Griffbrett der Gitarre für Anfänger erklärt

Von Bund zu Bund auf dem Fretboard schwingen

Foto: Shutterstock von Africa Studio

Das Griffbrett der Gitarre ist wesentlich für die Bespielbarkeit deines Instrumentes, wobei unter den Eingefleischten immer wieder Diskussionen über „besser oder schlechter“ entfachen. Fakt ist: Die eine Wahrheit gibt es nicht. Hier kommen für dich Infos über die Orientierung, unterschiedliche Bauweisen und Qualitätsmerkmale.

Check it: Basics zum Griffbrett der Gitarre

  • Wie du dir die Töne auf dem Griffbrett erarbeitest
  • Von der chromatischen zur diatonischen Tonleiter
  • Was überhaupt das Griffbrett ist
  • Welche die Aufgabe von Bünden, Bundstäbchen und Dots ist
  • Aus welchem Material Griffbretter gefertigt werden
  • Welche Griffbretter nach besonderer Pflege rufen

Wie kannst du die Töne auf dem Griffbrett der Gitarre lernen?

Als Gitarrist bist du gegenüber den Tasteninstrumenten tatsächlich ein wenig benachteiligt. Pianisten und Keyboard profitieren von der wunderbaren Übersichtlichkeit der Tastatur mit weißen und schwarzen Tasten. Du nicht! So eindeutig und auf Anhieb plausibel sind die Töne auf dem Griffbrett der Gitarre nicht aufgeteilt. Um die Töne auf dem Griffbrett der Gitarre zu lernen, gibt es eine schlichte Lösung: Du wirst die Lage der Töne auswendig lernen müssen. Aber keine Angst. Das ist kein Hexenwerk und auch keine Atomphysik.

Mit ein bisschen Basic-Wissen wird’s einfach

Sicherlich warten unterschiedliche Möglichkeiten auf dich, mit denen du dir die Einteilung beim Griffbrett der Gitarre erarbeiten kannst. So kannst du die Töne mit den sogenannten Stammtönen, unter Zuhilfenahme der chromatischen Tonleiter oder mit der Blockmethode lernen. Dadurch, dass sich das bis hierhin ein wenig verkopft anhört, solltest du dich nicht abschrecken lassen. Denn mit einer Portion Basiswissen ist es eigentlich ganz einfach.

Mit einer Portion Basiswissen ist die Orientierung ganz einfach | Foto: Shutterstock von Marina Demidiuk

Wie sind denn die Abstände von einem Bund zum nächsten Bund?

Von Bund zu Bund verläuft jede Saite in Halbtonschritten, nur eben mit jeweils anderen Tönen beginnend. Diese Feststellung mag geradezu blamabel simpel erscheinen, schon klar. Aber vielen Anfängern ist diese Eigenschaft nicht bewusst. Was du dir möglichst frühzeitig draufschaffen solltest, ist die chromatische Tonleiter (und die ist auch nicht schwer!). Dann nämlich kannst du geradezu mühelos auf einer Saite aufwärts zählen; Schritt für Schritt, Bund für Bund.

Wissen, wo die Töne liegen, ist eine Grundanforderung | Foto: Shutterstock von muma.de

Die nächste Möglichkeit ist es, die Töne basierend auf der diatonischen Tonleiter zu erlernen, bei der man auch von Stammtönen spricht. Aufgebaut ist etwa die Durtonleiter mit Ganz- und Halbtonschritten. Bei einem Ganztonschritt bleibt zwischen den beiden Tönen jeweils ein Bund frei. Ein Halbtonschritt ist der Schritt von einem Bund zum unmittelbar nächsten der Saite. Die Halbtonschritte einer Durtonleiter befinden sich an der dritten zur vierten und an der siebten zur achten Stufe der Tonleiter. Nach diesem Muster kannst du dir sämtliche Töne draufschaffen.

Das sieht dann so aus:

  • zur 2. Stufe – Ganztonschritt
  • zur 3. Stufe – Ganztonschritt
  • zur 4. Stufe – Halbtonschritt
  • zur 5. Stufe – Ganztonschritt
  • zur 6. Stufe – Ganztonschritt
  • zur 7. Stufe – Ganztonschritt
  • zur 8. Stufe – Halbtonschritt

Bewegst du dich auf dem Griffbrett der Gitarre nun ausschließlich auf der zweitdicksten Saite, der A-Saite, ergeben sich daraus diese Töne:

  • Leersaite – A
  • A-Saite 2. Bund – H
  • A-Saite 4. Bund – C#
  • A-Saite 5. Bund – D
  • A-Saite 7. Bund – E
  • A-Saite 9. Bund – F#
  • A-Saite 11. Bund – G#
  • A-Saite 12. Bund – A

Nach diesem Strickmuster kannst du bei allen Saiten und bei sämtlichen Tönen verfahren und somit einen riesigen Schritt nach vorne machen. Klar, das ist Fleißarbeit, aber du kommst einfach ungemein weiter.

