Komplexität als positive Herausforderung verstehen

Fagott lernen: Motivation durch schnelle erste Erfolge trotz hoher Anforderungen

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Du bist fasziniert von dem so außergewöhnlichen Klang des Fagotts und möchtest mit diesem Instrument die musikalische Welt betreten. Aufgrund seiner Dimensionen, des Gewichts und der Komplexität wird es dir bei deiner Reise einiges abverlangen, aber dich mit wunderbarem Klang für deine Mühen belohnen. Hier unsere Tipps für dich, wenn du Fagott lernen möchtest:

Check it: Fagott lernen für Einsteigende

  • Dimensionen und Gewicht nicht unterschätzen
  • Komplexe und umfangreiche Mechanik
  • Schnelle erste Töne, komplizierte Griffweise
  • Spezielle Spieltechniken für später aufheben
  • Beste Aussichten für Fagott-Spielende

Fagott lernen – Dimensionen und Gewicht des Fagotts nicht unterschätzen

Ein übliches – nicht speziell für Kinder konzipiertes – Fagott ist ca. 259 bis ca. 280 cm lang. Ohne einen speziellen Trick ein derart langes Instrument zu spielen, kannst du natürlich vergessen, so lang sind deine Arme und Finger nicht. Der Trick des Instrumentenbaus ist, dass dieses Rohr in zwei parallellaufende Rohre gebogen wird. Bezeichnet  wird dies als Bassröhre.

Zumal für das wohlklingende Instrument neben der Mechanik und Co. viel Holz verarbeitet werden muss, ist das Gewicht des Fagotts nicht zu unterschätzen. Je nach Ausführung bringt ein Fagott ein Gewicht von bis zu etwa 3,5 kg auf die Waage. Quintfagotte sind proportional kleiner und ca. 1 kg leichter. Kontrafagotte sind demgegenüber Monstren und klingen noch eine Oktave tiefer. Wenn du als Einsteiger Fagott lernen willst, sind diese riesigen Instrumente eher ungeeignet.

Für den Anfang eindeutig zu groß: Kontrafagott
Für den Anfang eindeutig zu groß: Kontrafagott Foto: Shutterstock von Afrumgartz

Komplexe Mechanik mit reichlich zu bedienenden Tonlöchern

Zumal das Fagott ein langes Instrument ist, lässt sich eine durchdachte Klappenkonstruktion nicht vermeiden. Das Fagott hat üblicherweise sechs Tonlöcher und 24 Klappen, wobei es hier allerdings unterschiedliche Ausführungen je nach Bauart gibt. Verändert wird damit die Länge der Luftsäule im Instrument. Das übliche Prinzip bei Blasinstrumenten: Die Länge der Luftsäule ist hauptverantwortlich für die Tonhöhe.

Perfektes Holz für den Fagott-Bau mit engen Jahresringen

Aber widmen wir uns zunächst dem Korpus. Der besteht aus einem leicht kegelförmigen Rohr, üblicherweise aus Ahorn, seltener aus Palisander. Als Material für den Korpus wird vorzugsweise Berg-Ahorn genutzt. Und dieses Holz hat mindestens einen entscheidenden Vorteil. Zunächst wächst es in höheren Lagen weitgehend ungehindert. Das heißt, es wird nicht durch Hindernisse von der Sonne abgehalten und wächst insofern gerade nach oben. Zugleich aber wächst es als Antwort auf die karge Nahrungsverhältnisse in den gebirgigen Regionen vergleichsweise langsam. Das Holz des Berg-Ahorns zeichnet sich demnach durch die engen Jahresringe und das gerade Wachstum aus.

Die wichtigsten Bestandteile von Fagott und Co.

Genau genommen besteht das Fagott aus sieben Teilen. Hauptsächliche Bestandteile sind allerdings der Stiefel mit Handstütze, der Flügel, die Bassstange und das Schallstück. Hinzu kommt dann der S-Bogen, auf den wiederum wird das Doppelrohblatt aufgesteckt. Wenn du Fagott lernen möchtest, ist das vorsichtige und nicht verkantende Zusammensetzen des Instrumentes ebenso ein Teil deiner Ausbildung wie die konsequente Pflege.

Die wichtigsten Bestandteile des Fagotts
Die wichtigsten Bestandteile des Fagotts Foto: Shutterstock von Simon Kletinitch

Besonderer Motivationsschub der ersten Töne

Ein unbedingt motivierender Vorteil, wenn du Fagott lernen willst, sind die anfangs recht schnellen Lernerfolge. Die ersten Töne kannst du einfacher aus diesem Instrument kitzeln als etwa bei einer Trompete oder Posaune. Zugegeben, bis die dann auch wirklich angenehm klingen kann es etwas länger dauern. Wenn du Fagott lernen möchtest, solltest du dir dessen bewusst sein, dass du viel Luft zum Spielen benötigst und sinnvollerweise auch entsprechend belastbar sein und über eine gute Kondition verfügen.

