
Sobald die ersten Töne, Tonleitern und Melodien auf dem Saxophon einigermaßen vernünftig laufen, werdet ihr es zunehmend eigenständig entdecken wollen. Wie kann man mit dem Saxophon vorgegebene Pfade überschreiten? Hier unsere Gedanken zum Improvisieren auf dem Saxophon.
Innere Barrieren überwinden und musikalische Möglichkeiten erweitern
Für viele Musiker, gerade die Notenfesten, stellt das Improvisieren auf dem Saxophon eine Hürde dar. Bislang hatten sie anhand Noten einen festgesteckten Rahmen, an dem sie sich orientieren konnten. Exakt davon sollen sie sich nun teilweise wieder verabschieden und statt Wiedergekäutem vollkommen Neues spielen. Die Verunsicherung wächst, ein typisches Improvisationsproblem.
Dabei ist das eigentliche Problem vermutlich das Gefühl, man könne etwas falsch machen und mit den jaulenden Katzen aus der Nachbarschaft konkurrieren. Schieb‘ solche Bedenken einfach beiseite; jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Das Motto heißt: Einfach mal ausprobieren. Deine musikalischen Möglichkeiten erweiterst du damit um ein Vielfaches.

Was ist das Besondere beim Improvisieren auf dem Saxophon?
Uns Musikern geht es doch darum, etwas zu erschaffen! Jedes Musikstück ist irgendwann einmal aus der Kreativität des Komponisten entstanden. Im Grunde genommen kommt also jede Komposition zunächst aus dem Nichts. Improvisieren ist gewissermaßen das Songwriting just in time. Die besondere Krönung unendlich vieler Songs.
Der hauptsächliche Unterschied zwischen Komponieren und Improvisieren auf dem Saxophon ist lediglich, dass man die Komposition (üblicherweise) notiert oder sonst wie reproduzierbar festhält, sie außerdem immer wieder überarbeiten kann, bis man schlussendlich mit dem Resultat zufrieden ist. Improvisation hingegen ist das reizvolle Spiel für den flüchtigen Augenblick. Eine Improvisation kann man nicht mehr „überarbeiten“. Im gespielten Augenblick ist sie bereits wieder Vergangenheit. Wird das Solo wiederholt, ist es per sofort keine Improvisation, sondern eine Reproduktion.
Mit dem Improvisieren auf dem Saxophon begibst du dich auf die nächste Stufe des Spielens. Rein „mechanisch“ hast du schon einiges auf dem Instrument geschafft, jetzt aber geht es darum, deine eigene Kreativität zu entdecken, auszuleben, und der Musik damit das besondere Etwas zu verleihen. Und gerade das Saxophon ist für diese genialen Momente geradezu prädestiniert.
Wie übt man das Improvisieren auf dem Saxophon?
Gut üben kannst du das Improvisieren auf dem Saxophon zu vorher eingespielten Akkordfolgen, die du immer und immer wieder im Hintergrund ablaufen lässt. Solche Abfolgen – beispielsweise Bb-Dur, G-Moll, Eb-Dur, F-Dur – kannst du locker über ein Keyboard, die Software auf deinem Notebook oder einen Sequenzer einspielen. Vielleicht hast du auch einen höchst geduldigen Kumpel, der dir mit seinem Instrument den Akkordteppich in Dauerschleife liefert. Lege dir am Anfang die Harmonien fest und beschäftige dich sowohl mit den akkordeigenen Tönen als auch mit der entsprechenden Tonleiter.

