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Musik aufnehmen: Erste Schritte

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CC0 Public Domain

Musik aufnehmen leichtgemacht: Vielleicht hast du und deine Band im Laufe der Vorbereitungsphase für die Studio-Demo-Aufnahmen schon einmal kurz davon geträumt, dass es doch prima wäre, viel mehr Zeit für die Aufnahmen zu haben.

Das hört sich nicht nur traumhaft an, sondern lässt sich wahrscheinlich bei gleichem oder sogar geringerem finanziellen Aufwand bewerkstelligen: Macht die Aufnahmen doch selber bei euch im Proberaum! Dazu braucht ihr nämlich gar nicht so wahnsinnig viel Equipment, und vieles von dem, was nötig ist, besitzt ihr vielleicht schon. Lasst uns mal gemeinsam überlegen, was alles dafür oder dagegen spricht.

Pro
Ihr habt in eurem Proberaum natürlich viel mehr Zeit als in einem gemieteten Studio. Das bedeutet, ihr könnt die Sache gemütlich angehen, und nicht jeder Fehler schmälert sofort das Budget. Gebt euch aber nicht der Gewissheit hin, dass ihr nun unendlich viel Zeit habt, denn das kann auch zu Problemen führen, an die man nicht gleich denkt. So werden die Aufnahmen auch nicht unbedingt besser, wenn ihr euch nicht mehr an all die Dinge haltet, die ich euch in den vergangenen Workshops aufgezählt habe – denn eine gute Vorbereitung ist die beste Voraussetzung für ein Gelingen von Demos, mit denen hinterher auch alle zufrieden sein können. Fehler wird man auch hier hören, und die lassen sich im Vorfeld nur durch Üben und etwas Disziplin minimieren. Setzt euch einem gewissen Zeitdruck aus und legt einen Termin fest, zu dem alles fertig sein soll, denn sonst hört der Spaß an der Sache irgendwann auf und die gesamte Prozedur fängt an zu nerven.

Von etlichen Bands ist bekannt, dass sie sich im Laufe einer sehr großzügig angesetzten (im Bezug auf Zeit und Geld) Produktion schließlich nur noch gestritten haben. Das gute Gefühl, sehr viel Zeit zu haben, wich schließlich dem Frust, dass man auch hier nur voran kommt, wenn wirklich alle bereit sind zu arbeiten. Trotzdem ist es ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass mögliche Verzögerungen und Fehler nicht gleich ein Riesenloch in die Band- oder gar die private Urlaubskasse reißen.

Einiges an Equipment werdet ihr sicher haben: Mikros, ein Mischpult und einen relativ schalldichten Proberaum, der sowohl laute Musik von der Außenwelt isoliert, als auch die vorbeifahrende Straßenbahn akustisch draußen lässt. Fein raus seid ihr, wenn einer von euch eine Multitrack-Audio-Workstation vom Schlage einer Yamaha AW2816, AW4416, AW16G oder einer der zahlreichen Roland-VS-Varianten besitzt – nicht wenige Gitarristen und Bassisten haben sich ja so ein Teil zugelegt. Mit solch einer Maschine lässt sich professionell aufnehmen, aber auch mit einem kleineren Multitracker ist einiges möglich – man muss hier nur genauer planen. Der Vorteil der „Großen“ ist, dass sie nahezu alle Features an Bord haben, die man für eine Aufnahme braucht: ein Mischpult, Effekte, Kopfhörerausgänge, man kann auf viele Kanäle gleichzeitig aufnehmen und auch gleich die Mischung machen bzw. auf CD brennen. Vielleicht möchtet ihr aber auch lieber im Computer aufnehmen. Das scheint zunächst die finanziell günstigere Variante zu sein.

Um jedoch eine ganze Band aufzunehmen, muss auch die entsprechende Peripherie vorhanden sein: eine Sound-Karte, die mindestens acht Kanäle gleichzeitig zum Rechner bzw. Sequenzerprogramm (wie Logic, Cubase, Samplitude oder Sonar) schicken kann, ein Mischpult, das entsprechend viele Ausspielwege bzw. RoutingMöglichkeiten bietet sowie Outboard-Effekte wie etwa Mehrkanal-Kompressoren. Das kann ganz schön ins Geld gehen, denn die Geräte, die all diesen Anforderungen standhalten, sind nicht gerade billig, und Rechner plus Peripherie können letztlich genauso viel kosten wie eine der o. g. Workstations. Für einen Computer spricht die sehr einfache Nachbearbeitung einer Aufnahme, dagegen eventuell nötige Friemelei bezüglich Treiber und Installation. Eine komplette Audio-Workstation kann hingegen mit (meist) solider Hardware, einfacher Bedienung und einem „Rundum-Sorglos-Faktor“ aufwarten, hat aber leichte Nachteile bei der Nachbearbeitung, die hier (meist) nicht an einem großen Bildschirm erledigt werden kann. Die Entscheidung für eines der beiden Konzepte ist nicht zuletzt auch Geschmackssache und bleibt also euch überlassen. In beiden Fällen sprechen wir hier übrigens von Harddisk-Recording, da die Signale digital gewandelt und auf einer Festplatte aufgezeichnet werden. Besonders gut steht ihr da, wenn einer von euch sich mit einem der o. g. Konzepte auskennt und die Geräte auch bedienen kann – vielleicht habt ihr sogar einen eigenen TonMenschen für den Live-Sound, der euch jetzt bei der Aufnahme zur Seite stehen kann.

