Studie vom MIZ bestätigt zunehmendes Interesse am Musizieren

Erfreulich viele Hobbymusiker in Deutschland – und die Zahl steigt

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Eine unbedingt positive Entwicklung spiegelt sich in einer aktuellen repräsentativen Umfrage, durchgeführt im Auftrag des Deutschen Musikinformationszentrums: Entgegen so manch anderslautender Vermutung nimmt die Zahl der aktiv Musizierenden zu. Um zwar im Vergleich mit 2012 um zwei Prozent. Nüchtern betrachtet, klingt das nach einer marginalen Zahl. Tatsächlich aber sind das mehr als 280.000 Menschen, insgesamt 14,3 Millionen. Super, dass du dabei bist.

Check it: Hobbymusiker in Deutschland – Tendenz steigend

  • Mehr Amateurmusiker als gedacht
  • Repräsentative Studie mit belastbaren Zahlen
  • Anzahl der Freizeitmusiker unterstreicht kulturellen Stellenwert
  • Konkrete Problematik einkommensschwacher Haushalte
  • Personalnotstand von Musikpädagogen an allgemeinbilden Schulen
  • „Visitenkarten“ von Interessenvertretungen auch für Hobbymusiker

Hobbymusiker – wie viele gibt’s  denn überhaupt?

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben Eltern und Freizeitmusiker sich oftmals die Frage gestellt, wie groß die  Musikergemeinde hierzulande ist. Ist diese so spezielle Community der eigenhändig Musikmachenden verschwindend gering oder riesig groß. Wird das Musizieren als Hobby immer weiter von den elektronischen Medien und sonstigen Freizeittrends verdrängt oder schafft es das Kunststück sich in dieser immer rasanter werdenden Welt zu behaupten? Wirklich belastbare Zahlen gab es nicht, jetzt schon:

Wir sind mehr als gedacht und der Trend nimmt zu

Gerade weil die ohne Frage positiv sind, möchten wir eure Augen auf genau eine aktuelle Studie zum Thema Amateurmusizieren in Deutschland richten. Auch aus dem Grund, weil die Ergebnisse uns allen einerseits ein gutes Gefühl geben, andererseits auch Neueinsteigern Mut machen, die Welt des Musikmachens zu betreten. Denn soviel an dieser Stelle schon mal weg: Wie sind mehr als gedacht und die Gemeinschaft derer, die sich in ihrer Freizeit der Musik widmen, wird wieder größer.

Wir sind mehr als gedacht – Tendenz steigend
Wir sind mehr als gedacht – Tendenz steigend Foto: unsplash von fan yang

Seriöse Stude in Kooperation renommierter Institute

Kann doch jeder behaupten, welche Aussagekraft steckt schon hinter solchen Umfragen. Schließlich kennen wir allesamt diese Callcenter-Anrufe, mit denen uns Handyverträge und sonstige fröhlich machenden Dinge aufgedrückt werden sollte. Keine Angst, hier geht’s nicht um die angeblich noch günstigeren Smartphone-Tarife. Es geht um eine Aussage über Hobbymusiker, es geht um das Amateurmusizieren in Deutschland.

Dafür kooperiert haben höchst renommierte  Verbände und Institutionen, als da wären, der Deutsche Musikrat, das Deutsche Musikinformationszentrum, begleitend die SOMM als Dachverband der Musikinstrumenten- und Musik-Equipment-Branche, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allenbach. Bei der Befragung handelt es sich um eine stichprobenartige Umfrage, bei der zugleich darauf geachtet wurde, dass keinesfalls die besonderes Musikinteressierten überrepräsentiert sein sollten.

Keine falschen Ergebnisse durch selbsterfüllende Fragen provoziert

Vom Deutschen Musikinformationszentrum (MIZ) mit der Durchführung der Studie beauftragt wurde das Institut für Demoskopie Allensbach. Interview wurden insgesamt 1.208 Menschen. Bei den Kids unter 16 Jahren wurden deren Eltern befragt; bei den 16 Jahre und älteren Teilnehmenden selbstverständliche die Personen selbst. Besonderer Wert wurde daraufgelegt, nicht durch selbsterfüllende Fragestellung falsche Ergebnisse zu provozieren.

