Ab in die Berge

Alphorn spielen – der alpine Zauber der wunderschönen Naturtöne

Foto: Shutterstock von Olga Niekrasova

Für viele ist es ein Traum: Alphorn spielen in grandioser Bergkulisse. In der Schweiz, Österreich und den bayerischen Alpen ist es aus der musikalischen Kultur und Tradition mit seinem sonoren Klang und den durch ganze Täler erklingenden, zauberhaften Tönen nicht wegzudenken. Natur pur mit alpinem Nimbus. Wenn auch du von diesem Instrument fasziniert bist, haben wir hier ein paar Tipps für dich:

Check it: Tipps für das Alphorn-Spiel

  • Mit der Melancholie der Bergwelt
  • Respekt, aber keine Angst vor Dimensionen und Tonumfang
  • Von ersten Tönen bis zur Naturtonreihe
  • Notenkenntnisse nicht zwingend nötig
  • Wie und wo am besten lernen

Alphorn spielen – der Zauber der Bergwelt

Kaum ein Instrument assoziieren wir derart mit der Idylle der malerischen Berge wie das Alphorn. Automatisch haben wir das Bild der saftigen Bergwiesen und Almen und den darauf weidenden Kühen, Schafen und Ziegen vor Augen. Alles Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Berge, oder so ähnlich. Wenn du Alphorn spielen möchtest, hast du dich für ein Instrument mit großer volkstümlicher Tradition entscheiden. Schauen wir mal, worauf du dich einstellen musst und freuen darfst.

Alles Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Berge
Alles Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Berge Foto: Shutterstock von Bernsten

Mit vollem Respekt vor den Dimensionen

Wenn Du Alphorn spielen willst, ist eine ausgefeilte Blastechnik dein Fundament für die berührenden Töne. Schon auf den ersten Blick bekommt man Respekt vor diesem großen Blasinstrument. So viel Länge über die hinweg du eine Luftsäule in Schwingungen setzen sollst. Leicht vorstellbar, dass du dafür eine Menge Luft aufwenden müssen wirst.

Tatsächlich ist die Atmung neben dem Ansatz hauptverantwortlich dafür, dass du die Töne gleichmäßig und mit dem jeweils richtigen Anblasdruck auf dem Alphorn spielen kannst. Wenn wir Menschen auf die Welt kommen, atmen wir noch natürlich, nämlich über das Zwerchfell tief in den Bauch und die Lungen hinein. Im Laufe der Zeit verflacht sich die Atmung, so sie nicht bewusst geübt und trainiert wird. Beim Spielen auf dem Alphorn hat die korrekte Atmung deshalb hohe Bedeutung, zumal du andernfalls nicht lange durchhältst, Töne abbrechen und dir möglicherweise schwindelig wird. Also kräftig durchgeatmet, wir schauen genauer hin.

Der spezielle Zusammenhang von Länge und Tonumfang

Das Alphorn besitzt keinerlei Klappen oder Ventile wie etwa eine Trompete oder ein Saxofon. Das heißt, es handelt sich nicht um ein chromatisches oder diatonisches Instrument. Auf dem Alphorn spielen lassen sich die Naturtöne, wobei du je nach Ausführung und Stimmung zwischen 12 und 16 verschiedene Töne aus dem Instrument kitzeln kannst.

Erhältlich sind diese Instrumente in verschiedenen Längen, nämlich zwischen 2,45 m und 4,05 m. Und je länger es ist, umso mehr Töne kannst du auf dem Alphorn spielen. Dabei definiert sich der Grundton über die Länge. So beträgt die Standardlänge in der Schweiz 3,47 m, der Grundton entspricht dem f#.

Ganz schön lang das Teil
Ganz schön lang das Teil Foto: Shutterstock von JB26

Von Tonerzeugung, vibrierenden Lippen und dem großen Mundstück

Auch die Tonerzeugung ist im weitesten Sinne ähnlich der bei einer Trompete. Die Luft im Inneren wird über die Anblasluft und die vibrierenden Lippen in Schwingung versetzt. Nur hast du eben erstens keine Ventile und zweitens ist alles größer. Und die Töne sind deutlich tiefer. Mit dem Alphorn bist du gewissermaßen der Bassist der Berge. Wenn du Alphorn spielen möchtest, verwendest du – gerade aufgrund der tiefen Töne – sinnvollerweise ein möglichst großes Mundstück. Ideal sind Kesselmundstücke mit einem Durchmesser von 18 oder 19 mm.

Zu Beginn auf nur wenige Töne konzentrieren

Tatsächlich kann jeder musikalisch Begeisterte vergleichsweise zügig das Spielen auf dem Alphorn erlernen. Der Grund dafür ist, dass anfangs wenige Töne ausreichen, um ansprechende Klänge zu erzeugen. Hast du das Prinzip von Atem- und Anblastechnik sowie der vibrierenden und zugleich schwingenden Lippen verstanden, zauberst du die ersten Töne aus dem majestätisch anmutenden Instrument. Und wenn du Alphorn spielen möchtest, ist es zu Beginn keinesfalls notwendig, den gesamten Tonraum zu beherrschen.

