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Drehleier kaufen – worauf du achten solltest

Foto: Shutterstock von Serhii Yevdokymov

Die Drehleier hat es nicht nur den Musiker auf Mittelaltermärkten angetan. Vielmehr ist sie bei den Fans der irischen Folkmusik und in etlichen weiteren Genres beliebt. Wenn dich das Instrument reizt und du eine Drehleier kaufen möchtest, haben wir hier ein paar Tipps für dich.

Check it: Drehleier kaufen

  • Von Aristokraten über Bauern bis zu den Highlands
  • Korpus und Lackierung einwandfrei gearbeitet
  • Klang der einzelnen Saiten kontrollieren
  • Rad und Kurbel auf Funktionalität checken
  • Mechanische Bauteile und Gesamtklang prüfen

Drehleier kaufen – es lohnt sich

Die Drehleier ist ein Instrument mit mittlerweile über 1000-jähriger Geschichte. Und die war durchaus facetten- und abwechslungsreich. Das Instrument wurde teils am Hofe der Adeligen damaliger Zeit gespielt, dann wurde es zum Bauern-Instrument, auch zum Instrument der Bettler. Erst später wurde die Drehleier zum durchaus auch dominierenden Protagonisten in der mittelalterlichen, der irischen und keltischen Musik. Mehr als tausend Jahre alt und sie erfreut sich noch immer bester Gesundheit.

Vom Adel- zum Bauern- zum Bettlerinstrument und wieder zurück | Foto: Shutterstock von Marzolino

Abseits von Mainstream und dennoch mittendrin

Wenn du eine Drehleier kaufen möchtest, entscheidest du dich dabei für ein Instrument, das ganz sicher nicht zum Mainstream gehört, sich aber in vielen Kreisen großer Beliebtheit erfreut. Du wirst damit unterschiedlichste Musikgenres bis hin zu Jazz und Mittelalterrock spielen können. Zunächst aber sollten wir schauen, worauf du beim Kauf einer Drehleier achten solltest.

Äußerst komplexes Instrument mit speziellem Reiz

Es gibt nur wenige professionelle Instrumentenbauer, die sich auf die Herstellung von Drehleiern spezialisiert haben. Von den Versuchen, ein solches Instrument selbst zu bauen, kann man nur dringend abraten. Denn hinsichtlich ihrer Konstruktion ist die Drehleier ein äußerst komplexes Instrument. Und schon sind wir bei den Aspekten, denen du deine Aufmerksamkeit widmen solltest, wenn du eine Drehleier kaufen möchtest.

Korpus und Lackierung einwandfrei gearbeitet

Die Basis der Drehleier bilden der Korpus und das Rad. Der Korpus wird traditionell aus Holz gefertigt, bei modernen Instrumenten wie den elektrisch oder elektronisch verstärkten Drehleiern auch aus solidem Kunststoff. Bleiben wir zunächst bei den Naturinstrumenten. Wenn du eine Drehleier kaufen willst, wirfst du zunächst einen prüfenden Blick auf den hölzernen Klangkörper und prüfst dabei, ob das Holz und die Lackierung frei von Rissen sind.

Absolut gleichmäßiger Lauf von Rad und Kurbel

Dann widmest du dich dem Rad mitsamt der Kurbel. Das Rad der Drehleier hat die Funktion eines Bogens bei Streichinstrumenten. Im Gegensatz etwa zur Geige oder dem Cello wird der Bogen allerdings nicht von der Hand geführt und über die Saiten gestrichen. Vielmehr handelt es sich hier um einen Endlosbogen, der mechanisch durch das Drehen an der Kurbel angetrieben wird, woraufhin die jeweilige Saite oder die Saiten gestrichen werden. Das Ras – der Bogen – muss einwandfrei und absolut gleichmäßig laufen, was gleichermaßen auch für die Kurbel gilt.

Das Rad ist gewissermaßen ein Endlos-Bogen | Foto: Shutterstock von Maren Winter

Bordun-, Schnarr- und Melodiesaiten

Es gibt diverse unterschiedliche Drehleiern in ebenso verschiedener Bauweise, Saitenbestückung und Stimmung. Üblich sind Instrument mit je zwei Schnarr- und Bordun-Saiten sowie vier Melodiesaiten. Ebenso gibt es die Drehleier mit weniger Saiten. Einsteiger sind bestens beraten, wenn sie zunächst eine Drehleier kaufen, die nur wenige Saiten hat, so beispielsweise je eine Melodie-, Bordun- und Schnarrseite. Damit kann man schon mal reichlich Erfahrung sammeln und die Spieltechniken erlernen.

Tangenten optimal positioniert

Auf der Decke des Korpus befindet sich über die Saiten verlaufend ein rechteckiger Kasten. Öffnest du den Deckel erblickst du die sogenannten Tangenten. Diese Bauteile der Drehleier haben die Funktion von Bundstäbchen wie bei einer Gitarre, was bedeutet, dass dadurch die jeweilige Saite verkürzt wird und somit der entsprechend höhere Ton erklingt. Über die Tangenten und Mechaniken erfolgt auch eine Feinstimmung der einzelnen Töne. Hört sich ganz schön kompliziert an oder? Jepp, und das ist es auch. Als Einsteiger wirst du diese Information allenfalls schlucken können. Die Qualität des Instrumentes für die Kaufentscheidung zu bewerten, ist dir an dieser Stelle kaum möglich.

