Fender-Amps – Klassiker mit dem kalifornischen Sound

Legendärer Kontrast zum Brit-Sound

Foto: Shutterstock von Engin Sezer

Es gibt nur wenige Marken, die ganz selbstverständlich zu den Klassikern der Equipment-Historie gehören. Zweifellos gehört dazu der Name Fender. Leo Fender war ein Pionier und Vorreiter, der konstruierte, was die Musiker benötigten. Die Gitarren wie die Tele- und Stratocaster kennt jeder. Und auch die Fender-Amps haben ihre legendären Spuren hinterlassen. Wir blicken zurück.

Check it: Klassiker – Fender-Amps und ihre Vorreiterrolle

  • Kein kalifornischer Weg führte an Fender vorbei
  • Zwischen Politik, Protest und Melancholie
  • Eine Erfolgsstory, die bis heute anhält
  • Sofort den Nerv der Musiker getroffen
  • Abseits des Brit-Sounds positioniert
  • Von den Tweeds über Bassman bis zu Reverb-Modellen

Pionier und Vorreiter. Fender-Amps und ihre Geburtsstunde

Wenn die Rede von Klassikern beim Musik-Equipment die Rede ist, kommt man um den Namen Leo Fender nicht herum. Sowohl bei Gitarren und Bässen als auch bei den Verstärkern aus der Schmiede des legendären Tüftlers. Er war einer der Pioniere in den Geburtsjahren des aufkeimenden Rock’n’Roll, und die Fender-Amps sind seit mehr als 70 Jahren von den Bühnen und aus den Proberäumen als auch Studios dieser Welt nicht mehr wegzudenken. Was in einer kleinen Garage begann, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem gigantische Konzern gemausert. Kein Wunder!

Eine nicht vorsätzlich, aber bewusst unvollständige Aufzählung

Klar ist: Es gibt zahllose Gitarrenverstärker von Fender, mit ihren jeweils eigenen Vorzügen. Und etliche davon haben den Anspruch in der Riege der Klassiker aufgezählt zu werden. Leo Fender begann mit dem Bau von Gitarrenverstärkern, bevor er mit dem Bau von E-Gitarren anfing. Wir werden versuchen, uns hier auf die bekanntesten zu beschränken. Andernfalls könnten wir gleich einen Online-Katalog zusammenstellen. Das ist nicht der Sinn der Sache; aber es gibt ein paar der Fender-Amps, die sich besonders in den Mittelpunkt der Verstärker-Szene ihrer jeweiligen Zeit gedrängt haben.

Fender-Amps bevölkern die Bühnen dieser Welt | Foto: Shutterstock von C.Baker

Wann fing Leo Fender an und was machte er zunächst?

Das Ganze beginnt im Jahr 1946, als Leo Fender die Fender Musical Instruments Corporation Inc. gründet. An die Fabrikation von Gitarren und Verstärkern, erst recht nicht die Serienfertigung, war damals noch nicht zu denken. Vielmehr hatte er sich anfangs auf die Reparatur und den Verkauf von Beschallungsanlagen und Musikinstrumenten spezialisiert. Dass sich alles doch anders entwickelte und eine schier unglaubliche Geschichte ihren Lauf nehmen sollte, war nicht ansatzweise angedacht.

Wie hießen die erste Fender-Amps? Noch nicht Fender!

Gemeinsam mit einem gewissen Doc Kaufmann entwickelte Leo Fender die ersten Fender-Amps. Die wurden aber im Gegensatz zu heute nicht mit Fender benannt, vielmehr trugen sie die Namenskürzel der beiden Inhaber: Kaufmann und Fender, also: K&F. Nachdem sein Geschäftspartner Doc Kaufmann sich zurückgezogen hatte, beute Leo Fender die ersten Gitarrenverstärker unter eigenem Namen, den Fender Deluxe, den Fender Princeton und den Professional. Bereits diese Verstärker transportieren den typisch amerikanischen Röhrensound. Damit traf er genau den Nerv der Country-Musiker. Vielfach eingesetzt wurde die Fender-Amps für die Verstärkung der Lap-Steel-Gitarren.

