Penible Sauberkeit als Pflichtprogramm

Mikrofonhygiene – wie ihr es richtig macht

Foto: Shutterstock von Ollyy

Geradezu prädestiniert sind Mikrofone dafür, Keime und sonstige Rückstände zu beherbergen. Ein wahres Hotel für unangenehme Bewohner, mit denen ihr sicherlich keine Bekanntschaft machen wollt. Weder beim eigenen Mikrofon und erst recht nicht, wenn mehrere Personen ein Mikrofon benutzen. Nicht nur Veranstaltungstechniker wissen ein Lied über die Bedeutung von Mikrofon-Hygiene zu singen:

Check it: Mikrofonhygiene und -Reinigung

  • Zunehmende Bedeutung von Reinhaltung der Mikrofone
  • Reinigung von Hand- und Stabmikrofonen
  • Reinigung von Headsets, Lavalier-Mikrofonen & Co.
  • Schaumwindschutz und Kabel
  • Thermische Reinigung
  • Passiver Schutz durch Plastiktüten?

Mikrofonhygiene – aus dem Alltag von Musikern und Technikern

Für diejenigen unter euch, die ein Mikro nach der Probe oder dem Gig einfach abnehmen und ins Equipment-Case packen, sei an dieser Stelle erwähnt: Gesund ist das weder für euch noch für das Mikrofon. Und aktuell hat die Mikrofonhygiene im Zuge der COVID-19-Pandemie noch größere Bedeutung erlangt.

Ganz klar an dieser Stelle: Wir sind weder Virologen noch Epidemiologen, können – und dürfen (!) – also keinerlei gesundheitlich relevanten Aussagen treffen. Wir geben hier lediglich Tipps zur Mikrofonhygiene, also zu Reinhaltung und Sauberkeit. Insofern können wir für Wirksamkeit und virologische Sicherheit keinerlei Garantie oder Haftung übernehmen.

Körper und Korb von Hand- und Stabmikrofonen reinigen

Hand- und Stabmikrofone nach Gebrauch gründlich zu reinigen, ist für Veranstaltungstechniker keine neue Angelegenheit; allerdings rückt dieser Vorgang seit der COVID-19-Pandemie vermehrt in den Mittelpunkt. Aus dem einstigen Reinigen wird das Desinfizieren. Dabei widmen wir uns den Äußerlichkeiten – dem Korpus und – sofern vorhanden – dem Korb. Vom Innenleben lassen wir sinnvollerweise die Finger, um die sensiblen Bauteile nicht über den Jordan zu schicken.

Isopropylalkohol unbedingt mit Wasser mischen
Isopropylalkohol unbedingt mit Wasser mischen Foto: Shutterstock von Emil Soeueud

Zunächst wird das Mikrofon mit einem fusselfreien Tuch abgewischt. Das Tuch hast du sparsam mit einer Mischung aus Isopropylalkohol und Wasser benetzt. Problematik von reinem Isopropylalkohol ist, dass schnell verdunstet, zu schnell, um eine keimtötende Wirkung zu entwickeln. Aus diesem Grund mischt du es mit etwa 20 Prozent möglichst demineralisiertem Wasser. Effekt ist, dass die Verdunstungszeit verlängert wird und somit eine Desinfektion überhaupt erst möglich ist.

Aufpassen musst du dabei, dass die Membran auf keinen Fall mit dem Isopropylalkohol oder sonstigen Substanzen in Berührung kommt. Deshalb ist der Ausdruck „sparsam benetzen“ wörtlich gemeint. Vorsicht ist die Mutter der Mikrofonkiste.

Korpus und Korb regelmäßig desinfizieren
Korpus und Korb regelmäßig desinfizieren Foto: Shutterstock von Choun JC

Headsets, Lavalier-Mikrofone & Co.

Wichtig bei der Abteilung der „Kleinmikrofone“ ist selbstverständlich, sie ohne Kapsel zu reinigen. Außerdem erfolgt die Reinigung von Grid und Kabel separat. Die Protagonisten wie die Kopfbügelmikrofone werden mit demineralisiertem Wasser ausgespült, anschließend mit einem Tuch behutsam abgerieben. Auf Reinigungsflüssigkeiten außer Wasser, welcher Art auch immer, solltest du vollständig verzichten.

Viele Varianten der Mikrofonhygiene sind möglich, können die Mikes allerdings auch beschädigen. Aus diesem Grund ist die wichtigste und praktikabelste Möglichkeit, sie wirklich ausgiebig zu trocken. Sämtliche Feuchtigkeit muss unbedingt verdunsten. Etwaigen Keimen und wahrscheinlich auch Viren wird dadurch der Nährboden entzogen. Trocknen solltet ihr auch diese Mikrofone über einen Zeitraum von mindestens 72 Stunden. Für die Mathematikgenies unter uns: Ja, das sind drei komplette Tage.

Spülen selbstverständlich ohne Kapsel
Spülen selbstverständlich ohne Kapsel Foto: Shutterstock von PR Image Factory

Schaumwindschutz

Üblich ist es, dass Windschütze aus Schaummaterial bestehen, exakter ausgedrückt, aus Polyurethanschaum. Solches Material kann grundsätzlich in der Maschine gewaschen werden, auch bei hohen Temperaturen im Kochwaschgang. Nachteilig ist jedoch, die Beanspruchung beim Umherwirbeln in der Trommel der Waschmaschine, außerdem durch die Waschmittel, bei denen es sich letztlich um chemische Mittel handelt.

Mit ziemlicher Sicherheit hingegen wird die Wäsche bei hohen Temperaturen etwaige Logos auf dem Windschutz beschädigen. Euer Marketing wird also im wahrsten Sinne des Wortes verwaschen. Vor diesem Hintergrund scheint es die sinnvollste Lösung, den Schaumwindschutz bei geringeren Temperaturen mit der Hand und fettlösendem Waschmittel auszuwaschen und anschließend ausgiebig – mindestens 72 Std. – zu trocknen.

