Gitarre-Stimmen ist kein Hexenwerk. Let’s make it simple

Leicht gemacht: Gitarre stimmen für Einsteiger

Dein Instrument will und soll vernünftig klingen. Dafür benötigt es ein wenig Unterstützung. Einfach drauflos zu spielen reicht nicht. Zuerst musst du die Gitarre stimmen. Eine Hürde, die du auch als Anfänger mit unseren Tipps mit geringster Mühe nehmen kannst:

Da liegt sie nun vor dir, deine neue Gitarre. Dein Schätzchen, mit dem du dich künftig richtig anfreunden willst. Die ersten zwei, drei Griffe hat dir dein Kumpel bereits gezeigt; vielleicht hast du sie auch in einem YouTube-Tutorial entdeckt, ist auch egal. Du willst jetzt endlich mal was spielen. Also die Finger auf die entsprechenden Saiten gesetzt. Einfach mal mit der anderen Hand die Saiten angespielt.

Das ist jetzt eigentlich der Moment, in dem du dieses stolzgeschwellte Erfolgserlebnis haben möchtest. Schließlich bist du ein Held wie jeder andere. Aber leider nein. Irgendwie klingt das grauenhaft. Der Grund ist so simpel wie einleuchtend: Bevor du spielen kannst, musst du die Gitarre stimmen. Und schon fragst du dich wie das funktioniert. Okay, lass dir ein wenig helfen.

Die Saite ist dein Klangmedium

Was ist so besonders an den Saiten, wieso überhaupt muss man eine Gitarre stimmen? Weshalb macht man das nicht wie mit den Schnürsenkeln? Knoten rein, Schleife rein, festziehen, fertig? Nein, die Saiten sind nicht dazu gedacht, die Gitarre – wie die Schuhe – zusammenzuhalten. Der Sinn dieser Drähte – oder Nylonfäden – ist es auch nicht, die Hände zu schützen, damit die Finger nicht durch das kreisrunde Loch in der Gitarrendecke fallen. Vielmehr sind sie das eigentliche „Medium“, mit dem du die Töne überhaupt erst erzeugst.

Ja, ich weiß: Physik nervt

Nicht erschrecken, wir machen einen kurzen Ausflug in die Physik und Akustik: Werden die Saiten angeschlagen, beginnen sie zunächst selbst zu schwingen. Dadurch setzen sie bei einer akustischen Gitarre die umgebende Luft in Bewegung. Bei einer E-Gitarre werden diese Schwingungen über den Tonabnehmer eingefangen.

Damit die Saiten schwingen können, müssen sie erstmal gespannt und gestrafft werden. Ein schlapper Draht bringt schließlich nix in Bewegung. Ist ja kein Springseil. Nun sollen sie allerdings nicht irgendwie klingen, sondern in exakt der richtigen Tonhöhe. Und du hast immerhin – meistens – mindestens sechs Saiten auf deinem Instrument: Das Spannen auf den korrekten Ton und in den richtigen Tonabständen nennt man Gitarre stimmen.

Am Anfang benötigst du beim Gitarre-Stimmen noch keine Notenkenntnisse; aber zumindest solltest du wissen, wie die Saiten benannt werden. Fangen wir bei der tiefen – der dicksten – Saite an. Die heißt „E“. Warum? Ehrliche Antwort? Keine Ahnung. Die zweitdickste Saite ist übrigens ziemlich wichtig. Die A-Saite gleicht dem sogenannte „Kammerton A“, dem Ton, der mit 440 Hz schwingt.

Aber Achtung: Die A-Saite schwingt mit 110 Hz, der Stimmgabelton liegt mit 440 Hz zwei Oktaven darüber. Die Saite muss als auf ein „Teilbares“ der Stimmgabel justiert werden. Die Saite exakt auf die Höhe der Stimmgabel hochzujubeln, hat bei Anfängern schon viele Saitenleben gekostet.

So geht es von einer Saite zur anderen weiter. Insgesamt tragen die sechs Kameraden die stolzen Namen E – A – D – G – H – E. Das ist die sogenannte Standardstimmung. Ganz am Rande: Ob du eine elektrische oder akustische Gitarre stimmen möchtest, macht nahezu keinen Unterschied. Das Prinzip und vor allem die Töne sind identisch.

Und wie soll ich mir die Namen merken?

Solch gewissermaßen nichtssagende Buchstaben kann man sich nicht so leicht merken. Wenn die wenigstens Elektra, Aquaman oder Daredevil heißen würden. Dann hätte man einen persönlichen Bezug und könnte sie vielleicht mal zum Zocken einladen. Dafür gibt’s den berühmten Trick der „Eselsbrücken“. Beispielsweise: „Eine Alte Dame Ging Heute Einkaufen“. Du merkst, der Ausdruck „Esels“-Brücken war peinlich ernst gemeint. Gerne kannst du dir ein paar kreativere Varianten einfallen lassen.