Die diatonische Tonleiter bildet die Basis | Foto: Shutterstock von muma.de

Brüll‘ dir die Töne lauthals ins Gedächtnis

Im nächsten Schritt überträgst du die Abstände auf sämtliche sechs Saiten beim Griffbrett der Gitarre. Und schon wird ein passender und verständlicher Schuh aus der Angelegenheit. Beim Üben solltest du die Töne immer laut sagen, um sie dir ins Gedächtnis zu hämmern, am besten gleichzeitig dabei den jeweiligen Bund benennen. Frei nach dem Motto: „F – 1. Bund auf der E-Saite“, „G – 3. Bund auf der E-Saite“ usw.

Was ist überhaupt das Griffbrett der Gitarre?

Wie so oft in der musikalischen Welt klingt der Name, so man ihn wirklich im Wortsinn verstehen wollte, durchaus verwirrend. Vermutlich deshalb, weil sich irgendwie keine treffendere Bezeichnung finden ließ. Denn das Griffbrett der Gitarre ist kein Brett, sondern – wie auch bei anderen Streich- oder Zupfinstrumenten – eine Fläche, die unter den Saiten in ebener oder gewölbter Form verläuft. Das Griffbrett befindet sich auf dem Hals. Beim Spielen drückst du die Saiten demnach nicht auf den Hals, sondern auf das Griffbrett.

Griffbrett der Gitarre: Was sind Bünde und Bundstäbchen?

Das Griffbrett der Gitarre wird zunächst aus einem einzigen Stück Holz gearbeitet und auf dem Gitarrenhals geleimt. Im nächsten Stepp werden die Bünde eingearbeitet, in der Fachsprache heißt das: „Der Hals wird bundiert.“ Nun musst du noch eine sprachliche Unterscheidung kennen. Die Bünde sind eben nicht die aus Metall bestehenden Bundstäbchen, sondern die sich daraus ergebenden Zwischenräume. Sagt man dir etwa, du sollst einen Ton im fünften Bund greifen, drückst du demzufolge die Saite auf die Fläche zwischen dem vierten und fünften Bundstäbchen.

Welches Material haben die Bundstäbchen bei der Gitarre?

Gefertigt werden die Bundstäbchen aus Metall, wobei verschiedene Legierungen benutzt werden. Häufig bestehen die Stäbe aus Neusilber, womit wir beim nächsten verwirrenden Namen angelangt sind. Obschon die Vermutung naheliegt, Neusilber sei echtes Silber in „neu“, ist darin kein Silber enthalten. Vielmehr handelt es sich um eine Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink. Ebenso werden die Bundstäbe beim Griffbrett der Gitarre gerne aus Stahl gefertigt, was per se eine längere Lebensdauer verspricht.

Durch die Bundstäbe – die Frets – werden die Töne unterteilt | Foto: Shutterstock von Marina Demidiuk

Welchen Sinn haben die Bundstäbe überhaupt?

Der Zweck der Bundstäbchen auf dem Griffbrett der Gitarre ist es, dass die Saite beim Herunterdrücken um eine exakt bestimmte Länge verkürzt wird. Je kürzer die Saite, desto höher ist der Ton. Die Abstände der Bundstäbchen zueinander sind deshalb eine Wissenschaft für sich, zumal die verkürzte Saite – die verkürzte Mensur – immer auch korrekt stimmen muss. Wären ein oder mehrere Bundstäbe nicht präzise gesetzt, wäre es dir unmöglich an der Position tonal sauber zu spielen. Es ginge einfach nicht.

Wie werden die Abstände der Bundstäbe berechnet?

Du willst die Gitarre verstehen und spielen, aber vermutlich nicht bauen. Erlauben wir uns trotzdem einen Ausflug in die Welt des Gitarrenbaus, um uns die Komplexität vor Augen zu führen, nämlich der Frage: Wie wird der Bundabstand berechnet? Zunächst nimmt man die Mensur, also die Länge der frei schwingenden – nicht gegriffenen – Saite – zwischen Steg und Sattel. Die Rechnung lautet wie folgt:

Die Länge der gesamten Mensur wird durch den Faktor 17,817 geteilt. Daraus ergibt sich der Abstand vom Sattel zum ersten Bundstäbchen. Der wird nun von der Gesamtlänge abgezogen, der verbleibende Wert wiederum durch den Faktor 18,817 dividiert, sodass sich die Position für das zweite Bundstäbchen ergibt. Nach diesem Strickmuster geht’s von einem Bundstäbchen bis zum anderen fröhlich weiter. Schon interessant, dass Musik offensichtlich auch Mathematik ist. Aber das wusstest du schon, oder?