Vieles in diesem Zusammenhang lässt sich mit einer guten Portion Durchhaltevermögen vernünftig üben und trainieren. Besondere Bedeutung, vermutlich noch mehr als bei anderen Blasinstrumenten, hat die korrekte Atemtechnik. Mit dem Fagott lernen wirst du mit entsprechender Anleitung, statt flacher Brustatmung auf die Zwerchfell- und Bauchatmung zu setzen. Beim Fagott musst du mit deiner Atemluft vernünftig haushalten.

Komplexe Griffweise über die Mechanik

Schwieriger als bei diversen anderen Blas- und Holzblasinstrumenten hingegen ist die Griffweise. Die zahlreichen Klappen und Tonlöcher wollen und müssen mit entspannter Grifftechnik rundum bestens bedient werden. Aufgrund der Anzahl und des Tonumfangs ist das weitaus anspruchsvoller als beispielsweise bei der Blockflöte.

Die entsprechenden Griffe und Griffbilder wirst du dir erarbeiten und nach einiger Zeit jederzeit abrufen müssen, um keine Brüche oder Verzögerungen in den Melodie- und Begleitlinien entstehen zu lassen. Beim Fagott sind häufig einzelne Finger für gleich mehrere Töne bzw. Klappen zuständig. Und dann muss das Instrument auch noch irgendwie gehalten werden. Fleiß ist gefragt; aber das schaffst du.

Komplexe Mechanik mit ebenso komplexer Griffweise
Komplexe Mechanik mit ebenso komplexer Griffweise Foto: Shutterstock von Juanan Barros Moreno

Notenkenntnisse verschaffst du dir im Lauf der Zeit

Sicherlich sind Notenkenntnisse auf Dauer unabdingbar, wenn du Fagott lernen möchtest. Für den Anfang auf dem Instrument benötigst du die nicht, obschon sie dir den Einstieg erleichtern würden. Tatsächlich wirst du dir die Notenkenntnisse im Laufe der Zeit Stück für Stück draufschaffen. Das will sagen: Du musst nicht erst die Noten verstehen und dann erst Fagott lernen. Die beiden Spezialdisziplinen spielen sich gegenseitig in die Hände.

Mit speziellen Spieltechniken nicht am Anfang übertreiben

Wie bei anderen Blasinstrumenten auch, gibt es neben der normalen Tonerzeugung auch beim Fagott diverse spezielle Spieltechniken, mit denen du dein Repertoire erweitern kannst. So kannst du beispielsweise spezielle Obertöne erzeugen, mit der sogenannten Doppel-, Triple- oder Flatterzunge arbeiten, Multiphonics erzeugen und vieles mehr. Du wirst auf dem Fagott lernen, die Schleifklappen bei nichtgebundenen Spielen im mittleren Register und beim Sprung in die Mittellage des zweiten Registers einzusetzen und vieles mehr. Aber ehrlich: Die meisten dieser spieltechnischen Aspekte sind Zukunftsmusik. Der Grundsatz lautet immer: Nicht übertreiben und verkrampfen, umso schneller kommst du voran.

Unterricht nehmen für das Fagott-Lernen unbedingt empfohlen

Ausdrücken wollen wir damit, dass das Fagott einen endlosen Fundus an Spiel- und Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass du sinnvollerweise Unterricht auf dem Instrument nehmen solltest, um dir nicht mit autodidaktischem Fehlverständnis selbst im Wege zu stehen. Viele der Techniken bauen aufeinander auf. Und vor allem bauen sie auf den rundum stimmigen Basics auf. Das Instrument war kostspielig genug. Nun solltest du durch den Verzicht auf den Unterricht nicht am definitiv falschen Ende sparen. Plakativ ausgedrückt: Das Fagott ist kein Instrument für Autodidaktiker und  YouTube-How-To-Make-Sonstwas-Videos.

Fagott lernen – vom Einsteiger zum gesuchten Musiker

Interessant zu wissen und zugleich motivierend für ambitionierte Fagott-Einsteiger ist, dass das Fagott in Orchestern und Kammermusik-Ensembles ein sehr gefragtes Instrument ist, es aber zugleich vergleichsweise wenige Fagott-Spielende gibt. Das Instrument ist insofern nicht überlaufen wie beispielsweise die Violine. Wer Fagott lernen möchte, kann davon nur profitieren und wird schnell zum gern gesehen und gesuchten Musiker.

Widerspruch von Fagottisten-Mangel und überfüllten Konservatorien

Kurioserweise existiert hierzulande ein Mangel an Fagottisten im Laien- und Jugendorchesterbereich, dennoch sind die Musikhochschulen voll besetzt bis überlaufen. Was sich widersprüchlich anhört, erklärt sich durch die Tatsache, dass die Musikhochschulen und Konservatorien beim Fagott hauptsächlich von Studierenden aus Fernost frequentiert werden, etwa 80 Prozent der Fagott-Studierenden stammen aus dem kosmopolitischen Ausland.

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