Contra
Euer Proberaum mag nicht die beste Akustik haben, dem lässt sich aber abhelfen. Zu trockene Räume, die bestimmte Frequenzbereiche stark betonen oder unter drücken gibt es selten; dieses Manko ließe sich aber mit gezielten Eingriffen am Equalizer gegensteuern. Außerdem ist es für eine Aufnahme meist sehr vorteilhaft, wenn wenig Raumakustik aufgenommen wird, denn diese lässt sich später mit einem kurzen Hall (Room-, Early-Reflections- Oder ChamberProgramme) leicht hinzufügen – einen unerwünschten Raum wieder aus der Aufnahme zu entfernen, ist dagegen nahezu unmöglich. Problematischer ist da schon eher ein zu halliger oder dröhnender Raum. Dessen unangenehme Klangeigenschaften kann man einerseits durch sogenanntes „CloseMiking“ minimieren, wenn man die Mikros dicht vor die Instrumente stellt, andererseits lassen sich beispielsweise die Drums oder Sänger durch Spanplatten oder große Tücher in einen akustisch kleineren Raum „stellen“, der weitaus unproblematischer ist.

Vielleicht wollt ihr es aber auf der Aufnahme auch richtig krachen lassen – ich empfehle dann das o. g. Close-Miking in Verbindung mit zwei Raum-Mikros, die auf separate Spuren aufgenommen und nach Belieben zugemischt werden. Ihr besitzt vielleicht keine Boxen, auf denen ihr abhören könnt. Die müssen aber nicht gleich gekauft werden, denn zur Not tun es zunächst auch mal normale Stereo-Lautsprecher. Ihr dürft sie nur niemals zu stark aufdrehen, denn unvermindert auftauchenden, lauten Pegeln (Peaks) sind sie wahrscheinlich nicht gewachsen, und da kann sich schon mal der eine oder andere Speaker für immer verabschieden. Wichtig ist nur, dass sich einer von euch mit dem Klang der Boxen auskennt und beurteilen kann, ob die selbst aufgenommenen Signale auch richtig klingen. Letztendlich ist nicht entscheidend, wie teuer die Boxen waren, sondern ob man mit ihnen zurecht kommt – und das kann sogar ein Ghettoblaster sein! Eine günstige Alternative beim Aufnehmen ist ein guter Kopfhörer, mit dem ihr immer mal wieder zur Kontrolle reinhören könnt.

Doch Vorsicht: Die meisten Kopfhörer beschönigen den Sound und kein mir bekanntes Modell ist in der Lage, den Klangeindruck „vorne“ zu übertragen; deshalb solltet ihr so oft wie möglich auf Boxen hören und einen Kopfhörer nur zur alternativen Kontrolle benutzen. Wollt ihr euch mal so richtig „das Brett“ geben, spricht nichts dagegen, das Ganze über eure P.A. oder Gesangsanlage laufen zu lassen – deren Sound kennt ihr alle, und wenn es da gut klingt, habt ihr sicher nichts falsch gemacht. Ihr müsst auch keine Bedenken haben, dass eure Mikrofone nicht den Anforderungen genügen. Sicher machen teure Studiomikros einen sehr guten Sound, aber der junge Elvis wäre sicher nicht traurig gewesen, wenn er damals schon über ein Mikro hätte singen können, das ihr heute für 100 Euro bei euren bevorzugten Musikalienhändler käuflich erwerben könnt. Schaut mal in entsprechende Testberichte rein, in dieser Preisklasse wird mittlerweile einiges geboten. Andererseits kenne ich Leute, die wieder dazu übergegangen sind, ein Shure SM-58 für die Vocals zu nehmen, weil ihnen der Gesang über ein teures Studiomikro zu „künstlich“ war.

Probiert also erst mal eure Sachen aus, bevor ihr euch in Unkosten stürzt, denn was live gut funktioniert, kann für Aufnahmen nicht gänzlich ungeeignet sein. Die größte Sorge bereitet euch aber wahrscheinlich die Angst, zu wenig Know-How für solch ein Projekt zu haben. Kann ich verstehen, aber denkt doch mal so: Ihr könnt auch ins Studio gehen, aber eine Garantie dafür, dass ihr hinterher genau das bekommt, was ihr euch erwartet habt, gibt’s auch hier nicht. Wenn es gut gegangen ist: meinen Glückwunsch! Aber wenn es nicht geklappt hat, habt ihr eine Menge Kohle durch den Schornstein geblasen, und könnt nochmal von vorne anfangen. Im eurem Proberaum kann es auch schiefgehen, aber was soll’s: Dann macht ihr es eben nochmal! Kost’ ja (fast) nix und macht nebenbei auch noch Spaß! Vor allem gibt’s dabei einen Lernprozess gratis – und irgendwann habt ihr es drauf. In den nächsten Folgen möchte ich dir und deiner Band Schritt für Schritt zeigen, wie ihr am besten an diese Aufgabe herangeht und Tipps & Tricks zum Umgang mit den Geräten geben. Eure Songs könnt ihr ja mittlerweile studiogerecht vorwärts und rückwärts im Schlaf spielen, also kann bei den Aufnahmen nicht mehr viel danebengehen, wenn ihr entspannt an die Sache herangeht.

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