Was haben die Punkte auf dem Griffbrett zu bedeuten?

Bei den meisten Gitarren befinden sich spezielle Punkte auf dem Griffbrett, die auch als „Dots“ bezeichnet werden. Diese Punkte sind keineswegs nur aus optischen Gründen aufgebracht, auch wenn sie bei manchen Instrumenten mit wirklich wunderschönen, ästhetischen Inlays wie floralen Mustern, Trapezformen, Rauten oder Vierecken gearbeitet sind und oftmals auch hochwertigem Perlmutt bestehen. Vielmehr helfen sie dir, dich auf dem Griffbrett der Gitarre besser zurechtzufinden.

Als Orientierungshilfen befinden sich diese Punkte im 3., 5., 7., 9., 12. und 15.sowie 17., 19t. und 21. Bund. Am markantesten ist die Markierung im 12. Bund, zumal sich hier gleich zwei Punkte befinden. Am 12. Bund wird die jeweilige Saite in die Oktave – die Hälfte der Mensur – unterteilt. Ab dem 12. Bund aufwärts beginnt die zweite Oktave der Saite und die Töne wiederholen sich. Manche Gitarren haben darüber hinaus ein Griffbrett mit 24 Bünden. Auch dort kann dann die nächste Oktavunterteilung mit zwei Punkten markiert sein.

Was hat es mit dem Griffbrettradius auf sich?

In der Regel weist das Griffbrett der Gitarre eine Wölbung auf. Bezeichnet wird diese Wölbung, die von einem Hersteller zum anderen durchaus unterschiedlich und markentypisch ausfallen kann, als Griffbrettradius. Angeben wird der Radius in der Einheit Zoll. Beispielsweise klassische Fender-Hälse zeichnen sich durch relativ starke Wölbung von 7,25 Zoll aus. Vorteil einer solch starken Wölbung ist, dass sich beispielsweise Akkorde besser greifen lassen, da sie der natürlich leichten Krümmung der Finger bei entspannter Handhaltung entgegenkommt.

Andererseits gibt es Gitarren-Griffbretter mit geringerer Wölbung, so etwa von Ibanez, Music Man und diversen weiteren. Die wiederum haben den Vorzug, dass sie modernen Spieltechniken entgegenkommen, zumal sie sich erstens solistisch leichter greifen lassen, außerdem die Saiten bei Bendings nicht so leicht aufsetzen. Um das zu verdeutlichen: Wir sprechen hier von E- und Westerngitarren. Griffbretter von klassischen Gitarren mit Nylonsaiten sind demgegenüber vergleichsweise flach. Je größer die Zahl in Zoll, je geringer ist die Griffbrettwölbung.

Aus welchem Material wird das Griffbrett der Gitarre gefertigt?

Während man beim Korpus von Gitarren auf möglichst schwingfähige Hölzer setzt, kommen für die Griffbretter vornehmlich Hölzer mit hoher Dichte und Stabilität zum Einsatz. Zu den hochwertigsten – weil überdurchschnittlich dichten – Hölzern gehört Ebenholz, auf Englisch Ebony genannt. Dabei handelt es sich um ein Tropenholz, von dem nur jene Unterarten verwendet werden dürfen, die nicht unter die Beschränkungen des CITES-Abkommens fallen.

Ein weiteres gern genutztes Holz ist Palisander – Rosewood -, hauptsächlich aus der Dalbergia-Familie. Die Hölzer stammen etwa aus Südamerika oder aus Ost-Indien. Auch hier ist es für die Instrumentenbauer wichtig darauf zu achten, dass das Holz FSC-zertifiziert ist und somit nachhaltig angebaut wird. Aber keine Sorge! Wenn du eine neue Gitarre in einem Fachgeschäft kaufst, wird sie in der Regel den Kriterien für Nachhaltigkeit und Schutz von Tropenholz entsprechen.

Die Hölzer müssen über Jahre abgelagert werden und trocknen | Foto: Shutterstock von pixs4u

Insbesondere bei E-Gitarren, beispielsweise von Fender, wird auch gerne Ahorn – Maple – für das Griffbrett verwendet. Die Geister scheiden sich daran, ob die Wahl außer der Optik auch klangliche Auswirkungen hat. Die Auflösung ist simpel: Selbstverständlich gibt es Unterschiede. Nur werden die vermutlich erst dann auffallen, wenn du auf dem Instrument weiter fortgeschritten bist. Ahorn soll perkussiver und heller klingen, Rosewood etwas wärmer, mittiger und rotziger. Realistisch betrachtet wird die Bespielbarkeit sich auch daran entscheiden, ob, wie und womit das Griffbrett lackiert ist oder eben nicht.

