Intervalle erklärt für Anfänger: Abstand halten!

Nicht von einfachen Eltern, aber wichtig

Foto: Shutterstock von MeshCube

Die Abstände der Töne zueinander sind die elementare Grundlage für Akkordbildung, Harmonielehre, Melodieführung und Co. Das theoretische Wissen ist für dich und deinen musikalischen Werdegang verdammt wichtig, Die Intervalle zu hören und bestimmen zu können, bringt dich als Disziplin der Gehörschulung so richtig nach vorn. Komm, wir nähern uns dem Thema der Intervalle gemeinsam!

Check it: Intervalle in der Musik

  • Definition der Intervalle ohne verstaubte Geschichte
  • Welches der Sinn der Intervalle in der Harmonielehre ist
  • Weshalb du die chromatische und diatonische Tonleiter kennen solltest
  • Wie wir in die Welt der Tonabstände tief eintauchen
  • Warum dir die Kenntnis der Intervalle so vieles erleichtert

Definition: Was sind überhaupt Intervalle

Tatsache ist, dass die Musik den Begriff Intervall nicht für sich gepachtet hat. Vielmehr wird er in den unterschiedlichsten Disziplinen verwendet, etwa in der Medizin, der Biologie, der Technik und vielem mehr. Allen gemeinsam ist, dass das Intervall einen Abstand bezeichnet. In der Musik, Musiktheorie und Notenlehre ist es der Abstand zwischen zwei Tönen.

Nicht nur in der Musik gibt es Intervalle

Das betrifft keinesfalls die Länge der Töne, sondern die Tonhöhe, die sowohl nacheinander als auch gleichzeitig erklingen können. Dass der Begriff vom lateinischen „intervallum“ abgeleitet ist, was in der Übersetzung für Zwischenraum, Abstand oder Entfernung steht, bringt dein musikalisches Verständnis kaum voran; da lassen wir den Artikel mal lieber durchs kleine Latinum fliegen und bleiben bei den praktischen Fakten.

Es geht um die Tonhöhen-Abstände | Foto: Shutterstock von muma.de

Verzichten wir auf verstaubte Historie

Auch könnten wir von der Geschichte der Intervalle in der Musik erzählen und damit verstaubte Langeweile produzieren. Wir könnten den guten alten Pythagoras aus dem antiken Griechenland mit ins Boot holen und von seiner Legende in der Schmiede berichten, aber der hat uns mit seinen Sätzen im Mathe-Unterricht ja schon genug genervt. Wir könnten dir akustisch-physikalische Berechnungen und „multiplizierte akustische Proportionen“ auftischen. Lassen wir das. Schließlich willst du Musik machen.

Über den Sinn der Intervalle in der Musik

Intervalle – Tonhöhenabstände – zeigen in der Musik hauptsächlich in vier Aspekten ihren praktischen Nutzen. Zunächst ist es so, dass sie für die Bildung von Akkorden gemäß der Harmonielehre herangezogen werden. Ein Akkord besteht aus mindestens drei Tönen und die stehen eben in jeweils speziellen Intervallen zueinander. Zweitens ergeben sich über die Intervalle die verschiedenen Tonleitern.

Grundakkorde werden aus Terzen gebildet | Foto: Shutterstock von muma.de

Spezifische Intervalle haben eine spezifische Spannung

Drittens zeichnen die Abstände sich in Melodie- und Harmonieführung immer auch durch ihre spezifische Spannung aus, die eben mehr oder weniger harmonisch bis dissonant klingt. Während etwa Terzen sehr harmonisch klingen, fliegen dir eine verminderte Quinte oder der Tritonus gerne mal geradezu schmerzverzerrend in die Ohren. Je enger die beiden Töne zusammenliegen, desto dissonanter klingt das Intervall. So gelten kleine und große Sekunden als auch große und kleine Septimen als dissonant, Terzen, Quinten, große und kleine Sexten sowie Oktaven als konsonant.