Saiten-Namen mit Eselsbrücken fürs Gitarre-Stimmen merken
Mögliche Merksätze zur Reihenfolge der Gitarrensaiten
EADGHE
EineAlteDameGehtHeuteEinkaufen
EineAlteDameGingHeringEssen
EineAlteDummeGansHatEier
EinAnfängerDerGitarreHabeEifer
EinenAlienAusGründenHeuteEingeladen

Super für die Gehörschulung: Gitarre stimmen ohne Stimmgerät

Eine ganz bodenständige Methode ist das Gitarre-Stimmen mit der sogenannten 5-Bund-Methode. Kleine Bemerkung vorweg: Die Bezeichnung ist zumindest auf einer Saite blanker Unsinn. Aber sei’s drum. Bei dieser Variante werden die Saiten auf eine spezielle Weise miteinander verglichen. Um korrekt die Gitarre stimmen zu können, benötigst du zunächst einen Referenzton. Abgehobenes Wort, sorry. Verständlicher ausgedrückt: Du benötigst einen korrekten Ton. Eine Saite muss stimmen. Üblicherweise nutzt man dafür die A-Saite. Wir erinnern uns, das ist die zweitdickste Saite.

Hilfsmittel zwischen Retro und digital

Diesen Ton kannst du dir über eine Stimmgabel holen, die du kurz anschlägst und anschließend auf den Korpus oder Tonabnehmer deiner Gitarre setzt. Was erklingt, ist der Ton A. Es gibt weitere Möglichkeiten, zum Beispiel über eine Stimmpfeife, auch über eine App oder einfach von einem anderen Instrument mit stabiler Stimmung wie einem Keyboard. Früher brauchte man einfach nur den Hörer des Telefons abnehmen und das Freizeichen abwarten, auch das war der Ton „A“. Das entfällt vermutlich mittlerweile in den meisten Haushalten. Ohne Festnetztelefon auch kein Freizeichen. Woher auch immer du ihn holst, genau diesen Ton nutzt du nun, um die zweittiefste Saite deiner Gitarre zu stimmen.

Saitenvergleich: Immer zwei müssen passen
Saitenvergleich: Immer zwei müssen passen Foto: Jörn Petersen

Und nun geht’s los mit dem eigentlichen Gitarre-Stimmen nach der „5-Bund-Technik“. Die dickste-Saite – das E – drückst du im 5. Bund auf das Griffbrett. Dieser 5. Bund ist auf fast jeder Gitarre mit einem Punkt auf dem Griffbrett oder Hals markiert. Nun zupfst du die E- und die nicht gegriffene A-Saite nacheinander an und lässt sie gemeinsam klingen. Am Stimmwirbel der tiefsten Saite drehst du vorsichtig solange, bis die beiden Töne identisch sind.

Nach diesem Strickmuster geht’s weiter: Die A-Saite im 5. Bund muss mit der leeren (!) D-Saite übereinstimmen; die im 5. Bund gegriffene D-Saite mit der G-Saite. Und Achtung, ich erwähnte bereits den sprachlichen Nonsens, die G-Saite wird im 4. Bund gegriffen und muss dann mit der H-Saite identisch klingen. Die H-Saite greifst du wiederum im 5. Bund und sorgst für Übereinstimmung mit der hohen E-Saite, also mit der dünnsten von allen.

Vermutlich wirst du den Vorgang ein paar Mal wiederholen müssen. Die Drähte oder Nylonsaiten haben anfänglich die bewundernswerte Charaktereigenschaft, sich immer wieder leicht entspannen zu wollen. Außerdem müssen deine Ohren noch ein wenig trainiert werden, bevor sie zuverlässig das musikalische Gras wachsen hören. Der angenehme Nebeneffekt ist aber exakt das Training deines Gehörs. Und das ist für einen ambitionierten Musiker ebenso wichtig wie die Hauptprotagonisten: seine Finger.

Gitarre stimmen mit Flageolett-Tönen

Was ist denn das für ein merkwürdiger Begriff? Flageolett? Darunter versteht man spezielle Obertöne, die sich ergeben, wenn man beispielsweise über dem fünften oder siebten Bund (auch im zwölften Bund möglich) die Saite ganz leicht – candylike – berührt und sie kurz anspielt. Der Kontakt zwischen Finger und Saite muss genau über dem Bundstäbchen stattfinden. Ist die Saite angespielt, muss der Finger sofort wieder weggenommen werden. Das Gitarre-Stimmen erfolgt nach ähnlichem Prinzip wir bei der 5-Bund-Technik. Aber ganz ehrlich, das ist ein wenig kompliziert und verlangt schon nach großem Fingerspitzengefühl. Lass‘ im Augenblick lieber die Finger davon. Wir erklären das irgendwann mal genauer.

