Ausflug in die Welt der Effekte für die akustische Gitarre

Effektpedale für Akustikgitarre richtig eingesetzt

Foto: Shutterstock von Antonio Gravante

Weitaus seltener als E-Gitarristen nutzen Akustikgitarristen Effekte. Der natürliche Klang soll in den meisten Fällen erhalten bleiben und nicht verfälscht werden. Längst aber möchten auch die Puristen den Klang ihres Instrumentes garnieren, sich außerdem besser durchsetzen können. Unternehmen wir eine Reise in die Welt der Effekte für Akustikgitarre:

Check it: Effekte für Akustikgitarre

  • Der Sinn: Klangverfeinerung und höhere Durchsetzungskraft
  • Zwischen Raum- und Modulationseffekten
  • Kompressor, Cleanbooster & Co.
  • Einstellung des Effektanteils
  • Multieffekte für Akustik als zeitgemäße Lösung

Effektpedale für Akustikgitarre: Den Klang verfeinern

Im Gegensatz zu der elektrischen Gitarristen-Fraktion kommen Effekte bei der akustischen Gitarre seltener zum Einsatz. Puristen verzichten vollkommen darauf, andere wieder lieben es, dem Klang des Naturinstrumentes mit den geeigneten Effekten den letzten Schliff zu verleihen.

E-Gitarristen haben oftmals eine Armada von Effekten vor den Füßen liegen. Die Verfremdung des Sounds ist für sie die Selbstverständlichkeit schlechthin. Das reicht von den Distortion- und Verzerrer-Pedalen über Whammy, Wah-Wah, Delay und viele mehr. Nicht selten wird das „volle Brett“ erst durch die Pedale erzielt. Effektpedale für Akustikgitarre stehen – meistens – vor vollkommen Grundbedingungen.

Abgesehen von sehr experimentellen Musikern, ist es hier eher der Anspruch, zunächst den Grundklang der Gitarre weitestmöglich zu erhalten. Und diese Entfaltung der Frequenzen soll nun durch Effektpedale für Akustikgitarre garniert werden. Bei einem Rotwein würde man vermutlich davon sprechen, dass das Bouquet sich entfalten soll. Okay, wir wollen die Gitarre nicht trinken. Also zurück zum eigentlichen Thema.

Ohne Abnahme keine direkte Einbindung von Effekten

Um Effektpedale für Akustikgitarre nutzen zu können, benötigst du üblicherweise ein Preamp- bzw. Tonabnehmersystem am Instrument. Von einem externen Mikrofon in die Effekte zu gehen, funktioniert auch, ist allerdings ziemlich umständlich und wenig praktikabel. Außerdem können die Effekte dann ebenso gut am Pult hinzugemischt werden. Hauptsächlich reden wir demnach über Akustikgitarren mit Piezo-Pickups oder on Board Mikros.

Und genau an diesem Punkt verabschiedest du dich bereits zu einem großen Teil vom reinen Naturklang deiner Gitarre. Sobald der Ton nicht über ein externes Mikrofon abgenommen, sondern über das Preamp-System weitergeleitet wird, ist das Klangergebnis abweichend, oftmals deutlich.

Sobald der Ton durch den Preamp läuft, ist er verfälscht
Sobald der Ton durch den Preamp läuft, ist er verfälscht Foto: Shutterstock von Andrew Berezovsky

Ohne teures Zusatzequipment heißt das für dich jedenfalls, dass du dich nicht mehr an der reinen Akustik des Instrumentes orientieren kannst, um nun einfach ein paar Effektpedale für Akustikgitarre hinzuzufügen. Dein Referenzsound ist der Ausgangston an der Klinkenbuchse des Vorverstärkers. Und um genau den wirst du dich kümmern, bis er in deinen Ohren so angenehm wie möglich klingt. Stellt sich die Frage, durch welche Effektpedale für Akustikgitarre du deinen Klang sinnvoll aufwertest:

Raumeffekte wie Delay und Hall

Sinnvoll sind die Raumeffekte wie Delay und Hall, mit denen du deinem Instrument mehr Weite verleihst. Denke immer daran, nicht zu übertreiben. Am Beispiel des Delays erkennst du unschwer, was mit der Zurückhaltung gemeint ist: Wichtig ist dir, der Gitarre einerseits mehr Fülle zu geben, der Sound andererseits nicht dichtzukleistern und damit intransparent zu machen.

