Nachbarschaftstauglich üben mit Übungskalender

Blasinstrument: Wo kann ich üben?

Foto: Shutterstock von Jaromir Chalabala

Du bist ambitionierter Einsteiger auf dem Blechblasinstrument und möchtest zügig und vernünftig weiterkommen. Jeder kloppt dir den inflationären Ratschlag um die Ohren: Üben, üben, üben. Tja, du würdest ja gerne. Deine Frage gerade beim Blasinstrument: Wo kann ich üben, ohne den Zorn der Nachbarn auf mich zu ziehen?

Check it – Blasinstrument: Wo kann ich üben?

  • Zu Hause: Hauptsache rücksichtsvoll
  • Übungskalender mit externen Zeiten befüllen
  • Variante Schule – Pädagogen sind offen für Musikschüler
  • Variante Jugendfreizeitheim – einfach anfragen
  • Eher selten, aber sinnvoll: Private Musikschule
  • Regionale Musiker-Initiativen: Gegenseitige Hilfe
  • Kulturvereine: Ambitionierte Ansprechpartner
  • Schwammige Rechtsprechung hilft nicht viel

Blasinstrument: Wo kann ich üben, wenn Lautstärke mit Ruhebedürfnis kollidiert

Dein Blechblasinstrument ist lautstark. Leicht nachvollziehbar auch, dass es gerade am Anfang manchmal ziemlich schräg klingt. Das schmeckt nicht jedem Ein Kopfhöreranschluss wie bei einem Keyboard ist nicht vorhanden. Zimmerlautstärke oder noch leiser somit nicht möglich, allenfalls mit kostspieliger Technik. Du bist so richtig froh darüber, wenn du die Töne so richtig satt mit Jericho-Faktor hinbekommst. Deine Nachbarn sind da leicht anderer Ansicht.

Dass die Nachbarn entnervt an die Wand hämmern oder zum Telefon greifen und dir den Hausmeister oder gleich die Ordnungshüter auf den Hals hetzen, kannst du sogar verstehen. Dich würde es umgekehrt auch nerven. Eine Lösung muss her, sonst wird das nichts mit deinem Blechblasinstrument. Wo kann ich üben, wenn’s zu Hause doch nur derart eingeschränkt machbar ist?

Nun hast du also den Vorsatz, konsequent zu üben, und möchtest zugleich nicht zum Bad Guy in deinem Wohnumfeld werden. Dafür verbleiben nur zwei Möglichkeiten: Die technische Lösung wäre, mit einem Silent-Brass-System zu arbeiten. Das hat immense innovative Vorzüge. Du kannst damit für die Nachbar nahezu unhörbar spielen. Der Nachteil: Das kostet Geld; außerdem ist der Anblasdruck ein anderer.

Irgendwie die Lautstärke erträglich machen
Irgendwie die Lautstärke erträglich machen Foto: Shutterstock von nd3000

Erkläre den Nachbarn deinen Plan

Um sich mit den Nachbarn nicht gleich vollkommen zu verfeinden, ist es schon mal ein guter Ansatz, mit ihnen zu reden. Gehe hin und erzähle ihnen von deinem neuen Hobby. Sage ihnen, dass du üben musst, weil du sonst nicht vorankommst. Betone dabei auch, dass du dich selbstverständlich bemühst, so wenig wie möglich zu stören, dich an die Ruhezeiten halten und dich daheim auf ein wirklich verträgliches Maß beschränken wirst.

Die 80-jährige Dame von nebenan beruhigst Du, indem du ihr erklärst, dass du ihren verdienten Mittagsschlaf respektierst und ihr auch keinesfalls mit der Dezibel-Post die Kaffeetasse vom Sofatisch pusten wirst. Sinnvollerweise machst du keine Anspielungen auf ihr Hörgerät.

Viel wichtiger aber: Erzähle den Nachbarn von deinem Plan. Nämlich davon, dass du nach weiteren Möglichkeiten suchst, sie nicht zu stören. Du und dein Blasinstrument: Wo kann ich üben? Frag sie ruhig, möglicherweise haben sie eine Idee für dich. Was können solche Möglichkeiten sein? Nun, da wirst du ein bisschen kreativ sein und mit ein paar Menschen Kontakt aufnehmen müssen.

