich leicht, womit sie  sich von ihren Familienverwandten deutlich unterscheiden. Außerdem ist die Spieltechnik der Griffe nahezu mit der auf Standard-Fagotten. Um es exakter auszurücken: Die Griffe sind dieselben, das Blasgefühl ähnlich. Geblasen wird mit normalen Fagott-Rohren.

Beispiel für ein kindgerechtes Fagottini
Beispiel für ein kindgerechtes Fagottini Foto: von Thomann

Kinderfagotte mit dem speziellen Argument des Plexi-Resonators

Eine besonders für Kinder passende Lösung haben die Instrumentenbauer mit dem sogenannten Plexi-Resonator entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Bauteil in Form einer Röhre, das im Trichter steckt und  dadurch die saubere Intonation und Ausgeglichenheit unterstützt.

Plexi-Resonatoren unterstützen die saubere Intonation
Plexi-Resonatoren unterstützen die saubere Intonation Foto: von Thomann

Überlegungen pro Durchhaltevermögen der Kids

Wer vor der Frage steht, Fagott ab welchem Alter, macht sich per se Gedanken, ob der eigene Nachwuchs bereits reif für dieses Instrument ist. Nur folgerichtig stehen Eltern hier einer Entscheidung, Hoffnung und Vermutung gleichzeitig. Die Kids sollen und dürfen nicht überfordert, allerdings auch vorbildlich gefördert werden. Tatsächlich aber lässt sich kaum vorhersagen, ob die Kids durchhalten werden. Und der frühkindliche Enthusiasmus ist bekanntlich ebenso hoch wie liebens- und bewundernswert.

Lieber eine gute Portion Vorschussvertrauen als eine Chance versäumen

Keinesfalls möchte man eine Menge Geld in ein Instrument investieren, das alsbald in irgendeiner Ecke verstaubt. Gefühlte Sicherheit – wenigstens in finanzieller Hinsicht – ermöglicht die Tatsache, dass ein Fagott im Vergleich mit anderen Instrumenten einen geringen Wertverlust verzeichnet. Sollte es also entgegen der Hoffnung und auch des Wunsches der Kids nicht zum dauerhaften Hobby werden, hält der Verlust sich in vertretbaren und meistens verschmerzbaren Grenzen. Auch das ist ein Statement, weshalb das Vertrauen in das Durchhaltevermögen der Kids sicherlich die sinnvollere Variante ist.

Der Beweggrund muss pure Faszination sein

Ausschlaggebend darf und muss selbstverständlich die Begeisterung der Kids für das Instrument und die damit zu spielende Musik sein. Nur dann kann es sich um eine sinnvoll frühzeitige Begegnung mit diesem Hobby handeln. Stellt sich die Frage „Fagott ab welchem Alter“ nur aufgrund von verkehrt verstandenem elterlichem Ehrgeiz, ist es in jedem Alter zu früh. Möglicherweise liegen die Interessen der Kinder in vollkommen anderen Bereichen. Wenn sie aber uneingeschränktes Interesse zeigen und am liebsten sofort loslegen möchten, dann sollte man diesem Wunsch positiv begegnen.

Hohe Individualität beweisen die Kids mit dem Interesse am Fagott

Ein unbedingter Vorteil, wenn Eltern bereits ihren etwa siebenjährigen Kindern das Fagott-Lernen und -Spielen ermöglichen, ist, dass die Kids keinesfalls mit dem Einheitsbrei und Mainstream schwimmen. Das Fagott ist ein super Instrument, entspricht aber – auch das gehört zur Wahrheit – nicht unbedingt dem kindlichen und jugendlichen Zeitgeist. Kinder, die sich für diese so außerordentlich klangangenehme Instrument entscheiden, beweisen damit ihre große Individualität. Und die ist in heutigen Zeiten per se gut und sollte gefördert werden.

Positive Individualität und die Karawane zieht weiter
Positive Individualität und die Karawane zieht weiter Foto: Shutterstock von Jack.Q

Wenn Musiker zur Massenware werden, steigt die menschliche Nachfrage

Vielleicht dazu ein Beispiel aus einer anderen musikalischen Ecke. Selbstverständlich gibt es sie, die Instrumente, die alle oder eben besonders viele spielen wollen. Dazu gehören beispielsweise das Klavier, die Gitarre und die Violine. Schlichtweg jedes dieser Instrumente ist auch vor dem Hintergrund der Frage „Fagott ab welchem Alter“ sinnvoll und gut. Es gibt nichts Gutes, außer, man tut es.

Dennoch werden viele dieser Nachwuchsmusiker auf den gefragten Instrumenten möglicherweise irgendwann nicht gefragt sein. Einfach deshalb, weil proportional zu viele davon gibt. Anders beim Fagott, hier ist das Instrument für Kids tatsächlich eher ein Nischeninstrument. Später werden die Fagottisten sehr gefragt sein, zumal die musikalische Welt hierzulande davon keinesfalls überflutet ist. Eine Frage der Gelegenheiten.

Verantwortungsbewusst Eltern kennen ihre Kids am besten

Und so können wir bei allem gebotenen Fingerspitzengefühl nur sagen: Verantwortungsvolle Eltern kennen ihre Kids am besten. Zur Frage „Fagott ab welchem Alter“ wird zuweilen sogar die Antwort gegeben, dass es ab sechs Jahren oder früher möglich sein. Das halten wir für sehr früh und würden eher den Zeitpunkt ab etwa sieben bis elf Jahren als passender einordnen. Doch jedes Kind ist individuell. Der richtige Zeitpunkt ist insofern dann gegeben, sobald die Kids körperlich imstande sind, das Fagott entspannt zu halten, und kognitiv die Herausforderungen umzusetzen imstande sind.

Interessante Einsteigerinstrumente:

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Auch interessant für Eltern, die ihren Nachwuchs musikalisch fördern möchten: „Dudelsack – ab welchem Alter? Eine Frage, mehrere Antworten“.

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