Wichtig ist das ausgiebige Trocken für mindesten 72 Stunden
Wichtig ist das ausgiebige Trocken für mindesten 72 Stunden Foto: Shutterstock von Ja Crispy

Kabel-Hygiene

Das Kabel ist unmittelbarer Bestandteil des Mikrofons. Zumindest sofern es sich nicht um ein Sendermikrofon handelt. Grund genug, auch hier mit der gleichen Sorgfalt für hygienische Sauberkeit zu sorgen. Insbesondere aufgrund des Materials ihrer Ummantelung haben die jedoch ihre besonderen Anforderungen:

Die Desinfektion mit Isopropylalkohol und sonstigen aggressiven Mitteln ist materialbedingt nicht möglich. Auf lange Sicht wird die Ummantelung spröde, dem Kabel selbst also der Garaus gemacht. Kabel können sorgfältig mit Wasser und Seife abgewischt werden; das Wasser darf dafür lauwarm sein. Anschließend sollten sie mindestens 72 Stunden getrocknet werden.

Eine gute Möglichkeit, die mehr mit der Reinigung und dauerhaften Gebrauchsfähigkeit zu tun hat, ist, die Kabel mit Öl einzureiben. Geeignet sind dafür Kokos- oder Olivenöl. Etwaige Keime wird das kaum interessieren. Für die Basic-Reinigung hingegen ist das sinnvoll, zumal die Kabel einerseits vom Schmutz befreit werden, andererseits geschmeidig bleiben.

Bedeutender Teil der Mikrofonhygiene: die Kabel
Bedeutender Teil der Mikrofonhygiene: die Kabel Foto: Shutterstock von Alexandru Nika

Thermische Reinigung

Wahrscheinlich ist, dass Viren & Co. durch sogenannte thermische Behandlung abgetötet werden können. Aus technischem Blickwinkel hingegen ist das weniger sinnvoll. Durch Erhitzen leidet üblicherweise das Material, wodurch das Mikrofon vorzeitig altert. Eine thermische Reinigung, so beispielsweise mit UV-Bestrahlung ist allenfalls etwas für Spezialisten, die exakt wissen, was sie tun und über die Materialeigenschaften informiert sind.

Nicht zu vergessen, dass der Aufwand für die thermische Behandlung von Mikrofonen, Kabeln oder Windschützen extrem ist. Sinnvoller und praktikabler demnach: das regelmäßige Waschen und Desinfizieren der Hände im Zusammenspiel mit der anschließend akkuraten Trocknung der Komponenten.

Passiver Schutz gegen Keime & Co.

Den passiven Schutz können simple Plastiktüten unterstützen, die einfach über das Mikrofon gezogen werden. Derzeit ist das bei beispielsweise Fernsehinterviews häufig zu beobachten. Die Reporter halten das Mikrofon an einer Distanzstange und damit den erforderlichen Mindestabstand ein. Dass die vermeintlich schützende Plastiktüte das Logo des Senders ins Bild rückt, ist selbstverständliches Marken-Placement.

Sicherlich ist es sinnvoller, eine Plastiktüte über das Mikrofon zu ziehen und anschließend mit der notwendigen Sorgfalt zu entsorgen. Ob die allerdings gesichert vor einer Übertragung schützt, ist mittlerweile umstritten, denn: Nehmen wir als Beispiel Latex- oder latexfreie Nitrilhandschuhe, die viele Menschen auch beim Einkaufen nutzen. Sicherlich nicht verkehrt und eine weitere Unterstützung.

Allerdings sollen Corona-Viren so klein sein, dass sie selbst bei materialbedingten Handschuhen durch die materialbedingten Poren passen. Bislang nicht letztgültig geklärt ist deshalb, ob Handschuhe überhaupt schützen können oder sogar das Gegenteil bewirken, zumal Viren an Kunststoffoberflächen eher haftenbleiben und diese auch durchdringen könnten. Blicken wir nun wieder auf die mikrofonumhüllenden Plastiktüten, wird die beschriebene Problematik deutlich. Die Tüte ist der Latexhandschuh des Mikrofons.

Weiteres Problem ist, dass Plastiktüten eine höhere Steifigkeit aufweisen als beispielsweise ein Schaumwindschutz. Tatsächlich bedeutet das, dass sie – falls wirklich Viren an ihnen haften – spätestens beim Abnehmen zur Virenschleuder werden könnten. Auch hier muss man also sehr vorsichtig vorgehen, die Tüte beim Abnehmen auf links drehen und entsorgen.

Pflichtprogramm: Hände waschen

Nicht erst seit Corona-Zeiten ist uns bewusst, wie wichtig die Handhygiene ist. Okay, wir sind keine Chirurgen und arbeiten nicht am offenen Herzen, aber auch wir tragen Verantwortung für die eigene Gesundheit oder die derer, denen wir Mikrofone zur Verfügung stellen.

Aufpassen!

Wer das Mikrofon öffnet oder sonst wie unsachgemäß behandelt, riskiert die Hersteller-Garantie und Gewährleistung. Zudem vertragen unterschiedliche Mikrofone bauart- und materialbedingt nicht einheitlich gut die Säuberung mit Reinigungsmitteln und können im Worst Case beschädigt werden. Grundsätzlich solltet ihr euch an den Vorgaben des jeweiligen Herstellers orientieren und keinerlei DIY-Versuche durchführen.

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Interessiert du dich für weitere Themen mit bühnentechnischem Hintergrund, könnte auch dieser Artikel für dich infrage kommen: „Was ist ein Blinder?“.

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