Los ging’s mit den Country-Musikern | Foto: Shutterstock von Aija Lehtonen

Wann kamen die ersten Tweed-Amps von Fender?

1948 läutete Fender eine neue Phase des Verstärkerbaus ein, die inzwischen als „Tweed-Phase“ bezeichnet wird. Konfektioniert wurden die Amps mit einem Stoffbezeug, der aufgrund seiner Optik und Haptik oftmals als Tweed bezeichnet wird. Allerdings ist das nicht korrekt. Denn tatsächlich handelte es sich bei dem Bezug um einem lackierten Baumwollköper. Optisch hob Fender sich damit sehr markant von den Mitbewerbern am Markt ab. Es war die Zeit, als die Wohnzimmer noch in Eiche rustikal eingerichtet waren. Die Tweed-Verstärker wurden sogar zu Werbe-Zwecken der Inneneinrichtung verwendet.

Fender Tweed Deluxe

Jedenfalls wurde der Tweed Deluxe von 1948 bis 1966 gefertigt und verdankte eben diesem braun-beige gestreiften Bezug seinen Namen. Konfektioniert war der Verstärker spartanisch, aber effizient. Bestückt war er mit einem 1x12er-Speaker und zwei 6V6-Endstufenröhren. Außerdem hat er lediglich drei Potis mit an Bord. Eigentlich war der Tweed Deluxe für Studioanwendungen konzipiert, zumal er mit den 10 bis 15 Watt kein Lautstärkemonster, aber klanglich sehr flexibel ist. Der Amp beherrschte – und beherrscht – eine recht breite Klangpalette, begonnen bei den typischen Clean-Sounds über warme Crunch-Sounds bis hin zu den charakteristischen Zerrsounds, die entstehen, wenn die Potis auf englischer Einstellung – alles voll auf – gespielt wird.

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Fender Blues Junior Lacquered Tweed
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Fender Tweed Champ

Ebenso in diese Tweed-Linie gehört der Champ, der noch kompaktere und weniger leistungsstarke 5-Watt-Combo. Der Klang ähnelte dem Tweed Deluxe, nur ließ er sich eben schneller in die Sättigung treiben und war mit 6‘‘- oder 8‘‘-Speaker bestückt. Eric Clapton nutzte ihn als Hauptverstärker im Studio. Der Fender Champ Combo gehörte zweifellos zu den absoluten Zugpferden der damaligen Amp-Schmiede. Unter Studiomusikern galt er seit jeher als Geheimwaffe für erstklassige Clean- und singende Overdrive-Sounds im echten kalifornischen Style. Und das Zugpferd zieht noch immer. Bereits 2016 ist er wieder neu aufgelegt worden.

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Fender 57 Custom Champ
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Was ist der Fender Bassman?

Zu den historisch bedeutendsten Amps von Fender zählt zweifellos der Bassman. Immerhin wurde er sogar kopiert, als man noch kopieren durfte, nämlich von Marshall, die ihn zum Vorbild für den Bluesbreaker/JTM45 nahmen. Verwirrend war lediglich der Name. Der Bassman war und ist tatsächlich ein Verstärker für Bass und Gitarre, wurde eigentlich für Bassisten gefertigt, aber weitaus deutlicher von den Gitarristen angenommen. Wie üblich gab es auch den Bassman in verschiedenen Ausführungen, so etwa als Topteil. Am sicherlich beliebtesten war der Combo mit 4×10‘‘-Speakern. Später kam der Bassman als Brownface, Blackface und Siverface auf den Markt, wobei es nicht lediglich um die unterschiedliche Optik oder Größe ging. Stattdessen waren die Combos auch unterschiedlich geschaltet. Das Bassman-Blackface-Topteil klang aufgrund der speziellen Schaltung schon beinahe so rotzig und aggressiv wie das Brit-Amp Pendant von Marshall. Eigentlich bringt man Fender ja eher mit Clean-Sounds in Verbindung. Der Blackface-Blackman bewies, dass Fender auch das Gegenteil kann.

