Kleine Teile, große Wirkung

Weshalb besitzt die Trompete Ventile: Erklärungsversuch für Einsteiger

Foto: Shutterstock von Nadezda Murmakova

Naturtöne lassen sich auf Blechblasinstrumenten mit Lippenspannung, Atemluft und Ansatz ohne weitere Hilfsmittel spielen. Die sind allerdings begrenzt, eigentlich sind es nur acht verschiedene. Du willst aber mehr und das gesamte Tonspektrum von diatonischen und chromatischen Tönen ausnutzen. Genau dafür benötigt deine Trompete Ventile:

Check it: Trompete Ventile

  • Spezielle Anforderungen an die Luftsäule
  • Sinn der Trompeten-Ventile
  • Unterschiedliche Konstruktionsweisen
  • Problematik der präzisen Intonation
  • Trigger als Intonationshilfe

Wozu bei der Trompete Ventile benötigt werden

Ohne Luft gäbe es bei der Trompete keinen Ton. Es ist deine Atemluft bzw. Anblasluft. Und damit erzeugst du beim Spielen eine möglichst kontrollierte Luftsäule. Die kannst du nun unbeeinflusst durch das Instrument schicken und die Tonhöhe mit Ansatz bzw. Lippenspannung beeinflussen.

Spielen kannst du auf diese Weise die Naturtöne. Sämtliche Töne der Obertonreihe sind grundsätzlich auf diese Weise spielbar. Allerdings ist das nicht gerade einfach und ist bereits ein Thema für die Fortgeschrittenen Blechbläser. In der Obertonreihe sind zahlreiche Töne vorhanden und dennoch nicht alle.

Naturtöne lassen sich ohne Ventile spielen
Naturtöne lassen sich ohne Ventile spielen Foto: Shutterstock von Dmytro Zinkevych

Trompeten-Ventile für diatonische und chromatische Töne

Und exakt an diesem Punkt bekommen bei der Trompete Ventile ihren Sinn. Um alle Töne diatonisch oder sogar chromatisch spielen zu können, muss die Luftsäule in der Trompete zusätzlich verändert werden. Faktisch geschieht das mit einem mechanischen Trick. Dafür besitzt die Trompete Ventile.

Dein Instrument besitzt drei Ventile. Drückst du die nieder, veränderst du dadurch die Grundstimmung. Also nicht deine Stimmung, sondern die der Trompete. Der gespielte Naturton wird durch diesen Mechanismus erniedrigt.

Umleitung für die Luft: Hier kommst du nicht durch

Und zwar nicht der gezählten Reihe nach. Stattdessen wird der Ton mit dem zweiten Ventil um einen Halbton, mit dem ersten um zwei und mit dem dritten Ventil um drei Halbtonschritte erniedrigt. Doch wie funktioniert das? Wird da etwa mit dem Ventil ein Loch in die Luftsäule gestanzt? Nein, der Trick ist ein anderer.

Tatsächlich wird die Luft bei niedergedrücktem Ventil umgeleitet. Die Länge der Luftsäule wird verändert; genutzt wird dadurch dieses Prinzip: Je kürzer die Luftsäule, umso höher sind die spielbaren Töne. Je länger die Luftsäule, desto tiefer die erzeugbaren Töne.

Durch Niederdrücken der Ventile die Luftsäule verändern
Durch Niederdrücken der Ventile die Luftsäule verändern Foto: Shutterstock von Dmytro Zinkevych

Bei der Trompete Ventile unterschiedlich konstruiert

Dabei gibt es unterschiedlich konstruierte Ventile. Abgesehen von speziellen Exoten sind die gebräuchlichsten einerseits Drehventile, andererseits Pumpventile, die auch als Perinet-Ventile bezeichnet werden. Interessant in diesem Zusammenhang, dass bei der Trompete Ventile zwar unterschiedlich konstruiert sind, dennoch alle das Prinzip der Beeinflussung der Luftsäule nutzen.

