Der Tuning-Kompromiss von Instrument und Ansatz

Trompete stimmen: Wie Du es richtig machst

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Auch als Blechbläser kommst du um das Stimmen deines Instrumentes nicht herum. Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern stehst du vor ganz speziellen Herausforderungen. Die Grundstimmung ist nur eine Kehrseite der Medaille; hinzu kommt der Einfluss von Ansatz und Spieltechnik, außerdem das Feintuning. Hier unsere Tipps wie du vernünftig deine Trompete stimmen kannst:

Check it – Trompete stimmen mit Sinn und Verstand

  • Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Komponenten
  • Der riskante Einfluss von Gehör und Vorstellungskraft
  • Mögliches Feintuning am Gap
  • Stimmen per Stimmgerät

Trompete stimmen: Das Zusammenspiel von Instrument, Ansatz und Gehör

Das Stimmen einer Trompete ist wie bei allen Blechbläsern immer das Zusammenspiel des Instrumentes mit den eigenen Intonationsfähigkeiten. Bekanntlich kannst du die Töne in einem gewissen Umfang über den Ansatz korrigieren. Das Tückische: Das wirst du auch machen, wenn es nicht angesagt ist. Diese Korrektur funktioniert nämlich nicht nur im positiven Sinne. Willst du die Trompete stimmen, spielt demnach gerade dein Gehör eine entscheidende Rolle.

Basic-Stimmung per Hauptstimmzug

Vom Mundstück aus betrachtet ist der Hauptstimmzug die erste Windung des Trompetenrohrs. Dadurch, wie weit herausgezogen oder eingesteckt dieser Zug ist, wird das Instrument – grob – tiefer oder höher gestimmt. Die zur Verfügung stehende Strecke für die Luftsäule wird verlängert oder verkürzt.  Aus Laiensicht sollte es also genügen, mit dem Stimmzug den ohne Ventile gespielten Grundton zu stimmen.

Bei Einsteigern kursiert die Meinung, damit müssten anschließend auch die restlichen – per Ventil gespielten – Töne korrekt stimmen. Nun ja, es bleibt bei der Meinung. In der Praxis stellt sich das häufig vollkommen anderes dar. Denn bei der Trompete sind zahlreiche Komponenten für die korrekte Stimmung verantwortlich.

Das Basis-Tuning erfolgt mit dem Stimmbogen
Das Basis-Tuning erfolgt mit dem Stimmbogen Foto: Shutterstock von Evannovostro

Bauartbedingte Ernüchterung: Trompete stimmen ist immer ein Kompromiss

Die ernüchternde Wahrheit lautet: Eine Trompete kann bauartbedingt nicht über das gesamte Tonspektrum korrekt stimmen. Die Trompete ist als Naturinstrument mit einem System gleichförmiger Halbtonschritte konzipiert. Es gibt ein „wohltemperiertes Klavier“, eine wohltemperierte Trompete gibt es allerdings nicht.

Verantwortlich dafür, dass das Instrument für sich allein keine Chance hat, rundum in bester Stimmung abzuliefern, sind insbesondere die Obertöne, die bei jedem Hauptton mitschwingen. Rein physikalisch betrachtet, können die Obertöne bei der Bauform der Trompete nicht über sämtliche Register stimmig miteinander harmonieren, jedenfalls nicht über alle Tonarten hinweg.

Deine Trompete benötigt aktive Hilfe

Dein Instrument benötigt Unterstützung. Diese Unterstützung bist Du. Genauer ausgedrückt: Dein Ansatz, die Anblas-, Spiel- und sogar Atemtechnik. Und schon dürfen wir uns mit dem Begriff der Intonation auseinandersetzen. Längst ist dir bewusst geworden, dass du mit einem grob getroffenen Ton immer noch deutlich daneben liegen kannst. Willst du die Trompete stimmen, hat das so seine Tücken.

Ist das Instrument zunächst vernünftig gestimmt worden, können dafür nur andere Ursachen verantwortlich sein. Und schon wieder bist du schuldig: Die Hauptursache bist du. Um den treffsicheren Ton zu intonieren, müssen dein Gehör und Gehirn geschult und trainiert sein. Gerade, wenn’s um das Spielen von Intervallen (Tonabständen) und Melodielinien geht.

Du selbst bist wichtiger Teil beim Trompete-Stimmen
Du selbst bist wichtiger Teil beim Trompete-Stimmen Foto: Shutterstock von kazuya goto

Tonale Vorstellungskraft und Gehörschulung

Tatsache bleibt: Bevor du einen Ton spielst, musst du in deinem Inneren bereits eine exakte Vorstellung haben, wie er sich anhört. Die Trompete wiederum ist gewissermaßen dein Medium, dein Werkzeug, dein Ausdrucksmittel. Es macht keinen Sinn, einfach drauflos zu hupen, ohne bereits an der Startlinie zu wissen, was erklingen soll.

Das Einstimmen in sinfonischen Orchestern läuft üblicherweise nach diesem Strickmuster ab: DIe Oboe gibt den Referenzton – den Kammerton a‘ – vor. Alle anderen Instrumente vergleichen nun ihren Ton und justieren solange, bis keine sogenannten Schwebungen mehr vorhanden sind.

Begriffserklärung: Unter Schwebung versteht man die Differenz zweier Töne, die nicht in derselben Frequenzhöhe schwingen. Klingt ein Ton in 440 Hz, der andere mit 440,5 Hz, beträgt diese Differenz 0,5 Hz. Und dieser Unterschied ist deutlich – sogar als dritter Ton – zu hören. Optimal ist das Stimmergebnis, wenn möglichst keine Schwebung mehr vorhanden ist.