Erstmals liegen belastbar skalierbare Zahlungen vor

Das Besondere an der durchgeführten Befragung bzw. den nunmehr vorliegenden Ergebnissen ist, dass erstmals belastbar hochrechenbare Zahlen und Informationen vorliegen, die über eine rudimentär oberflächliche Schätzung hinausreichen. Tatsächlich abgefragt wurden neben der Anzahl der Amateurmusizierenden auch Aspekte wie die Unterschiede nach Alter, sozialer Schicht und Geschlecht,  die Instrumentenwahl nach Geschlecht und Alter, die Häufigkeit, Orte und Formen des Musizierens und mehr. Ach ja, aus gegebenem Anlass stand ebenfalls die Frage im Raum, ob und inwieweit sich die Häufigkeit des Musikmachens im Zuge der Corona-Pandemie verändert hat.

Erstaunliche Zahl der Hobbymusiker unterstreicht kulturellen Stellenwert

Gezeigt hat sich bei der Auswertung, dass beinahe jeder Fünfte in Deutschland hobbymäßig Musik macht, also entweder ein Musikinstrument spielt oder singt. Tatsächlich sind das etwa zwei Prozent mehr als in vergangenen Studien. Das Interesse am Musikmachen nimmt demnach wieder zu. Beeindruckend dabei, dass beinahe die Hälfte der 6- bis 15-Jährigen aktiv Musik musiziert, also ein Instrument spielt, singt oder eben beides.

In der Gruppe ab einem Alter von 16 Jahren sinkt der Durchschnitt auf etwa 16 Prozent. Zumal diese Altersgruppe allerdings vielfach größer ist, liegt die Anzahl der Hobbymusiker bei knapp 11 Millionen. Unter den ungefähr 83 Mio. Einwohnern in Deutschland befinden sich demnach etwa 14,3 Millionen Hobbymusiker. Eine erstaunliche Zahl, die den kulturellen Stellenwert des Musizierens hierzulande betont.

Aus einkommensschwachen Haushalten kommen weniger Hobbymusiker

Aufgezeigt hat die repräsentative Studie einen Aspekt, der Brancheninsidern und Musikpädagogen schon länger bekannt war. Noch immer kommen Hobbymusiker minderproportional aus einkommens- und bildungsschwachen Familien. Weitaus häufiger musizieren Menschen aus Haushalten mit guter Bildung und höherem Einkommen. Zusammen hängt das offenbar damit, wo die Kids und Jugendlichen mit dem Musizieren in Berührung kommen. Die Antworten auf diese Frage decken zugleich eine weiterhin klaffende pädagogische Lücke auf:

Problematik der eingeschränkten Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger

Die meisten Kinder betreten die Welt des Musizierens in privaten und städtischen Musikschulen oder erhalten Unterricht bei privaten Musikpädagogen. Der Unterricht kostet selbstredend und berechtigterweise Geld. Einkommensschwache Familien sind oftmals nicht imstande, diese Kosten aufzubringen. Leicht nachvollziehbar, dass das Erlernen eines Instrumentes für musikalisch ambitionierte Kids aus Haushalten mit eng geschnalltem Gürtel ein unerfüllter Traum bleibt.

Sehr häufig ist der Zugang zur Musik kostenintensiv
Sehr häufig ist der Zugang zur Musik kostenintensiv Foto: Shutterstock von Dmytro Vietrov

Missstand fehlender Musikpädagogen an allgemeinbildenden Schulen

Aber ist die musikalische Bildung nicht die Aufgabe des Musikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen? Durchaus, Tatsache ist allerdings, dass das Heranführen an das Musizieren an allgemeinbildenden Schulen weitaus selten als an den Privatschulen stattfindet. Nur einer der Gründe, aber einer der entscheidenden, ist der Mangel an Musikpädagogen.

Stand April 2021 fehlen nach Angaben des Deutschen Musikrats in Deutschland rund 23.000 qualifizierte Schulmusiklehrer. Normal sollte es sein, dass Kinder in den allgemeinbildenden Schulen einkommensunabhängig mit den ersten und allgemeinen Schritten des Musikmachens in Berührung kommen, wodurch auch die weniger gut Betuchten von den zahlreichen Vorteilen dieses tollen Hobbys.

Massiver Mangel an qualifizierten Musiklehrern an allgemeinbilden Schulen
Massiver Mangel an qualifizierten Musiklehrern an allgemeinbilden Schulen Foto: Shutterstock von Pixel-Shot

Großer Einsatz der Verbände für Amateurmusiker und kulturelle Vielfalt

Die Branchenverbände setzen sich kontinuierlich für die Förderung der Musik in sämtlichen Bereichen, insbesondere auch den nichtkommerziellen, zu denen auch die Interessen der Hobbymusiker, Amateur- und Freizeitmusiker gehören. Auf die selbstverpflichtende Fahne geschrieben haben sie sich, Anreize zu schaffen, kulturelle Angebote zu machen, zu informieren und selbstverständlich Appelle an die Politik und die Gesellschaft zu richten. Es gibt etliche Verbände, die sich für professionelle Musiker, Techniker und mehr aus der Event- und Kulturbranche einsetzen.