Tonabstände als Basis fürs Transponieren

Und schlussendlich sind die Intervalle nützlich, wenn du ein transponierendes Instrument spielst und aus den Noten in eine andere Tonart denken musst oder einen Song in eine andere Tonart transponieren möchtest, in der die Sängerin oder der Sänger vielleicht besser singen kann. Dann heißt es plötzlich: „Hey, mach‘ mal eine Quarte tiefer!“ Und schon fragst du dich, was das denn überhaupt ist. Na dann, ran an den veganen Speck:

Chromatische Tonleiter mit ausschließlich Halbtönen

Sicherlich sinnvoll ist es für die Kenntnisse der Intervalle in der Musik, die chromatische Tonleiter zu kennen. Tolle Wurst, was ist jetzt schon wieder eine „chromatische“ Tonleiter? Okay, kurze Zwischenerklärung: Indes etwa Dur- und Molltonleitern durch sogenannte Halb- und Ganztonschritten gebildet werden und lediglich aus sieben bzw. acht Tönen bestehen, enthält die chromatische Tonleiter alle 12 – mit dem wiederkehrenden Grundton sind es 13 – in unserer abendländlichen Musik spielbaren Töne und besteht ausschließlich aus Halbtonschritten. Von einem Halbtonschritt spricht man dann, wenn sich zwischen den beiden Tönen kein anderer befindet. So ist der Halbtonschritt beim Klavier der Abstand zwischen zwei unmittelbar benachbarten Tasten, egal ob weiß oder schwarz.

Die chromatische Tonleiter mit lauter Halbtonschritten | Foto: Shutterstock von muma.de

Diatonische Tonleiter mit stufenförmigem Aufbau

Das ist aber ehrlich gesagt nicht unbedingt ein Thema für eingefleischte Anfänger. In der Regel wirst du dich eher mit der diatonischen Tonleiter schon ein wenig auskennen, also beispielsweise der Dur- oder Molltonleiter, die – wie erwähnt – mit Ganz- und Halbtonschritten gespickt ist. Lass uns wieder einen Blick auf die Klaviertastatur werfen, weil die Aufteilung da so schön anschaulich ist. Bewegst du dich vom C – der weißen Taste unmittelbar über dem Klavierschloss – ausschließlich auf den weißen Tasten aufwärts, sind das die Töne einer diatonischen Tonleiter.

Die diatonische Tonleiter mit Ganz- und Halbtonschritten | Foto: Shutterstock von muma.de

Weshalb diatonisch eigentlich der falsche Ausdruck ist

Übrigens kommt „diatonisch“ aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „durch Ganztöne gehend“. Das allerdings steigert nicht gerade das Verständnis, zumal die diatonische Tonleiter in unserem Kulturraum zwar eine Stufentonleiter, aber keine Ganztonleiter ist. Vielmehr sind die diatonischen Tonleitern durch eine spezielle Abfolge von Ganz- und Halbtonschritten charakterisiert.

Nun haben wir uns auf die Stirn geschrieben, die Thematik praxisnah zu beleuchten. Also kommt hier der Schwenk zurück zum eigentlichen Thema: In einer diatonischen Tonleiter sind sämtliche diatonischen Intervalle enthalten. Und das sieht dann – am Beispiel der C-Dur-Tonleiter wie folgt aus:

Vom Grundton C‘ zum …

  • C‘ nennt sich das Intervall reine Prime
  • D‘ nennt sich das Intervall große Sekunde
  • E‘ nennt sich das Intervall große Terz
  • F‘ nennt sich das Intervall reine Quarte
  • G‘ nennt sich das Intervall reine Quinte
  • A‘ nennt sich das Intervall große Sexte
  • H‘ nennt sich das Intervall große Septime
  • C‘‘ nennt sich das Intervall reine Oktave
  • D‘‘ nennt sich das Intervall große None (Oktave plus große Sekunde)
  • E‘‘ nennt sich das Intervall große Dezime (Oktave plus große Terz)
  • F‘‘ nennt sich das Intervall reine Undezime (Oktave plus reine Quarte)

Zumal wir den Intervallen spezielle Attribute vorangestellt haben, kannst du unschwer erkennen, dass es weitere Tonabstände gibt, nämlich die sogenannten alterierten Intervalle. Wird das betreffende diatonische Intervall um einen Halbton nach oben oder unten verändert, bekommst du ein alteriertes Intervall.

An diesem Punkt wird’s zugegebenermaßen dann doch etwas knifflig. Denn es gibt mit vermindert, klein, groß, rein und übermäßig insgesamt fünf Attribute, die aber nicht auf jedes diatonische Intervall angewendet werden. Doch letztlich ist auch das keine Atomphysik oder Hexenkunst. Gehen wir also eine Ebene tiefer.

