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Mikrofon-Basics: Unterschiede von XLR-Mikrofon und USB-Mikrofon

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Bislang haben wir uns der Frage gewidmet, wie ein Ton in ein Mikrofon hineinkommt und nach welchem Prinzip er dort drinnen verarbeitet wird. Hier wollen wir es mal anders herum anpacken: Wie kommt er wieder raus? Erfahre hier mehr über die Unterschiede von XLR-Mikrofon und USB-Mikrofon:

Check it – Unterschiede von XLR-Mikrofon und USB-Mikrofon

  • XLR-Mikrofone als weltweiter Standard
  • Vorteile und Eigenschaften von XLR-Mikrofonen
  • Neuer Trend beim Recording: USB-Mikrofone
  • Vor- oder Nachteile des All-in-One-Konzepts
  • Zwischen Qualität, Latenz und Kompatibilität

XLR-Mikrofone – der weltweite etablierte Standard

Sowohl im Livegeschehen als auch im Studio ist es üblich, Mikrofone mit XLR-Ausgang zu verwenden. Das heißt, solche, die mit einem Anschluss für einen 3-poligen Stecker bzw. ein Kabel mit 3-poligem Anschluss konfektioniert sind. Das gilt sowohl für dynamische als auch Kondensatormikrofone. Diese Modelle sind der absolute Standard on Stage, beim Home Recording, auch in professionellen Studios.

Der übliche Standard: XLR-Ausgang
Der übliche Standard: XLR-Ausgang Foto: Shutterstock von corund

Der XLR-Anschluss hat sich in mehreren Jahrzehnten durchgesetzt. Auch ist es so, dass sämtliche Pulte und sonstiges Equipment für die Mikrofonabnahme mit entsprechenden XLR-Eingängen bzw. -Anschlüssen ausgestattet sind. Die Anschlüsse – Adapter – bieten soliden Halt, gerade aufgrund der unkomplizierten Verriegelung. Das allerdings ist lediglich einer der beiläufigen Vorzüge von XLR-Mikrofonen.

Und so sieht dann die Stecker aus: XLR-male und XLR-female
Und so sieht dann die Stecker aus: XLR-male und XLR-female Foto: Shutterstock von White Space Ukraine

Halten wir uns kurz noch mal das Prinzip oder besser ausgedrückt, die beiden üblichen Prinzipien von XLR-Mikrofonen vor Augen. Wenigstens wenn bei unserem Thema Musik bleiben, gibt es zwei verschiedene Konzepte: Auf der einen Seite die dynamischen Mikrofone, von denen der eintreffende Schall nach dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion identifiziert und verarbeitet wird. Außerdem die weitaus sensitiveren Kondensatormikrofone, in denen eine Membran und eine starre Metallscheibe mit spezieller Elektronik zusammenarbeiten.

XLR-Recording-Vorteil: AD-Wandlung erfolgt extern

Der unbedingte Vorteil – was allerdings von den Verfechtern der USB-Mikrofone als Nachteil dargestellt wird – ist, dass bei beiden Arten der XLR-Mikrofone die analogen Signale NICHT unmittelbar im Mikrofon digital gewandelt werden. Das bedeutet, dass die Signale anschließend linear zur Verfügung stehen und entsprechend bearbeitet bzw. ausgesteuert werden können. Für die Aufnahme beim Home Recording wird ein externes Audio Interface benötigt.

Um dich nicht auf die falsche Fährte zu locken: Die Aufteilung in XLR-Mikrofon oder USB-Mikrofon hat nichts mit der internen Bauweise zu tun. Von beiden Varianten gibt es Kondensator- als auch dynamische Mikrofone. Es geht hauptsächlich um das Prinzip, wie und wo das Signal gewandelt und auf welche Weise es weitergeleitet wird. Außerdem darum, dass bei einem USB-Mikrofon mehrere Komponenten auf engstem Raum verbaut sind:

USB-Mikrofon preisgünstige All-in-One-Lösung?
USB-Mikrofon preisgünstige All-in-One-Lösung? Foto: Shutterstock von Trong Nguyen

USB-Mikrofon – die All-in-One-Lösung?

Ein USB-Mikrofon ist eine Kombination mehrerer Einzelkomponenten. Es ist zugleich Mikrofon, Mikrofonvorverstärker und Audio-Interface. Mit dem integrierten Audio Interface werden die analogen Signale unmittelbar im Mikrofon in digitale Signale gewandelt. Und nein, ich habe nicht behauptet, dass sei gut.

Resultat ist aber immerhin, dass du beim Home Recording kein externes Audio Interface mehr benötigst. Die Übertragung erfolgt vom Mikro per USB-Kabel direkt an deinen Rechner. Du kannst also ziemlich schnell und vor allem kostengünstig mit den Aufnahmen loslegen. sei das im Home Studio oder bei der Podcast-Aufzeichnung unterwegs. Du kannst es ohne weitere Zusatzgeräte an PC, Notebook und sonstige Mobilgeräte anschließen, ohne dir zunächst Tonnen von Equipment zulegen zu müssen.

Praktisch, weil simpel verbindbar
Praktisch, weil simpel verbindbar Foto: Shutterstock von Syda Productions

An der Praktikabilität darf gezweifelt werden

Mag sein, dass das praktisch ist. So zumindest das Hauptargument für USB-Mikrofone. In diesen meist recht kleinen Geräten ist immerhin alles auf ebenso kleinem Raum zusammengequetscht. Leider meistens zulasten der Bedienbarkeit. Es kann eben manchmal auch zu kompakt werden. Wirklichen Zugriff auf wichtige Funktionen während der Aufnahme wirst du bisweilen schmerzlich vermissen.