Die Tangenten funktionieren wie Bundstäbchen und verkürzen die Saite | Foto: Shutterstock von Maren Winter

Mechanik auf einwandfreie Bedienung checken

Die Tangenten müssen irgendwie bedient werden; andernfalls wären sie ziemlich nutzlos. Verbunden sind sie mit den Melodietasten, die sich wiederum außerhalb des Kastens befinden. Und das ist nun ein mechanischer Vorgang, den du durchaus checken kannst und solltest, wenn du eine Drehleier kaufen willst. Drücke einfach nacheinander sämtliche Tasten von unten nach oben und erfühle, ob sie sich ersten vernünftig bedienen lassen und zweitens ebenso einwandfrei wieder in ihre Ausgangsposition zurückkehren.

Schnarrseiten und Rhythmik – nicht ganz so einfach

Wenn du eine Drehleier kaufen möchtest, weißt du sicherlich bereits, dass man mit dem Instrument auch einen Rhythmus erzeugen kann, außerdem die Schnarrseiten für den so einzigartigen und identifizierbaren Klang sorgen. Die Schwierigkeit als Noch-Laie ist, dass du die Funktionalität nicht wirklich testen kannst, zumal du dafür die Spieltechniken mit der rechten, kurbelführenden Hand und den entsprechenden Druckpunkten wenigstens ansatzweise beherrschen müsstest. Vermutlich wirst du bald dazu imstande sein. Für den Augenblick bleibt die nur, dich auf die Beratung seitens der Verkäufer oder auf die Beurteilung durch einen versierten Musiker zu verlassen.

Durch die Schnarrseite mit Mechanik wird die Rhythmik möglich | Foto: Shutterstock von Anna55555

Monophoner Klang und gesamte Polyphonie

Eine Drehleier ist ein Instrument, dass dir von der Melodie über den Bordun-Bass bis zum Rhythmus über die Schnarrseite den gesamten musikalischen Abwasch liefert. Zu dieser Vielfalt imstande sind zu wenige Instrumente und wenn überhaupt sind es moderne Instrumente wie das Keyboard, E-Piano oder Midi-Akkordeon. Unter den traditionellen Instrumenten zeichnet sich die Drehleier damit durch ein Alleinstellungsmerkmal aus. Das Wichtigste schlechthin bei einem Instrument ist natürlich der Klang. Was auch sonst, du willst dir das Instrument ja nicht an die Wand hängen oder darauf Playstation spielen.

Tatsache ist aber, dass der Gesamtklang sich aus dem Zusammenspiel sämtlicher Komponenten bzw. Saiten ergibt. Und so sollest du zunächst die einzelnen Saiten auf ihren jeweiligen Klang überprüfen. Und zwar alle. Erst im nächsten Schritt geht es um den Gesamtklang. Da solltest du noch mal genau hinhören. Denn wenn die Saiten jeweils einzeln gut klingen und sich bei bester Stimmung zeigen, heißt das noch lange nicht, dass der Gesamtsound ebenso wohlklingend ist.

Optik und Finish müssen dir gefallen und zu dir passen

Mit der Drehleier entscheidest du dich für ein recht spezielles Instrument. Vermutlich automatisch können wir wohl davon ausgehen, dass du einen ebenso speziellen und freundlichen Charakter hast. Klar ist, dass das Instrument optisch zu deinem Geschmack und eben zu dir passen muss. Letztlich willst du damit Musik machen, natürlich auch mit anderen gemeinsam und gerne auch auf der Bühne. Die Drehleier wird dich lange begleiten und wird zu deiner besten Freundin. Ihr werdet gemeinsam viel erleben. Und schlussendlich ist sie auch deswegen der Ausdruck deiner Persönlichkeit. Das kann ja nur funktionieren, wenn das Instrument zu dir passt und nicht umgekehrt.

Eine gute Portion Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger ist nötig

Wenn du eine Drehleier kaufen möchtest, solltest du dich nicht über den Preis erschrecken. Günstig sind solche Instrumente nicht, können sie auch nicht sein. Das Instrument ist komplex, die Herstellung aufwendig und mit höchsten Präzisionsanforderungen verbunden. Bereits die Dimensionierung der schwingenden Saitenlängen muss zwingend exakt gearbeitet sein. Bei den allermeisten Schritten während des Baus handelt es sich um Handarbeit. Aus diesen und weiteren Gründen rechtfertigen sich die für Drehleiern aufgerufenen Preise. Für um die 1.500 Euro kannst du als Einsteiger eine Drehleier kaufen. Ab 2.000 Euro mit reichlich Luft nach oben bekommt man Instrumente für Fortgeschrittene.

Hast du dich einmal entschieden, wirst du sicherlich viel Freude haben. Und dann heißt es: Kurbeln, kurbeln, kurbeln!

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Auch interessant: „Mit dem Dulcimer ab in die Mittelalter- und Folkmusik“.

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