Ausgangsintervall „groß“: Attribut „klein“ und Attribut „übermäßig“

Wird eine große Sekunde, Terz, Sexte oder Septime um einen Halbton verkleinert – alteriert – ist das Resultat eine kleine Sekunde, Terz, Sexte oder Septime. Werden die gleichen großen Intervalle hingegen um einen Halbton vergrößert und somit nach oben alteriert, ist das Ergebnis eine übermäßige Sekunde, Terz, Sexte oder Septime.

Ausgangsintervall „klein“: Attribut „vermindert“ und Attribut „übermäßig“

Wird hingegen eine kleine Sekunde, Terz, Sexte oder Septime um einen Halbton nach unten verkleinert, ist die Bezeichnung dafür eine verminderte Sekunde, Terz, Sexte oder Septime. Gleiches gilt für die reinen Intervalle Prime, Quarte, Quinte sowie die Oktave. Geht’s einen Halbton nach unten sprechen wir ebenfalls von verminderten Intervallen. Werden die Intervalle Prime, Quarte, Quinte und Oktave nach oben alteriert, werden das übermäßige Tonabstände.

Attribut „rein“

Zur Orientierung wichtig zu wissen ist es, dass es keine kleine Prime, Quarte, Quinte oder Oktave gibt. Auf der anderen Seite gibt es keine reine Sekunde, Terz, Sexte oder Septime. Bei den reinen diatonischen Intervallen handelt es sich um die Prime, Quarte, Quinte sowie Oktave.

Ausgangsintervall „rein“: Attribut „klein“ und Attribut „groß“

Verbleibt die Unterscheidung in klein und große Intervalle. Und spätestens danach wird es auch endlich praktisch. Bei den Intervallen Sekunde, Terz, Sexte und Septime gibt es jeweils das kleine oder große Intervall. also beispielweise die kleine Terz und die große Terz, die übrigens zu den wichtigsten Tonabständen innerhalb der Harmonielehre gehören. Indes eine große Terz den Tonabstand von vier Halbtonschritten bezeichnet, besteht die kleine Terz aus lediglich drei Halbtonschritten.

Akkordbildung durch Intervalle in der Musik

Damit du zwischendurch mal verstehst, dass das Verständnis der Intervalle für Einsteiger wirklich sinnvoll ist, bleiben wir mal kurz bei den Terzen und werfen zugleich einen Blick in die Harmonielehre. Reine Akkorde wie Dur oder Moll bestehen aus übereinandergeschichteten Terzen. Beim Dur-Akkord folgt auf den Grundton zunächst eine große Terz mit vier Halbtonschritten, daraufhin eine kleine Terz mit drei Halbtonschritten. Beim Moll-Akkord ist es umgekehrt, dort wird über den Grundton erst eine kleine Terz, dann eine große Terz geschichtet.

Wie immer: Keine Regel ohne Ausnahme

Die Schichtung der Terzen ist demnach ausschlaggebend für den Klangcharakter. Der Dur-Akkord klingt eher gerade und emotionsfrei, der Moll-Akkord gewissermaßen melancholisch und gefühlvoll. Üblicherweise besteht ein Akkord aus mindestens drei Tönen bzw. zwei Intervallen. Weil etwa in der Rockmusik auf diese Emotionalität gerne verzichtet wird, gibt es dort die Ausnahme der sogenannten Power-Chords, die aus lediglich zwei Tönen bestehen. Die mittlere Terz entfällt. Genutzt werden lediglich der Grundton und der fünfte Ton der Tonleiter; beim Intervall handelt es sich um eine Quinte, weshalb diese Akkorde auch Quint-Akkorde genannt werden.

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Ab zu den alterierten Akkorden

Selbstverständlich gibt es zahlreiche weitere Akkorde über die reinen Dur- und Mollakkorde hinaus. Bei den meisten werden übrigens weitere Terzen übereinandergeschichtet. Um allerdings abseits von Terzen weitere zu bilden, kommen nun die alterierten Intervalle, kleine und große, verminderte und übermäßige Intervalle zum Einsatz. Den drei Tönen bzw. zwei Intervallen werden ein oder mehrere zunächst nicht tonleitereigene weitere Töne hinzugefügt.