Des Gitarristen Komfortzone: Gitarre stimmen per Stimmgerät

Die vermutlich simpelste Möglichkeit, wenn du deine Gitarre stimmen möchtest ist: Lass es deinen Gitarrenlehrer oder die große Schwester machen. Unsinn, wir weichen vom Thema ab. Am einfachsten ist es mit einem Stimmgerät. Davon gibt es die unterschiedlichsten Ausführungen. Besonders gebräuchlich sind heutzutage digitale Stimmgeräte, die es für kleines Geld im Handel gibt. Das Prinzip ist einfach. Du schaltest das Stimmgerät ein, spielst eine Saite an und schon wird die aktuelle Tonhöhe angezeigt. Bei den meisten Geräten siehst du auch direkt, ob der Ton noch zu niedrig oder zu hoch ist. Also heißt es, vorsichtig (!) an den Stimmwirbeln in die richtige Richtung kurbeln, bis die Anzeige in der Mitte steht.

Komfortstimmen per Stimmgerät
Komfortstimmen per Stimmgerät Foto: Jürgen Richter
Gitarre stimmen mit Kopf-Tuner
Gitarre stimmen mit Kopf-Tuner Foto: Jürgen Richter

Hauptvorteil von Stimmgeräten ist, dass das Gitarre-Stimmen damit besonders einfach ist, geradezu idiotensicher. Ein weiterer Vorzug besteht darin, dass man sie auch in einer lauten oder geräuschsensiblen Umgebung nutzen kann. Stell dir vor, du befindest dich zwischen vielen anderen Musikern, alles dröhnt fröhlich durcheinander. Ohne diese technische Unterstützung würdest du kaum einen Ton identifizieren können.

Befindest du dich auf einer Bühne, gibt es immer wieder diese Situationen, in denen das Publikum von dem Stimmvorgang nichts hören darf. Die da unten – und auch deine Bandkumpels – wären einfach nur genervt. Viele Profis haben ein Stimmgerät so verkabelt, dass sie immer wieder zwischendurch einen kurzen Blick auf die (hoffentlich) korrekten Töne werfen können. Oder sie schalten das Instrument für das Gitarre-Stimmen nach außen stumm. Geht alles, aber so weit sind wir im Moment noch nicht.

Abteilung Smartphone – der ständige Begleiter
Abteilung Smartphone – der ständige Begleiter Foto: Jürgen Richter

Im Zeitalter von Smartphone & Co.

Logo, dass es bei der Flut von Apps für deine telefonische Kommunikationszentrale auch Stimm-Apps gibt, beispielsweise gSTrings. Die funktionieren recht gut und sind außerdem recht preiswert, meistens sogar kostenlos. Hauptsächlicher Nachteil bei den meisten Apps ist, dass sie allenfalls umständlich mit dem Instrument verkabelt werden können. Das bedeutet zwangsläufig, dass du auf das Mikrofon deines Handys angewiesen bist. Also kannst Du nur dann deine Gitarre stimmen, wenn es ringsherum einigermaßen still ist.

Die Gitarre beim Stimmen unter Zugzwang setzen
Die Gitarre beim Stimmen unter Zugzwang setzen Foto: Jürgen Richter

Straffziehen und dehnen

Erfahrene Gitarristen dehnen die Saiten bereits beim Aufziehen, also bereits vor dem eigentlichen Gitarre-Stimmen. Letztlich ist das ein Trick, den du dir für irgendwann mal aufbewahren kannst. Für den Augenblick ist es lediglich zu wissen, dass du die Saiten nach der ersten Runde noch einmal dehnen solltest. In der Realität sieht das so aus, dass du jede einzelne von ihnen zwischen zwei Finger der Schlaghand nimmst, sie festhältst und nach oben – vom Griffbrett weg – ziehst.

Nicht zu zaghaft, aber mach das bitte auch nicht zu radikal und halte auch unbedingt deine Augen weg. Reißt eine Seite wegen zu unfreundlicher Handhabung, kann das durchaus gefährlich werden. Das arme Ding steht nun mal unter Druck. Nach dem Dehnen geht der ganze Stimmvorgang beinahe wieder von vorne los. Und wenn du mit der erneuten Runde durch bist, hast du es geschafft. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch. Deine Gitarre zu stimmen war doch einfacher als befürchtet, oder?

Die Gitarre ist verstimmt – worüber nur?

Übrigens: Das Gitarre-Stimmen ist kein einmaliger Vorgang. Das wirst du von Zeit zu Zeit immer wieder machen müssen. Wenn das Instrument plötzlich nicht mehr stimmt, nimm es nicht persönlich, zerbrich dir nicht den Kopf. Das ist vollkommen normal. Grund dafür sind beispielsweise schwankende Raum- oder Außentemperaturen, bestimmte Spieltechniken, bei denen die Saiten gezogen werden, oder nachgebende Mechaniken. Irgendwann sind die Dinger auch schlicht und ergreifend alt und abgespielt. Dann klingen sie nur noch stumpf, machen keinen Spaß mehr und sind auch nicht vernünftig stimmbar. Das Positive: Es müssen neue rauf und jetzt darfst du erneut die Gitarre stimmen. Viel Erfolg, du schaffst das!

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