Die gesamte Naturtonreihe entdecken

Sobald du dich behutsam mit dem Instrument angefreundet hast, wirst du weitere Töne auf dem Alphorn spielen wollen. Dafür musst du insbesondere deine Lippenspannung und Lippenvibration kontrollieren. Das Geheimnis liegt darin, dass der Ansatz zwar vorhanden sein muss, du die Lippen dabei allerdings nicht auf das Mundstück presst.

Das Horn ist letztlich lediglich der Verstärker deiner Anblasluft und deines Ansatzes. Man könnte beinahe behaupten, das eigentliche Instrument bist du. Hast du den Zusammenhang von Lippenspannung, kontrollierter Atmung und Tonbildung einmal verstanden und körperlich verinnerlicht, wirst du alsbald die gesamten Naturtöne spielen können.

Natur pur
Natur pur Foto: Pixabay von birgit0947

Mit schnellen Tonabfolgen wird es herausfordernder

Der zuweilen sentimentale Klang des Alphorns entsteht hauptsächlich durch die langanhaltenden Töne. Vergleichbar etwa mit dem Jagdhorn. Aber auch vom Jagdhorn kennt man die unterschiedlichsten Melodien, die teilweise recht schnelle Töne beinhalten. Nicht anders beim Alphorn. Und mit den schnellen Tonabfolgen steigen die Herausforderungen deutlich. Immerhin hast du gelernt, durch die jeweils spezielle Lippenspannung die ersten Töne zu erzeugen. Die wirst du bei jedem einzelnen Ton verändern, außerdem deine Atmung daraufhin angleichen müssen. Umso schwieriger wird es jetzt, die Tone sauber zu spielen.

Notenkenntnisse gut, aber nicht wirklich nötig

Wenn Du auf dem Alphorn spielen lernen möchtest, benötigst du dafür nicht zwangsläufig Noten. Sicherlich sind Notenkenntnisse immer vorteilhaft, bei diesem Instrument aber keine zwingende Voraussetzung. Immerhin stammt es grundsätzlich aus der Tradition der Hirten, die damit ihre Herden zusammenhielten und sie ruhig gestimmt haben sollen.

Mit leichtem Schmunzeln im Gesicht könnte man das Alphorn sogar als das analoge Smartphone der Hirten bezeichnen. Die Bergler tauschten sich mit speziellen Tonfolgen über die Alpen hinweg aus, etwa wenn sich Gefahr durch Unwetter ankündigte. Glaub mir, nicht jeder Hirte konnte und kann Noten lesen. Aber viele können Alphorn spielen.

Die Fehleinschätzung der Familienzugehörigkeit

Interessant ist es, dass das Alphorn zumindest von Laien automatisch zu den Holzblasinstrumenten gezählt wird. Immerhin besteht es aus Holz, üblicherweise auch das Mundstück. Ausschlaggebend für die Familienzusammengehörigkeit ist jedoch nicht das Material, aus dem ein Instrument besteht, stattdessen die Art der Tonerzeugung. Wie die Trompete oder die Tuba wird das Alphorn mit einem Kesselmundstück gespielt, wenngleich einem sehr großen. Tatsächlich gehört das Alphorn somit zur Familie der Blechblasinstrumente.

Wie und wo du am besten Alphorn-Spielen lernst

Verbleibt die Frage, auf welche Weise du am sinnvollsten Alphorn spielen lernst. Sicherlich gibt es Literatur und auch zu diesem Thema zahlreiche How-to-learn-Videos im Web. Falls du bereits ein anderes Blasinstrument wie Trompete oder Tuba beherrscht, kannst du damit schnell vorankommen. Falls nicht, ist es sinnvoller, dich von einem versierten Alphorn-Spieler unterrichten zu lassen.

Sicherlich wird der Unterricht nicht ewig dauern. Vielmehr geht es um das grundlegende Verständnis. Zumal man sich aber nichts so perfekt antrainiert wie Fehler, sind die anfängliche Einweisung und das Feedback durch den Musiklehrer nahezu unumgänglich.

Nicht, dass du plötzlich auf einer Bergwiese stehst und das Signal sendest, die Sonne scheine und alles wäre toll, obwohl der nächste Sturm im Anmarsch ist. Dann bekäme irgendwer in der Nähe vielleicht ein Problem, nur weil Du mit voller Inbrunst Alphorn spielen möchtest. Viel Spaß auf dem Didgeridoo der Berge!

Und hier noch ein paar Vorschläge für interessante Alphörner:

 

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