Simpelstes Beispiel – kleine und große Septime

Ein anschauliches Beispiel ist der Umgang mit der Septime. Das sich aus der Durtonleiter ergebende diatonische Intervall ist eigentlich die große Septime, in der C-Dur-Tonleiter wäre das demnach der Abstand vom C zum H. Würdest du damit nun deinen Akkord konstruieren, wären das die Töne C, E, G und H. Der Akkord nennt sich Cmaj7, was auf die große Septime verweist.

Der Klang ist leicht sphärisch, vielleicht ein bisschen lateinamerikanisch. Besonders beliebt und üblich in Blues, Country, Folk, Rock, Metal und Co. ist allerdings die kleine Septime, bei der das Intervall eben einen Halbton kleiner ist. Die kleine Septime ist nicht Bestandteil der diatonischen Tonleiter. Der Septakkord mit kleiner Septime bekommt die Töne C, E, G und Bb, die Intervalle sind ab dem Grundton die große Terz, die reine Quinte sowie die kleine Septime. Der Akkord nennt sich C7.

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Systemisch denken vereinfacht grundsätzlich alles

Nach diesem Strickmuster kannst du die unterschiedlichsten, teils vollkommen abgefahrenen Akkorde und Melodien durch sämtliche denkbaren Tonarten und Tonartwechsel bilden. Verstehen musst du den großen Vorteil, dass es sich bei den Intervallen um ein Stufensystem handelt. Du musst dir das also nicht für jede Tonart wieder neu draufschaffen. Die Abstände der Töne, die Anzahl der Halbtöne zwischen den Intervallen sind in jeder Tonart identisch.

Wenn du vorher hörst, was du anschließend spielst

Für die Praxis ist es übrigens unglaublich hilfreich, die Intervalle hören zu können. In der Musikschule oder beim Musikstudium ist die Gehörschulung ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts. Die Fähigkeit bringt gleich mehrere Vorzüge mit sich. So wirst du imstande sein, Akkorde auch ohne Notation bestimmen zu können.

In deinen Improvisationen kannst du dich an den Intervallen entlanghangeln und deine kreative Melodie bereits in dir selbst hören, bevor du sie spielst. Erst wenn du verinnerlicht und gefühlt hast, durch welchen harmonischen oder dissonanten Klangcharakter sich die jeweiligen Intervalle auszeichnen, kannst du sie wirklich wirkungsvoll verwenden. Das betrifft die harmonieführenden Instrumente und die Melodieinstrumente gleichermaßen.

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Es muss nicht immer hyperkomplex sein

Als Saxophonist könntest du dir ein paar Songs von John Coltraine anhören, wie er sich eindrucksvoll durch Intervalle und Tonartwechsel schwingt. Perfekte Beispiele für Gitarristen liefern beispielsweise Jazzgrößen wie Al di Meola. Aber eigentlich muss es gar nicht erst so ultrakomplex sein, um das Thema der Intervalle für Einsteiger verständlich zu machen. Bereits die Unterschiede zwischen Volksliedern oder Bluessongs zeigen dir eindrucksvoll, zu welcher Ausdrucksvielfalt unterschiedliche gesetzte Intervalle dich befähigen.

Wie viele Intervalle es gibt

  • Prime
    • reine Prime
    • übermäßige Prime
  • Sekunde
    • kleine Sekunde
    • große Sekunde
  • Terz
    • kleine Terz
    • große Terz
  • Quarte
    • reine Quarte
    • übermäßige Quarte
  • Tritonus
  • Quinte
    • reine Quinte
    • verminderte Quinte
  • Sexte
    • kleine Sexte
    • große Sexte
  • Septime
    • kleine Septime
    • große Septime
  • Oktave
    • reine Oktave
  • None
  • Dezime
  • Undezime
  • Tredezime oder Terzdezime
  • Quartdezime
  • Quintdezime

Es lohnt sich, verlass‘ dich drauf

Wir können dir nur empfehlen, dich eingehend und auch frühzeitig mit Intervallen in der Musik zu beschäftigen. Die Bedeutung lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. Und es wird sein, wie bei so vielen im ersten Moment staubtrockenen Disziplinen: Bereits nach kurzer Zeit geht die Sonne auf und aus dem Staub wird plötzlich echter Spaß.

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Noch mehr zum Thema Elementarlehre gefällig? Schau mal hier: „Noten lernen: Die Tonleiter“.

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