Dein nachbarschaftskompatibler Übungskalender

Günstigere und gleichzeitig alltagstaugliche Variante ist es, einen nachbarschaftsfreundlichen Übungs-Terminkalender zu entwerfen. Nimm die zwangsläufig Betroffenen mit bei deinen Überlegungen. Gehe mit deinem Übungskalender zu den Nachbarn und bitte sie, die Zeiten einzutragen, an denen sie sich am wenigsten gestört fühlen. Schreibe plakativ als Überschrift: „Mein Blasinstrument: Wo kann ich üben?“

Anschließend klopfst du diverse Möglichkeiten ab, wo du abseits des eigenen Zuhauses üben kannst. Mit ein bisschen Glück – und deinem aktiven Einsatz – werden sich dabei ein paar Räumlichkeiten ergeben. Vermutlich allesamt nur für eine paar Stunden die Woche nutzbar.

Aber exakt das ist der Reiz daran. Du versuchst ganz einfach, deinen Terminkalender mit verschiedenen Übungs-Locations zu befrachten. Ein paar Stunden hier, ein paar Stunden da. Mit dem sich langsam füllenden Terminkalender rennst du wieder zu den Nachbarn und zeigst ihnen, mit welcher Initiative du dich um ihre Ruhe bemühst.

Zeige den Nachbarn, dass du aktiv bist
Zeige den Nachbarn, dass du aktiv bist Foto: Shutterstock von 5 second Studio

Wo kann ich üben: Frag‘ mal in der Schule nach

Anfragen kannst du beispielsweise in der Schule. Erklärst du den Musiklehrern, der Verwaltung oder dem Direktor dein Problem, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass sie gemeinsam mit dir nach einer Lösung suchen. Vermutlich sind die Musikräume nicht permanent belegt, das wäre eher eine Ausnahme. Ihr könntet Zeiten absprechen, in denen du einen Musikraum nutzen kannst.

Eventuell so, dass dir einer der Pädagogen oder der Hausmeister lediglich zur abgesprochenen Uhrzeit auf- und am Ende wieder abschließt. Schulen sind oftmals froh und dankbar darüber, wenn die Schüler sich kreativ und musikalisch betätigen. Ist ja eine Bestätigung ihres pädagogischen Könnens. Ein weiterer Vorteil: Die Räume für den Musikunterricht sind meistens recht gut schallisoliert, sodass die Schüler in den anderen Unterrichtsräumen nicht gestört werden.

Vielleicht im nächsten Jugendfreizeitheim

Eine weitere Möglichkeit, deinen Übungskalender mit Zeit zu füllen, wäre das nächste Jugendfreizeitheim. Auch hier sind die Sozialarbeiter und Organisatoren darum bemüht, großen Abwechslungsreichtum und kreative Beschäftigung im sozialen Umfeld zu fördern. Musik ist ein bedeutender Teil davon.

Wenn Sie hören, dass du zu den Ambitionierten gehörst, werden sie sich nach ihren Möglichkeiten bestimmt für dich engagieren. Sofern sie Räumlichkeiten zur Verfügung haben und das dann auch mit den weiteren Angeboten ineinandergreift.

Sich gleich um einen Proberaum zu kümmern, ist vermutlich in diesem Stadium etwas überzogen. Üblicherweise bedeutet das monatliche Ausgaben für Miete und Nebenkosten. Manche haben allerdings Glück und können sich externe Proberäume mit anderen teilen. Schon wird’s günstiger.

Nächste Möglichkeit: Die private Musikschule

In einer privaten Musikschule zusätzliche Übungszeiten zu bekommen, ist in manchen Fällen möglich, aber sicherlich nicht der Normalfall. Die Räume der Musikschulen sind zu den typischen Zeiten meistens recht gut belegt. Anfragen könntest du allerdings, ob du bereits eine Stunde vor deinem Trompetenunterricht erscheinen und dich schon mal ausgiebig warmspielen dürftest. Falls räumliche Kapazitäten vorhanden sind, eine durchaus denkbare Variante. Hast du Erfolg, ist eine Stunde mehr in deinem Übungs-Timer gefüllt.

Super, wenn du früher auftauchen darfst
Super, wenn du früher auftauchen darfst Foto: Shutterstock von Praiwan Wasanruk

Regionale Musiker-Initiativen

Vollkommen gleichgültig, ob Einsteiger, Fortgeschrittener oder Profi: Du bist per sofort Teil einer immens großen Community; Menschen, die mit den gleichen Schwierigkeiten umzugehen haben und sich gerne gegenseitig helfen. In vielen Städten und Gemeinden gibt es Musiker-Initiativen. Bei denen laufen oftmals die Fäden zusammen, wenn es um Probe- und Übungsräume geht.

