Zwischen Mittelaltermärkten und schottischen Highlands

Drehleier spielen – der spezielle Zauber von Mittelalter & Co.

Foto: Shutterstock von Debu55y

Du bist fasziniert vom Klang der Drehleier. Das ist leicht verständlich und gut nachvollziehbar. Schließlich besitzt das Instrument einen außergewöhnlichen Klang und gehört nicht annähernd zum Mainstream. Wenn du Drehleier spielen möchtest, zugegebenermaßen etwas vorgenommen. Ganz so einfach ist es nicht, aber es lohnt sich unbedingt.

Check it: Drehleier spielen

  • Beeindruckende Geschichte
  • Das mechanisierte Streichinstrument
  • Das Rad als Permanentbogen
  • Melodie-, Bordun- und Schnarrseiten
  • Am besten unter Anleitung lernen

Drehleier spielen – mehr als tausend Jahre als und noch immer aktuell

Die Drehleier assoziieren wir üblicherweise hauptsächlich mit der Mittelaltermusik. Das Instrument blickt mittlerweile auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurück. Dabei ist sie keinesfalls auf dieses Genre beschränkt. Vielmehr kommt das Instrument ebenso im Jazz, in der Rockmusik, in der Alten Musik, Neuen Musik und experimentellen Musik zum Einsatz. Sie ist und war immer auch ein Teil der Popularmusik von der traditionellen Tanzmusik bis zur Liedbegleitung. Am häufigsten begegnen wir dem Instrument aber auf Mittelaltermärkten. Wenn du Drehleiter spielen möchtest, kleine dich schon mal in deinem mittelalterlichen Gewand.

Und ja, das Instrument ist äußerst vielseitig | Foto: Shutterstock von mojamaya

Vielseitigkeit vom Mittelalter bis zu modernsten Musik-Genres

Die Drehleier hat den Vorteil, dass sie sehr vielseitig eingesetzt werden kann. Gewissermaßen handelt es sich bei diesem mechanisierten Streichinstrument und ein kleines Orchester. Neben der Melodie kannst du die Begleitung und auch den Rhythmus auf der Drehleiter spielen. Zwar ist die Drehleier ein typisches Naturinstrument mit integrierter Mechanik. Längst aber gibt es auch Modelle, die elektrisch verstärkt werden. Die Drehleier hat den Sprung vom Adel und Bauernvolk des Mittelalters in unsere aktuelle technologisierte und innovationsfreudige Gegenwart geschafft.

Mechanisiertes Streichinstrument als kleine One-Man-Band

Das Prinzip der Drehleier sieht folgendermaßen aus. An einem Ende befindet sich ein Rad, von dem ein Bogen, den man als Endlosbogen bezeichnen könnte, gedreht und somit über die Saiten gestrichen wird. Bestückt ist das Instrument mit Bordun-Saiten für die brummenden Basstöne sowie den höherklingenden Melodiesaiten.

Verstehen muss man dabei, dass üblicherweise keinesfalls sämtliche Saiten gleichzeitig vom Rad gestrichen werden. Vielmehr werden die jeweils gerade benötigten Saiten auf das Rad gelegt, üblicherweise ein bis zwei der Melodiesaiten. Wird dann am Rad gekurbelt entsteht über den Endlosbogen der Ton. Durch Druck auf die Tasten der Mechanik werden die Saiten an der jeweiligen Position verkürzt und somit der Ton verändert.

Das Rad ist der Bogen, der Endlosbogen | Foto: Shutterstock von Chubykin Arkady

Tangenten, Schiebestanden und Tasten

Unter dem Deckel befinden sich die Mechaniken, die bei der Drehleier als Tangenten bezeichnet werden und sich auch stimmen lassen. Darüber gestimmt werden insbesondere die Melodiesaiten. Und diese Tangenten sind mit den sich außerhalb des Kastens befindlichen Tasten verbunden, mit denen die eigentliche Melodie gespielt wird. Jede Taste sitzt auf einer Schiebestange mit rechteckigem Querschnitt. Auf den Schiebestangen befindet sich für jede Melodiesaite ein Bauteil, das wie ein Bundstäbchen bei einer Gitarre, Mandoline oder sonstigem bundierten Saiteninstrument entspricht. Werden nun die Tasten von unten nach oben gedrückt, werden die Saiten an der jeweiligen Position verkürzt, der Ton wird verändert.

Komplexe Mechanik im Kasten verbaut | Foto: Shutterstock von DymDream

Und woher kommt der Rhythmus?

Aber dadurch erklärt sich noch nicht, weshalb du einen Rhythmus auf der Drehleier spielen können solltest. Nun, die Drehleier besitzt dafür eine Schnarrsaite, die über kleine Hämmerchen läuft. Beim Drehen des Rades wird die Schnarrsaite kurz angehoben und schlägt anschließend wieder auf den Hammer zurück, wodurch der zugegebenermaßen etwas rudimentäre Rhythmus entsteht. Die Schnarrsaiten – meistens sind es zwei – sorgen für den typischen Sound der Drehleier.

Plakativ ausgedrückt ist das Instrument ohne Schnarrsaiten einfach keine Drehleier. Erzeugt wird der Schnarrton über Druckpunkten der rechten Hand während des Drehens des Rades. Ohne dass die Hand entsprechend aktiv wird, wird der Schnarrsaiteneffekt nicht erzielt.

