Von ersten Akkorden bis zu typischen Spieltechniken

Banjo lernen – Tipps für ambitionierte Einsteiger

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Du möchtest Banjo lernen und fragst Dich, wie schwer das ist? Die Antwort ist recht einfach: Auf diesem Instrument wirst du recht schnell erste Lernerfolge feiern können. Grundsätzlich aber unterscheidet es sich in Sachen Aufwand und Fleiß nicht von anderen Saiteninstrumenten wie beispielsweise der Gitarre. Hier ein paar Tipps, für deinen sinnvoll musikalischen Weg:

Check it: Banjo lernen

  • Zahlreiche Musikstile von Bluegrass bis Crossover
  • Die gebräuchliche Stimmung
  • Erste Griffe und Anschlagtechnik
  • Verschiedene Bauweisen und Beispiele
  • Vorteile fortgeschrittener Gitarristen

Banjo lernen: Das musikalische Chamäleon

Die Blütezeit des Banjos ist hierzulande zeitweilig etwas verblasst, was insbesondere mit dem sich wandelnden Musikgeschmack zu tun hat. Etwa in der Zeit der Dixie-Bands und Jazz-Kapellen war es in seinen unterschiedlichen Bauformen auf zahlreichen Bühnen präsent und entsprechend beliebt, oftmals eingesetzt als Rhythmusinstrument.

Seine eigentliche Domäne jedoch sind die amerikanische Folkmusik, Bluegrass und die Irish Traditionals. Und diese Styles werden auch bei uns wieder zunehmend beliebter. Vielfach wird das Banjo auch von Crossover-Bands eingesetzt. Vielleicht hast du schon Folkrockinterpretationen von AC/DC- oder Guns’n’Roses-Songs gehört. Echt abgefahren, wie diese Titel plötzlich einen vollkommen anderen, frischen Drive bekommen. Möchtest du Banjo lernen, kannst du dich in unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen austoben.

Weitaus vielfältiger als auf Anhieb vermutet
Weitaus vielfältiger als auf Anhieb vermutet Foto: Shutterstock von Alt360Pic

Logo, am Anfang steht das Stimmen

Nehmen wir an, du hast dich für ein Five-String-Banjo, also eines mit fünf Saiten entschieden; das Instrument, das bevorzugt bei Bluegrass, Country und amerikanischer Folkmusik zum Einsatz kommt. Bevor du mit den ersten Tönen loslegen kannst, musst du das Instrument stimmen. Es gibt unterschiedliche Stimmungen; eine der gebräuchlichsten ist die in g-D-G-H-D. Anfangs benutzt du dafür sinnvollerweise ein Stimmgerät. Irgendwann ist dein Gehör soweit geschult, dass dir auch eine Stimmgabel oder sonstiger Referenzton ausreichen wird.

Dabei genügt ein günstiges Stimmgerät, etwa das CTM-700 von Thomann. Der Vorteil ist, dass gleich ein Metronom mit an Bord ist, wodurch du beim Üben zusätzlich Timing-fest werden kannst. Das Kombigerät findest du auf dieser Produktseite auf thomann.de.

Keine immensen Ausgaben für das Stimmgerät notwendig
Keine immensen Ausgaben für das Stimmgerät notwendig Foto: von Thomann

Anspruchsvolle Aufgaben für Hände und Kopf

Das Banjo ist gestimmt; bis jetzt haben sich noch keine prekären Stolpersteine ergeben. Aber für die nächsten Schritte musst du tapfer sein und Durchhaltevermögen beweisen. Beide Hände bekommen nun ihre individuell anspruchsvollen Aufgaben. Beginnen wir mit deiner Spielhand, in den meisten Fällen wird das die rechte sein.

Zumal wir uns Bluegrass & Co. nähern wollen, gibt es ungefähr diverse mögliche Herangehensweisen. Die Erste ist das Old Time Frailing, auch Clawhammer (Klauenhammer) genannt. Eine Spielweise, die ein wenig an das Slappen beim Kontrabass erinnert. Unser Beispiel soll die zweite Spieltechnik sein: das Spiel mit Fingerpicks. Der Fachausdruck für diese Technik lautet Scruggs-Style.