Dafür stellst du ein Delay mit sehr wenigen Wiederholungen ein, wobei zwei oder drei Repeats vollkommen ausreichend sind. Die Verzögerung sollte nicht mehr als 15 bis 20 ms Sekunden betragen. Und dann soll das Effektsignal dir nicht ungefragt und unverschämt wie ein Bumerang um die Ohren fliegen. Das will sagen: Es muss deutlich leiser und dezenter als das Original tönen.

Mit demselben Prinzip kannst du dich den weiteren Effektpedalen für Akustikgitarre widmen. Stell dir vor, du überschüttest den musikalischen Eintopf nicht mit Gewürzen, du würzt ist nur dezent und geschmacksanregend. Also wenig Hall, wenig Chorus und was sich da sonst noch zwischen deiner Gitarre und dem Verstärker oder Mischpult breitmachen will.

Ein gutes Beispiel für ein Delay-Pedal für Akustikgitarre stammt von der renommierten Marke L.R. Baggs. Das Align Delay ist seit Frühjahr 2019 auf dem Markt. Ausgestattet ist es u.a. mit Division- und Tap-Taster, Reglern für Delay, Repeats, Time und Tone. Hier geht’s zur Produktseite auf thomann.de.

Qualitäts-Delay von L.R. Baggs
Qualitäts-Delay von L.R. Baggs Foto: von Thomann

Modulationseffekte von Chorus bis Roto-Speaker

Während die Raumeffekte dem Klang mehr Breite und Weite verleihen, sorgen Modulationseffekte dafür, dass der Klang verfälscht wird. Ja, es wird sphärisch. Manche Gitarristen experimentieren gerne mit beispielsweise Phaser, Flanger, Roto-Speaker und mehr. Spätestens im Bandzusammenhang geraten sie an die Grenzen von Akustik, Frequenzspektrum und Physik.

Fakt ist, dass viele zu intensiv eingestellte Modulationseffekte im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten schnell einen undefinierbaren Matsch erzeugen. Passender ist ein weiterer Vertreter aus der Modulationsabteilung: der Chorus. Vorsichtig hinzugemischt gibt er dem Sound durch das Spiel mit den Obertönen eine gute Portion Glanz.

Kompressor für mehr Druck, aber bitte vorsichtig

Die leidige Eigenschaft von rein akustischen Gitarren ist es, dass sie sich im Bandzusammenhang in Sachen Lautstärke nur schwer durchsetzen können. Der Output ist zu niedrig, wodurch nur die Möglichkeit bleibt, das Instrument zu verstärken. Leider haben akustische Gitarren eine weitere störrische Eigenschaft: Aufgrund des zunächst schwachen Ausgangssignals können bei der Verstärkung leicht Rückkopplungen entstehen.

Eine gute Hilfe kann ein Kompressor sein. Mit einem solchen Effektpedal für Akustikgitarren gibst du deinem Instrument mehr Kraft, außerdem einen gewissermaßen runderen Ton. Problematik dabei ist, dass du mit wirklich filigranen Einstellungen arbeiten musst, um das gewünschte Ergebnis hinzubekommen.

Das ist auch der Grund, weshalb Kompressoren für E-Gitarren deinen Zwecken nicht entsprechen. In den meisten Fällen haben sie nicht die für eine Akustik notwendigen Einstellmöglichkeiten. Außerdem langen solche Geräte einfach zu stark zu. Und ein Kompressor, dessen Pumpen im Hintergrund permanent zu hören ist, kann für eine elektrische Gitarre gewünscht sein. Bei einer akustischen Gitarre klingt das unnatürlich; das willst du nicht.