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Was ist eine Bordun-Saite

Eine Bordung-Saite sorgt für den Bordun-Ton. Tolle Wurst, kann das bitte auch etwas verständlicher ausgedrückt werden? Okay, nächster Versuch: Ein Bordun-Ton ist ein langer, meistens dauerhaft klingender Ton. Üblicherweise handelt sich dabei um einen Basston. Zu hören sind diese Töne beispielsweise beim Dudelsack oder eben bei der Drehleier. Musikgeschichtlich ist der Bordun-Ton gewissermaßen der Vorläufer der Mehrstimmigkeit.

Der Melodie wird über die Bordun-Saite der tonarteigene Basston zugrunde gelegt. Der nun dauerhaft klingt. Wird nun die Harmonie in der Melodie geändert, wird zum sogenannten Quint-Bordun-Ton gewechselt. Dafür müssen wird zunächst einmal verstehen, was eine Quinte ist. Bei einer Quinte handelt es sich grundsätzlich um ein Intervall. Und zwar um den Abstand vom Grundton bis zum fünften Ton der jeweiligen Tonleiter. Dieser Ton ist als fünfter Ton zugleich Bestandteil des Grundakkords als auch als Grundton Bestandteil der Dominante, des zweiten Akkordes. Insofern kann er der Melodie als Bass dauerhaft beigefügt werden. Eine Dissonanz würde nicht entstehen.

In welchen Tonarten kann ich Drehleier spielen?

Wirkliche Einschränkungen hinsichtlich der Tonart gibt es nicht. Zumindest wäre es theoretisch möglich sich in sämtlichen Tonarten auszutoben. Allerdings könnte das ein wenig kompliziert werden. Häufig sind die Drehleiern in D-Dur konstruiert, andere Modelle in C-Dur oder G-Dur, in D-Moll oder G-Moll. Es gibt einfach unglaublich viele verschiedene Bauformen. Die Melodietasten sind üblicherweise chromatisch konzipiert, wodurch sich bei Fortgeschrittenen die gewählte Tonart nur noch an den Bordun-Saiten entscheidet.

Wir schwer ist es, Drehleier zu lernen?

Sagen wir es mal vorsichtig: Das Spiel auf dem Instrument zu lernen, gehört sicherlich nicht zu den einfachsten musikalischen Betätigungen. Durchaus einfach ist es, überhaupt einen Ton herauszubekommen. In dieser Hinsicht dürfen durchaus Vergleiche mit dem Dudelsack gezogen zu werden. Bis diese Töne allerdings angenehm klingen, musst du schon eine gute Portion Lern- und Übungsfleiß an den Tag gelegt haben.

Von der besonderen Koordinationsanforderung der Drehleier

Neben überschaubaren musiktheoretischen Kenntnissen geht es vor allem darum, die richtige Spieltechnik auf der einen Seite mit der drehenden Hand, die eben auch für die Schnarrseite und somit für den Rhythmus verantwortlich ist, zu erlernen. Zeitgleich wirst du mit der anderen Hand die Melodielinien spielen. Dafür musst du zunächst mal verinnerlichen, welcher Ton mit welcher Taste gespielt bzw. gedrückt wird. Zumal du bei unterschiedlichen Tonarten, die vom Endlosbogen gestrichenen Saiten aber wechselst, kommt eine für Instrumentalisten ungewöhnliche Denksportaufgabe auf dich zu: Bei veränderten Saiten drückst du zwar dieselbe Taste, aber es erklingt ein anderer Ton.

Das Geheimnis liegt in der Koordination der Saiten und Bewegungen | Foto: Shutterstock von Lutsenko_Oleksandr

Kann ich das Spiel auf der Drehleier als Autodidakt lernen?

Solltest du ein musikalisches Genie sein, ist das durchaus möglich. Wahrscheinlicher hingegen ist, dass du mit Unterricht und Unterstützung durch einen versierten Lehrer weitaus schneller und vor allem fundierter vorankommen wirst. Natürlich gibt es wie bei anderen Instrumenten auch etliche Online-Tutorials, an denen du dir vorbildlich die Zähne ausbeißen kannst. Nur ist das wirklich optimale Spiel auf der Drehleier mit sehr speziellen Spieltechniken verbunden, mit denen man sich erstmal vertraut machen sollte.

Antrainierte Fehler sind Gift für die dauerhafte Freude am Musizieren

Letztlich geht es um die inflationär wiedergekäute Weisheit, dass man gerade am Anfang das Feedback durch einen versierten Lehrer oder Musiker aus dem Bekanntenkreis benötigt. Der Grund: Es gibt schlichtweg nichts, was man sich so konsequent und dauerhaft antrainiert wie Fehler. Bei der Drehleier könnten sich Fehler hinsichtlich der Körperhaltung, der Haltung von Armen, Händen und Fingern einschleichen. So sollte das Rad beispielsweise immer auf die Eins des Taktes wieder in seiner Ausgangsposition sein. Das korrekte Übergreifen der Finger sollte wie etwa beim Klavier gegeben sein. Haben sich in diesen  und weiteren Belangen Fehler eingeschlichen, ist es unglaublich aufwendig, die wieder abzulegen. Das wirklich schönklingende Spiel entscheidet sich an Details.

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Auch interessant: „Mit dem Dulcimer ab in die Mittelalter- und Folkmusik“.

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