Zunächst Fremdkörper, aber du gewöhnst dich daran
Zunächst Fremdkörper, aber du gewöhnst dich daran Foto: Shutterstock von Andrea Izzotti

Klar ist, dass die Picks für dich zunächst Fremdkörper sind. Insbesondere deshalb, weil du mit den Fingern eben keinen unmittelbaren Kontakt zu den Saiten hast. Wenn du Banjo lernen und diese Stilart spielen möchtest, musst du dich schlichtweg daran gewöhnen. Also einfach die Finger über den Saiten schweben lassen und dann jeweils mit dem Daumen eine Saite von oben nach unten, mit dem Zeigefinger von unten nach oben; als nächstes erst den Daumen, dann mit dem Mittelfinger von unten nach oben.

Beispiele für Daumen- und Fingerpicks: Kunststoff vs. Metall

Die Fingerpicks gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, meistens aus Metall oder Kunststoff. Welche du für Daumen, Zeige- und Mittelfinger wählst, bleibt deinem Geschmack überlassen. Ein Beispiel für Fingerpicks aus Kunststoff kommt mit dem Fingerpick-Set von d’Andrea aus den USA. Insbesondere der Daumenpick ist recht kurz, was von Vorteil sein kann, um die Saiten damit genauer anzuvisieren, andererseits keine Saiten versehentlich zu treffen. Du findest das Set auf dieser Produktseite auf thomann.de.

Ein Beispiel für Kunststoffpicks
Ein Beispiel für Kunststoffpicks Foto: von Thomann

Beliebt und bewährt sind auch die aus Neusilber bestehenden Fingerpicks von Dunlop. Achten musst du darauf, dass du für Daumen und Finger unterschiedliche Picks benötigst. Solche Metallpicks lassen dein Instrument noch perkussiver und präsenter klingen. Hier geht es zur Produktseite auf thomann.de.

Und eines für Metallpicks
Und eines für Metallpicks Foto: von Thomann

Deine ersten Akkorde auf dem Banjo

Die Aufgabe der anderen Hand ist es, erste Akkorde zu greifen, wobei Banjospieler den Gitarristen gegenüber aufgrund der geringeren Saitenanzahl und der gängigen Stimmung deutlich im Vorteil sind. Plakativ will das sagen: Die ersten Basic-Akkorde wie G, G7, C, D7 sind verhältnismäßig einfach zu greifen.

Deine persönliche Herausforderung, wenn du Banjo lernen möchtest, lautet aber nicht nur, diese Akkorde zu greifen und dir einzuprägen, sondern die Griffe zu wechseln. Wichtig dafür, damit die Songs nicht unterbrochen werden, ist dass dieser Wechsel zügig und eben unterbrechungsfrei erfolgt. Deshalb bemühst du dich, die Finger alsbald nicht nacheinander auf die Saiten zu setzen, sondern als kompletten Griff.

Strumming nur zum besseren Kennenlernen

Zum besseren Kennenlernen des Instrumentes spielst du mit dem Daumenpick die Töne komplett durch, gewissermaßen wie das Strumming des Gitarristen bei der reinen Liedbegleitung. Schon bist du imstande erste Songs mit Akkorden zu begleiten. Beispielsweise Klassiker, deren Melodie du im Kopf hast bieten sich an, beispielsweise Oh Susanna, The Wild Rover oder Red River Valley. Die Plektrum-Technik wird dir häufiger im Jazz, etwa bei Dixie begegnen. Gut für den Anfang und dauerhaft sinnvoll, wenn du das beherrscht. Doch du möchtest mehr, nämlich den speziellen Reiz des Banjos ausschöpfen.

„Rolls“ – nur eine der typischen Spieltechniken auf dem Banjo

Und schon sind wir bei der typischen Spieltechnik im Bluegrass, den sogenannten „Rolls“. Darunter versteht man eine Serie von acht Noten, die in speziellen Mustern nacheinander gespielt werden. Ähnlich den Zupftechniken bzw. dem Fingerpicking bei der Gitarre werden die Akkordtöne zerlegt und eben nicht per Strumming, stattdessen nacheinander gespielt. Zum Einsatz kommen dafür lediglich drei Finger, weshalb diese Technik auch als 3-Finger-Stil bezeichnet wird.