Was sollst du bei der Aufnahme machen, wenn du schnell mal Input, Gain oder sonst was ändern möchtest? Für den schnellen Zugriff sind die Bedienelemente zu klein. Außerdem befinden sie sich meistens nicht in deinem Sichtfeld. Anders bei einem externen Audio Interface, das du dementsprechend komfortabel bedienen kannst.

Qualitätseinschränkungen einkalkulieren

Auf der negativen Kehrseite der Medaille steht die leider mangelbehaftete Aufnahmequalität. Die internen A/D-Wandler von USB-Mikrofonen sind bei Weitem nicht so leistungsfähig wie die von externen Audio-Interfaces.

Um einfach mal ein paar Ideen festzuhalten, kann das durchaus die passende Lösung sein. Klar ist aber, dass ein einigermaßen vernünftiges XLR-Mikrofon mit externem Audio-Interface nahezu immer bessere Aufnahmen liefert als der USB-Kandidat, selbst bei vergleichsweise sehr guten USB-Mikrofonen.

Latenz beim USB-Mikrofon kaum vermeidbar

Die allerwenigsten USB-Mikrofone stellen dir keine Möglichkeit einer vernünftigen Abhöre bereit. Will man die Aufnahme kontrollieren, soll noch eine weitere Person mithören, funktioniert das allenfalls über Umwege, nämlich indem umständlich und zeitintensiv wieder von digital auf analog gewandelt wird usw. Dafür sind im Aufnahmeprogramm und Aufnahmeraum wiederum mehrere Schritte nötig. Das Resultat ist eine deutliche Latenz – eine unliebsame Verzögerung der Wiedergabe.

Normal ist es ja, dass weitere Spuren zu einem bisher eingespielten Playback aufgenommen werden, gerade beim Home Recording. Und schon wird die Latenz selbst bei besten Leistungsdaten des Rechners zum faktischen Problem. Kommt die Aufnahme über Boxen oder Kopfhörer zu spät an, kannst du nicht mit korrektem Timing singen oder spielen. Funktioniert einfach nicht. Also heißt es wieder, Umwege einzuschlagen. Gehe nicht über Los, ziehe nicht 4.000 Euro ein. Jeder Umweg kostet Zeit, Geld und Nerven.

Problematisch bei der Kombination von XLR- und USB-Mikrofonen

Wenn du dein Recording einigermaßen ernsthaft betreibst, wirst du dir vermutlich im Laufe der Zeit mehrere Mikrofone zulegen. Der „Mikrofon-Fuhrpark“ muss ja nicht vollkommen ausarten. Doch dass unterschiedliche Mikrofone ebenso unterschiedliche Ergebnisse liefern und für das eine oder andere Instrument mehr oder weniger geeignet sind, ist hinlänglich bekannt.

Denkst Du nun beispielsweise darüber nach, ein USB-Mikrofon – das All-in-One-System – mit einem klassischen XLR-Mikrofon zu kombinieren, muss man leider sagen: Vergiss es. Nimmst du z.B. deinen Gesang mit dem USB-Mikro ab und willst für die Gitarre oder was auch immer ein XLR-Mikrofon nutzen, versuchst du zwei Systeme zu fahren, die sich grundlegend widersprechen:

Kompatibilität leider nein

Unterschiedliche Latenzen, unterschiedliche Klangqualität, unterschiedliche Abhör-Möglichkeiten. Einzige Chance wäre, die Leistungsdaten der XLR-Variante inklusive des externen Audio Interfaces „downzugraden“. Auf Deutsch: Verschlimmbessern. Das willst du nicht wirklich.

Für den simplen Podcast, bei dem du vielleicht für ein YouTube-Video deinen Text flüssig sprichst, mag das USB-Mikrofon eine funktionale und vor allem preisgünstige Möglichkeit sein. Möchtest du komplexere Recordings erstellen, solltest du kritisch über die selbstverständlichen Einschränkungen der vermeintlichen Innovation nachdenken.

Die Zukunftsfrage: Wie lange wird’s USB-Technik geben?

Das Konzept der XLR-Mikrofone ist ausgereift und etabliert. Nicht damit zu rechnen, dass es sich in ein paar Jahren vom Markt verabschiedet. Ganz im Gegenteil. Schließlich sind Mikrofone, Aufnahmegeräte, Pulte und was weiß ich nicht alles weltweit damit bestückt. Dass USB-Mikrofone ebenso lange verwendet werden können, setzt voraus, dass es USB-Anschlüsse auch auf lange Sicht noch gibt.

Und gerade in Sachen IT-Konfiguration und Speichermedien haben wir ja schon einiges erlebt. Wer auf diese Technik setzt, wird sich möglicherweise eines Tages damit abfinden müssen, dass in einer der nächsten Generationen von Laptop, Mac & Co. kein USB-Anschluss mehr zur Verfügung gestellt wird. Dann hätte die Technologie sich auf der eigenen Überholspur wieder selbst überholt. Die aktuell möglicherweise kostengünstigere Variante USB-Mikrofon wäre nutz- und wertlos. So günstig war’s dann also doch nicht.

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