Auch zwischen den Musikern werden Tipps ausgetauscht. Willst du Musiker werden, sind deine nützlichsten Ansprechpartner die anderen Gleichgesinnten. In der Szene herrscht ein geradezu unvergleichlicher Stille-Post-Austausch. Viele pfiffige Typen darunter, die auch in Sachen Übungsmöglichkeiten leicht mal das Gras wachsen hören.

Kulturvereine

Auch bei Kulturvereinen kannst du auf offene Ohren treffen. Deren Ziel ist es, für kulturelle Vielfalt abseits des Mainstreams zu sorgen. Da kann’s auch gut angehen, dass die Organisatoren Räumlichkeiten für den Nachwuchs bereitstellen. Die Ehrenamtlichen haben einfach Freude an ihrer Betätigung und häufig ein großes Netzwerk von Kontakten. Einfach mal anfragen; ihr sprecht dieselbe Sprache. Und die heißt Musik.

Gemeinsam seid ihr stark

Immer gut ist es, wenn du Mitstreiter an deiner Seite hast. Gemeinsam könnt ihr euch Übungszeiten teilen, wenn ihr euch vernünftig abstimmt. Auch können sich daraus wie nebenher Bandprojekte entwickeln. Schon mal drüber nachgedacht, gemeinsam einen günstigen Schuppen als Übungsraum herzurichten oder eine Übungskabine aufzustellen?

Das Resultat: Du planst deine eigene Flexibilität

Ein Vorteil, wenn du deine Übungszeiten auf verschiedene Orte verteilst, ist die frühzeitige Gewöhnung an unterschiedliche Rahmenbedingungen beim Musizieren. Diese sich automatisch entwickelnde Flexibilität und Anpassungsfähigkeit wird dir in deinem künftigen Musikerleben immer wieder zugutekommen. Kein Auftritt ist wie der andere, keine Bühne gleicht der anderen. Stellst du dich bereits beim Üben und Lernen des Instrumentes darauf ein, kannst du dich auf individuelle Gegebenheiten leichter einstellen.

Üben zu Hause ist grundsätzlich erlaubt, aber eingeschränkt

In der Vergangenheit hat es immer wieder gerichtliche Auseinandersetzungen darüber gegeben, ob überhaupt, wie lange und zu welchen Zeiten zu Hause geübt werden darf! Gerichte verschiedener Instanzen haben entschieden, dass Musiker in den heimischen vier Wänden üben dürfen – auch Dezibel-freudige Trompeter, Tubisten und sonstige Blechbläser.

Jedoch sind dabei die Uhrzeiten und die Dauer des Übens beschränkt. Zugleich müssen die jeweils individuellen Gegebenheiten beachtet werden. Wie hellhörig ist das Gebäude? Haben Nachbarn vielleicht eine ernsthafte Erkrankung? Lebst Du in einer Nachbarschaft mit ruhebedürftigen Senioren?

Der Spagat lautet also: Ja, Du darfst üben – mit entsprechenden Auflagen und vor allem rücksichtsvoll. Und: Nein, das darfst du nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit. Notfalls kommt die Pozilei und spricht ein paar ernstgemeinte Worte mit dir. In hartgesotten unbelehrbaren Fällen kann der Vermieter sogar Schadenersatz fordern oder die Kündigung aussprechen.

Schwammige Rechtsprechung hinterlässt Unsicherheit

Seien wir bei aller musikalischer Euphorie mal ehrlich: Die Rechtsprechung bleibt schwammig und ist vor diesem Hintergrund keine wirkliche Hilfe. Vermutlich deshalb, weil ziemlich unvereinbare Interessen aufeinanderprallen. Es liegt schlichtweg in der Natur der Sache, dass Ruhebedürfnis und lautstarkes Üben natürliche Feinde sind. Faktisch bleibt dir zu wenig Zeit für deinen wirklich zielführenden musikalischen Workout.

Die Lösung ist ein Übungs-Terminkalender. Den könntest du sogar im Treppenhaus aushängen. Dann fühlt sich jeder mitgenommen. Und dann ist es wie immer im Leben: Gib mir Informationen, dann kann ich damit umgehen.

Lustig übrigens dieser Teil einer der richterlichen Begründungen: „Musizieren gehrt zum sozial üblichen Verhalten. (…)“. Gewissermaßen durch die Hintertür werden wir Musiker damit als soziale Wesen anerkannt. Das hat doch was.

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