Die Roll-Muster spielst du mit dem Daumen, dem Zeige- und dem Mittelfinger. Ganz schön anspruchsvoll für den Einstieg, aber wenn du Banjo lernen möchtest, schaffst du dir idealerweise Stück für Stück verschiedene Roll-Patterns drauf, damit du möglichst vielfältig bleibst. Aufpassen musst du darauf, dass diese Spieltechnik für dich nicht zu einer rhythmischen Zwangsjacke wird.

Für Gitarristen ist Banjo-Lernen einfach, weil nicht ungewohnt

Immer wieder ist die Rede davon, dass diejenigen, die bereits Gitarre spielen, es beim Umstieg auf das Banjo besonders leicht haben. Das hat mindestens vier Gründe. Erstens ist das Banjo ein Saiteninstrument, das üblicherweise mit Stahlsaiten bespannt ist. Möchtest du Banjo lernen, ist das gleichbedeutend damit, dass deine Fingerkuppen beim Greifen auf diesen Saiten schmerzen werden. Und zwar so lange, bis sich eine Hornhaut entwickelt hat. Erfahrene Gitarristen haben die schmerzbefreiende Hornhaut an den Fingerkuppen. Insofern ist diese Hürde bereits überwunden.

Ziemlich simpel lassen sich auch die Griffbilder übertragen. Zwar wird das Banjo üblicherweise anders gestimmt als eine Gitarre. Vollkommen unproblematisch ist es aber, die oberen vier Saiten wie die der Gitarre zu stimmen. Nehmen wir beispielsweise die typische offene Bluegrass-Stimmung g-D-G-H-d, brauchst du lediglich die oberste Saite um einen Ganzton auf „e“ erhöhen. Schon spielst du nach gewohntem „Strickmuster“.

Akkorde auf dem Banjo simpler zu greifen als auf der Gitarre

Vielmehr ist es sogar so, dass die Akkorde auf dem Banjo leichter zu greifen sind. Die – falls vorhanden – fünfte Saite wird in der Regel nicht gegriffen; somit hast du exakt so viele Finger wie das Banjo greifbare Saiten. Schon hören wir den Aufschrei der Spezialisten. Ja, es ist klar, dass es auch abhängig von Instrument und Musikstil unterschiedliche Stimmungen gibt; wollen es aber hier keinesfalls bis zur endgültigen Einsteiger-Verwirrung übertreiben.

Die Gitarre im Banjo-Pelz: 6-Saiter mit identischer Stimmung

Und es gibt einen weiteren, sehr konkreten Grund: Unter den verschiedenen Banjo-Modellen befindet sich auch das 6-saitige Banjo, bekannt auch als Gitarrenbanjo. Sicherlich wirst du hinsichtlich der Haltung und der Spieltechnik ein wenig  umdenken und auch ein anderes Soundempfinden entwickeln müssen. Hinsichtlich der Stimmung und Griffweise aber ist ein Gitarrenbanjo im Grunde genommen identisch mit einer Gitarre.

Klar ist allerdings, dass der Versuch, das Banjo gitarrenähnlich zu machen, allenfalls ein Kompromiss sein kann. Sicherlich, Du hast ein Instrument in den Händen, dass sich mit dem Resonator-Fell durch seinen markanten und durchsetzungsfähigen Sound auszeichnet und beachtliche Lautstärke entwickelt. Den authentischen Klang liefert das Banjo allerdings erst mit der typischen Stimmung und Spieltechnik. Schließlich willst du Banjo lernen und nicht deine Gitarre mit einem Schlagzeugfell verkleiden.

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Was für Banjospieler das Fingerpick, ist für E-Gitarristen das Plektrum. Auch hier gibt es je nach Material markante Soundunterschiede. Möchtest du mehr darüber erfahren, wirf doch mal einen Blick auf unseren Artikel zum Thema „Deine verlängerte Hand als Gitarrist“.

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