Aber eben auch solche, bei denen gleichermaßen die Hobbymusiker im Fokus stehen. Denn tatsächlich sind die in der überwiegenden Mehrzahl. Satte 19 Prozent der Menschen hierzulande verstehen sich als Musiker, lediglich 1 Prozent allerdings als Profis. Und für die vielen Hobbymusiker, die schlichtweg Freude am Musizieren haben und damit nicht ihre Brötchen verdienen, gibt es noch eine Menge zu tun. Aber was für Verbände sind das und wer sind die für diese Studie Verantwortlichen? Hier ein paar der themenrelevanten „Visitenkarten“:

Was ist der Deutsche Musikrat?

Der Deutsche Musikrat (DMR) ist als Dachverband das Sprachrohr für 90 länderübergreifende musikalische Fachverbände und die 16 Musikräte der Bundesländer sowie zahlreiche Einzel- und Projektmitglieder. Der DMR engagiert sich in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, die mit der Musik in Zusammenhang stehen. Dabei folgt er dem Leitbild, dass Deutschland sich zu einer Wissens- und Kreativgesellschaft entwickeln muss und dabei Bildung und Kultur die entscheidende Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Musikrat das Eigenverständnis als Ratgeber und Kompetenzzentrum für Politik und Zivilgesellschaft. Gefördert werden musikalische Projekte mit bundesweiter Bedeutung, wodurch der DMR Brücken der Verständigung im kulturellen fördern will.

Was ist das Deutsche  Musikinformationszentrum?

Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) ist eine Einrichtung des Deutschen Musikrates. Beim MIZ handelt es sich um die zentrale Informationseinrichtung zum Thema Musik und Musikleben in Deutschland. Dokumentiert werden Trends und Entwicklungen, erfasst werden und aktuelle Daten und Fakten im Kontext der Musik. Ebenso werden zentrale Fakten aus der Musikkultur bereitgestellt. Seit Errichtung im Jahr 1997 ist das MIZ eine für jedermann zugängliche, offene Informations- und Serviceeinrichtung. Interessant in diesem Kontext ist, dass das MIZ zwar Teil des Deutschen Musikrates ist, dabei aber weltweit mit Musikinformationszentren, Musikdokumentationsstellen und weiteren branchen- und themenrelevanten Einrichtungen vernetzt ist und kooperiert.

Was ist die die Somm – Verband der Musikinstrumenten- und Musikequipment-Branche

Die SOMM – Society Of Music Merchants e. V. (Spitzenverband der Musikinstrumenten- und Musikequipment-Branche) – ist die Interessenvertretung für rund 60 Unternehmen aus den Bereichen aus den Segmenten Produktion, Vertrieb, Handel und Medien aus der MI-Branche. Gegründet wurde die SOMM 2005 von führenden Unternehmen der Musikinstrumentenbranche mit der klassischen Aufgabe eines Wirtschaftsverbandes. Mit seinen Mitgliedern repräsentiert er rund zwei Drittel des deutschen MI-Marktes.

Was ist das das Institut für Demoskopie Allensbach

Das Institut für Demoskopie Allensbach (IFD Allensbach) gehört zu den renommiertesten Adressen für Umfrageforschung in Deutschland. Abgedeckt wird die gesamt Bandbreite von Marktforschung und Medienanalyse über Sozial- und politische Meinungsforschung bis hin zu Umfragegutachten. Das Institut hat rund 90 festangestellte Mitarbeitende und mit 1.200 Interviewer*innen eine der größten Feldorganisationen für Face-to-Face-Interviews in Deutschland. Dabei zeichnet sich das IFD durch eine weitere Besonderheit aus: das Allensbacher Archiv. Durch den jahrzehntelangen Umfang und die sorgfältige Pflege lassen sich aktuelle demoskopische Umfrageergebnisse bestens mit denen aus der historischen Umfrageforschung verknüpfen und als Trendresultate vergleichen.

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Wer sich als Hobbymusiker präsentieren oder den nächsten Schritt auf der Karriereleiter schaffen möchte, kann beispielsweise an einem Bandwettcontest teilnehmen. Hier ein paar Informationen: „Lohnt sich die Teilnahme an einem Bandwettbewerb?

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