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Fender 59 Bassman LTD
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Fender Twin Reverb

1965 baute Fender den Twin Reverb, der Combo-Verstärker war damals schon ein Killer, immerhin reden wir hier von Röhrenpower. Die Musiker damaliger Zeiten benötigten diese Lautstärken, zumal sie gerade in Clubs, aber auch den größer werdenden Bühnen oftmals ohne Frontanlage spielen mussten; die PAs in der Zeit waren im Vergleich zu heute ihren Namen nicht wert. Den Fender Twin gab es mit 85, 100, 135 und sogar 200 Watt. Berühmt waren sie in sämtlichen Versionen insbesondere für ihren Clean-Sound und ihre leichte Zerre, außerdem das typische Vibrato, das eigentlich ein Tremolo ist.

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Fender 65 Twin Reverb
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Fender 68 Custom Twin Reverb
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Fender Tone Master Twin Reverb
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Fender Deluxe Reverb

Während in den 80er Jahren riesige Racks mit Endstufen und Vorverstärkern sowie teuren Studioeffekten beliebt waren, geht der Trend derzeit wieder zu Combos oder Heads mit 4×12- Boxen. Der Deluxe Reverb erscheint derzeit als der kleine Bruder des Twin Reverb. Der Vorteil des Deluxe liegt in der viel geringeren Ausgangsleistung, so dass er schon bei moderaten Lautstärken in die harmonische Verzerrung getrieben werden kann. Auch der Deluxe liefert exzellente Cleansounds, den Fender-typischen Federhall und den Röhrenvibrato-Effekt für weitere Vintage-Soundvarianten. Deluxe-Reverb gilt somit als der kleinere Bruder des Twin-Reverb und lässt sich schlichtweg leichter handeln.

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Fender 65 Deluxe Reverb
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Fender 64 Custom Deluxe Reverb
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Fender 68 Custom Deluxe Reverb
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Fender war immer das Gegenteil des Brit-Sounds

Fender hat sich von Anfang an als das komplette Gegenteil des Brit-Sounds etabliert. Fenders Amps waren prägend für den kalifornischen Verstärker-Sound. Zunächst eingesetzt von Country-Musikern und anschließend beispielsweise im Rock’n’Roll, Blues und der Surf-Welle, haben sie ihre Qualitäten seither in nahezu jedem Genre unter Beweis gestellt. Und etliche Verstärker von Fender haben den Olymp der Klassiker erklommen, so etwa der Deluxe, Deluxe Reverb, Twin Reverb, Super Reverb, Band-Master, Showman, Pro, Vibrolux, Vibroverb oder Tremolux. Allesamt klingen unterschiedlich aufgrund der Ausstattung mit verschiedenen Endstufen und Lautsprechern. In den 70er-Jahren stand der Dollarkurs übrigens bei 4 D-Mark, da konnten die meisten europäischen Normalmusiker die Sache erstmal vergessen. Das hat sich glücklicherweise geändert.

Fender hat längst sämtliche anderen Genres erobert | Foto: Shutterstock von Christian Bertrand

Welches ist der beste Fender-Amp?

Im Grunde genommen ist es schwer, ein Modell alleine auf das oberste Podest zu stellen. Weshalb auch, allesamt haben ihre eigenen Vorzüge. Welches Modell man am meisten anhimmelt, bleibt eine Frage des Geschmacks. Tatsache ist, dass der Hersteller von Anbeginn auf die Musiker gehört hat und entsprechend leistungsfähiges und soundoptimales Equipment produzieren wollte. Gestern waren wir bei den nostalgischen Vollröhren-Klassikern, die heutzutage als Reissue-Versionen vertrieben werden. Längst aber hat Fender auch Modelling-Verstärker im Programm, mit denen kurioserweise die nostalgischen Schaltungen aus eigenem Hause imitiert werden.

Auch interessant: „Stratocaster – der Klassiker-Sound, aus dem die Hits sind“.

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