Üblich ist es übrigens, bei klassischen Orchestern und weiteren Bläser-Formationen, die Instrumente insgesamt auf 442 oder 443 Hz zu stimmen. Gründe dafür gibt es neben der geschichtlichen Entwicklung mehrere. Zunächst klingen höher gestimmte Instrumente und Arrangement dynamischer, zumal sich auch das Obertonspektrum verschiebt. Tiefe Stimmungen hingegen wirken wärmer und emotionaler. Zum Einstimmen der Trompeten im Orchester wird als Referenzton das c2 (also das Bb2) empfohlen.

Grundstimmung und Feintuning

Willst du die Trompete stimmen, widmest du dich keinesfalls wie bei anderen Instrumenten unterschiedlichen Tönen nacheinander. Man spricht davon, dass der „Grundton ausgeglichen“ wird. Die anderen Töne folgen – soweit möglich – dem Basis-Tuning.  Allerdings gibt es diverse Möglichkeiten, Stimmung und Intonation bis zu einem verbleibenden „Restrisiko“ zu optimieren.

Gap – die Lücke zwischen Mundrohr und Mundstück

Um die Trompete stimmen zu können, müssen die Dimensionen und Proportionen sämtlicher Komponenten in ihrer Gesamtheit zueinander passen. Oftmals entscheidet sich das an Nuancen. Eine der neuralgischen Stellen ist die sogenannte „Gap“, womit der Abstand zwischen Mundrohreingang und Mundstückausgang bezeichnet wird.

Diese gesteckte Verbindung ist zunächst vom Instrumentenbauer und vom verwendeten Mundstück vorgegeben. Die Aufnahme am Mundrohr hat einen fixen Durchmesser, der Schaft des Mundstücks ebenfalls. Stellst du fest, dass das Instrument auch bei sportlich idealem Ansatz in sich nicht stimmt, kann das Feintuning am Gap beachtliche Verbesserungen bringen. Dafür gibt es ein paar Tricks.

Der neuralgische Punkt fürs Feintuning ist die Gap
Der neuralgische Punkt fürs Feintuning ist die Gap Foto: pixabay von jharnum

Mechanische Veränderungen auf keinen Fall in Eigenregie durchführen

Von mechanischen Veränderungen wie dem Abschleifen des Mundstückschaftes oder dem Kürzen des Mundrohres lässt du bitte auf alle Fälle die Finger; probiere das gar nicht erst aus. Entstehende Schäden sind meistens irreparabel. Das ist eine Aufgabe für spezialisierte Instrumentenbauer und Werkstätten. Also: Finger weg von radikalen Maßnahmen und Selfmade-Modifikationen.

Weitaus bessere DIY-Lösung: Dünne Klebestreifen

Durchaus herumprobieren kannst du aber mit möglichst dünnen Plastikstreifen. Dafür benutzt du simples Klebeband, beispielsweise glatten und transparenten Tesafilm. Die Streifen kannst du gerne noch mal in der Mitte kappen, sodass sie schmaler sind. Nun klebst du einen der Streifen längs auf den Schaft des Mundstücks, setzt das Mundstück auf und checkst, inwieweit die Tonhöhe sich verändert hat. Reicht die Maßnahme noch nicht aus, probierst du es mit weiteren Streifen, den Radius zu verengen.

Trompete stimmen und spielen mit dem Stimmgerät

Verbleibt noch die Frage, ob du immer mit Stimmgerät spielen solltest. Die Klette auf deinem Notenpult, die dich permanent bei jedem Ton kontrolliert. Der Geheimdienst-Kamerad, dem keine falsche Frequenz aus deiner Trompete verborgen bleibt und sie sofort an höhere Stellen weitermeldet.

Mit dem Stimmgerät üben solltest du unbedingt und auch immer wieder. In das musikalische Gedächtnis schleichen sich leicht verkehrte Erinnerungen und somit auch falsche Referenztöne ein. Das Stimmgerät hilft dir dabei, dich zu korrigieren und gibt dir eine unmittelbare Rückmeldung, ob du richtig liegst. Ideale Lösung dafür sind chromatische Stimmgeräte, die idealerweise zügig reagieren und bestens ablesbar sind.

Stimmgerät für Selbstkontrolle nutzen
Stimmgerät für Selbstkontrolle nutzen Foto: Shutterstock von Joao Seabra

Stimmgerät mit Bedacht und punktuell einsetzen

Aber übertreibe es nicht, das Spielen nach dem Stimmgerät darf nicht zum Selbstzweck verkommen. Es soll eine hilfreiche Unterstützung werden – mehr nicht. Spätestens beim nächsten Auftritt mit dem Blasorchester oder mit der Band musst du sowieso ohne diesen doppelten Boden des Stimmgeräts auskommen.

Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang, dass der finale Gradmesser für die stimmige Tonhöhe dein Gehör ist. Und die Ohren lassen sich nun mal durch störende Geräusche, andere Instrumente oder schlichtweg durch Ermüdung auf die falsche Fährte locken.

Gerade deshalb, ist es empfehlenswert, dass du als Stimmender die Anzeige nicht sehen kannst. Unerwünschte Begleiterscheinung könnte andernfalls sein, dass du den Ton unterbewusst durch Mimik und Ansatz korrigierst. Weitaus besser, um nicht in eine selbstbelügende Falle zu tappen: Eine andere Person blickt auf das Stimmgerät und signalisiert dir, in welche Richtung den Ton – also den Stimmbogen – verändern musst.

Tipp am Rande: Durchaus sinnvoll ist es, erst nach dem Einspielen zu stimmen. Auf diese Weise reduzierst du Intonationsprobleme. Sowohl das Instrument als auch dein Ansatz sind warmgespielt und ermöglichen zuverlässigere Ergebnisse.

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