Die Kardinalfrage: Griffbrett geölt oder lackiert?

Die verschiedenen Holzarten weisen unterschiedliche Härtegrade auf und müssen aus dem Grund auch speziell oberflächenbehandelt werden. Griffbretter aus Ahorn werden in der Regel lackiert. Eine Nachbehandlung, abgesehen von der Reinigung, ist eigentlich nicht nötig. Allerdings kann der Lack nach längerer Zeit leiden, anlaufen oder auch wirklich abgenutzte Stellen aufweisen. Das ist wie im Leben: Irgendwann ist der Lack ab.

Das sich ergebende Used-Finish kann dann Vintage-mäßig cool oder einfach nur unschön aussehen, je nach persönlichem Geschmack. Wirklich etwas passieren muss allerdings erst, wenn die Abnutzung zulasten der Bespielbarkeit geht. Im Gegensatz dazu sind die meisten Palisander- und erst recht die Ebenholz-Fretboards normalerweise unlackiert. Für eine möglichst lange Lebensdauer und Bespielbarkeit sollten solche Griffbretter ab und an geölt werden. Im Handel findest du entsprechende Pflegemittel, die das Holz mit ihren Inhaltsstoffen nicht angreifen.

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Muss man ein Gitarren-Griffbrett pflegen?

Ja, das gehört zum absoluten Pflichtprogramm! Tatsächlich gehört das Griffbrett der Gitarre zu den pflegeintensivsten Komponenten des Instrumentes überhaupt. Kein anderes Teil ist derart dem aggressiven Handschweiß ausgesetzt. Abgesehen von den Saiten selbst; doch die sind ja nicht Bestandteile des Instrumentes selbst und können leicht ersetzt werden. Damit nicht genug, auch sonstige Partikel, Staub, Fette oder Abrieb der Saiten beeinträchtigen das Griffbrett der Gitarre.

Ein spezielles Thema bei der Griffbrettpflege ist der Umfang mit den Bundstäbchen. Tatsächlich sind die einerseits nicht besonders pflegebedürftig. Wenn du die beim nächsten Saitenwechsel vernünftig abreibst, sollte das im Normalfall völlig ausreichen. Den selbstverständlichen Abnutzungsprozess kannst du nicht aktiv aufhalten. Im Laufe der Zeit können – mindestens – zwei Szenarien auftreten.

Was muss man bei rausstehenden Bundstäben am Hals machen?

Bei dem ersten – hauptsächlich bei akustischen Gitarren zu beobachten – kannst du noch selbst Hand anlegen. Und auf den Zusammenhang muss man ehrlich gesagt erstmal kommen: Falls die Bundstäbchen am Halsrand beginnen, langsam hervorzustehen, ist das zunächst kein Zeichen dafür, dass sie handwerklich schlecht eingelassen wären.

Stattdessen ist das Holz aufgrund der raumklimatischen Bedingungen trocken geworden. Nicht das Bundstäbchen hat reagiert; das Holz hat sich zusammengezogen. Und so müssen auch nicht die Bundstäbe bearbeitet werden. Die Lösung lautet, das Griffbrett der Gitarre zu ölen. Zeit für einen Frühjahrsputz mit Wellness-Programm.

Kein Signal für minderwertige Verarbeitung, sondern ein Ruf nach Pflege | Foto: Shutterstock von MaxkyTH

Unter höchster Beanspruchung stehend

Vermutlich gibt es kaum ein Teil beim Griffbrett der E-Gitarre, das dauerhaft derartig beansprucht wird wie die Bundstäbe. Irgendwann sind die runtergespielt, weisen möglicherweise kleine Rillen oder sind sonst wie in Mitleidenschaft gezogen. Das mag – hoffentlich – Jahre dauern und hängt natürlich auch davon ab, wie häufig und intensiv du spielst, aber auch davon, welche Saiten du spielst.

Im besten Fall müssen die Bundstäbchen nun leicht abgeschliffen werden, was du sinnvoller Weise von einer Fachwerkstatt machen lässt, ohne im DIY-Verfahren eigenhändig zu werkeln. In härteren Fällen kann es vorkommen, dass das Griffbrett frisch bundiert werden muss, um das Schätzchen zu retten. Starte keine eigenen Rettungsversuche, lass das lieber die Fachleute machen. Die wissen, wie das geht und ob das überhaupt eine Option ist.

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