Pumpventile / Perinet-Ventile

Wer hat’s erfunden? Es war François Périnet, ein französischer Instrumentenbauer. Deshalb tragen Pumpventile auch den Namen Perinet-Ventile. Dass bei der Trompete Ventile dieser Art heutzutage die meistverwendeten sind, hat mit mindestens drei Faktoren zu tun: der Bespielbarkeit, dem gegenwärtigen Musikgeschmack und der besonderen Wartungsfreundlichkeit.

Pumpventile besitzen im Inneren ein zylindrischen Ventilkörper. Kann man sich ähnlich vorstellen, wie die Kolben bei einem Motor. Darin integriert sind zwei Luftkanäle. Wird nun die Kappe betätigt, wird der Luftstrom über eine Schleife umgeleitet. „Aufgrund der aktuellen Verkehrslage wurde die Route neu berechnet.“

Der Zylinder wird nach unten gedrückt – gepumpt – und die Luft wird durch die sogenannte Ventilrohrschleife geschickt, also ebenfalls gepumpt. Wichtig ist natürlich, dass der Zylinder nach dem gespielten Ton rasant wieder in seine Ausgangsposition zurückkehrt. Das geschieht über eine Feder. Nein, natürlich keine Vogelfeder, sondern eine Metallfeder mit entsprechendem Gegendruck.

Drehventile / Zylinderventile

Das Drehventil trägt seinen Namen keinesfalls deshalb, weil du es beim Niederdrücken drehen müsstest. Das wäre spieltechnisch ebenso sinnlos wie unmöglich. Doch der Name ist nur von außen betrachtet leicht verwirrend. Die eigentlich mechanische Drehbewegung findet im Inneren statt.

Was du durch Druck auf den Ventilkopf bewegst – für dich unsichtbar drehst – ist der sogenannte Ventilkörper. Darin befindet sich zwei Kanäle. Wird das Ventil nun betätigt, rotiert der Ventilkörper. Und zwar um 90°. Somit kann die Luftsäule die Kanäle durchlaufen; der Ton wird verändert.

Dabei gibt es auch bei Drehventilen wiederum in den Details verschiedene Bauformen. Meistens bezieht sich das auf die Frage, auf welche Weise der Federhebel mit dem Ventilkörper verbunden ist. Das kann beispielsweise mit mechanischen Gelenken oder einen Schnurmechanismus konzipiert sein.

Achtung: Intonationsprobleme

Drückst du ein Ventil, stimmt die Intonation. Falls nicht, liegt das – sorry – meistens an dir selbst. Drückst du hingegen zwei oder alle drei Ventile gleichzeitig, ist die Intonation nicht mehr präzise. Daran bist du definitiv unschuldig; es liegt in der Natur der Sache. Selbst mit dem Gegensteuerung durch veränderte Lippenspannung werden die Resultate kaum vernünftig sein.

Der Grund dafür ist ein physikalischer. Rein rechnerisch orientiert sich die Länge der korrekten Luftsäule an der Länge des Trompetenrohres im Zusammenhang mit einem Ventil, egal welchem. Werden nun zeitgleich zwei oder drei Ventile genutzt, ist die gefordert korrekte Länge der Luftsäule nicht mehr möglich.

Hilfe naht mit dem Trigger als Intonationshilfe

Ausgestattet sind die meisten Trompeten als Intonationshilfe mit einem Trigger. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um einen U-förmigen Sattel, einen mechanischen Hebel oder einen Ring. Keine Angst du musst deine Trompete nicht heiraten. Der Ring ist mit dem Stimmzug verbunden und verfügt im Normalfall über eine Rückholfeder.

Üblicherweise wirst du den Trigger mit dem kleinen Finger bedienen. Wie mit dem Ventil selbst beeinflusst du damit die Länge der Luftsäule. Allerdings in diesem Fall lediglich um Nuancen. Und diese Nuancen sind eben dafür verantwortlich, die präzise Tonhöhe zu erzielen.

Der Trigger als Intonationshelfer
Der Trigger als Intonationshelfer Foto: Shutterstock von Horatiu Bota

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Interessierst du dich für weitere Informationen zum Thema „Trompete Ventile“, schau doch mal auf unseren Artikel über Unterschiede und individuelle Vorzüge der Pump- und Drehventile.

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