Improvisation zu Play-Alongs und vorhandenen Songs
Eine weitere Möglichkeit ist vollkommen simpel: Lass einfach einen deiner Lieblingssongs laufen, vergewissere dich vorher, dass die Tonart für dich – und zu deinem Instrument – spielbar passt. Also anfangs vermutlich entweder klingend Bb-Dur für das Tenor-Sax oder klingend Eb für das Alt-Saxophon. Und dann spiel einfach in die Lücken, garniere den Titel mit deinen Tönen und Phrasierungen.
Selbst wenn’s zu Beginn noch nicht so perfekt klingt und selbst verständlich auch ein Kompromiss bleibt. Allein das trainiert ungemein und gibt dir die gute Portion Sicherheit.
Angeboten werden auch Play-Along-CDs, in denen im jeweiligen Titel die Lücke für das Solo gelassen wird. Musikalisch sind diese beiden Varianten allerdings bereits deutlich anspruchsvoller. Eine inzwischen ebenfalls funktionierende Variante: Viele DAWs und DJ-Software kann inzwischen fertige Songs in einzelne Instrumentenspuren „zerlegen“. Mit ein bisschen Glück kannst du dann einfach die Spur deiner Wahl abschalten und sie durch deine Improvisation ersetzen.
Welche Töne kannst du beim Improvisieren auf dem Saxophon nutzen?
Na ja, Improvisation bedeutet eigentlich, sich nicht zwingend an Vorgaben zu halten. Somit könntest du theoretisch sämtliche Töne spielen, die dir in den Sinn kommen. Das Gehör der Mitmusiker, dein eigenes und auch das möglicher Zuschauer wird dir allerdings die Schranken weisen. Also müssen wir uns um das „Tonmaterial“ kümmern.
Was du also für das Improvisieren auf dem Saxophon benötigst, ist die Tonart mit der dazugehörigen Tonleiter. Manche der Töne sind anfangs ziemlich gefährlich, da sie im falschen Zeitpunkt gespielt doch recht schräg und entsprechend unbeholfen klingen können. Da musst du ein wenig Erfahrung sammeln.
Nichts verkehrt machen kannst du, wenn du die akkordeigenen Töne spielst, also Grundton, Terz und die Quinte. Sind die Akkorde wie im Jazz komplexer, kannst du deine Improvisation bereits hier unkompliziert erweitern. Da ist eslogisch, dass du die Akkordtöne dafür inklusive der Umkehrungen kennen musst. Es ist eben alles eine Frage der Vorbereitung.
Pentatonik und Leittöne hinzunehmen
Dann kannst du dein Tonmaterial gut durch die pentatonischen Tonleitern erweitern. Das sind Tonleitern mit lediglich 5 Tönen, bei denen in der Basic-Form die teils „gefährlichen“ Halbtonschritte fehlen. Auf deiner kreativen Reise suchst du dir nun noch die dir gefallenden Durchgangs- bzw. Leittöne. Darunter versteht man jene Töne, die von einem Melodiepart oder Akkord zum anderen leiten und üblicherweise nicht auf den geraden Zählzeiten des Taktes gespielt werden. Und schon klingt es spannend!

Wie setzt man rhythmische Abwechslung beim Improvisieren auf dem Saxophon ein?
Improvisieren auf dem Saxophon ist keineswegs nur eine Frage der passenden Töne zum richtigen Zeitpunkt. Ebenso geht es um die interessante und hörenswerte Phrasierung, um die rhythmische Abwechslung.
Es gibt diverse Stücke, bei denen das Solo von nur einem einzigen Ton geprägt ist, der aber rhythmisch immer wieder abgewandelt wird und dem Song damit einen speziellen Reiz verleiht. Ob du vor, auf oder hinter dem Beat spielst, macht einen wesentlichen Unterschied. Und hatten wir’s erwähnt? Auch Pausen sind Musik; hab Mut zur Pause und leg‘ los, wenn die Spannung auf dem Höhepunkt ist.
Dynamik und Steigerung
Ein Solopart auf dem Saxophon, der permanent auf gleichem Niveau schiebt oder dahinplätschert, wird in den meisten Fällen seine Wirkung verfehlen. Ein Saxophon kann weinen, jubeln, flüstern, schreien und die Sonne aufgehen lassen. Beim Improvisieren mit dem Saxophon solltest du versuchen, deine eigene gefühlte Dramaturgie einzubauen. Beispielsweise zart beginnen und dann kontinuierlich steigern, auch die Anzahl der Töne erhöhen. Oder eben umgekehrt, je nach Musikstil.

Abweichungen von der Grundmelodie
Die eigentliche Problematik: Beim Improvisieren auf dem Saxophon hast du kaum Zeit und vermutlich auch keine Lust, zeitgleich über musiktheoretische Zusammenhänge nachzudenken, die schon längst keine Basics mehr sind.
Wenn du also nicht nur zu Akkordfolgen, stattdessen zu einem Stück spielst, ist es hilfreich, wenn du die eigentliche Melodie auswendig kennst. Umspielen, verzieren, erweitern kannst du nur das, was du zuvor verinnerlicht hast. In der Melodie findest du all die Informationen und Strukturen, mit denen du deinen eigenen Weg gehen kannst.
Wenn du mehr über Saxophone erfahren willst, lies doch hier weiter: „Klassiker: Selmer-Saxophone als echte Legenden„