Cleanbooster – praktisch und wenig verfälschend

Eine immer gute Lösung für den Wechsel zwischen Songbegleitung und Passagen, bei denen du deutlicher in den Vordergrund treten willst, ist ein Cleanbooster. Bei diesen speziellen Vertretern geht es darum, den bereits stimmigen Sound in der Signalkette geringstmöglich zu verfälschen. Vielmehr sorgt ein Cleanbooster dass der Gain angehoben wird, ohne den Frequenzgang zu verbiegen. Eines der Geräte, die den Sound des Instrumentes nicht per se vermurksen.

Der wiederhergestellte Originalsound per Preamp

Inzwischen befinden sich spezielle Acoustic Preamps am Markt, Bodeneffekte für Akustikgitarre, die den fehlenden Korpus-Klang auf einem Instrument wiederherstellen, falls beispielsweise ein Piezo-Pickup verwendet wird. Ein gutes Beispiel dafür ist der ToneTexter Acoustic Preamp von Audio Sprockets, zu sehen auf dieser Produktseite auf thomann.de.

Die Antwort auf die Verfremdung durch Piezo-Pickups
Die Antwort auf die Verfremdung durch Piezo-Pickups Foto: von Thomann

Vernünftige Einstellung des Effektanteils

Gerade für akustische Instrumente gilt der Grundsatz „Weniger ist mehr“. Und das bezieht sich nicht lediglich auf die Anzahl der Effekte, sondern auch um den Effektanteil, der dem Originalsignal zugemischt wird. Unbestritten ist: Je höher der Effektanteil, umso schlechter ist das für die Transparenz des Grundklangs. Außerdem: Nutzt du beispielsweise einen Chorus und stellst die Verschiebungen zu stark ein, wird deine 6-saitige Akustik nicht wie eine 12-Saitige, stattdessen schlichtweg schräg klingen.

In der Zurückhaltung liegt die Kunst. Es geht nicht darum, aus der Akustikgitarre eine Trompete zu machen. Vielmehr sollte es dein Ziel sein, dem Klang Nuancen hinzuzufügen. Vorteilhaft sind die Effektpedale für Akustikgitarre, die keine radikalen Veränderungen verursachen.

Multieffekte als sinnvolle Effektpedale für Akustikgitarre

Multieffekte haben in der Vergangenheit eher die elektrische Musikwelt bestimmt. Längst gibt es diese praktischen und kompakten Geräte auch speziell auf die Anforderungen von Akustikgitarristen abgestimmt. Der Vorteil: Sämtliche geforderten Möglichkeiten sind in einem Gerät vereint. Häufig ist viel mehr mit an Bord, als du überhaupt brauchst und der leidige Kabelsalat auf dem Pedalboard entfällt.

Sehr beliebt ist der ToneWoodAmp, ein Multieffekt für Akustikgitarre, bei dem man nicht mal zwingend einen Verstärker benötigt, zumal der Effekt durch das Schallloch der Gitarre gehört wird. Am Instrument gehalten wird das Gerät mit Magneten. An Bord sind insgesamt 8 Effekte wie Delay, Tremolo, Auto-Wah. Praktisches Teil. Du findest es auf dieser Produktseite auf thomann.de.

Praktische Lösung, die Effekte auch ohne Verstärker ermöglicht
Praktische Lösung, die Effekte auch ohne Verstärker ermöglicht Foto: von Thomann

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Selbstverständlich kannst du Effekte auch mit geringeren Hilfsmitteln oder direkt mit den Händen erzeugen. Falls du mehr darüber wissen möchtest, schau doch mal auf den Artikel „Slide-Gitarre spielen für Anfänger und Runaways“.

Ein Kommentar zu “Effektpedale für Akustikgitarre richtig eingesetzt”
  1. Hans Jerhoff

    Ich benutze das „Valeton Dapper Acoustic Mini 4“ Board und das ist völlig ausreichend. Den Kompressor hätte es nicht gebraucht.

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